Wider die Kluft zwischen Besitzenden und Habenichten

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Rund 100 Gäste begrüßete die Evangelischen Jugend der Pfalz beim Neujahrsempfang. Foto Quelle: Evangelische Jugend der Pfalz.

Evangelische Jugend - Dass sie sich auch 2011 für eine gerechtere Gesellschaft engagieren werde, machte die Evangelische Jugend der Pfalz beim Neujahrsempfangs am vergangenen Samstag im Martin-Butzer-Haus in Bad Dürkheim deutlich, bei dem ein Vortrag von Prof. Dr. Michael Klundt, mit dem Titel „Arm und Reich – die wachsende Kluft zwischen Besitzenden und Habenichten“ im Zentrum stand.

Vor gut 100 Vertreterinnen und Vertretern der Evangelischen Jugend der Pfalz und etlichen Gästen, von Anna Gabler, ehrenamtliche Vorsitzende der Evangelischen Jugend der Pfalz, herzlich begrüßt, zeigte Prof. Dr. Michael Klundt, Hochschule Magdeburg-Stendal, Zusammenhänge der Armutsentwicklung in Deutschland auf und geißelte mit klaren Worten den zunehmenden Zynismus in der Debatte um die Bekämpfung der zunehmenden Armut. Als Inhaber des einzigen Lehrstuhls für Kinderpolitik hob Klundt in seinem Vortrag immer wieder besonders die Situation von Kindern und Jugendlichen hervor. Der Tatsache, dass es noch nie so viele reiche Kinder in Deutschland gäbe stellte er das Skandalon gegenüber, dass es auch noch nie so viele arme Kinder im Nachkriegsdeutschland gegeben hätte und Deutschland damit in der Armutsstatistik schlechter da stände als etwa Polen oder die Slowakei. Deutschland sei auf dem direkten Weg vom Sozialstaat in einen vertafelten Suppenküchenstaat, in dem eine zunehmende Strategie festzustellen sei, die von Armut Betroffenen über die absurdesten Schuldzuschreibungen zu Verursachern der eigenen Armut herabzuwürdigen.

Dass die gesellschaftliche Diskriminierung armer Menschen erst ursächlich für menschenverachtende Sparmaßnahmen wird, brachte er mit dem Satz auf  den Punkt: „Man kann Menschen ihre sozialen Rechte erst nehmen, wenn man ihnen vorher die Würde genommen hat.“ Noch perfider, so Klundt, seien Versuche, bio-genetische Begründungen für Leistungserfolg und Leistungsversagen und damit zusammenhängend auch die ökonomische Stellung in der Gesellschaft konstruieren zu wollen.

Harsch kritisierte Klundt die Weigerung der Bundesregierung Krisenverursacher und -gewinnler etwa auf dem Weg einer anderen Steuerpolitik in die soziale Verantwortung zu nehmen. Perspektivisch sinnvolle Maßnahmen zur Bekämpfung der zunehmenden Verarmung sieht Klundt in einem gesetzlichen Mindestlohn, der Erhöhung von Kinderzuschlägen, in Wohngeld und Kindergeld, gebührenfreier öffentlicher Bildung von der Kita bis zur Uni mit dem Ziel. Dass Ziel müsse sein, dass Erwerbstätige von Arbeit ihrer leben können, so Klundt.

Als weitere Instrumente nannte er einen bedarfsgerechten Hartz IV–Regelsatz für Kinder, ein sozial gerechtes Elterngeld, die Stärkung der Kinder- und Jugend(-sozial)arbeit sowie eine wirksame Vermögens- und Erbschaftsteuer und ein angehobener Spitzensteuersatz.

Der Vortrag fand viel Beifall und sorgte am Abend für engagierte Diskussionen unter den Gästen.

Mit einem kurzen Rückblick ließ Landesjugendpfarrer Steffen Jung die für die Jugendarbeit wichtigsten Ereignisse und Aktionen des Jahres 2010 Revue passieren und gab einen Ausblick auf das Programm 2011, bei dem der Evangelische Kirchentag in Dresden als dritter Kirchentag in direkter Folge eine besondere Stellung einnimmt – zusammen mit der "bike & help" - Tour nach Dresden, die nach nur wenigen Tagen nahezu ausgebucht ist.

Besonders hervor hob Jung die Langzeitkampagne „2017 – Jugend vor Ort“, mit der die Evangelische Jugend für Jugendliche zu einem noch attraktiverem Gestalter christlichen Engagements vor Ort werden wolle. Ein erstes Shirt mit dem Logo der Kampagne fand schnell eine stolze Besitzerin.

Großen Beifall fand die Band Intuned aus Ludwigshafen, die für die musikalische Gestaltung des Neujahrsempfangs sorgte.

www.evangelische-jugend-pfalz.de

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