Jahr der Taufe: Aktionen in den Landeskirchen

Jahr der Taufe

Plakatmotiv der Kampagne zum "Jahr der Taufe". Foto: JDT

Kampagne - Mehrere Landeskirchen haben für 2011 das Jahr der "Jahr der Taufe" ausgerufen. Sie wollen die Taufe wieder stärker in den Gemeinden verankern. Wer meint, als Alleinerziehende nicht am Taufstein stehen zu können oder zu wenig Geld zu haben für ein großes Familienfest kann erfahren: Die Taufe ist und bleibt ein Geschenk - ohne Voraussetzungen. Die teilnehmenden Landeskirchen bieten dazu Programm und Aktionen.

Von Daniel Schwartzkopf

Tatjana (alle Namen geändert) hat schon oft darüber nachgedacht, ob sie es tun soll oder nicht. Bislang hat sie sich dagegen entschieden. Und das, obwohl ihre Eltern mächtig Druck machen. "Der Kleine muss doch getauft werden", sagen sie. Ja, wenn es so einfach wäre, denkt Tatjana. Aber das ist es nicht.

Ihr Sohn Justin ist jetzt fast zwei Jahre alt und immer noch nicht getauft. Der Grund: Tatjana schämt sich. Seit gut einem Jahr lebt sie vom Vater des Kindes getrennt. Und als "halbe Familie" möchte sie sich nicht am Sonntagmorgen in der Kirche hinter das Taufbecken stellen. Vor versammelter Gemeinde. Das wäre ihr unendlich peinlich. Andererseits: Taufen lassen möchte sie Justin schon. Sie ist selbst in der Jugendarbeit ihrer Heimatkirchengemeinde groß geworden. "Das war eine tolle Zeit", erinnert sie sich. So toll, dass sie ihrem Sohn den Weg zu ähnlichen Erfahrungen ebnen möchte.

Bei Michael und Steffi sieht es ganz ähnlich aus: Ihre fünfjährigen Zwillinge sind nicht getauft. Allerdings aus einem anderen Grund. Die Familie lebt seit über einem Jahr von Hartz IV. "Da sitzt eine große Familienfeier nicht drin", meint Steffi und blickt verschämt Richtung Fußboden. Die Wohnung ist zu klein, um alle Gäste aufzunehmen und ein Essen im Restaurant können sie sich nicht leisten. Deshalb ist für die beiden Kinder Emily und Romy die Taufe mit lebendigem Wasser erstmal auf Eis gelegt.

Taufpraxis im Umbruch

Keine Frage: die kirchliche Taufpraxis ist im Umbruch. Zwar finden immer noch viele Taufen an Säuglingen statt. Aber rund ein Drittel aller Taufen empfangen Menschen, die das erste Lebensjahr vollendet haben. Und die Zahl derer, die als Jugendliche oder Erwachsene getauft werden, steigt ebenfalls.

Mehrere Landeskirchen haben das Jahr 2011 deshalb zum Jahr der Taufe erklärt. Dabei geht es keineswegs darum, die Zahl der Taufen zu steigern. Vielmehr ist es den Verantwortlichen wichtig, die Herausforderungen einer gegenwärtigen Taufpraxis zu erkennen und neue, zukunftsfähige Modelle zu entwickeln.

"Wie kann es gelingen, die Taufe wieder stärker in der Gemeinde zu verankern", fragt Dr. Johanna Will-Armstrong. Sie ist als Landeskirchenrätin in Westfalen für das Jahr der Taufe zuständig. Daneben gehe es um die Frage, wie Kirche Menschen aus Patchwork-Familien so begegnen könne, dass sie sich zur Taufe eingeladen fühlen. Die Begleitung von Erwachsenen, die getauft werden wollen und die Begleitung von Patinnen und Paten auch über die Taufe hinaus bilden weitere Schwerpunkte.

Tauffeste, Taufkongresse und Glaubenskurse

Das kommt an: viele Kirchengemeinden machen sich das Thema gern zu eigen. Da werden Tauffeste geplant und Glaubenskurse veranstaltet, Taufliturgien überdacht und best-practise-Beispiele im Internet veröffentlicht. Taufkongresse beschäftigen sich mit theologischen Fragen rund um die Taufe und im Medienhaus der Evangelischen Kirche von Westfalen können zahlreiche Artikel zum Themenjahr bestellt werden: vom Waschhandschuh bis hin zum großflächigen Banner. Vom Plakat bis zum edlen Taufbuch, das in Kirchen und Gemeindehäusern ausgelegt werden kann. Das Geschäft brummt. So sehr, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Versand alle Hände voll zu tun haben. "Die Nachfrage ist so groß, dass wir andere Projekte zeitweilig stilllegen mussten", sagt Uwe Moggert-Seils, der für die Öffentlichkeitsarbeit zum Jahr der Taufe verantwortlich ist.

Davon bekommen Justin, Emily und Romy herzlich wenig mit. Und ihre Eltern auch nicht. Müssen sie auch nicht. Vor Kurzem haben sie sich kennen gelernt. Beim Vortreffen zum großen Tauffest am Ostermontag. 130 Kinder werden an diesem Tag unter freiem Himmel getauft. Anders als in der Kirche stehen dann gleich mehrere Familien um eines der vielen Taufbecken herum. Und die Feier im Anschluss an den Gottesdienst richtet der Kirchenkreis aus. Da ist nichts mehr peinlich. Da können Klein und Groß, Alt und Jung gemeinsam erfahren, was die Taufe ausmacht: Sie ist und bleibt ein Geschenk.

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