Konfessionen - Wenn ein Mensch in die katholische Kirche eintritt, dann wird er Teil der einen katholischen Weltkirche. Tritt hingegen ein Mensch in eine evangelische Kirche ein, dann tritt er in eine bestimmte Landeskirche ein, und zwar in die Kirche, auf deren Territorium er wohnt. Jede Landeskirche hat dabei ihr eigenes Profil.
Diese Struktur hängt mit der Reformation zusammen. Während im Süden des damaligen Deutschen Reiches der Einfluss von Reformatoren wie Ulrich Zwingli und Johannes Calvin besonders prägend war, empfing der Norden und Osten des heutigen Deutschlands seine wesentlichen Impulse von Martin Luther und Philipp Melanchthon. Man kann deshalb zwei wesentliche Linien unterscheiden, die von der Reformation ausgehen und das Profil heutiger Landeskirche bestimmen: die reformierte (Zwingli, Calvin) und die lutherische (Luther, Melanchthon) Prägung.
"Gesetz und Evangelium" nach lutherischer Linie
Die Theologie der lutherischen Linie ist durch die lutherischen Bekenntnisschriften bestimmt. Ein wichtiger Grundsatz lässt sich mit dem Begriffspaar „Gesetz und Evangelium“ beschreiben. Die Bibel enthält in all ihren Teilen jeweils Gesetzesworte und frohe Botschaft („Evangelium“). Das Gesetz konfrontiert den Menschen mit dem Willen Gottes. Es zeigt ihm, dass er mit seinem Streben nach Gewinn und Macht nicht so ist, wie Gott ihn haben will. Das Gesetz deckt somit auf, dass der natürliche Mensch ein Sünder ist. Das Evangelium aber spricht ihn gerecht. Gottes Liebe ist so groß, dass er dem Menschen vergibt und ihn trotzdem in seine Gemeinschaft aufnimmt. Dieser Vorgang der Rechtfertigung ist in der lutherischen Tradition der wichtigste theologische Grundsatz.
"Evangelium und Gesetz" nach reformierter Tradition
Innerhalb der reformierten Tradition gibt es keine vergleichbare gemeinsame Grundlage von Bekenntnissen. Wichtig sind hier der Heidelberger Katechismus von 1563 und die Barmer Theologische Erklärung von 1934. Das lutherische Begriffspaar „Gesetz und Evangelium“ lässt sich innerhalb der reformierten Tradition umstellen zu „Evangelium und Gesetz“. Damit ist gemeint, dass der Mensch erst durch das Wort der frohen Botschaft erkennen kann, dass er ein Sünder war und dass Gott ihn erst dazu fähig machen musste, auf sein Wort zu hören. Der Gedanke der Versöhnung von Gott und Mensch, die von Gott geschenkt wird, umgreift demnach die Vorstellung von der Rechtfertigung. Gott hat den Menschen von Anfang an in seine Gemeinschaft berufen und innerhalb dieser Gemeinschaft ist dem Menschen nun aufgetragen zu leben. Das Gesetz hilft ihm, dieses Leben zu gestalten.
Beide Traditionen prägten durch diese theologische Akzentsetzung verschiedene Formen des Gottesdienstes aus. Die lutherische Tradition behielt diejenigen Elemente der katholischen Messe bei, die der Rechtfertigungslehre nicht entgegen standen. Die reformierte Tradition hingegen übernahm nur das, was sich – nach damaligen Erkenntnisstand – ausdrücklich biblisch begründen ließ. Von daher ist die gottesdienstliche Tradition der lutherischen Landeskirchen liturgisch vielfältiger als die der reformierten, bei der die Predigt eine dominierende Stellung einnimmt.
Uniert in Verwaltung oder auch Bekenntnis
Im dritten Typus von evangelischen Kirchen fließen die lutherische und die reformierte Tradition zusammen. Im Kontext der Aufklärung und in den Wirren der napoleonischen Kriege waren in Deutschland die konfessionellen Territorien nicht mehr eindeutig abzugrenzen. Das führte dazu, dass zwischen lutherisch und reformiert geprägten Gemeinde Unionen geschlossen wurden. Einige Kirchen schlossen sich dabei nur verwaltungstechnisch zusammen („Verwaltungsunionen“), andere überwanden auch die innerevangelischen Differenzen hinsichtlich ihrer Bekenntnisse („Bekenntnisunionen“). Die unierten Kirchen stellen demnach theologisch und gottesdienstlich eine Mischform aus lutherischer und reformierter Prägung dar und dementsprechend sind in ihnen viele verschiedene Formen des Gottesdienstes anzutreffen.
Seit dem Anfang des 19. Jahrhunderts gibt es also im Wesentlichen drei verschiedene Typen von evangelischen Landeskirchen in Deutschland, die sich wiederum zu Bündnissen zusammengeschlossen haben:
- die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands (VELKD).
- die Union Evangelischer Kirchen (UEK)
- der Reformierter Bund.
Vor allem in der Form des Gottesdienstes sind die gegenwärtig bestehenden Unterschiede zwischen den verschiedenen Typen von evangelischen Kirchen zu erleben. Im alltäglichen Leben evangelischer Christen dürften sie allerdings kaum noch zu spüren sein.
Einen guten Überblick über die kirchliche Landschaft in Deutschland bietet eine Karte auf der Webseite der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).
Dr. Paul Metzger ist Referent für Catholica am Konfessionskundlichen Institut in Bensheim.





Kommentare
Der Artikel ist nicht nur
Der Artikel ist nicht nur schwach sonder mMn auch teilweise falsch.
Die römisch-katholischen Kirche (es gibt auch andere katholische!) ist in ihrem Prinzip keine Weltkirche sondern ist eine Kirche der Diözesen der ein Bischof vorsteht, dh genaugenommen tritt man in eine Diözese ein, die lokale Außenstellen hat, die Pfarrgemeinden. Die Diözesen sind in sich Kirche komplett mit Lehramt und Sakramentenverwalung. Die Diözesen sind als Weltkirche durch den Vorrang des Papstes verbunden.
Die evangelische Kirche besteht aus Gemeinden und ist in jeder Gemeinde in Lehramt und Sakramentenverwaltung "Kirche komplett". Das Amt des urchristlichen episkopos als Gemeindevorsteher entspricht eigentlich dem evangelischen Gemeindepfarrer (bzw dem röm-kath Diözesenabischof).
Dh man tritt in eine evangelische Gemeinde ein. Die Gemeinden verbinden sich zu Dekanaten, Diözesen, Landeskirchen. Dies ist in den verschiedenen Ländern und Landeskirchen je nach Tradition verschieden und paßt sich auch laufend den Bedürfnissen der Gemeinden an. Die evangelische Kirche ist selbstverständlich Weltkirche durch den einen Herrn Jesus Christus. Diese eine Kirche hat verschiedene organisatorische, liturgische, theologische, etc. Ausprägungen ("Kirchen").
Eintritt in eine Ev. Kirche
Ich denke, das entspricht nicht ganz den Tatsachen.
Man tritt z.B. in (der größten) Landeskirche Hannovers definitiv in die Ev.-luth. Kirche ein, nicht in eine einzelne Gemeinde!
Und die röm.-kath. Kirche würde ich in nahezu jeder Hinsicht als Weltkirche bezeichnen; in dieser Hinsicht ist der Artikel m.E. nicht eben schlecht oder fälschlich.
Ein schwacher Artikel
Dieser Artikel ist schwach, sehr schwach geschrieben. Jeder der sich etwas mit der Thematik befasst und auch nur ein wenig Gottesdiensterfahrung hat, wird dies feststellen. Was geschieht nach der LEHRE meiner Landeskirche beim Abendmahl ? Bin ich einig mit den Lehren der katholischen und orthodoxen Kirche, dass Jesus Christus WIRKLICH im Brot und Wein ist ? Ist mir das wichtig oder ist mir das völlig egal ? Ist es nur ein Gedächtnismahl wie bei den Reformierten ? Sind mir die Unterschiede zwischen Reformierten und Lutheranern bekannt ? Will ich das überhaupt wissen ? Gleichgültigkeit und Inhaltsleere sind das Merkmal vieler Evangelischen. Leider. Solche schlaffen Artikel ohne Realitätsbezug tragen hierzu bei.
Evangelische Gleichgültigkeit
Sie schrieben mir nahezu aus der Seele. Genau so erlebe ich viele Christen hier in der Unierten Landeskirche in Kurhessen-Waldeck, wohin ich als Hannoveraner und Lutheraner "emigriert" bin - meine bisherigen GD-Erfahrungen und Begegnungen mit Pfarrern allerdings sind überwiegend erfreulich & stellen sich mir als eine ziemlich lutherisch geprägte gut-evangelische Kirche vor. Gott sei Dank, die Union ist nach doch eher unrühmlichem Start im 19. Jh., der massive kirchenpolitische /theol. Problemen verursachte, heute anscheinend besser als ihr damaliger Ruf!
Natürlich spürt man noch
Natürlich spürt man noch große Unterschiede! Ich gehe jeden Sonntag zur Evangelischen Messe (lutherischer Gottesdienst). Wenn ich mal in einem reformierten Gottesdienst war, fühlte ich mich sehr unwohl und gelangweilt, es ist wenig feierlich als währe Gott gar nicht da, sondern es wird nur von ihm geredet (und das sehr, sehr lange). Nein es gibt noch große Unterschiede und darüber bin ich froh, solche Gottesdienste würde ich nicht jeden Sonntag ertragen. Sorry aber das ist meine Meinung!
Eine Trennung der EKD ist das beste?!
Mir ist es schwer zu verstehen wie eine Evangelisch-Lutherische Landeskirche - wenn die Kirche echt Evangelisch-Lutherisch ist - Kirchengemeinschaft mit reformierten und uniierten Landeskirchen...die Theologie und Liturgischer Praxis ist sehr anders und ich kann mich nicht vorstellen dass die Reformierten und Uniierten die sehbare Einigkeit der Einen, Heiligen, Katolischen und Apostolischen Kirche wollen und darum beten, wie für ein Evangelisch-Lutherischer selbstverständlich ist.
Kommentar hinzufügen