Protestantismus - Gott, Jesus Christus, der Heilige Geist - die Protagonisten christlichen Glaubens sind bekannt. Unter den Konfessionen, zwischen evangelischem und katholischem Glauben aber gibt es Unterschiede. Sind das alles nur Details für Fachleute und Erbsenzähler? Woran erkennt man evangelischen Glauben - was macht die protestantische Kirche aus? - Der Protestantismus ist erfahrbar anders. Das zeigt sich an Kirchbauten und im Gottesdienst, beim Abendmahl und im Seelsorgegespräch. Wir haben sieben markante Eigenarten zusammengestellt - ohne Anspruch auf Vollständigkeit oder Universalgültigkeit. Und das ist schon mal typisch evangelisch ...
1. Wir sind Papst
Es ist recht offensichtlich, aber auch nicht jedem klar: Der Papst ist katholisch. Und die Protestanten haben keinen Papst – kein geistiges Oberhaupt, keinen Heiligen Stuhl, keinen Kirchenstaat. Generell lassen sich evangelische Christen in Sachen Glauben und Leben so schnell nichts vorschreiben – nicht von den Amtsinhabern evangelischer Kirchen, und schon gar nicht vom Oberhirten der Katholiken. Das ist seit Martin Luthers Zeiten so, der bekannte: "Denn weder dem Papst noch den Konzilien allein glaube ich, da es feststeht, daß sie öfter geirrt und sich selbst widersprochen haben".
Somit sind für Protestanten sogenannte Geistliche, wie auch der Papst, fehlbare Menschen wie alle anderen. Und andersherum sind alle Gläubigen gleichermaßen Priester – oder Papst. Nach evangelischer Auffassung steht jeder Mensch selbst vor Gott und braucht keinen Stellvertreter. Deswegen gibt es auch keine Heiligen, die Fürsprache bei Gott einlegen.
Die Menschen, die an der Spitze einer evangelischen Kirche stehen, wie beispielsweise ein Kirchenpräsident, eine Bischöfin oder ein Präses, halten keine Audienzen, erlassen keine Dogmen und tragen auch keine Soutane. Sie verstehen sich als Funktionsträger ihrer Kirche, als Arbeiter im Weinberg des Herrn, wie es mit einem biblischen Bild umschrieben wird. Dazu werden sie von den Gemeinden und der Gemeinschaft ihrer Kirche gewählt und bestimmt – und hoffen auf Gottes Segen bei ihrem Tun. Als unmittelbar von Gott berufen verstehen sie sich aber nicht.
2. Die Bibel – ein offenes Buch
So selbstverständlich es heute ist, dass wir die Bibel auf Deutsch (oder Norwegisch oder Kroatisch oder Japanisch … ) lesen können: Diese Tatsache ist eine Errungenschaft, und zwar eine evangelische! Die mittelalterliche Kirche kannte nur lateinische, altgriechische oder hebräische Ausgaben biblischer Texte. Damit blieb die Heilige Schrift natürlich eine Lektüre für sehr gebildete Experten. Indem er sie erstmals ins Deutsche übersetzte, hat Martin Luther ein Tabu gebrochen. Dabei hat er bewusst "dem Volk aufs Maul geschaut", wie er sagte, um eine allgemein verständliche Sprache zu sprechen.
Seither kann jeder lesen, was drin steht, die Texte auslegen und zitieren – eine unmittelbare Voraussetzung für das "Priestertum aller Gläubigen". Auch dass die Messe nicht mehr auf Latein gehalten wurde, haben die Protestanten eingeführt. Überhaupt ist der sogenannte Wortgottesdienst, mit langer Predigt und Bibelauslegung, etwas typisch Evangelisches. So spielt das gepredigte Wort Gottes die Hauptrolle, nicht die Liturgie oder das Abendmahl. Nicht einmal die Erkenntnisse jedweder Autoritäten der Kirchengeschichte sind den Protestanten heilig. Die Bibel gilt als die Grundlage des Glaubens und muss als solche für die aktuelle Hörer- und Leserschaft immer neu ausgelegt werden. Alles, was sich nicht biblisch belegen lässt, ist dabei variabel – und gegebenenfalls entbehrlich.
3. Gute Taten statt guter Werke
Gute Taten statt guter Werke - das klingt natürlich spitzfindig und ein bisschen moralinsauer. Aber in allen Religionen geht es schließlich auch darum, sich richtig – und damit gottgefällig – zu verhalten. Das haben Protestanten und Katholiken gemeinsam - sie gehen das Thema aber ganz unterschiedlich an. Der Reformator Martin Luther hatte erlebt, dass er als Mensch einfach nicht gut genug sein kann, um sich des Wohlwollens seines Gottes sicher zu sein. Keine Heldentat kann Gott nachhaltig beeindrucken oder beeinflussen, so seine feste Überzeugung. Dass man Gott durch möglichst viele "gute Werke" milde stimmen kann, wie es damals hieß, hielt Luther für ein großes Missverständnis.
Das mag zunächst frustrierend klingen. Es bedeutet aber auch, dass ein Mensch die liebevolle Zuwendung Gottes selbst durch die übelsten Verbrechen nicht verlieren kann. Nach protestantischem Glauben wendet Gott sich allen Menschen aus Gnade zu, und nur aus Gnade - und das heißt, völlig unabhängig von menschlicher Bemühung und Leistung. In guten Taten können und sollten sich allerdings auch Protestanten üben – um ihrer Mitmenschen willen, aber nicht, um die eigene Haut zu retten. Die Kirche, gegen die Martin Luther damals protestierte, hatte es in genau diesem Punkt übertrieben. Die guten Werke wurden mehr und mehr als finanzielle Abgaben an die Kirche eingeworben – und vermeintlich auch im Himmel gutgeschrieben. Dass das mit einer christlichen Lebensführung nicht viel zu tun hat, sieht die katholische Kirche heute auch so. Dennoch verknüpft sie diese nach wie vor mit festen Regeln und Vorgaben.
Um diese unterschiedlichen Blickwinkel auf Glauben und Kirche, die sogenannte Rechtfertigungslehre, drehte sich der große Konflikt zwischen der Kirche und den Reformatoren, der schließlich zur Gründung der evangelischen Kirchen führte.
4. Straffrei beichten
Zunächst mal ist es ein recht sicheres Indiz für eine evangelische Kirche: Die Beichtstühle fehlen. Die abgeschlossenen Kabinen, in denen Gläubige einem Priester ihre Untaten, Schwächen und Vergehen gestehen, sind in protestantischen Kirchen unüblich. Das heißt aber weder, dass Protestanten nichts falsch machen im Leben, noch, dass sie nicht darüber reden. Wenn jemand schwer trägt an einer Schuld, kann er sich einem Pfarrer oder einer Pfarrerin anvertrauen. Davon dringt genauso wenig nach außen, wie aus dem katholischen Beichtstuhl: Die Seelsorgegespräche unterliegen, wie die Beichte, der Schweigepflicht.
Ein beichtender Katholik aber bekommt von seinem Beichtvater eine Strafe aufgebrummt – und daraufhin die Absolution, den Freispruch von seiner Schuld. Der Pfarrer tritt dabei als Mittler zwischen Gott und Menschen auf, kann im Namen Gottes strafen und vergeben. Darum gilt die Beichte in der katholischen Kirche auch als Sakrament.
Das aber unterscheidet die Beichte von einem evangelischen Seelsorgegespräch. Freisprechen, so die Vorstellung der Protestanten, kann uns nur Gott selber. Und wenn er es tut, dann tut er es aus Gnade, und nicht weil wir mit allerlei Bemühungen etwas dafür getan hätten. Das Gespräch zwischen einem protestantischen Pfarrer und einem Gemeindemitglied bleibt somit ein Gespräch unter Menschen. Der Pfarrer kann nichts dafür tun, dass ein Mensch mit sich und Gott wieder ins Reine kommt, als ihm als Gesprächspartner mit wachen Sinnen zur Verfügung zu stehen. Letztlich tritt jeder mit seiner Schuld und seinen Fehlern vor Gott. Ein Pfarrer oder eine Pfarrerin kann ihm beistehen, aber nicht für ihn einstehen.
5. Abendmahl von allen – für alle
In der evangelischen Kirche gibt es beim Abendmahl nicht nur zu essen – eine Oblate –, sondern auch einen Schluck zu trinken – zumeist Wein oder Traubensaft aus einem Kelch. Dafür kommen die Teilnehmer des Abendmahls im Altarraum zusammen, wo Pfarrer oder Pfarrerin Brot und Wein austeilen. Mitunter helfen dabei Mitglieder des Kirchenvorstands oder andere aus der Gemeinde mit.
Nach evangelischer Auffassung beginnt das Abendmahl mit den sogenannten Einsetzungsworten, die normalerweise ein ordinierter Pfarrer oder eine Pfarrerin spricht - in Ausnahmefällen aber auch ein Getaufter, der von der Gemeinde beauftragt werden kann. Für die Gläubigen wird damit das gewöhnliche Brot und der Wein als Symbol für Leib und Blut Christi gedeutet (so verstehen es reformierte Protestanten), beziehungsweise in Brot und Wein wird Jesus Christus damit auch körperlich gegenwärtig (so der lutherische Glaube). Die Bedeutung des Sakraments ist ist dabei nicht an die Rolle und Qualifikation des Liturgen gebunden. Das sieht man in der katholischen Kirche anders. Dort kann und darf nur ein geweihter Priester die Einsetzungsworte und das sogenannte Hochgebet sprechen, in dem Brot und Wein in Leib und Blut Christi verwandelt werden.
Alle christlichen Konfessionen berufen sich beim Abendmahl auf den Auftrag Jesu an seine Jünger bei der letzten gemeinsamen Mahlzeit, Brot und Wein auch in Zukunft in Erinnerung an ihn zu teilen. Der Umgang mit dem Kelch bei der Tischgemeinschaft hat sich allerdings unterschiedlich entwickelt. Während es für Protestanten unter Hinweis auf das Jesuswort "Trinket alle daraus" selbstverständlich ist, auch den Kelch zu teilen, war dieser in der katholischen Kirche lange Zeit nur den Priestern vorbehalten. Das sogenannte Verbot des Laienkelchs ist mittlerweile wieder aufgehoben worden und zu bestimmten Gelegenheiten empfiehlt heute auch die katholische Kirche das Abendmahl "unter beiderlei Gestalt", wie es heißt, wenn man Brot und Wein reicht – beispielsweise bei einer Trauung oder am Gründonnerstag, dem Tag des letzten Abendmahls Jesu mit seinen Jüngern. Das ist aber deutlich seltener der Fall als im evangelischen Gottesdienst.
6. Frauen auf der Kanzel
Im evangelischen Gottesdienst steht auf der Kanzel und am Altar mitunter eine Frau im Talar – eine Pastorin –,die zudem noch verheiratet sein und Kinder haben kann. Denn für Protestanten ist das Pfarramt ein Beruf wie jeder andere auch. Für die allermeisten reformatorischen Kirchen spricht darum nichts dagegen, auch Frauen ins Pfarramt zu ordinieren. Martin Luther hat damals als Mönch geheiratet und eine Familie gegründet, das steht seither auch allen anderen protestantischen Pfarrerinnen und Pfarrern zu.
Ein katholischer Priester dagegen ist an den Zölibat, Ehelosigkeit und sexuelle Enthaltsamkeit, gebunden. Die Priesterweihe gilt als Sakrament, das von Jesus an die Apostel und danach über die Bischöfe durch die Jahrhunderte immer weitergegeben wird. Zwölf Männer bildeten den Kreis der Apostel - Frauen passen demnach nicht in diese Tradition, eine Priesterweihe von Frauen findet in der katholischen Kirche bis heute nicht statt.
Die Ämter der evangelischen Kirchen verstehen sich als Funktionen, die Gott möglicherweise als gute Ordnung vorgesehen hat. Die Gemeinden können daher jedem Angehörigen einer evangelischen Kirche bestimmte Aufgaben übertragen, die dieser für die Gemeinschaft, im Sinne einer Spezialisierung, wahrnimmt. Mit einem geistlichen Sonderstatus hat das aber nichts zu tun.
7. Wir sind alle keine Heiligen
Der Protestantismus kennt somit keine Geistlichen auf Erden – und keine Heiligen im Himmel. Das evangelische Pfarramt gilt als bürgerlicher Beruf, und auch im Himmel trägt man sozusagen nur Zivil. Mit der Verehrung von Heiligen würde man die Ehre Gottes schmälern, so die Befürchtung der Protestanten. Zudem ist in der Bibel davon keine Rede. So begehen Protestanten keine Namenstage und evangelische Kirchen fallen in der Regel schlichter aus: Da gibt es keine Seitenaltäre, Statuen oder sonstige Kulteinrichtungen zu Ehren einzelner Heiliger.
Nach reformatorischer Auffassung ist die Taufe das Sakrament, das einen Menschen in den Kreis der Nachfolger und Nachfolgerinnen Jesu aufnimmt. Darin sind alle Gläubigen gleich – gleichermaßen Vorbilder füreinander, wie Angewiesene auf die Vergebung anderer. Martin Luther hat das auf die kurze, scheinbar widersprüchliche Formel vom "Sünder und gleichzeitig Gerechten" (lateinisch: simul iustus et peccator) gebracht. Aus diesem Widerspruch kann sich ein Mensch selber nie ganz befreien – das kann nur Gott.
Ein scheinbarer - und ebenfalls typisch evangelischer - Widerspruch ist es, dass sich der befreite Mensch aufgerufen fühlen darf, in seinem eigenen Leben Heiligkeit einziehen zu lassen. Wer sich - als fehlbarer Sünder! - im Glauben und aus Gnade angenommen fühlen kann von Gott, findet zu seiner gottgewollten Natur als Mensch - und das ist ja immerhin eine gottebenbildliche.
Die vier Formeln der Protestanten
Diese und weitere Charakteristika des Protestantismus gehen alle auf vier Glaubenssätze zurück, die Martin Luther in knackige lateinische Formeln gefasst hat:
Sola Scriptura - Allein die Bibel ist die Grundlage christlichen Glaubens. Was Kirche und Gläubige im Laufe der Jahrhunderte an Lehren, Regeln und Glaubenssätzen verfasst haben, steht auf einem anderen Blatt.
Solus Christus - Allein Jesus Christus vermittelt, was Heil bedeutet. Mit seinem Leben und Sterben erreicht die frohe Botschaft (so die wörtliche Bedeutung von "Evangelium") vom gnädigen Gott diese Welt. Dagegen verblasst jeder menschliche Würdenträger und jedes noch so strahlende weltliche Idol.
Sola Fide– Allein im Glauben richtet sich der Blick so auf Jesus Christus, dass man sich als Sünder angenommen fühlen kann vor Gott. Dafür braucht es keinerlei äußerlichen Hilfsmittel, Kultübungen oder Rituale.
Sola Gratia – Allein aus Gnade darf sich jeder angenommen fühlen von Gott. Wer meint, er könne sich beim Blick in den Spiegel des Heils gewiss sein, verkennt sich als Mensch. Eigene Leistung und gute Taten sind eine Folge davon, aber keine Voraussetzung dafür.





Kommentare
Erste deutsche Bibel?
Auch wenn es manchem Protestanten durchaus recht wäre: Luther hat keineswegs die Bibel erstmals ins Deutsche übersetzt. Es gibt vielmehr mehrere Übersetzungen ins Deutsche vor Luther.
Vielleicht sollte man bei diesem protestantischen "Flaggschiff" doch einmal darum bemüht sein, auch eine einfache Darstellung nicht verfälschend, brachial-propagandistisch oder verdummend zu verfassen. Diese Kurzcharakteristik liest sich (abgesehen von der in mehreren Punkten anderen Realität in vielen protestantischen Gemeinden) wie das Pamphlet einer Anti-Gegenreformation.
Schade
Kurzsichtigkeit und lückenhaftes kirchenhistorisches Wissen. Manchmal schlägt es in blinden "Lutherismus" um. Schade.
Was Sie hier schreiben, ist
Was Sie hier schreiben, ist doch größtenteils propagandistisch verbogen. Nur einige Anmerkungen:
1. Dass sich evangelische Pastoren als bloße Funktionsträger verstehen, habe ich noch nicht erlebt. Warum legen sie dann so großen Wert auf Titel, die denen der katholischen Kirche möglichst ähneln, darauf. von katholischen Priestern als Mitbrüder angesehenn zu werden und ihnen gleichgestellt zu sein? Ich habe noch keinen Pastor erlebt, der aus der protestantischen Überzeugung wirklich den konsequenten Schluss gezogen hat, dass ein katholischer Theologe, der nicht Kleriker ist, genauso sein Berufskollege ist wie ein Prisster. Und in den evangelischen Kirchen maßt sich die "Hierarchie" (auch wenn sie sich so nicht nennt) mehr Entscheidungskompetenz an als den "normalen" Gemeindemitgliedern.
2. Sola scriptura gilt nur bedingt. Auch die Kirchen der Reformation haben verbindliche Bekenntnisschriften - sie heißen halt nicht Dogmen.
3. Bei der Polemik gegen die "guten Werke" haben Sie offenbar völlig verschlafen, dass es bereits seit etlichen Jahren eine Einigung zwischen röm-kath. und ev. Kirche über die Rechtfertigungslehre gibt - auf kath. Seite übrigens maßgeblich initiiert vom jetzigen Papst. fazit: Es gibt unterschiedliche Begrifflichkeiten, aber Übereinstimmung in der Überzeugung, dass man sich Gottes Zuwendung nicht verdienen oder gar erzwingen kann.
4. Auch die ev. Kirche benennt Kirchen und Einrichtungen nach Personen, betreibt also eine De-facto-Heiligenverehrung. Als besondere Geschmacklosigkeit, sind Kirchen nach dem Schwedenkönig Gistav Adolf benannt, der durch seinen Überfall ins damalige Hl. Röm. Reich Deutscher Nation aus einem mehrjährigen erst den verheerenden 30-jährigen Krieg machte. Die kath. Kirche hat immerhin nicht die Frechheit besessen, einen der Kriegsverbrecher der Glaubenskriege heilig zu sprechen.
evangelische Grundlehren
Auch das zur Beichte Gesagte ist so nicht ganz richtig. Zwar gibt es in der evangelischen Kirche keine Beichtstühle, und die Beichte ist kein Sakrament; es gibt aber sehr wohl das Beichtgespräch mit Absolution (Lossprechung), selbst wenn davon nur selten und auch nur in bestimmten Kreisen Gebrauch gemacht wird. Gebeichtet werden kann zudem grundsätzlich bei jedem gläubigen Christen, was mit dem Verständnis der Protestanten vom Priestertum aller Gläubigen zu tun hat (worin diese sich fundamental von ihren katholischen Geschwistern unterscheiden). Allerdings gilt dies nicht in gleicher Weise bedingungslos für gottesdienstliche Handlungen. Hierfür braucht man in aller Regel eine eigene Beauftragung (gilt auch fürs Abendmahl), um Missbräuchen von vorneherein zu wehren. D. h. es handelt sich dabei um ordnungstheologische Prinzipien, nicht um theologisch begründete Gesetzmäßigkeiten. Vielmehr waren es - soweit mir bekannt ist - die doch ziemlich verheerenden Auswüchse des Täuferreichs zu Münster, die die Reformatoren schon zu recht früher Zeit an dieser Stelle die Handbremse haben ziehen lassen.
Wer schreibt denn solche
Wer schreibt denn solche Texte ohne wirklich kompetent zu sein?!
Die referierte Position der LutheranerInnen zum Abendmahl ist in Wirklichkeit die römisch-katholische! Durch die Einsetzungsworte verändern sich Brot und Wein nach lutherischer Auffassung keineswegs, sondern sie werden "geistlich vermischt" mit Blut und Leib Christi. Die dazugehörige Lehre heißt Transsubstanziationslehre.
Gast schrieb:Wer schreibt
Die referierte Position der LutheranerInnen zum Abendmahl ist in Wirklichkeit die römisch-katholische! Durch die Einsetzungsworte verändern sich Brot und Wein nach lutherischer Auffassung keineswegs, sondern sie werden "geistlich vermischt" mit Blut und Leib Christi. Die dazugehörige Lehre heißt Transsubstanziationslehre.
Na ja, die Transsubstanziationslehre nach dem Hl. Thomas von Aquin wird als unzureichendes philosophisches Erklärungsmodell abgelehnt. Nicht aber die Realpräsenz, die mit dem Modell der Konsubstanziationslehre erklärt wird. Diese ist weiter gefasst und schließt die Transsubstaziation nicht aus.
Daher sollte sich jeder Lutheraner fragen, ob er trotz Leuenberg mit gutem Gewissen die hl. Kommunion mit Reformierten empfangen möchte. Ich lehne das für mich ab, gehe also in meiner unierten Landeskirche nicht zum Abendmahl und muss mich auf die geistige Kommunion in der katholischen Messe beschränken.
Ich danke Ihnen, das Sie die Realpräsenz nochmal betont haben. Dadurch wird die Eucharistie der Mittelpunkt des Gottesdienstes für den Lutheraner. Wenn das nicht typisch und benannt sein soll, weiß ich auch nicht.
Zugegeben: Der Begriff des
Zugegeben: Der Begriff des „wandelns“ führt hier auf die falsche Fährte, weil er von der katholischen Lehre der „Wandlung“ besetzt ist. Ich habe das deshalb im Text geändert und bedanke mich für den kritischen Hinweis. Die lutherische Abendmahlslehre ist dennoch für viele (möglicherweise aus reformierter Tradition Stammende) überraschend nah an der katholischen Tradition. Die Confessio Augustana, Bekenntnisschrift der lutherischen Kirchen, besagt:
Vom Abendmahl des Herrn wird so gelehrt, dass der wahre Leib und das wahre Blut Christi wirklich unter der Gestalt des Brotes und Weines im Abendmahl gegenwärtig ist und dort ausgeteilt und empfangen wird. (Artikel 10: Vom heiligen Abendmahl)
Es gilt also ebenso die tatsächlichen Gegenwart von Leib und Blut Christi, die sogenannte Realpräsenz, im Abendmahl. Der Unterschied zum katholischen Verständnis liegt im „Zustandekommen“ dieser Präsenz: Beim katholischen Messopfer bewirkt der Priester die geheimnisvolle Wandlung von Brot und Wein – und sie bleiben auch Leib und Blut Christi, wenn die Messfeier zu Ende ist (Transsubstantiation). Der lutherische Liturg spricht die Einsetzungsworte, die Christi leibliche Gegenwart in Brot und Wein verheißen. Hier ist es der Glaube, der diese Gegenwart Christi für den Moment der Mahlgemeinschaft gewährt. Wie diese Gegenwart in Brot und Wein genau zu verstehen ist, darüber gab es im Laufe der Kirchengeschichte auch unter Protestanten unterschiedliche Deutungen. 1973 haben die reformatorischen Kirchen lutherischer, reformierter und unierter Konfession die Leuenberger Konkordie unterzeichnet, in der das Abendmahlsverständnis so ausformuliert ist, dass sich in diesem Sinne alle um den Tisch des Herrn scharen können, um das Erinnerungsmahl zu feiern.
Obwohl ich damit schon wieder – möglicherweise verzerrend – vereinfache, lassen diese Ausführungen erahnen, dass das Abendmahl unter konfessionellen Gesichtspunkten zu den komplizierteren Themen gehört. Und dieser Artikel war ja eigentlich als einfache Erklärung komplexerer Sachverhalte gedacht ... was ja bekanntlich zum Schwersten gehört.
Gelungen ist die abstrakte
Gelungen ist die abstrakte Darstellung jedenfalls nicht. Neben dem Eucharistieverständnis ist für mich die Bedeutung der Beichte als Sakrament und die Lossprechung durch den Pfarrer (in persona christi) notwendige Bedingung meines Glaubens. Das "in persona christi" zeigt schon den nächsten Punkt auf, das Amtsverständnis. Selbstverständlich wird dem Priester, die Confessio Augustana benutzt diesen Begriff, ein Charisma übertragen, sofern ordentlich ordiniert wird (Handauflegung und Gebet).
Eucharistie, Beichte und Amt sind für mich so zentral, dass ich mich keine Sekunde mehr als evangelisch bekennen würde, wenn Ihre Beschreibung des typisch Evangelischen treffend wäre.
Damit erhebe ich nicht den Anspruch, meine Sicht der Dinge der sei typisch evangelisch. Die Wenigsten EKD'ler wissen um dieses Profil, es ist aber integraler Bestandteil, findet sich in den Bekenntnissen und sollte nicht verschwiegen werden.
Die negatorische Definition des Evangelischen zum römisch Katholischen kann ich dazu noch weniger unterschreiben. Die ungeklärte Frage nach dem Petrusamt ist nach wie vor ein Problem, da die evangelische Theologie die Notwendigkeit sieht, aber in der jetzigen Form des römischen Bischofs nicht anerkennen kann.
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