Streiks an Universit - Man mag darüber streiten, ob die gewählten Mittel der Studierenden angemessen und zeitgemäß sind. Ob die Strategien aufgehen und die Ziele erreichbar sind. Dieser Streik, der sich ja als Druckmittel gar nicht eignet, wie sonst die Arbeitsniederlegung in produzierenden Betrieben oder im Dienstleistungssektor, trägt seine Botschaft in der Methode.
Die Streikenden streiken fürs Streiken. Fürs Innehalten. Für die Reibung in den Abläufen. Sie verpassen seit Tagen ihre Seminare, um mehr Zeit zu haben im Studium. Zeit, um zwischen den Prüfungen zu verarbeiten, was sie sich zuvor eintrichtern mussten. Sie fordern ein Recht auf Lernbiografien, die sich nicht eins zu eins decken mit den Prüfungsordnungen. Sie wehren sich gegen das Prinzip: Friss, Vogel, oder stirb - sie verweigern ein "Ja und Amen".
Damit könnten sie sich auf biblische Vorbilder berufen. Kaum ein Prophet im Alten Testament hat seinen Auftrag von Gott entgegengenommen und ist gleich losgerannt. Da gab es – die trauen sich was! – immer erst ein großes "Aber". Jona, der die Stadt Ninive zur Vernunft rufen sollte, nahm das nächstbeste Schiff, um Gottes Blick zu entkommen. Mose, gesandt, um sein Volk in die Freiheit zu führen, druckste herum: "Wer bin ich, dass ich zum Pharao gehe und führe die Israeliten aus Ägypten? Sie werden mir nicht glauben und nicht auf mich hören." Und auch Jeremia war sich sicher: "Ich tauge nicht zu predigen, ich bin zu jung."
Gott stärkt den Streikenden den Rücken
Zaudernde Propheten und streikende Studierende – sicherlich ein hinkender Vergleich. Von der Parallele Gott und Bundesbildungsministerin mal ganz zu schweigen. Dennoch finde ich Gottes Reaktion auf seine ungehorsamen Knechte bemerkenswert. Statt ihnen zu zürnen oder sie unter Druck zu setzen, stärkt er ihnen den Rücken. Ich bin bei dir, spricht der Herr zur Jeremia, dass ich dich errette. Dem berufenen Mose, der meint, nicht eloquent genug zu sein, stellt er Aaron zur Seite; die beiden ergänzen sich in ihren Gaben. Und Jona lässt er laufen, aber er holt ihn ein. Er bleibt bei ihm, auch im Sturm. Und er rettet ihn, im Bauch des Fisches, vor seiner eigenen Flucht.
Um einen Auftrag auszuführen und in der Gesellschaft einen Platz einzunehmen, braucht es Spielraum, um sich in die eigene Rolle hineinzufinden. Wer nur in Schablonen agiert, kann keine Verantwortung übernehmen. Wer nicht Nein sagen darf, lernt gar keine Entscheidungen zu treffen. Damit aus dem Studium, der Arbeit oder dem Prophetenjob keine Routine ohne Kopf und Herz wird, braucht es gelegentlich einen Streik. Das hat Gott selbst genauso gehandhabt: Nach sechs Tagen hat er die Arbeit niedergelegt. Und siehe, auch das war sehr gut.





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