Glaube - Am Aschermittwoch beginnt die Passionszeit. Die 40 Tage vor Ostern dienen der Besinnung und der Umkehr. Das Fasten ist nach evangelischem Verständnis Bestandteil gelebter Frömmigkeit.
"Am Aschermittwoch ist alles vorbei …", heißt es in einem bekannten Karnevalslied. Im landläufigen Verständnis leitet der Aschermittwoch eine vierzigtägigge Fastenzeit ein, die bis Ostern andauert. Den Charakter des Verzichts macht auch eine oft zitierte Erklärung des Wortes Karneval deutlich, das auf das lateinische "carne vale" - übersetzt etwa "Fleisch, lebe wohl!" - zurückgehe. Bevor man dem Fleischgenuss entsagen muss, feiert man noch einmal kräftig. Ab Aschermittwoch tut man dann Buße für die vorher begangenen Verfehlungen.
So wie der Karneval im katholischen Brauchtum verankert ist, spielt auch der Aschermittwoch in der katholischen Kirche eine größere Rolle als in der evangelischen Kirche. Der Aschermittwoch kommt zwar im Evangelischen Gottesdienstbuch vor, wird aber selten in Gemeinden gefeiert. In der frühen gallischen Kirche wurden schwere Sünder am Aschermittwoch symbolisch aus der Kirche vertrieben – Vorlage hierfür war die Vertreibung aus dem Paradies, die nun in der Kirche nachgestellt wurde. Sünder zogen sich ein Bußgewand an und wurden mit Asche bestreut.
Palmzweige aus dem Vorjahr
Ab dem 10. Jahrhundert trat an die Stelle dieses Brauches die Aschenbestreuung für die gesamte Gemeinde. Die Vorschrift, dass für die Gewinnung der Asche die Palmzweige des Vorjahres zu verwenden, stammt aus dem 12. Jahrhundert.
Die Passionszeit (Video in Gebärdensprache)

Das Aschenkreuz wird meist durch Bezeichnung auf die Stirn gespendet oder die Asche wurde auch in Kreuzform auf den Kopf gestreut. Bei der Bezeichnung mit dem Aschenkreuz sprach der Priester oder Diakon zu jedem einzelnen die Worte: "Bedenke Mensch, dass du Staub bist, und zum Staub zurückkehrst" (1. Mose 3,19) oder: "Bekehrt euch und glaubt an das Evangelium" (Mk 1,15).
In der Reformationszeit änderte sich das Verständnis der Buße grundlegend. Bei Martin Luther heißt es in der ersten seiner 95 Thesen: "Da unser Herr und Meister Jesus Christus spricht: 'Tut Buße' usw. (Matth. 4,17), hat er gewollt, dass das ganze Leben der Gläubigen Buße sein soll." Buße wird als eine Lebenseinstellung verstanden, nämlich sich immer wieder auf Gott auszurichten und andererseits darauf zu vertrauen und sich darüber zu freuen, dass Gott einem Christenmenschen alle Schuld vergeben hat. Auf Latein heißt dieser Kernsatz lutherischer Theologie "simul iustus et peccator" – der Mensch ist Sünder und als solcher vor Gott gerechtfertigt.
Fasten keine Voraussetzung für Vergebung
Es gibt also nach evangelischem Verständnis kein Nacheinander mehr von abgeleisteter Buße - also Fastenübungen oder guten Werken - und der danach zugesprochenen Vergebung, sondern der Mensch bleibt Sünder – aber Gott spricht ihn aus Gnade frei, ohne dass er dafür etwas zu leisten hätte. Da Buße protestantisch nicht mehr als ein Ableisten von Bußakten verstanden wird, gewinnt auch das Fasten einen anderen Stellenwert. Es ist nicht mehr Ausdruck der Ernsthaftigkeit der Buße – und so auch keine Voraussetzung für den Zuspruch der Vergebung mehr.
Da das Fasten so von der Buße losgelöst wird, kann man es nun anders deuten. Fasten bedeutet, sich durch nichts – auch nicht durch Nahrung – von Gott abhalten zu lassen. Fasten ist daher nicht mehr verpflichtend, sondern Bestandteil gelebter Frömmigkeit für den, der sich darauf einlassen möchte. Dass auch in der evangelischen Kirche das Fasten wieder seinen Platz gewinnt, zeigt z.B. die Fastenaktion "7 Wochen ohne“ der EKD.
Jesu Leiden gegenwärtig machen
Während die Zeit zwischen Aschermittwoch und Ostern traditionell Fastenzeit genannt wurde, wie sie auch heute noch von Katholiken genannt wird, bezeichnet man sie innerhalb der evangelischen Kirche in der Regel als Passionszeit. Nicht mehr das Fasten als Teil der Buße steht im Vordergrund, sondern Vergegenwärtigung von Jesu Leiden, Tod und Auferstehung ist der Inhalt dieser Zeit - ob man nun fastet oder nicht.
Ralf Peter Reimann ist evangelisch.de-Mitarbeiter und evangelischer Pfarrer.






Kommentare
Das tägliche Fasten
Manche Menschen müssen ein halbes Leben verzichten. Gezwungenermaßen. Dies in Freiwilligkeit zu verwandeln, dazu ist die kollektive Fastenzeit eine gute Idee. Nur - ich finde niemand in meinem Beruf und nahen Umfeld, der das mit mir gemeinsam machen würde, das kollektive Fasten. Das überlässt man den Muslimen und belächelt sie. Ein wenig Ärger ist schon da, dass wir alle unsere Traditionen mit Sinn vernachlässigen und uns eines Tages wundern, wer die Christen ablöst, obwohl wir in der Freiheit leben.
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