Bibelserie: "... da wird auch dein Herz sein"

Herz Jesu

"Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich!" Foto: akg-images / Kunstverlag Maecenas, 1903, Künstler unbekannt

Das beste der Bibel - "... da wird auch dein Herz sein" ist das Leitwort des 33. Deutschen Evangelischen Kirchentages in Dresden. Fünf Tage lang steht also das Herz auf den Fahnen des Kirchentages. Seit Jahrtausenden steht es im Mittelpunkt der Bibel.

Von Uwe Birnstein

Das Herz ist viel mehr als ein Körperorgan: In der Bibel ist es der Sitz der Lebenskraft, aber auch des Gefühls, der Furcht, des Mutes und des Verstandes. Ein reines Herz zu haben, ist für Gläubige erstrebenswert; "von ganzem Herzen" Gott zu lieben ist – neben der Nächstenliebe – das höchste Gebot (Matthäus 22,37-40). Deshalb ist es wichtig, das Herz auf Gott und nicht auf andere vermeintliche Schätze auszurichten: "Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz" (Matthäus 6,21)

Selig sind, die reinen Herzens sind

Sirach 37,17; Jeremia 31,33; Psalm 51,11; 86,11; Matthäus 5,8; 6,21

"Bleibe bei dem, was dir dein Herz rät; denn du wirst keinen treueren Ratgeber finden": Der weise Sirach wusste, worauf es im Leben ankommt. Sein Rat fußt auf der festen Überzeugung, dass Gott selbst seinen Willen ins menschliche Herz geschrieben habe: "Ich will mein Gesetz geben in ihren Sinn, und in ihr Herz will ich es schreiben." Das Göttliche im eigenen Herzen zu bewahren, ist Aufgabe jedes Gläubigen; der Psalmist drückt es so aus: "Erhalte mein Herz bei dem einen, dass ich deinen Namen fürchte." Eine weitere Herausforderung ist es, das Herz "rein" zu halten. Wer das schafft, dem verheißt Jesus in der Bergpredigt höchste Seligkeit.
Zitat: "Denn selig sind, die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott schauen."

Wie Gott Herzen tröstet

Psalm 13,6; 25,17; Sirach 50,25; Johannes 14,1; 16,22

Gott "gebe uns ein fröhliches Herz", bittet Jesus Sirach. Wie das gehen soll? Zum Beispiel, indem die Gläubigen dem auferstandenen Jesus begegnen, denn der verhieß: "Ich will euch wiedersehen, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen." Zu Lebzeiten versuchte Jesus mehrfach, die Herzen seiner Jünger zu beruhigen: "Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich!" Eine weitere Möglichkeit, das Herz zu erfreuen, ist die Erinnerung an Gottes Beistand: "Mein Herz freut sich, dass du so gerne hilfst."
Zitat: "Die Angst meines Herzens ist groß; führe mich aus meinen Nöten!"

Herzeleid

Sirach 25,17; 31,36; Psalm 16,4; 34,19; 1 Makkabäer 6,10; Baruch 4,6

Herz reimt sich auf Schmerz – auch in der Bibel. Denn "es ist kein Leiden so groß wie Herzeleid". Was Herzeleid verursacht? Zum Beispiel, wenn die Kinder aus dem Haus gehen. Oder der Streit nach übermäßigem Alkoholgenuss. Oder Glaube an falsche Götter. Der Kummer, der durch Herzeleid entsteht, zieht Schlafstörungen nach sich. Doch beim nächtlichen Grübeln kann man sich auf eine Zusage Gottes besinnen: "Der Herr ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind."
Zitat: "Ich kann keinen Schlaf mehr finden vor lauter Kummer und Herzeleid."

Das steinerne Herz

5 Mose 10,16; Hesekiel 11,19; Markus 10,5; 16,14

Wer halsstarrig an seiner sündigen Lebenshaltung festhält, den bezichtigt die Bibel der Herzenshärte. Der Begriff ist ein Synonym für Unglauben – und den warf Jesus ausgerechnet seinen Jüngern vor, denn die glaubten zunächst nicht an seine Auferstehung. Da beklagte er deren "Unglauben und ihres Herzens Härte, dass sie nicht geglaubt hatten". Vielleicht dachte er dabei an Mose, der dem ungläubigen Volk Israel sagte: "So beschneidet nun eure Herzen und seid hinfort nicht halsstarrig." Verhärtete Herzen hatte auch der Prophet Hesekiel im Blick. Durch ihn verhieß Gott: "Ich will ihnen ein anderes Herz geben und einen neuen Geist in sie geben und will das steinerne Herz wegnehmen aus ihrem Leibe und ihnen ein fleischernes Herz geben."
Zitat: "Um eures Herzens Härte willen hat er euch dieses Gebot geschrieben."

Gott sieht ins Herz

1 Samuel 16,7; 1 Chronik 29,17; Psalm 139,23; Sirach 8,22

Schon in biblischen Zeiten ist das Herz Sinnbild für den verborgensten Ort des Menschen. Die geheimsten Gedanken und Ängste, Wünsche und Hoffnungen sind darin enthalten. Vor seinen Mitmenschen mag das Herz uneinsichtbar bleiben – manchmal aus gutem Grund: "Öffne dein Herz nicht jedem; er könnte es dir schlecht danken." Gott jedoch kann hinein sehen. "Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der Herr aber sieht das Herz an." Das ist keineswegs als Kontrolle gemeint, eher in dem Sinne des Beistandes und grenzenlosen Vertrauens. Deshalb wirkt der 139. Psalm bis heute so eindrücklich: "Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne, wie ich's meine." Eine sehr tröstliche Erkenntnis für die, die sich selbst nicht kennen: Gott "kennt ja unsres Herzens Grund."
Zitat: "Ich weiß, mein Gott, dass du das Herz prüfst, und Aufrichtigkeit ist dir angenehm."

Des Menschen Herz

1 Mose 8,21; Jeremia 17,9; Psalm 44,22; Sprüche 16,9; Sirach 10,14

Zwar ist das Herz von Gott erschaffen – doch gehört es dem jeweiligen Menschen und entfaltet wie er ein Eigenleben, das sich nicht immer mit Gottes Willen deckt. "Es ist das Herz ein trotzig und verzagt Ding; wer kann es ergründen?", klagt der Prophet und Menschenkenner Jeremia. Wenn aber das Herz sich von Gott abwendet, ist "Hochmut" eine Folge. Deswegen korrigiert Gott bisweilen das, was das Herz plant: "Des Menschen Herz erdenkt sich seinen Weg; aber der Herr allein lenkt seinen Schritt." Gottes Langmut ist umso erstaunlicher, als er selbst eingesehen hatte: "Das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf."
Zitat: "Daher kommt aller Hochmut: wenn ein Mensch von Gott abfällt und sein Herz von seinem Schöpfer weicht."

Ein Herz und eine Seele

Apostelgeschichte 4,32; Psalm 16,9; 108,2; Sirach 31,35

"Sie waren ein Herz und eine Seele": Dieses bis heute gebräuchliche geflügelte Wort stammt aus der Bibel. Der Evangelist Lukas beschreibt so die beispielhafte Eintracht, in der die ersten Christen ("Urchristen") in Jerusalem zusammenlebten. Besonders die Gütergemeinschaft hebt Lukas hervor: "Nicht einer sagte von seinen Gütern, dass sie sein wären, sondern es war ihnen alles gemeinsam." Auch in alttestamentlichen Texten bilden Herz und Seele ein Paar. "Darum freut sich mein Herz, und meine Seele ist fröhlich", jubelt der Psalmist und betet: "Gott, mein Herz ist bereit, ich will singen und spielen. Wach auf, meine Seele!" Und was, wenn beide mal verzagen? Dann hilft ein Gläschen Kaltgetränk, meint Jesus Sirach: "Der Wein, zu rechter Zeit und in rechtem Maß getrunken, erfreut Herz und Seele."
Zitat: "Die Menge der Gläubigen aber war ein Herz und eine Seele."


Uwe Birnstein ist Theologe, lebt in Berlin und arbeitet als Journalist für Zeitschriften, Hörfunk und Fernsehen. Die Serie "Das beste der Bibel" erscheint im "Sonntagsblatt" und ist als Buch erschienen: Uwe Birnstein, Das Beste aus der Bibel, Würzburg 2010. 

Kommentare

Verfasst von Stefan Wehmeier am 1. Juni 2011 - 16:12.

Wahre Nächstenliebe

"Der Herr sagte: Ihr habt alle Dinge verstanden, die ich euch gesagt habe, und...

"Der Herr sagte: Ihr habt alle Dinge verstanden, die ich euch gesagt habe, und ihr habt sie im Glauben angenommen. Wenn ihr sie erkannt habt, dann sind sie die Eurigen. Wenn nicht, dann sind sie nicht die Eurigen."

http://www.deweles.de/globalisierung/die-3-gebote.html

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