Bibelserie: Fasten - nach allen Regeln der Bibel

Fastender Jesus in der Wüste

Jesus in der Wüste, Gemälde von Ivan Nikolaevich Kramskoy. Fotot: akg-images

Das Beste der Bibel - Tagsüber nur Tee und nach Sonnenuntergang die Chipstüten hervorholen? So nicht! Zu Beginn einer Wanderpredigerzeit geht Jesus vierzig Tage in die Wüste und fastet Tag und Nacht. Er machte die Erfahrung: Fasten schwächt nicht, sondern stärkt. Danach konnte er die Versuchungen des Teufels parieren und ließ sich nicht von ihnen beeindrucken.Sich vollzustopfen stumpft den Geist ab und lenkt ab vom Wesentlichen. Diese Erkenntnis durchzieht die ganze Bibel und die jüdisch-christliche Tradition bis heute.

Von Uwe Birnstein

Wer eine Weile auf Nahrung verzichtet, kommt sich selbst und Gott näher. So ist zu verstehen, dass Fasten ein Zeichen der Buße und der Umkehr ist. Fasten gehört mit Beten und Almosen geben zur "Dreiheit der guten Werke". 

Nicht miesepetrig dreinschauen!

Matthäus 6,16-18

Fromme Heuchler waren Jesus ein Graus: Jene Menschen also, die ihre Frömmgkeit zur Schau stellen, um Ansehen damit zu erlangen. Diese Strategie wandten sie auch beim Fasten an. Um aller Welt zu zeigen, wie entbehrungsreich sie leben, haben sie das leidvollste Gesicht aufgesetzt. Jesus empfiehlt das Gegenteil: Dass ein Mensch fastet, muss niemand sehen außer Gott, der "Vater im Verborgenen". Deswegen rät er, sich während der Fastenzeit besonders gründlich zu waschen und zu pflegen.
Zitat: "Wenn ihr fastet, sollt ihr nicht sauer dreinsehen wie die Heuchler."

Nicht nur fasten, auch gerecht sein!

Jesaja 58,5-7

Den Zusammenhang von Fasten und Gerechtigkeit üben stellt der Prophet Jesaja mehrmals heraus. Den Wohlhabenden seiner Zeit redete er besonders ins Gewissen. "Das ist ein Fasten, an dem ich Gefallen habe", sagt Gott durch Jesaja: "Lass los, die du mit Unrecht gebunden hast!" Anstatt die Fastenzeiten einzuhalten, sollten die Gutsherren ihre Sklaven in die Freiheit entlassen. Außerdem fordert Gott, Obdachlosen ein Zuhause zu geben und sie zu speisen:
Zitat: "Brich dem Hungrigen dein Brot."

Einfach kleiden!

Jona 3,5-8

Äußerliche Zeichen – solange sie nicht der Zurschaustellung dienen – können das Fasten unterstützen. In biblischen Zeiten kleideten sich die Fastenden mit einem Sack, einem Überwurf aus Ziegen- oder Kamelhaar. Dieser "Sack" wurde auch in Trauerzeiten angezogen, vom König bis zum Leibeigenen. Der Prophet Jona empfiehlt den Bewohnern der Stadt Ninive sogar, auch Rinder und Schafe in einen Sack zu hüllen.
Zitat: "Da glaubten die Leute von Ninive an Gott und ließen ein Fasten ausrufen und zogen alle, Groß und Klein, den Sack zur Buße an."

Tag und Nacht fasten!

Matthäus 4,2-4

Tagsüber nur Tee und nach Sonnenuntergang die Chipstüten hervorholen? So nicht! Zu Beginn einer Wanderpredigerzeit geht Jesus vierzig Tage in die Wüste und fastet Tag und Nacht. Er machte die Erfahrung: Fasten schwächt nicht, sondern stärkt. Danach konnte er die Versuchungen des Teufels parieren und ließ sich nicht von ihnen beeindrucken. Im Gespräch mit dem "Versucher" sagte er auch jenen Satz, der als Motto über jedem spirituellen Fasten stehen könnte:
Zitat: "Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht."

Kirchenvorstände mit Fasten begleiten

Apostelgeschichte 14,23

Viele Gründe gibt es, zu fasten: zur Buße, zur Selbstreinigung, aus Trauer, zur spirituellen Reifung ... Die Urchristenheit kannte einen weiteren. Als Paulus mit seinem Mitstreiter Barnabas durch Kleinasien zog und Gemeiden gründete, beteten und fasteten die beiden Missionare für die Ältesten der neuen Gemeinden. Fasten für neue Kirchenvorstände auch in den bayerischen Kirchengemeinden? Das wäre eine evangelische Überlegung wert...
Zitat: "Und sie setzten in jeder Gemeinde Älteste ein, beteten und fasteten und befahlen sie dem Herrn, an den sie gläubig geworden waren."

Fasten ist keine asketische Leistung!

Lukas 18, 9-14

Wie bringt man Heuchlern den Unterschied von wahrem und falschem Glauben nahe? Jesus wählt die Form des Gleichnisses. Ein Pharisäer geht zum Gebet in den Tempel und zählt seine guten Taten auf – unter anderem gehört dazu, zweimal in der Woche zu fasten. Unweit steht ein Zöllner; aus Demut traut dieser sich gar nicht, die Augen gen Himmel zu richten, sondern schlägt sich reuig an die Brust und betet: "Gott, sei mir Sünder gnädig!" Allen Versuchen, durch fromme Rituale Gottes Wohlwollen zu erzwingen, erteilt Jesus mit diesem Gleichnis eine eindeutige Abfuhr:
Zitat: "Denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden."

Während des Fastens nicht streiten!

Jesaja 58,3-4

Gleichzeitig fasten und streiten, prügeln gar? Auch das ist kein gottgewolltes Fasten, erklärt der Prophet Jesaja: "Wenn ihr fastet, hadert und zankt ihr und schlagt mit gottloser Faust drein." Fasten bedeutet nicht nur äußere Entbehrung, sondern hat einen inneren Sinneswandel zur Folge. Die Entsagung führt zu Ausgeglichenheit und innerem Frieden. Wer es anders sieht, dem ruft Jesaja unmissverständlich entgegen:
Zitat: "Ihr sollt nicht so fasten, wie ihr jetzt tut, wenn eure Stimme in der Höhe gehört werden soll."

Weitere Folgen der Bibelserie finden Sie hier.


Uwe Birnstein ist Theologe, lebt in Berlin und arbeitet als Journalist für Zeitschriften, Hörfunk und Fernsehen.

Kommentare

Verfasst von ernstwalter am 24. März 2011 - 12:08.

Das schlechte Gewissen sucht Ausflüchte.

Fasten.Erst prassen und und Orgien feiern und dann mit Fasten -alles ist wieder...

Fasten.Erst prassen und und Orgien feiern und dann mit Fasten -alles ist wieder gut das "Gewissen" beruhigen,das funktioniert auch mit Bibelzitaten nicht. Buße ist angesagt-im Angesicht von Hunger und sterbender Kinder sich dem Besäufnis und der Schlemmerei hinzugeben ist mit Fasten erneute Sünde. Fasten eine normale Zeit für Besinnung und Suche nach mehr Nähe zu Gott und den Notleidenden. Wer den Ritter der seinen Mantel teilte lobt und von seinem Überfluss nichts abgibt kann ebenfalls durch Fasten Geschehenes nicht ungeschehen machen. Fasten ja-aber nicht als Rechtfertigung.

Walter Wasilewski

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