Bibelserie: Von Plänen, Vorsätzen und ihrem Scheitern

Kupferstich "Die Sintflut" von Matthäus Merian dem Älteren

Zunächst hatte Gott vorgehabt, der Schöpfung mit der Sintflut ein Ende zu setzen, doch diesen Vorsatz hat er zum Glück aufgegeben. Aber sein Versprechen, die Erde nicht mehr zu verfluchen, hält er seither. Kolorierter Kupferstich von Mattäus dem Älteren (1593-1650) "Die Sintflut". Foto: akg-images/Merian

Das Beste der Bibel - Abnehmen, mehr Sport, weniger Alkohol, netter sein - es ist ein beliebtes Ritual: Am Ende eines Jahres schmieden sich viele Menschen Vorsätze, die sie Anfang Januar bereits wieder für hinfällig erklären. Die Wirklichkeit war stärker als der Wunsch nach einem unbelasteteren Leben. Wer diese Erfahrung macht, sei getrost: Genauso ging es schon den Menschen in biblischen Zeiten.

Von Uwe Birnstein

Deswegen meint Salomo resigniert: "Die Gedanken der sterblichen Menschen sind armselig und unsre Vorsätze hinfällig." (Weisheit 9,14) Doch ein Blick in die Bibel kann helfen, gute Vorsätze auch einzuhalten. Hier einige Lesetipps.

Jedes Vorhaben hat seine Zeit

Prediger Salomo 3,1-10.17; 8,6

Abnehmen? Mit dem Rauchen aufhören? Nur noch nett sein? "Jeder Vorsatz hat seine Zeit", gibt Salomo zu bedenken, "und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde." Pflanzen und ausreißen, bauen und abbrechen, weinen und lachen. Würde Salomo die Vorsätze heutiger Menschen kennen, würde er womöglich ergänzen: zunehmen und abnehmen, rauchen und abstinent leben, nett sein und unwirsch sein hat seine Zeit. Denn wer sich etwas vornimmt, sollte in seine Entscheidung mehrere Umstände einbeziehen und womöglich einen Vorsatz erst zu einem späteren Zeitpunkt erfüllen. Wer diesen Rat nicht befolgt, könnte am Ende Salomos Erfahrung teilen: "Man mühe sich ab, wie man will, so hat man keinen Gewinn davon."
Zitat: "Jedes Vorhaben hat seine Zeit und sein Gericht."

Mit Gott lassen sich Vorsätze halten

Sprüche 16,3; 20,5; Jesus Sirach 42,18; Jesaja 29,15

Vorsätze wahr werden zu lassen, ist eigentlich ganz einfach. Man muss sie nur Gott "befehlen", also sie in seine Hand legen, so werden sie gelingen. So jedenfalls lautet einer der Sprüche Salomos. Aber auch wer seine Vorhaben nicht Gott anvertraut, muss davon ausgehen, dass Gott sie kennt. Denn er allein "durchschaut", was die Menschen vorhaben. Wer trotzdem versucht, seine Pläne geheim zu halten, wird vom Propheten Jesaja gewarnt: "Weh denen, die mit ihrem Plan verborgen sein wollen vor dem Herrn und mit ihrem Tun im Finstern bleiben." Nützlich für die Umsetzung von Vorsätzen ist außerdem ein gewisses Maß an Klugheit: "Das Vorhaben im Herzen eines Mannes ist wie ein tiefes Wasser; aber ein kluger Mann kann es schöpfen."
Zitat: "Befiehl dem Herrn deine Werke, so wird dein Vorhaben gelingen."

Vorsatz: Glaube

Jesus Sirach 39,1

Was für ein sinnvoller Vorsatz: "Im neuen Jahr will ich mich mehr mit dem Glauben auseinandersetzen!" Doch wie geht das am besten? Die Bibel hat zwei Tipps. Zum einen: "Die Weisheit der Alten" soll man erforschen. Heute wie damals bedeutet das: Hören und lesen, was Alte zu sagen haben. Die Auflagenzahlen der Bücher von Jörg Zink und Helmut Schmidt zeigen, dass viele diesen Rat beherzigen. Der zweite Bibel-Tipp: "in den Propheten studieren" – also: die Bibel lesen. Vielleicht sogar Tag für Tag mit einem Bibelleseplan oder den Herrnhuter Losungen.
Zitat: "Wer sich aber vorgenommen hat, über das Gesetz des Höchsten nachzusinnen, der muss die Weisheit aller Alten erforschen und in den Propheten studieren."

Gottes Wankelmut

1 Mose 6,7; 8,21; Jesaja 46,10

Dass man seine Vorsätze auch ändern kann, zeigt Gott selbst. In den ersten Jahrtausenden der Menschheit ist der Schöpfer ziemlich wankelmütig. Erst erschafft er die Menschheit – dann will er sie vernichten, dann wieder auf Ewig bewahren. "Ich will die Menschen, die ich geschaffen habe, vertilgen von der Erde, vom Menschen an bis hin zum Vieh und bis zum Gewürm und bis zu den Vögeln unter dem Himmel; denn es reut mich, dass ich sie gemacht habe." Gut, dass er sein Vorhaben nicht umsetzt – und das, obwohl er von sich behauptet: "Was ich beschlossen habe, geschieht, und alles, was ich mir vorgenommen habe, das tue ich." Im Gegenteil, Gott kündigt Neues an: "Ich will hinfort nicht mehr die Erde verfluchen um der Menschen Willen." Diese Selbstverpflichtung Gottes, als deren Zeichen der Regenbogen im Himmel steht, gilt bis heute. Und straft die Drohungen von Weltuntergangspropheten jeglicher Couleur Lügen.
Zitat: "Ich will hinfort nicht mehr die Erde verfluchen."

Gutes wollen, Böses tun

Römer 7,18ff.

Der Apostel Paulus verfügte über eine bemerkenswerte Menschen- und Selbst(er)kenntnis. Sie führte ihn zu dem zunächst deprimierenden Befund: "Wollen habe ich wohl, aber das Gute vollbringen kann ich nicht. Denn das Gute, das ich will, das tue ich nicht; sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich." So gesehen ist es unmöglich, gute Vorsätze in die Tat umzusetzen. Wenn da nicht die Erlösungstat Jesu Christi wäre. "So gibt es nun keine Verdammnis für die, die in Christus Jesus sind", ist Paulus überzeugt. Der Glaube daran befreie dazu, den Vorsatz eines gottgefälligen Lebens einzuhalten.
Zitat: "Das Böse, das ich nicht will, tue ich."

Ein gefährliches Vorhaben

1 Mose 11,1-9

In den Urzeiten der Menschheit wurde Gott vor ein Problem gestellt: Was tun, wenn Menschen sich etwas vornehmen, was nicht in seinem Interesse liegt? So war es in Babel. "Wohlauf, lasst uns eine Stadt und einen Turm bauen, dessen Spitze bis an den Himmel reiche", hatten sich dort lebende Menschen unterschiedlicher Herkunft vorgenommen. Wenn er nicht einschreite, befürchtete Gott, würden sich die Menschen künftig alles erlauben. Gott reagierte fantasievoll, indem er die Sprache der Menschen verwirrte, "dass sie aufhören mussten, die Stadt zu bauen".
Zitat: "Siehe, nun wird ihnen nichts mehr verwehrt werden können von allem, was sie sich vorgenommen haben zu tun."

Gute Vorsätze = Gnade?

Psalm 39,2; 101,3; Judit 10,9; Lukas 18,9-14

"Ich habe mir vorgenommen: Ich will mich hüten, dass ich nicht sündige mit meiner Zunge", heißt es in einem Psalm. Was die Frage aufwirft: Sollte sich ein frommer Mensch seiner guten Vorsätze rühmen? "Ich nehme mir keine böse Sache vor", beteuert der Psalmist an anderer Stelle und will damit sein rechtschaffenes Leben ganz nach Gottes Willen unterstreichen. Vielleicht hatte Jesus solche selbstgewissen Aussagen im Kopf, als er jenen, "die sich anmaßten, fromm zu sein", das Gleichnis vom Pharisäer und Zöllner erzählte. Darin protzt ein Pharisäer damit, dass er ach-wie-gottgefällig lebe. Ein Zöllner zeigt, dass Glaube mit Demut zu tun hat, indem er betet: "Gott, sei mir Sünder gnädig." Wer auf diese Weise glaubt, wird nicht mit seinen Vorsätzen angeben, sondern Gott um Beistand bitten. So wie einst einige Älteste für Judit beteten: "Der Gott unsrer Väter gebe dir Gnade und lasse dir gelingen, was du dir vorgenommen hast."
Zitat: "Ich nehme mir keine bösen Sachen vor."

Zum Weiterlesen:
Weitere Folgen der Bibelserie finden Sie hier.
Hans Traxler: Ich, Gott und die Welt, Stuttgart 2010.


Uwe Birnstein ist Theologe, lebt in Berlin und arbeitet als Journalist für Zeitschriften, Hörfunk und Fernsehen. Der Beitrag ist der Serie "Das Beste aus der Bibel" im Evangelischen Sonntagsblatt für Bayern (Nr. 2/2011) entnommen. Die Serie ist auch als Buch erschienen: Uwe Birnstein, Das Beste aus der Bibel, Würzburg 2010.

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