Das Beste der Bibel - Die Israeliten im trockenen Palästina kannten sich mit Landwirtschaft aus, waren aber mit der Schifffahrt nicht vertraut. Lediglich König Salomo nutzte – mit Hilfe der erfahrenen Phönizier – Schiffe.
Zur Zeit Jesu war der Seeverkehr auch im Mittelmeer deutlich angestiegen; sie erleichterten Paulus die Reisen nach Kleinasien, wo er christliche Gemeinden gründete. Von ihm stammt das geflügelte Wort, dass man "am Glauben Schiffbruch" erleiden könne (1 Timotheus 1,9). Auch Jesus waren Schiffe vertraut: Einige seiner Jünger waren Fischer, er selbst überquerte mehrmals den See Genezareth auf einem Boot. Unsere Serie bietet bekannte Textstellen, überraschende Zusammenhänge und versteckte Sensationen in der Bibel.
Mann über Bord!
Jona 1-2; Psalm 139, 9f.
Die berühmteste biblische Meeresgeschichte handelt von Jona. Dieser Prophet versucht, vor Gottes Auftrag zu fliehen – kein aussichtsreiches Unterfangen, betete doch schon der Psalmist: "Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer, so würde auch dort deine Hand mich führen." Jona besteigt ein Schiff, doch Gott vereitelt Jonas Fluchtpläne mit einem heftigen "Ungewitter". Voller Angst werfen die Seeleute Ladung über Bord – und schließlich auch, auf dessen eigenen Wunsch, Jona. Ein "großer Fisch" verschlingt Jona und speit ihn nach drei Tagen und Nächten wieder an Land.
Zitat: "Nehmt mich und werft mich ins Meer!"
Salomos Werft
1 Könige 9,26; 2 Chronik 9,21; Weisheit 14,2
Israel war keine Seefahrernation. Aber König Salomo erkannte den Wert und Nutzen der Schifffahrt und entwickelte große Leidenschaft für Schiffe. Deren Baumeister sei die "Künstlerin Weisheit". Nahe der der heutigen Touristenhochburg Elat am nördlichen Ende des Roten Meeres ließ Salomo eine Werft errichten. Von dort schickte er seine Handelsflotte in arabische Länder. Aber nicht ins Mittelmeer, wie der das Buch der Chroniken behauptet. Denn den Suezkanal gab es noch nicht, die Schiffe hätten ganz Afrika umrunden müssen – damals noch unmöglich.
Zitat: "Salomo baute auch Schiffe in Ezjon-Geber, das bei Elat liegt am Ufer des Schilfmeers."
Handelsschiffe
1 Könige 10,11; 2 Chronik 8,18; 9,21
Unter der Herrschaft Salomos blühte der Handel Israels mit südlichen Ländern. Mit Hilfe von Schiffen festigte Salomo seinen Ruhm als reicher Monarch. Er ließ Gold (einmal 425 Zentner!) und Silber, Edelsteine und wertvolle Hölzer kommen, ebenso exotische Tiere wie Affen und Pfauen. Damit stattete er den Tempel, aber auch seinen Palast aus und imponierte unter anderem der Königin von Saba.
Zitat: "Schiffe des Königs kamen in drei Jahren einmal und brachten Gold, Silber, Elfenbein, Affen und Pfauen."
Die Kunst der Seemänner
1. Könige 9,27; 2 Chronik 8,18; Weisheit 14,4; Jakobus 3,4
Hiram, König der Phönizier, stellte Israel erfahrene Seeleute zur Verfügung, "Leute, die des Meeres kundig waren". Denn die Gefahren der Schifffahrt waren beträchtlich: Stürme, Untiefen, Nebelbänke … da waren geübte Matrosen unerlässlich. Dennoch meint das Buch der Weisheit, dass Gott auch unkundigen Seemännern beisteht, "damit man ein Schiff besteigen kann, auch ohne die Kunst des Seemanns zu verstehen". Jakobus, der Verfasser eines neutestamentlichen Briefes, benutzte die Kunst des Steuermannes für einen Sinnspruch, der Gott zum Kapitän macht: "Auch die Schiffe, obwohl sie so groß sind und von starken Winden getrieben werden, werden doch gelenkt mit einem kleinen Ruder, wohin der will, der es führt."
Zitat: "Hiram sandte auf die Schiffe seine Leute, die gute Schiffsleute und auf dem Meer erfahren waren."
Stürme und Schiffbrüche
2 Chronik 20,37; Psalm 107, 23-32; Weisheit 14,3f.; Sirach 33,2; 2 Korinther 11,25; Apostelgeschichte 27,13ff.; Matthäus 8,23-27
Noch mehr als heute waren die Seefahrer in ihren einfachen Schiffen den Launen des Wetters ausgeliefert. Ihrer Angst begegneten sie mit Vertrauen auf Gott. Der Psalmist beschreibt den "Sturmwind, der die Wellen erhob" und Schiffe gen Himmel hob und sogleich in den Abgrund sinken ließ, "dass sie taumelten und wankten wie ein Trunkener". Wer in solchen bedrohlichen Stürmen und Wellentürmen in seiner Not zum Herrn schrie, den führte er aus Ängsten, indem er den Sturm stillte und sie "zum erwünschten Land brachte".
Die Ängste waren begründet. Viele Handelsschiffe "zerschellten" im Sturm. Apostel Paulus, für den das Schiff Haupttransportmittel auf seinen Missionsreisen war, erlitt nach eigenen Aussagen viermal Schiffbruch, "einen Tag und eine Nacht trieb ich auf dem tiefen Meer". Dabei mag er sich nicht nur an Treibholz geklammert haben, sondern auch an einen Spruch aus der Weisheit: "Du gibst auch im Meer Wege und mitten in den Wellen sichere Fahrt und zeigst dadurch, wie du aus aller Not zu retten vermagst."
Die berühmteste Sturmstillung wird in den Evangelien berichtet. Demnach fuhr Jesus mit einigen Jüngern über den See Genezareth, als ein "gewaltiger Sturm" das Schiff durchschüttelte. Während die Jünger vor Angst vergingen, schlief Jesus seelenruhig weiter. Als sie ihn weckten, stand er "auf und bedrohte den Wind und das Meer. Da wurde es ganz stille".
Zitat: "Ein Weiser lässt sich das Gesetz nicht verleiden; aber ein Heuchler treibt umher wie ein Schiff im Sturm."
Kriegsschiffe
4 Mose 24,24; 1 Makkabäer 15,14; 2 Makkabäer 12,9
Die Phönizier bauten ihre Schiffe zu Festungen aus: Zwei Reihen von Ruderern und ein Segel sorgten für den Antrieb, das Oberdeck war durch Schilde gepanzert. Der Bug lief in einen spitzen Dorn zum Rammen feindlicher Schiffe aus, das Heck war halbkreisförmig nach oben gebogen. Griechische Kriegsschiffe belagern später die jüdischen Städte, sie "griffen vom Meer aus an, sodass niemand heraus- oder hineinkommen konnte."
Zitat: "Und Schiffe aus Kittim werden verderben Assur und Eber."
Apokalypse für die Schifffahrt
Jesaja 2,16; Offenbarung 8,9
Im Jüngsten Gericht werden auch die Schiffe dieser Welt dran glauben müssen – davon ist der Prophet Jesaja ebenso überzeugt wie der Seher Johannes, der in seiner Apokalypse voraussagt, dass "der dritte Teil der Schiffe vernichtet" wird.
Zitat: "Der Tag des Herrn wird kommen über alle Schiffe im Meer und über alle kostbaren Boote."
Zum Weiterlesen:
Weitere Folgen der Bibelserie finden Sie hier.
Matthias Jeschke (Hg.), Meeresgeschichten der Bibel, Stuttgart 2004
Uwe Birnstein, Das Beste aus der Bibel, Würzburg 2010
Uwe Birnstein ist Theologe, lebt in Berlin und arbeitet als Journalist für Zeitschriften, Hörfunk und Fernsehen. Die Serie "Das beste der Bibel" ist auch als Buch erschienen: Uwe Birnstein, Das Beste aus der Bibel, Würzburg 2010.






Kommentare
Bibelserie: Von Schiffbruch und Bewahrung im Sturm
Was ich vermisse, ist die Geschichte von der Arche Noah. Nun, hierzu sei fairerweise gesagt, dass beide Großkirchen davbon ausgehen, dass dies ein Märchen ist. Aber bei uns wächst ja die Zahl der evangelikalen Christen, für die in der Bibel alles wahr ist. Die Amerikaner haben es ihnen - wie so oft - vorgemacht, wer den republikanischen Vorwahlkampf verfolgt, der verbindet das Wort evangelikal mit einer neuen Spezies, die den Homo sapiens - jedenfalls dort - ablöst.
Aber zurück zur Arche Noah. Es gibt da nämlich ein paar Fragen, die von den Evangelikalen geklärt werden sollten. Die Arche, die Noah gebaut haben soll, war je nach Ellenmaß mindestens 130 m lang, 20 m breit und 13 m hoch (1 Mo 6,15). Daraus ergeben sich folgende Fragen bzw. Fakten.
1.) Noah hatte drei Söhne. Wie konnten somit 4 Erwachsene solch ein solch großes Schiff bauen?
2.) Woher hatten sie die berufliche Fähigkeit eines Schiffbauers?
3.) Woher stammte die riesige Menge an Holz, die benötigt wurde?
4.) Die Arche hatte weder Antrieb noch Steuerung und wäre Wind und Wellen hoffnungslos ausgesetzt gewesen.
5.) Die Menschen hatten Gott verärgert, und die Tiere mussten gleich mit sterben. Es wäre das größte Tiermorden der Geschichte gewesen, wenn diese Geschichte Geschichte gewesen wäre.
6.) Von allen Tieren sollte Noah je 1 Weibchen und 1 Männchen mit in die Arche nehmen. Es gibt über 1 Million verschiedene Insekten. Wie konnten sie eingefangen werden, wie konnte jemand bei diesen ohne biologisches Vorwissen das Geschlecht erkennen? Wie konnte Noah z.B. zwei Mücken einfangen? Die Arche war mehr als 11 Monate unterwegs (1Mo 8,5-6), und die Tiere brauchten sehr große Mengen an unterschiedlichem Futter, auch die Exkremente mussten entsorgt werden. Ein zoologisches Wissen wäre unbedingte Voraussetzung gewesen. Beispielsweise Eisbär, Pinguin, Robbe, Puma und viele Insektenarten waren und sind in völlig anderen Gebieten der Erde beheimatet, wie kamen sie zur Arche?
Jeder, der einigermaßen logisch denken kann, muss über die Evangelikalen, die ja zum Großteil erwachsene Menschen sein wollen, den Kopf schütteln.
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