Höhere Mächte - Gibt es Wunder?

Krücken lehnen an der Wand

Steh auf, nimm dein Bett und geh: Wunder gibt es immer wieder. Foto: iStockphoto

Religion für Einsteiger - Da gehen sie, als wären sie nie tot gewesen: Lazarus aus dem judäischen Dorf Betanien, Jesu Freund, Bruder von Maria und Martha, der bereits vier Tage im Grab gelegen hatte (Johannesevangelium 11, 14-17). Oder die Tochter eines Gemeindevorstehers namens Jaïrus, an deren Totenbett die Flötenspieler bereits versammelt waren (Matthäus 9, 18).

Von Eduard Kopp

Mal bringt die energische Aufforderung "Kommt aus dem Grab heraus" den Toten ins Leben zurück, mal erhebt sich das Menschenkind, kaum dass Jesus es bei der Hand gefasst hat. Da geht er, als wäre er nie gelähmt gewesen, der Bettler am Tempel, "lahm von Mutterleibe" (Apostelgeschichte 3, 2); ihn ergriff Jesus "bei der rechten Hand und richtete ihn auf".

Es geschehen Wunder oder, wie sie in der Bibel genannt werden, Zeichen und "Krafttaten". Rund 30 schreiben die Evangelien Jesus zu: Krankenheilungen, Dämonenaustreibungen, Totenerweckungen und eine Reihe "Naturwunder": Wasser verwandelt er in Wein, er beruhigt die aufgepeitschten Sturmwellen des Meeres. Ist das wirklich möglich? Stimmt das, was in der Bibel steht? All diese Wunder haben etwas gemein: Sie "überschreiten die Grenzen des menschlich Möglichen" und berufen sich dabei auf Jesus Christus (Gerd Theißen).

Näher rückende Heilszukunft

Als Wunder gelten "besondere Taten, die im Volk den Eindruck von Jesu Vollmacht vertieften", heißt es im Evangelischen Gemeindekatechismus. "Das wahre Wunder, von dem Jesus sprach und handelte, war die erwartete Offenbarung Gottes." Die Wunder erhalten ihre Bedeutung also durch die näher rückende Heilszukunft. Sie sind gleichsam eine "Anzahlung" auf die neue Zeit, in der Krankheit und Unrecht besiegt sind, Gewalt dem Frieden gewichen ist, die ganze Schöpfung aufatmet.

Aber Achtung: Die Wunder sind keine objektiven, gleichsam gerichtsverwertbaren Beweise. Zwar beglaubigen die Wunder Jesu besondere Rolle als Heilsgestalt der neuen Zeit, aber wer ihm neue Wunder nur zur Legitimation seiner Messiasrolle abverlangt, ist nach biblischem Verständnis bereits auf dem Holzweg und geht mit seinen Wunderwünschen leer aus. Ist bei den Hilfsbedürftigen aber etwas Glauben, etwas Vertrauen da, selbst noch so klein und voller Zweifel, geht der Mann aus Nazareth auf die Wünsche ein. Eine sachlich-neutrale Beobachtung von Wundern ist also prinzipiell unmöglich.

Ja, es gibt Wunder, und das bis heute. Nicht unbedingt so wie in den mittelalterlichen Wallfahrtskirchen und in den heutigen Heilungsgottesdiensten der Charismatiker, wo Krücken und Rollstühle zur Seite gestellt werden und Gelähmte mit geradem Rücken und erhobenen Hauptes nach Hause gehen. Wunder als Durchbrechung der wissenschaftlich bekannten Kausalitäten sind äußerst unwahrscheinlich.

Besondere literarische Erzählform

Aber Wunder gibt es in zahlreichen anderen Formen: als Wunder der Liebe und der Lebenserrettung, der Versöhnung und Genesung. Wunderberichte lassen sich nur "verstehen", wenn man sie als eine besondere literarische Erzählform sieht, die übrigens auch außerhalb der jüdisch-christlichen Tradition weit verbreitet war.

Diese literarische Gattung erkennen zu lernen brauchte seine Zeit. Ein passende Betrachtung biblischer Texte kam erst mit der so genannten formgeschichtlichen Exegese. Waren bis zur Aufklärung die Wundergeschichten noch als Tatsachenberichte gelesen worden, wendete sich nun das Blatt. Der Schriftsteller Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781) hatte noch argumentiert: Als Jesus den Sturm auf dem Meer stillte, fuhr das Boot wohl um eine Landzunge herum in eine windstille Bucht. So könnte es gewesen sein.

Doch das hätte in den Schreibstuben der Bibelautoren niemanden interessiert. Naturwissenschaftliche Deutungen laufen der Absicht der Wundererzähler entgegen. Nur wenn man diese Geschichten auf ihren Stil und ihre religiöse Sinnspitze hin abklopft, entgeht man der Falle der naturwissenschaftlichen Wunderanalyse. Die Frage heißt: Mit welcher Absicht haben die Christen solche Berichte erzählt? Die Antwort: Sie sollen den Wundermann als Propheten und Vorboten des kommenden Gottesreiches erscheinen lassen.

In diesem religiösen Sinn, nicht als Show, wird es weiter Wunder geben. Einschneidende Ereignisse werden das Leben von Menschen auch weiter verändern. Christen haben auch weiter den Auftrag, Zeichen zu wirken - getreu dem gar nicht bescheidenen Wort: "Heilt die Kranken und verkündet das Evangelium."


Religion für Einsteiger ist eine Serie im evangelischen Monats-Magazin chrismon, in der Theologen einfache Fragen zur Religion einfach beantworten. Die gesamte Serie gibt es natürlich im gedruckten Magazin, aber auch auf der Internetseite von chrismon.

Kommentare

Verfasst von Gast am 25. August 2011 - 10:08.

Fliege,Scharlatanerie eines Spinners anstatt wirklich zu helfen?

Dekadenz,...es ist immer schon schwierig gewesen "Dekadenz"... ....möglichst...

Dekadenz,...es ist immer schon schwierig gewesen "Dekadenz"...
....möglichst einfach zu erklären: nur geht es hier , jetzt plötzlich ganz einfach , wie man sieht , denn:
der Herr Fliege,
... tut mir leid aber , besser gehts nicht ,...
man findet wirklich selten etwas , was so genau dem entspricht, wie es hier wieder demonstriert wird.:...
penetrant , kindisch störrisch , uneinsichtig , nicht bereit Tatsachen zu akzeptieren und nur immerwieder das bisschen Halbwissen zu kombinieren ,..zu geistigem Wirrwarr ......
am Ende auch noch und mit allen Mitteln immerwieder zu versuchen ,..Anderen seine unmassgebliche Einbildung unterzujubeln.
Also genauer trifft es sonst nirgends so zu.

Wie kann man etwas , was vor ca. 1000 Jahren noch wegen Unwissenheit und dem Fehlen von Kenntnissen bei zu vielen Dinge und Zusammenhängen im Volk und auch bei den "Grossen" ,....
was also wegen der Steuerung und der Macht über mehr als 500 Leute (Menschen sind wie Flöhe = in grossen Mengen kaum zu bändigen)
...notwendig und wichtig war ,...
wie kann man sowas , vom Menschen aus der Geisterbeschwörung heraus damals neu erfundene und ständig Jahrhunderte lang immer weiterentwickelte Machtsystem ,...heute noch soooo verteidigen.??
Heute findet Regierung über die wissenschaftlichen Aspekte und mit meist guter Schul-Bildung im Volke statt.

Das der Mensch immernoch etwas mystisches braucht, ...etwas woran man insgeheim glauben möchte aber eben nicht sicher ist , denn Beweise fehlen ja total und es gibt "nur das" , was sich Menschen in ca. 6-8 tsd. Jahren ausgedacht haben,
(Geschichte seit ca.6000 v.Chr. = 10 - 8 tsd. v.Chr. noch Steinzeit!!!) Also die alten, aus hunderten Familien zusammengetragenen Geschichten zu einer Einzigen zusammengefasst und "nur" mündlich übertragen und erst viel später , als man dann schreiben konnte zu Papyrus gebracht usw. ..
dann die hunderte Götter zusammengefasst (geordnet) bis man ein brauchbares Machtmittel zum Steuern des damals ja noch unwissenden Volkes gefunden hatte.

Das war bis vor ca. 300 Jahren noch machbar (mit der religiösen Phantasie-Macht).
Aber seit M.Luther , dem Buchdruck und der eingeführten Schulpflicht = Bildung + dem Protest (Protestantismus) gegen die katholischen Märchen , der Mystik und Phantasien,...
dann der Ablass-Handel :
"wenn das Geld im Kasten klingt,..
die Seele aus dem Fegefeuer (der Hölle) in den Himmel springt "
. das alles hat dann schnell zur Aufklärung beigetragen und daher bleibt heute Jedem die Glaubensfreiheit ,..nur man sollte dabei die Realität und die Umwelt nicht vergessen.
Solche abartigen Dinge wie sie der Herr Fliege verbreitet,..alles nur für seinen Kommerz und "seinen Ruhm" , das ist weit weg vom tatsächlichen Leben.

Solche Scharlatanerie wie mit Herrn Fliege , sollte man nicht unterstützen ,..lieber z.B.: "Kindern in Not" helfen ,..da sind 5 € schon lebensrettende Hilfe auf Monate.

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