Warum ist das gemeinsame Abendmahl so wichtig?

Religion für Einsteiger - Der zweite Ökumenische Kirchentag findet erst 2010 in München statt, doch eins weiß man schon heute: Es soll auch dort kein gemeinsames Abendmahl zwischen Protestanten und Katholiken geben. Das legten Vertreter beider Konfessionen am Ende des Kölner Kirchentages fest. Die bisherigen "illegalen" gemeinsamen Mahlfeiern hätten der ökumenischen Sache mehr geschadet als genützt. Zwar sei das gemeinsame Abendmahl zwischen Protestanten und Katholiken ein "wichtiges und hohes Ziel", aber man solle nicht zu ungeduldig sein.

Von Reinhard Mawick

Als beim ersten Ökumenischen Kirchentag zu Berlin im Jahre 2003 eine große Gemeinde demonstrativ ein ökumenisches Abendmahl feierte, hatte das für die beiden katholischen Geistlichen, die daran mitwirkten, dienstrechtliche Konsequenzen. Viele engagierte Christen verstehen längst nicht mehr, warum das so sein muss. Ihnen ist das gemeinsame Abendmahl wichtig, weil es ein deutliches Zeichen dafür ist, dass Christen jenseits aller konfessionellen Unterschiede im Wesentlichen verbunden sind. Bis heute aber untersagt die katholische Kirche ihren Mitgliedern die Teilnahme an evangelischen Abendmahlsfeiern - ebenso wie sie Mitgliedern anderer Konfessionen die Teilnahme an der katholischen Eucharistiefeier verbietet.

Dagegen laden die evangelischen Kirchen ausdrücklich Christen aller Konfessionen zum gemeinsamen Abendmahl ein. Diese evangelische Offenheit ist das Ergebnis eines langen historischen Prozesses. Lange war die Frage des Abendmahls gerade zwischen den protestantischen Konfessionen sehr umstritten. Während die lutherische Lehre hervorhob, dass Christus in den Elementen Brot und Wein real zugegen ist, betonten die Reformierten in der Tradition Zwinglis und Calvins, das Geschehen sei ein reines Gedächtnismahl.

Christus selbst lädt ein

Erst vor 50 Jahren, im November 1957, unterzeichneten evangelische Theologen nach zehnjährigen Beratungen die "Arnoldshainer Abendmahlsthesen", deren Kernsätze nach weiteren umfangreichen Beratungen in die "Leuenberger Konkordie" von 1973 eingingen. In diesem Vertrag hielten unterschiedliche protestantische Kirchen fest, dass die gegenseitigen Lehrverurteilungen aus der Vergangenheit hinfällig sind und keine kirchentrennende Wirkung mehr haben. Seit Leuenberg laden sich die protestantischen Kirchen gegenseitig zum Abendmahl ein, denn sie sind davon überzeugt, dass nicht die einheitliche Auffassung des Mahls entscheidend ist, sondern der Glaube, dass Jesus Christus selbst der Einladende ist, der alle bestehenden Differenzen im Verständnis des Mahles aufhebt und ihnen die Wichtigkeit nimmt. Eine befreiende Erkenntnis, die einen Jahrhunderte dauernden Lehrstreit beendete.

Außerdem erkannten die evangelischen Kirchen in der Leuenberger Konkordie gegenseitig die Ämter ihrer Kirche an.In der Ämterfrage liegt bis heute der Hauptgrund, dass sich die katholische Kirche der ökumenischen Abendmahlsgemeinschaft verweigert. Sie erkennt evangelische Amtsträger nicht an. Deshalb ist ihrer Auffassung nach das von diesen zelebrierte Abendmahl auch nicht gültig. Das Haupthindernis auf dem Weg zum gemeinsamen Abendmahl liegt also weniger in unterschiedlichen theologischen Auffassungen über das Abendmahl an sich, sondern im Führungsanspruch des Vatikans, der sich aus seinem Verständnis als allein vollgültige Kirche Jesu Christi ergibt.

Die Ungeduld an der Basis wächst

So wird es möglicherweise auch 2010 beim Ökumenischen Kirchentag in München wieder ein gemeinsames, im katholischen Sinn unerlaubtes Abendmahl geben, denn die Ungeduld an der kirchlichen Basis wächst. Sie empfindet die Unterschiede in den Konfessionen meist als Bereicherung, will diese aber nicht mit dem Verzicht auf das gemeinsame Abendmahl bezahlen. Leider ist im Moment aufseiten des Vatikans wenig Bewegung in dieser Frage zu erkennen.

Vielleicht wird sich irgendwann auch in Rom die Einsicht durchsetzen, die 1973 auf dem Leuenberg den Durchbruch brachte: Christus selbst lädt zum Mahl ein, er lädt ohne Einschränkung alle ein, die sich zu ihm bekennen. Bis dieser zentrale Glaubensgedanke die Spitze der römisch-katholischen Kirche erreicht, werden sich Gläubige in nicht geringer Zahl wohl über das Verbot des gemeinsamen Abendmahls hinwegsetzen.


Religion für Einsteiger ist eine Serie im evangelischen Monats-Magazin chrismon, in der Theologen einfache Fragen zur Religion einfach beantworten. Die gesamte Serie gibt es natürlich im gedruckten Magazin, aber auch auf der Internetseite von chrismon.

Kommentare

Verfasst von Gast am 21. September 2010 - 11:54.

Als Katholikin, die sich auch

Als Katholikin, die sich auch manchmal vor das Problem gestellt sieht, ob sie...

Als Katholikin, die sich auch manchmal vor das Problem gestellt sieht, ob sie am evangelischen Abendmahl teilnimmt oder nicht, möchte ich folgendes zur Thematik sagen: Die katholische Kirche "verbietet" die Teilnahme eines Katholiken am Abendmahl nicht, sie "heißt sie" lediglich "nicht gut". Es ist eine Gewissensentscheidung des einzelnen Katholiken, ob er teilnimmt oder nicht. Er muß sich sehr wohl der Unterschiede im jeweiligen Verständnis von Abendmahl und Eucharistie bewußt sein und wissen, daß er nicht im Einklang mit der offiziellen Empfehlung der katholischen Kirche handelt, wenn er am Abendmahl teilnimmt. Daraus resultiert für mich persönlich, daß ich in der Regel die Einladung zum evangelischen Abendmahl nicht wahrnehme (aus Respekt vor den Argumenten "meiner" katholischen Kirche), aber in Einzelfällen, wo mir die Partizipation, der Communio-Gedanke, während eines evangelischen Gottesdienstes wirklich ein inneres Bedürfnis ist (beispielsweise anläßlich der Taufe meines Patenkindes), auch am Abendmahl teilnehme. Ich will nicht provozieren und stelle durch die Teilnahme überhaupt nicht das katholische Verständnis der Eucharistie infrage, bin mir der Unterschiede im Abendmahl-Verständnis bewußt und will dadurch die katholische Kommunion in keiner Weise ersetzen. In diesem Falle wird die Teilnahme des Einzelnen selbst von katholischer Seite geduldet. Ich kann auch in der Tat die Gründe nachvollziehen, weshalb die katholische Kirche offiziell eine Teilnahme ihrer Mitglieder am Abendmahl (noch) nicht freigibt/freigeben kann und muß mich eben weiter in Geduld üben.

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