Ungehaltene Worte - Von Prominenten zum 50. Geburtstag

Jubiläumsbuch - Seit dem 8. Mai 1954 gehört das "Wort zum Sonntag" zum Programm der ARD. Damit ist es nach der "Tagesschau" die zweitälteste Sendung im Deutschen Fernsehen. Anläßlich des 50. Geburtstages haben Prominente und Persönlichkeiten der Zeitgeschichte ihr ganz persönliches - ungehaltenes - „Wort zum Sonntag“ geschrieben: mit beeindruckenden Zeugnissen gelebten Glaubens, mit Zwischenrufen aus christlicher Sicht zum Zeitgeschehen, mit kritischen Einreden an die Kirchen und mit vorsichtigen Annäherungen an den Grund des Glaubens:

Lidia Prinzen

Aleida Assmann - Dieter Baumann - Karlheinz Böhm - Rainer Brüderle - Daniel R. Coats - Kai Diekmann - Gunther Emmerlich - Gotthilf Fischer - Heiner Geißler - Hildegard Hamm-Brücher - Olaf Henkel - Felix Huby - Frank Lehmann - Angela Merkel - Bascha Mika - Rupert Neudeck - Christa Nickels - Cornelia Pieper - Fritz Pleitgen - Heribert Prantl - Dagmar Reim - Barbara Rütting - Markus Schächter - Renate Schmidt - Werner Schulze-Erdel - Dieter Stolte - Erwin Teufel Wolfgang Thierse - Carmen Thomas - Fürstin Gloria von Thurn und Taxis - Hans-Jochen Vogel - Hubert Weinzierl - Wim Wenders - Angelika Zahrnt - Gerhard Zeiler
 

Ungehaltene Worte zum Sonntag - Von Prominenten zum 50. Geburtstag Ungehaltene Worte zum Sonntag

Von Prominenten zum 50. Geburtstag

Herausgegeben von David Hober, Bernd Merz und Bernhard Nellessen

144 Seiten.
20,5 x 12,3 cm. Gebunden.
€ 3,00 (D) / CHF 5.90 / € 3,10 (A)
ISBN 978-3-429-02633-2
Echter Verlag

3,00 EUR (incl. 7 % UST exkl.Versandkosten)
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Einführung von Thomas Dörken-Kucharz

Angenommen, in 50 Jahren untersucht jemand die Rolle des Christentums in der bundesrepublikanischen Gesellschaft und der des vereinten Deutschland in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Er oder sie wird am Wort zum Sonntag nicht vorbeikommen. Denn aus seinen ersten 50 Jahren bietet es mehr als zweitausendfünfhundert Sendungen zur Untersuchung an. Es sind zum einen Kommentare zum Zeitgeschehen aus christlicher Sicht, zum anderen aber auch viele zunächst eher zeitlos gemeinte Worte christlicher Verkündigung, die dennoch viel Zeitgeist atmen. Etwas frustriert wird er oder sie feststellen, dass aus den ersten 10 Jahren meist nicht einmal mehr Texte aufzufinden sind. Danach, ab Mitte der sechziger Jahre wird die Quellenlage besser, und ab Ende der sechziger Jahre stehen zunehmend nicht nur Texte sondern aufgezeichnete Fernsehsendungen zur Auswertung bereit. Ob es dann in fünfzig Jahren das Wort zum Sonntag immer noch gibt, oder es längst vergessen, erneut ausgegraben werden muss zu Forschungszwecken, ist natürlich heute nicht zu sagen und von vielen Faktoren abhängig. Vielleicht haben wir ja dann nicht einmal mehr einen Sonntag, vielleicht gibt es kein öffentlich-rechtliches Fernsehen mehr, vielleicht aber hält sich diese schlichte und gerade deshalb ziemlich anspruchsvolle Sendung auch viel länger als ihr alle zutrauen. Hier ist nicht der Ort, die Zukunft des Wortes zum Sonntag zu bestimmen und auch nicht der, die Auswertung der letzten fünfzig Jahre zu betreiben. Dem dann in fernerer Zukunft Auswertenden aber, könnte auch dieses Buch in die Hände fallen. Der Versuch diese zweitälteste Fernsehsendung in ganz eigener Weise zu würdigen – nämlich so, dass Menschen, die niemals ein Wort zum Sonntag im Fernsehen gesprochen haben, eines schreiben. Menschen, die unterschiedlicher kaum sein könnten und die zunächst nur ihre Bekanntheit in der Öffentlichkeit und die Aufgabe ein Wort zum Sonntag zu schreiben verbindet. Christen stehen da neben Agnostikern, Politiker neben Journalisten, Literaten neben Musikern, Friedenskämpfer neben Umweltschützern, Unternehmer neben Regisseur, Wissenschaftlerin neben Diplomat, Fürstin neben Moderator. So unterschiedlich die Autorinnen und Autoren sind, so unterschiedlich sind ihre Worte. Lesenswert sind sie allemal, ob heute oder in fünfzig Jahren. Und dass diese Prominenten sofort bereit waren, ein Wort zum Sonntag zu schreiben, sagt ja einiges über Bekanntheitsgrad und Stellenwert dieser zweitältesten Sendung des deutschen Fernsehens aus.
Ein Jubiläumsbuch also ganz eigener Gattung. Außer in der Laudatio auf das Wort zum Sonntag von Wolfgang Teichert, dieser Einführung und dem Vorwort sind auch weder Pfarrer noch Theologieprofessoren noch Bischöfe vertreten. Wir haben Menschen gefragt, die nach den geltenden Auswahlkriterien für Sprecherinnen und Sprecher des Wortes zum Sonntag nie die Chance haben, ein Wort zum Sonntag zu sprechen. Die prominenten Autorinnen und Autoren hatten keine inhaltlichen Vorgaben, nur formal sollten Sie sich am Wort zum Sonntag orientieren.

Dieses Buch versammelt nicht alte, gewichtige und gehaltene Worte, dieses Buch ist eine Momentaufnahme der Gegenwart in ungehaltenen Worten. Ungehalten, weil sie nie ins Fernsehen kommen werden, ungehalten aber auch, weil viele Autorinnen und Autoren in diesem Buch tatsächlich ungehalten sind über die Zustände in den Kirchen oder in der Gesellschaft.
Die Kulturwissenschaftlerin Aleida Assmann beschwört den Wert des Sonntags. Langstreckenläufer Dieter Baumann überlegt, ob Laufen Sinn stiftet. Karlheinz Böhm.
Rainer Brüderle, stellvertretender Bundesvorsitzender der FDP, macht Mut, nach vorn zu blicken. US-Botschafter Daniel R. Coats fragt nach der Rolle Gottes in der amerikanischen Verfassung. Kai Diekmann, Chefredakteur der Bildzeitung, ist ungehalten über die evangelische Kirche. Opernsänger und Entertainer Gunther Emmerlich ist dem Phänomen der Zeit auf der Spur. Ex-Bundesminister Heiner Geißler (CDU) führt die noch immer aktuelle Provokation Jesu von Nazaret vor Augen. Der "König der Chöre", Gotthilf Fischer, mahnt, uns angesichts der Ewigkeit Gottes nicht zu wichtig zu nehmen. Fürstin Gloria von Thurn und Taxis macht Schluss mit dem Kirchenjammer und ruft zu mehr Glauben und Vertrauen in Gott auf. Die unbeugsame Liberale, Hildegard Hamm-Brücher, sieht im Gleichnis vom barmherzigen Samariter das Prinzip Verantwortung grundgelegt. Olaf Henkel, Manager und Ex-BDI-Präsident, sieht den Herausforderungen der Globalisierung ins Gesicht. Drehbuchautor Felix Huby lässt Immanuel Kant im Wort zum Sonntag auftreten. Der Wirtschaftsjournalist Frank Lehmann sucht nach Zeichen der Hoffnung in der Wirtschaft. CDU-Chefin Angela Merkel vertraut neuen Wegen. Die Chefredakteurin der TAZ, Bascha Mika, untersucht die Glaubensformeln der Börsianer. Friedenskämpfer Rupert Neudeck erzählt von der alltäglichen Feigheit der Christen und von Situationen, die mehr Mut erfordern. Christa Nickels, menschenrechts- und kirchenpolitische Sprecherin der Bündnisgrünen, kämpft gegen die Selbstlähmung und für Nachhaltigkeit im Handeln der Christinnen und Christen. FDP-Generalsekretärin Cornelia Pieper sucht nach den motivierenden Perspektiven des Großen und Ganzen. WDR-Intendant Fritz Pleitgen hat einen genialen Einfall für 50 Jahre Wort zum Sonntag. Heribert Prantl, Ressortchef "Inneres" bei der Süddeutschen Zeitung, erzählt von Lügen im Film und in der Weihnachtsgeschichte. RBB-Intendantin Dagmar Reim. Bestsellerautorin und Schauspielerin Barbara Rütting hadert mit Gott und kämpft für die Tiere. Markus Schächter, Intendant des ZDF, zählt das Wort zum Sonntag zu den besten Worten. Jugend- und Familienministerin Renate Schmidt fordert eine größere Nähe und Konkretion der kirchlichen Verkündigung. WELT-Herausgeber und Ex-ZDF Intendant Dieter Stolte wirbt um Vertrauen als Basis einer wahrhaft menschlichen Gesellschaft. Ministerpräsident Erwin Teufel will Gerechtigkeit. Bundestagspräsident Wolfgang Thierse warnt vor der Oberflächlichkeit der Bilder im Medienzeitalter. Moderatorentrainerin und Autorin Carmen Thomas beschreibt den Schmetterling als Symbol der Auferstehung. Der frühere Justizminister und SPD-Kanzlerkandidat Hans-Jochen Vogel sieht in Gott seinen archimedischen Punkt. Naturschützer Hubert Weinzierl bekennt sich zur Ethik Albert Schweitzers. Filmregisseur Wim Wenders bemängelt den Kleinglauben vieler Verkündiger und erzählt von amerikanischen Gegenbeispielen. Die Vorsitzende des B.U.N.D., Angelika Zahrnt, denkt darüber nach, dass Weniger Mehr sein kann und wie sehr ein Leben nach einer solchen Maxime uns und der Natur gut tun würde. RTL-Chef Gerhard Zeiler verwahrt sich gegen den Vorwurf, die privaten Fernsehsender würden "Amüsierfaschismus" betreiben, und gratuliert dem Wort zum Sonntag.
"Ungehaltene Worte zum Sonntag" ist ein Andachtsbuch der besonderen Art. Denn in "Andacht" steckt nicht nur andächtig sein sondern auch "an etwas denken", "etwas andenken" und "Andenken bewahren". Das alles tun Prominente in diesem Buch, nicht immer fromm, aber frisch, fröhlich und frei.

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