Ökumenischer Kirchen - Wie sollen wir als doch eigentliche fried- und unseren Nächsten liebende Christen mit Gewaltdarstellungen in der Bibel umgehen? Wie mit Kapiteln, in denen "der liebe Gott" eifersüchtig, fordernd und wenig zimperlich auftritt?
Der kirchen- und katholikentagerprobte Alttestamentler Prof. em. Dr. Jürgen Ebach aus Bochum versuchte in seinem Vortrag unter dem Titel "Nicht den Frieden, sondern das Schwert!? - Drängende Fragen an Texte, die von Gewalt sprechen" zu genau diesen Problemen Lösungsansätze zu bieten. Die Gewalt in der Bibel sei nämlich für viele ein Ablehnungsgrund, weshalb von Kritikern groß und von den meisten Christen klein geschrieben. Das Wort Gottes allein auf Grausamkeiten zu reduzieren sei aber genauso falsch, wie die Verdrängung derselben, auch aus dem Neuen Testament. Denn Letzteres stehe spätestens mit der Offenbarung dem Alten in Sachen Grausamkeit in nichts nach, ebenso sei Nächsten- und Feindesliebe keine neutestamentliche Erfindung. Was also sollen wir halten von einem Wort Gottes, das augenscheinlich von Kriegen, Aggression und Opfern durchzogen ist? Und, um an die Bibelarbeit des Vortages anzuknüpfen, was von einem Gott, der "Berge von Leichen" verursacht, bevor er sich auf einen Bund mit den Menschen einlässt?
Um konkret zu zeigen, wo Gewalt in der Bibel auftaucht, machte Ebach mit seinem Publikum eine "Schreckensreise durch die Bibel" mit Zwischenstops bei u.a. der Verstoßung aus dem Paradies oder dem Auszug aus Ägypten.
Ebach betont, es sei wichtig, hier zwischen Norm und Realität zu unterscheiden. Die Gewalt "wird nicht propagiert, sondern als Erfahrung wahrgenommen". Wenn alle Bücher, die Gewalt und Grausamkeiten schildern sofort grausame Bücher wären, dann seien ebenso Shakespear, die Gebrüder Grimm und Anne Frank grausam. Gewalt sei nun einmal historische Realität, schon immer gewesen. Gott auf seine "lieben" Seiten zu reduzieren gehe außerdem mit Realitätsverlust und Machtgewinn der "anderen Seite" einher. Ebach ging sogar so weit, die These aufzustellen, dass viele Gewalt beinhaltende Bibeltexte genau das Gegenteil aussagen sollen. Beispielsweise zeige Gott in der zunächst sehr heftig erscheinenden Beinahe-Opferung Isaaks, dass er Menschenopfer "nicht und niemals will". Gott lerne aber auch und bereue sogar.
Aufgrund der Länge und Dichte des Vortrags fällt es schwer, alles Gesagte wiederzugeben, obwohl ein Großteil davon überaus erwähnenswert wäre. Vortragsweise und rhethorisches Feingefühl des Referenten sind überzeugend und souverän, was es sehr schwer macht, seine Ansichten vorsichtig und sinnvoll zu hinterfragen. Dennoch, viele Ansätze Ebachs weisen für den Laien ganz neue Umgangsformen mit der Materie auf, auch wenn Fragen nicht endgültig beantwortet werden. Auch auf Fragen aus dem Publikum antwortete er spontan, aber wohlüberlegt und regte alles in allem mit einem gelungenen Vortrag mindestens zum Nachdenken an.
Malte Surmeier ist Abiturient aus Bielefeld und berichtet für youngspiriX von seinen Erlebnissen beim 2. Ökumenischen Kirchentag in München.





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