Himmelfahrt: Vatertag, auch - und nicht nur - für Jesus

Strickleiter

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Kirchenjahr - Viele Menschen feiern Vatertag an Christi Himmelfahrt, mit Ausflügen ins Grüne oder als Pendant zum Muttertag. Der Inhalt des christlichen Himmelfahrtsfestes aber ist heute vielen nicht mehr deutlich.

Von Ralf-Peter Reimann

Das Kirchenjahr vollzieht in Festen das Leben Jesu nach und will es erfahrbar machen: Weihnachten als Fest der Geburt Jesu, Karfreitag feiern wir Jesu Tod, Ostern seine Auferstehung. Ist die Himmelfahrt nur ein Nachtrag zur Auferstehung?

Himmelfahrt: Jesus weilt nicht mehr unter den Menschen

Mit Ostern schließen drei von vier Evangelien ihren Bereicht vom Leben und Wirken Jesu. Die Auferstehung ist das Schlusskapitel der Evangelien und der Schlüssel zur Deutung der Lebensgeschichte Jesu.
Nur Lukas berichtet von der Himmelfahrt Jesu: "und es geschah, als er sie segnete, schied er von ihnen und fuhr auf gen Himmel." in seinem Evangelium (Kap. 24,51) und auch noch in der Apostelgeschichte. Die Himmelfahrt erwähnt sonst nur noch das Markus-Evangelium in einem später hinzugefügtem Schlusskapitel.

Aber auch Lukas schildert die Himmelfahrt Jesu nur am Rande, zentral ist sie bei ihm nicht. Viel mehr Platz nimmt bei ihm die Pfingstgeschichte ein, die Ausgießung von Gottes Geist auf die versammelte urchristliche Gemeinde. Himmelfahrt ist – ohne es abwertend zu meinen – eine Durchgangsstation von Ostern zu Pfingsten.

Die Ostergeschichten im neuen Testament sagen aus, dass Jesus nicht im Tode geblieben ist, sondern lebt. Sie betonen, dass der Gekreuzigte derselbe ist wie der Auferstandene. Ausdruck dieser Identität sind die Wundmale der Kreuzigung auch am Leib nach der Auferstehung. Auch wenn dieser Körper nach der Auferstehung ein anderer ist, so ist Jesus doch derselbe. Er begegnet nach seiner Auferstehung verschiedenen Menschen – bis zu seiner Himmelfahrt. Sie ist das Ende dieser Begegnungen. Die Himmelfahrt ist Sinnbild dafür, dass Jesus nicht mehr unter uns Menschen auf der Erden weilt. Im späteren Schluss des Markus-Evangeliums heißt es in bildhafter Sprache, "er setzte sich zur Rechten Gottes" (Markus 16,19). Himmelfahrt ist Jesu Rückkehr zu Gott, seinem Vater.

Himmelfahrt ist Vatertag

Himmelfahrt ist die Erklärung dafür, dass Jesus nicht mehr in körperlicher Gestalt bei seinen Jüngern ist. Matthäus und Markus bemühen diese Deutung nicht, sondern beschließen ihr Evangelium mit Sendungsworten – sie stellen ein Vermächtnis und Auftrag dar, Jesu Botschaft in die Welt zu tragen. Ab da ist Jesus weiterhin bei seinen Jüngern, aber mit seinem Geist, für den es im Neuen Testament verschiedene Namen gibt, wie Tröster oder Beistand – oder „Heiliger Geist“, wie es im Glaubensbekenntnis heißt. Mit diesem Geist, mit Jesu Geist, mit dem Heiligen Geist, - so glauben es Christen – ist Jesus auch heute noch unter ihnen. Im Geist, nicht leibhaftig ist Jesus heute gegenwärtig. Dieser Geist ermöglicht es Christen, Gott Vater zu nennen, weil Gott auch der Vater Jesu Christi ist.

Bildhaft kommt dieser Geist beim ersten Pfingstfest zu den Urchristen, durch den Geist ist Gott jetzt bei ihnen – bis zum heutigen Tage, so das biblische Zeugnis.

Himmelfahrt ist eine Erklärung dafür, dass Jesus nicht mehr auf der Erde ist. Himmelfahrt so verstanden findet sich zwar in den biblischen Berichten, ist aber keine zentrale Glaubensaussage. Entscheidend ist dagegen, dass Jesus bei Gott ist, den alle Menschen durch Jesus Christus auch Vater nennen können. So verstanden ist Himmelfahrt Vatertag – auch und gerade für Christen.

Kommentare

Verfasst von Gast am 13. Mai 2010 - 10:06.

Himmelfahrt

Om den bisherigen Kommentaren vermisse ich einen Gedanken: Jesus war nach den...

Om den bisherigen Kommentaren vermisse ich einen Gedanken: Jesus war nach den vierzig Tagen, die er nach seiner Auferstehung zusammen mit seinen Jüngern lebte, für unsere Augen nicht mehr sichtbar; das ist richtig. Wie er aber bereits lange vorher ankündigte, musste er die Position einnehmen, die ihm nach seinem vollbrachten Auftrag zustand, um das möglich zu machen, was heute noch gilt. Er war eine Zeitlang b e i den Menschen und ist ab dann i n den Menschen, die ihn als ihren Erlöser akzeptieren. Wäre er nur immer
b e i ihnen geblieben, hätte er niemals i n ihnen die neue Geburt initiieren können, die Grundlage für ein unzerstörbares Leben für alle, die diese Neugestaltung an sich geschehen lassen. So spielt es für diese Menschen keine Rolle, ob sie mit ihren dreidimensionalen Sinnen Jesus, den Kyrios (Messias oder Christos) sehen und anfassen können - er ist in einer Art präsent, die durch den Verfall der Materie nicht beendet werden kann.

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