Glaubensgeschichte

maedchen_gehen_g.jpg

Foto: Flickr / hsing_nice

Monatsandacht - Andacht zum Monatsspruch Mai 2010: "Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht auf das, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.“ (Hebräer 11,1 [L]) - von Cornelia Dassler, Landesjugendpastorin in der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannovers -

Von Cornelia Dassler

Schon viele Male hatte sie versucht, eine Antwort zu finden, wieso sie zu diesem Studium gekommen war: Theologie. Oft rätselte sie, was sie eigentlich immer wieder dazu antrieb, Pfarrerin werden zu wollen. Den Zweifel an dieser Entscheidung nährten sie beide: Die Theologie an der Universität ebenso wie das, was sie von der Kirche so mitbekam. Im Nachhinein war sie sich selbst manchmal der größte Anlass zum Zweifel, wenn sie auf die Jahre der Zugehörigkeit zu einer sehr entschieden frommen Jugendgruppe zurückblickte. Und doch ... fanden sich immer wieder auch Bestätigungen, auf dem richtigen Weg zu sein, dem Zweifel standzuhalten, mal trotzig und mal unsicher, auf jeden Fall fragend, kritisch. Schließlich war sie sich sicher: Sie liebte die protestantische Theologie wegen ihrer Freiheit zur Kritik und die Kirche als Freiraum für die Gestaltung christlichen Lebens auf der Basis eines Wertekanons, wie es keinen besseren geben konnte.

Aber war das schon genug? War das schon Glaube? Im Laufe der Jahre fanden sich Spuren von Glauben: Bei der todkranken Frau, die alle Kraft zum Leben aus ihrem Glauben nahm und von der sie wesentlich mehr Trost empfing als sie ihr zu geben vermochte. Bei den engagierten Menschen in der christlichen Friedensbewegung. Sie spürte auch Glauben beim Beten der Tischgebete vor dem Essen in der Familie, mit der sie oft aß und über viele Jahre hinweg befreundet blieb. Und sie lernte vom Glauben einer Freundin, für die unerschütterlich Gott am Werke war, wenn sie für etwas im Leben dankbar war, etwa die Rettung der Tochter, die mitten im Urwald schwer krank wurde. Sie spürte ihren Glauben im Segnen und gesegnet werden. Immer wieder spürte sie, dass etwas sie tief berührte, was sie als heilsam erlebte und nur Glauben nennen konnte. Es war einfach da, trotz aller ungeklärten Fragen, aller Erklärungen, aller Zweifel. Aber wo kam er eigentlich her, dieser Glaube?

Eines Tages - warum auch immer - sah sie vor ihrem inneren Auge ein Bild: Jesus heilt ein krankes Mädchen: Die Tochter des Jaïrus. Das Bild war in ihren Erinnerungen aus den Kinderjahren fest verwurzelt. Es musste in einer der Ausgaben der Zeitschrift für den Kindergottesdienst abgedruckt gewesen sein, die sie sonntags aus der Kirche mit nach Hause nehmen durfte. Und auf einmal wurde ihr klar: Diese Geschichte hatte ihr Kraft gegeben. Sie selbst wurde als krankes Kind durch ihre eigene Erfahrung von Verlassenheit, durch alle Angst hindurch getragen. „Fürchte dich nicht, glaube nur!“ sagt Jesus im Markusevangelium zu Jaïrus, als der Vater auf dem Weg zu seinem Haus erfährt, die Tochter sei schon gestorben. Zu dem Kind sagt er nur: „Mädchen, steh auf!“

Wie ein Zauberwort, von unerklärlicher Wirkung kann so ein Satz sein, auch für mich, das weiß ich. Damit sind meine Zweifel noch lange nicht alle ausgeräumt. Auch ob so eine Erfahrung ein Beweis ist, für die Dinge, die man nicht sehen kann, bezweifle ich. Was glaubst denn du?

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.
  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • Zulässige HTML-Tags: <a> <em> <strong> <cite> <code> <ul> <ol> <li> <dl> <dt> <dd><p><embed><param><object>
  • Zeilen und Absätze werden automatisch erzeugt.
  • Du kannst andere Kommentare mit [quote]-Tags zitieren.

Weitere Informationen über Formatierungsoptionen