Monatsandacht - Andacht zum Monatsspruch März 2011: „Bei Gott allein kommt meine Seele zur Ruhe; denn von ihm kommt meine Hoffnung“ Psalm 62,6 (E) - von Tilmann Lautzas, Landesjugendpastor in Nordelbien -
Im Mittelpunkt einer Gruppe von Konfirmandinnen und Konfirmanden steht ein Junge, der wegen seiner Hyperaktivität schon länger in Behandlung ist. Während der Stunde schaut er an die Decke, als sei da was Besonderes zu sehen, steht plötzlich auf und läuft herum, kann sich nicht konzentrieren. Passend sind nur seine unpassenden Witze, die immer einen Lacherfolg nach sich ziehen. Andere Jungen scharen sich um ihn. Sie sind zum Teil klüger und oft auch infamer gegen andere. Gemeinsam sind sie eine ziemlich nervige Peergroup, die andere ablenkt oder zum Opfer ihrer Späße macht.
Bei den Mädchen ist es ähnlich. Sie scheinen zwar interessiert und aufgeschlossen, geraten aber ständig miteinander in Streit. In der Schule führte das bis zum befristeten Klassenausschluss eines Mädchens. Ein anderes Mädchen wird schnell zum Opfer und will sowohl die Klasse als auch die Konfirmandengruppe wechseln.
Am Ende dieser Geschichte wird sie in der Klasse und in der Konfirmandengruppe bleiben. Die aufgeweckten Mädchen werden mit kreativen Problemlösungen den Ton angeben, und die Jungen werden mitmachen. Und jetzt zeigt sich, dass sie ebenfalls ihre eigenen Akzente setzen können.
Ausgangspunkt dieser Veränderung ist folgende Begebenheit: Vier Kleingruppen stellen vier Szenen, die alle mit Essen zu tun haben: Schnellimbiss bei MacDonalds, ein gewöhnliches Abendbrot in mehr oder weniger familiärer Situation, ein Mahl zu einem besonders festlichen Anlass. Die vierte Gruppe deckt den Tisch für ein Abendmahl mit Oblaten auf einem Silberteller, Weinkrug und Kelchen, Kerzen und Kruzifix. Dieser Tisch wird mit einem Tuch sorgfältig abgedeckt.
Als die Gruppe den Raum betritt, fühlen einige Jungs sich magisch angezogen von dem Tisch, der zugedeckt ist. Einer zieht, bevor es verhindert werden kann, an einem Zipfel des Tuchs, versucht zu sehen, was darunter steckt. Dabei rutscht das Tuch ganz weg, das Heilige Abendmahl erscheint zur Unzeit.
Die Stunde ist gelaufen. Das, was bis zum Ende Geheimnis bleiben sollte, ist aufgedeckt, entweiht, entheiligt. Das Erschrecken ist größer als erwartet.
Diese Störung lässt überraschende Zusammenhänge deutlich werden.
Menschen sind geheimnisvoll wie das Heilige. Um etwas von uns zeigen zu können, brauchen wir einen Schutzraum – die Möglichkeit, etwas offenzulegen oder zu verdecken. Wer die Deckung wegreißt, verletzt. Das gilt für das Heilige wie für Menschen.
Das Volk Israel und die Juden wurden in ihrer Geschichte immer wieder bedrängt, verfolgt, geschunden und vertrieben, Millionen von den Nationalsozialisten ermordet. Schlimm war es, wenn ihr Heiligtum geschändet wurde, ihr Tempel betreten und zerstört, ihre Synagogen niedergebrannt. Denn dort lag ihre Hoffnung, ihr Fels, ihr Schutz und ihre Hilfe: der Ort, an dem Gott sich gegenwärtig zeigte. Wer sich diesem Ort nähert, bereitet sich vor, stellt sich auf die Begegnung ein, findet angemessene Formen.
In der Stille begegne ich mir selbst und Gott. Gemeinsam machen wir die Erfahrung: Von Gott kommt unsere Hoffnung. Er ist meine Hilfe, mein Fels, mein Schutz. Wer auch immer mich „disst“: Hier ist der Ort, an dem ich Ruhe finde und der mich stärkt.





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