Monatsandacht 1/2011 "… und es war sehr gut"

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Spieglein, Spieglein an der Wand... Noch ist es dem Kind egal, wer die Schönste im ganzen Land ist... Foto: Flickr/pawpaw67

Monatsandacht - Andacht zum Monatsspruch Januar 2011: "Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau.“ (1. Mose 1,27 [L]) - von Ekkehard Kirchner, Landesjugendpfarrer für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz -

Von Cornelia Dassler und Katrin Deutsch

(alle folgenden Texte von Katrin Deutsch)

In der Pubertät wird Jungen und Mädchen bewusst, dass sie nicht vollkommen sind. Ihnen scheinen vollkommene Schönheit, sportliche Leistung, Klugheit und Selbstbewusstsein der Schlüssel zu Beliebtheit, Partnerschaft und Lebensglück zu sein. Es wird das Bild vermittelt, dass, wer nicht zu den wenigen gehört, die von den Medien oder dem sozialen Umfeld diese Attribute attestiert bekommen, nicht vollkommen bzw. minderwertig ist.

Die biblische Botschaft von der Schöpfung stellt diesem Menschenbild ein ganz anderes entgegen. Jeder Mensch, Mann und Frau, ist von Gott vollkommen geschaffen. Er/sie sind Teil, ja Abbild von ihm, das heißt, in jedem Menschen ist ein Abglanz des Göttlichen zu sehen und jeder Mensch ist daher gleich wertvoll.

Die folgenden Anregungen sollen Jugendliche dazu ermutigen, sich mit anderen – mit Gottes Augen – zu sehen und das Selbstwertgefühl stärken.

Baustein 1: Die Sicht des Anderen

Schule macht einen Großteil der Lebenswelt von Heranwachsenden aus. Hier sollen die Jungen und Mädchen lernen, was sie an Wissen später für ihren weiteren Lebensweg benötigen. Ihnen wird dabei durch ein klares Notensystem gesagt, was sie können und was sie (noch) nicht beherrschen.

Jugendliche nehmen Noten persönlich. Bei guten Noten fühlen sie sich gut und bei schlechten dumm. Gerade schwächeren Schülern und Schülerinnen vermittelt dieses Bewertungssystem persönliche Mangelhaftigkeit, denn es nimmt andere Fähigkeiten nicht oder nur wenig in den Blick.

Es ist sehr wichtig für das eigene Selbstwertgefühl von Jugendlichen, dass ihnen gesagt wird und sie spüren, dass sie Fähigkeiten, Talente und Eigenschaften besitzen, die sie „wertvoll“ machen.

Eine Gruppe, die sich schon gut kennt, kann dies mit einer Übung sichtbar machen:
Benötigt werden DIN A4-Blätter bzw. Kartons mit einer Umhängevorrichtung benötigt. Die Gruppe wird in zwei gleichgroße Kleingruppen unterteilt.

Jeder und jede bekommt ein Blatt/Karton. Auf einer Seite kann sie/er nun schreiben, wie sie/er sich selbst sieht, Gutes und Negatives (Eigenschaften Fähigkeiten) dürfen dort niedergeschrieben werden. Anschließend hängen sich alle jeweils den eigenen Zettel verdeckt um. Die erste Gruppe nimmt nun ihre Zettel auf den Rücken, so dass die freie Seite auf dem Rücken liegt und stellt sich in einem Kreis mit dem Rücken nach außen auf.

Die zweite Gruppe geht nun um den Kreis der Gruppe herum und schreibt bei den jeweils anderen, was ihm/ihr zu der Person von Fähigkeiten und Talenten einfällt: Jeder/jede jeweils eins beim anderen. Anschließend ist die andere Gruppe dran. Danach bildet die Gesamtgruppe einen Kreis, und jeder kann lesen, was die anderen ihm für (positive) Eigenschaften und Talente zugeordnet haben. Abschließend kann sich darüber ausgetauscht werden.

Für die meisten Jugendlichen ist die wertschätzende Wahrnehmung der anderen sehr wichtig. Dieser Karton kann wie ein persönliches „Zeugnis“ wahrgenommen werden, das nicht sagt, was man noch nicht erreicht hat, sondern wer man schon längst ist.

Baustein 2: Film: Bin ich sexy?

Der Film „Bin ich sexy?“ von Katinka Feistel handelt von Mareike (Marie-Luise Schramm), die mit ihrer Mutter und ihren zwei Geschwistern in einem Vorort von Mannheim lebt. Mareike möchte Model werden und dafür eine teure Schulung besuchen. Ihre Mutter will und kann sie dabei allein schon aus finanziellen Gründen nicht unterstützen. Doch Mareike gibt nicht auf, bis zu dem Zeitpunkt, an dem sie krank wird und ihr alle Haare ausfallen. Ihre Welt bricht zusammen, denn als junges Mädchen möchte sie nur, dass sie ein Junge schön findet und sich in sie verliebt – doch ohne Haare wird dies wohl nie in ihrem Leben passieren. Sie beschließt in ihrem Kummer, ihr Leben zu beenden und wird dabei von ihrer Mutter rechtzeitig entdeckt.

In diesem Moment bemerkt die Mutter das Ausmaß von Mareikes Kummer und zeigt ihr, indem sie sich alle Haare abrasiert, dass Mareike nicht allein ist. Sie tröstet Mareike und lässt sie spüren, dass äußerliche Schönheit nicht alles ist.

Der Film eignet sich besonders für die Arbeit mit Mädchen und bietet eine gute Grundlage, über die eigene Schönheit, den Wunsch, begehrt zu werden und die Erfahrung von Ablehnung ins Gespräch zu kommen.

Darüber hinaus bietet das tröstende und solidarisierende Verhalten der Mutter eine gute Vorlage für ein Gespräch über das christliche Menschenbild, das davon ausgeht, dass Gott jeden Menschen liebt und die Menschen diese Liebe auch spüren lassen möchte.

Film: Bin ich sexy?, mit Marie-Luise Schramm, Birge Schrage u. a., Maran Film 2004, (als FWU: München 2005).

Baustein 3: Spieglein, Spieglein …

Der Blick in den Spiegel erfüllt nur wenige Menschen mit vollkommener Zufriedenheit. Besonders Jugendliche haben Schwierigkeiten, ihr sich veränderndes Äußeres anzunehmen. Ihnen ihr Selbst mit allen positiven Facetten zu zeigen, soll ihnen Vertrauen schenken, dass sie – jeder und jede Einzelne – von Gott gut, vollkommen und schön geschaffen wurde. Dieser Blick soll Mut machen, sich selbst anzunehmen.

Für diese Übung benötigt man Spiegelfliesen. Auf den oberen Rand sollte mit einem wischfesten Stift der Vers Gen 1, 31a geschrieben werden: Gott sah alles an, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut.

Den Vers zunächst für die Übung wieder abkleben.

Die Jugendlichen bekommen je eine Fliese. Darauf hat jeder und jede Zeit, sich selbst zu betrachten und aufzuschreiben, was er/sie für sich sieht (ca. 10 Minuten). Anschließend den Vers Gen 1, 27 vorlesen lassen: Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau. Dieser Vers soll dann Grundlage für einen Austausch sein (Paar-, Klein- und Gesamtgruppen möglich). Wichtig ist es am Ende des Gesprächs, noch einmal zu sammeln, was „Abbild Gottes“ heißen kann und was das für das eigene Sein bedeutet.

Zuletzt sollen die Mädchen und Jungen die Abdeckung über den aufgeschrieben Vers abnehmen und nochmals jede und jeder für sich nachdenken, was das für sie/ihn bedeutet und ob sie/er sich nun anders sieht. Dies kann wieder aufgeschrieben werden.

Diese Übung kann auch verkürzt in einer Andacht aufgenommen werden.
 

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