Monatsandacht - Andacht zum Monatsspruch April 2011: "Wachet und betet, dass ihr nicht in Anfechtung fallt!“ Matthäus 26,41 (L) - von Lutz Gräber, Gemeindepastor in Bad Eilsen/Luhen und Landesjugendpastor der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Schaumburg Lippe -
Als es an der Tür klingelt, liegt Lisa noch im Bett. Sie braucht einen Moment, um einigermaßen wach zu werden. „Julia holt mich zum Joggen ab!“, schießt es ihr durch den Kopf. „Mist, ich habe schon wieder verpennt! Warum hat die so einen starken Willen und ich nicht?“ Dann öffnet sie das Fenster und ruft auf den Hof, dass sie sofort unten ist. Sieh zu, dass du allein in die Gänge kommst!“, ruft Julia zurück. „Und denk dran, dass wir morgen Mathe schreiben. Ich komm nachher noch mal vorbei und erklär dir das mit der Dreiecksberechnung!“
Julia läuft los, und Lisa schließt seufzend das Fenster. „Lieber Gott, nicht auch das noch!“ Sie ringt die Hände und blickt flehend zur Decke. „Warum muss das Leben so schwer sein? Ständig muss ich mich brutal anstrengen, und dauernd scheitere ich. Nichts klappt, und nichts kriege ich hin. In der Schule wird nur noch müde gelächelt, wenn ich mal wieder eine 5 zurück kriege.
Letzte Woche hat Lukas mit mir Schluss gemacht. Ich wollte doch unbedingt drei Kilo abnehmen beim Joggen und Fasten, und gestern habe ich dann doch wieder die Chipstüte aufgerissen, weil mich das alles so runterzieht. Hat doch alles sowieso keinen Zweck. Ich bin eben nichts wert, und daran wird sich auch nichts ändern.
Julia sagt ja immer, ich soll mal an mir arbeiten, positiv denken und so. Die hat gut reden! Neulich hat sie wieder von ihrem Jugendkreis in der Kirchengemeinde geschwärmt und wie die Leute und ihr Glaube ihr helfen.“ „Wenn mich mal wieder irgendwas total runterzieht, dann merke ich, dass mich Gott gerade dann nicht verlässt,“ sagt sie. „Mit ihm kann ich reden, er hört mir zu und versteht mich.“
„Wenn ich nur wüsste, an wen ich mich wenden kann und wer mich versteht“, denkt Lisa. „An Gott jedenfalls sicher nicht, dann hätte er mir ja wohl nicht so viele Steine in den Weg gelegt und mich schöner und klüger gemacht. Oder er würde sich mal richtig bei mir melden, so wie Jesus früher bei den Jüngern.“
Als Julia wiederkommt, erzählt ihr Lisa ihre Gedanken und wie sauer sie auf Gott ist. Julia lächelt. „Gerade die Jünger …“, meint sie. „Vor Ostern haben wir über sie gesprochen. Als Jesus mit einigen von ihnen kurz vor seinem Tod und voller Angst im Garten Gethsemane war, da konnten sie nicht mal mit ihm wachen und beten, sondern sind einfach eingeschlafen.“
„Penner“, denkt Lisa, „schöne Freunde, ihn einfach so im Stich zu lassen, wenn es ernst wird.“
„Das würde ich mit dir nie machen“, sagt sie laut zu Julia. „Ich geh mit dir durch dick und dünn.“
„Das haben die Jünger auch zu Jesus gesagt“, meint Julia. „Sogar sterben wollten sie mit ihm und dann …“
„Ja, und dann …?“, fragt Lisa, denn nun will sie wissen, wie enttäuscht Jesus seine sauberen Freunde abkanzelt. „Dann hat er ihnen etwas ganz Wichtiges gesagt, das ihnen und uns helfen soll: ‚Wachet und betet, damit ihr nicht in Anfechtung fallt!’
Und seitdem ich das gehört habe, bin ich selbst wachsam, damit ich nicht alles Gott in die Schuhe schiebe, was bei mir schief läuft. Ich will mich nicht mehr dauernd selbst bemitleiden und ständig runterziehen lassen, weil ich ja weiß, dass ich mit Gott reden und mich auf ihn verlassen kann. Seitdem habe ich viel mehr Mut und Hoffnung für alle Ziele, die ich mir setze und es geht mir überhaupt viel besser.“
„Kein Wunder, dass du dann immer pünktlich zum Joggen kommst“, murmelt Lisa. „Und du meinst, das geht wirklich, so mit Gott zu reden?“ „Klar“, sagt Julia, „einfach so und mit allem, was du fühlst.“
Als Julia gegangen ist sitzt Lisa noch lange allein im Zimmer und denkt über das Gespräch nach. Sie weiß: So kann es einfach nicht weitergehen. Sie muss etwas unternehmen, selbst etwas tun. Fast will sie schon wieder darüber lamentieren, wie allein sie doch dabei ist. Dann denkt sie: „Aber da ist ja noch Julia. Und vielleicht ist da ja auch noch …“
„Gott“, sagt sie dann. „Nichts ist so, wie es eigentlich sein soll, alles, was ich anpacke, geht schief. Ständig bemitleide ich mich selbst, habe keine Lust und keine Kraft, etwas zu tun. Irgendwie hat sich alles gegen mich verschworen. Ich möchte so gern etwas verändern, aber wie? Weißt du einen Ausweg? Ich glaube, ich fang einfach mal an und erzähl dir dann, wie es mir damit gegangen ist. Vielleicht geh ich ja auch mal zu diesem Jugendkreis. Aber wenn Julia übermorgen zum Joggen kommt, steh ich auf jeden Fall schon draußen vor der Tür. Du wirst schon sehen.“





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