Monatsandacht - Andacht zum Monatsspruch November 2010: "Gott spricht Recht im Streit der Völker, er weist viele Nationen zurecht. Dann schmieden sie Pflugscharen aus ihren Schwertern und Winzermesser aus ihren Lanzen." (Jesaja 2, 4 [E]) - von Martin Bahlmann, Landesjugendpfarrer der Evangelischen Landeskirche Anhalts -
Die Sonne brennt. Die Füße schmerzen. Der Rucksack wird schwerer und schwerer. Der Mund ist trocken. Jeder Schritt ist ein Kampf. Aus dem entschlossenen Wanderschritt ist mittlerweile eher ein Stolpern geworden. Endlich, da vorn geht es nicht mehr höher. Das Ziel ist in Sicht. Die letzten Bäume entlang des Weges treten zurück. Oben angekommen, geschafft! Einmal tief Luft holen. Was sich dem Auge da bietet, ist überwältigend.
Wer einmal einen Berg erklommen hat, weiß um den großartigen Moment, wenn sich - auf dem Gipfel angekommen - der Blick weitet und in die Ferne schweifen kann. Eine Landschaft liegt zu Füßen. Die anfängliche Erschöpfung weicht einem beglückenden und erhebenden Gefühl. Auf dem Gipfel tickt das Leben anders. Man ist "oben auf", irgendwie herausgehoben aus dem Leben da unten. Eine andere, eine neue Perspektive ist möglich.
Einen Berg hat der Prophet Jesaja in seiner Vision vor Augen. Nicht irgendeinen Berg. Es ist der Zion, der Berg Gottes. Ein heiliger Ort. Ganze Völker sieht er diesen Berg hinaufziehen: Menschen, getrieben von der Sehnsucht nach Frieden, Menschen verschiedener Völker und Kulturen, Menschen mit unterschiedlicher Geschichte, Menschen, die bisher einander nicht verstanden haben. Sie gehen diesen Weg hinauf auf den Berg. Für Jesaja ist klar: Dort oben wird alles anders sein als unten im Tal. Dort erfahren die Menschen die Nähe Gottes. Dies allein ist der Weg zum Frieden. Wer sich auf den Weg macht, hat ein Ziel vor Augen, der ist bereit zur Veränderung. Er lässt sich auf Neues ein.
In der Vision des Propheten begegnen die Wandernden Gott. Er redet sie an und sie hören ihn. Gottes Wort schlichtet den Streit, er beseitigt die Ungerechtigkeiten und schafft Frieden.
Können Worte wirklich etwas bewirken? Können allein Worte den Frieden bringen?
(Hier kann ein Austausch über eigene Erfahrungen erfolgen. Etwa mit dem Impuls: Erinnert Ihr Euch an eine Situation, in der durch Worte ein Konflikt gelöst und eine gewalttätige Auseinandersetzung dadurch vermieden werden konnte?)
Es ist noch nicht so sehr lange her, da haben genau diese Profetenworte ein politisches System herausgefordert und schließlich zu Fall gebracht. Menschen ließen sich anstecken von der Vision, Frieden ohne tötende Waffen herbeiführen zu können. Ein Schmied, der ein Schwert zu einer Pflugschar umschmiedet, wurde zum Symbol dieser Leute. Dreißig Jahre ist das nun her. In Europa haben sich die Verhältnisse seither verändert. Dass das von Misstrauen bestimmte Wettrüsten zweier gegnerischer politischer Systeme ein Ende fand, ist ganz wesentlich hervorgerufen durch das alte Prophetenwort. Menschen unserer Tage hatten sich von diesem Wort bewegen lassen und sich für einen Frieden ohne Waffen eingesetzt.
Der Prophet sieht: Die Schwerter und Lanzen können nun umgearbeitet werden in Werkzeuge, die der Lebenssicherung dienen: Die Pflugschar und das Winzermesser werden gebraucht, um die wichtigsten Grundnahrungsmittel - Brot und Wein - herstellen zu können.
So können aus den Werkzeugen, die dem Töten dienten, Gerätschaften werden, die dem Leben dienen. Und dies in doppelter Weise: Zum einen kann das Überleben durch die Nahrungsmittel abgesichert werden. Zum anderen macht satt Sein erst den Frieden möglich. Denn nur ein satter Mensch ist frei, sich auf den Anderen einzulassen, ihm mit der Offenheit zu begegnen, die für ein friedvolles Miteinander notwendig ist. Schon immer mussten Menschen die Erfahrung machen, dass Krieg stets auch Hunger bedeutet. In der Vision des Jesaja wird genau dies ins Gegenteil verkehrt. Es wird die Voraussetzung dafür geschaffen, dass die Menschen satt werden und der von Gott gestiftete Frieden Bestand haben kann.
Wozu Menschen bis heute allein nicht in der Lage sind, das wird möglich durch die Begegnung mit Gott. Wer sich auf ihn einlässt und bereit ist, von ihm zu lernen, der kann dazu beitragen, dass unsere Welt friedlicher und lebenswerter wird. Gottes Wort wird konkret durch das Tun von Menschen.
Hier kann ein Austausch darüber stattfinden, wie das Tun für eine friedliche und lebenswertere Welt konkret werden kann. Möglicherweise entsteht ein konkretes Projekt daraus.





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