Monatsandacht - Andacht zum Monatsspruch Oktober 2010: "Siehe, ich habe vor dir eine Tür aufgetan und niemand kann sie zuschließen.“ (Offenbarung 3,8 [E]) - von Simone Mechels, Landesjugendpfarrerin der Evangelischen Kirche im Rheinland -
Durch wie viele Türen bist du heute schon gegangen? Diese Frage ist gar nicht so einfach zu beantworten, oder? Unbewusst betreten und verlassen wir Räume. "Leben heißt sich regen, weil leben wandern heißt" so haben wir eben gesungen.
Wir sind Wanderer durch Raum und Zeit, wir überschreiten Schwellen, wir bewegen uns hinaus in die Welt, in die Lebensräume anderer, treffen Menschen, lernen fremde Lebensräume kennen, fühlen uns wohl, sind Gäste oder bleiben fremd und grenzen uns ab - je nach dem.
Leben heißt: raus gehen, die Schwelle meines Lebenshauses überschreiten, mich auf den Weg machen.
Leben heißt aber auch: sich ab und an in die eigenen vier Wände zurückziehen, Türen hinter mir verschließen, ganz bei mir sein.
"Die Tür zeigt die Verbindung zwischen innen und außen. Und nur, wer zugleich innen und außen lebt, lebt gesund. Wer nur innen ist, verschließt sich gegenüber der Außenwelt. Er bleibt unfruchtbar. Wer nur außen lebt, der wird äußerlich, oberflächlich. Der verliert sich selbst. Ein- und Ausgehen hält den Menschen lebendig." sagt Anselm Grün.
Offene Türen sind für uns lebensnotwendig, für immer verschlossene Türen lassen uns etwas vom Tod erahnen.
Auf einer Wanderung im Frühjahr kam ich an einem alten, baufälligen Haus vorbei.
Die Eingangstür war verschlossen, zusätzlich war sie mit zwei kreuzförmig übereinander genagelten Holzplanken versperrt. Da ist nicht nur eine Tür ins Schloss gefallen, da ist der Weg für immer versperrt. Da hatten die Bauleute unbewusst das Kreuz gewählt und damit den Eingang versperrt.
Die Symbolik des Kreuzes ist hier wie die einer gleichzeitigen Einbahnstraße und Sackgasse. Da gibt es kein Durchkommen mehr, nicht längs und nicht quer, da sind die Riegel vorgeschoben: Kein Durchkommen!
Aber Gott sagt uns: "Siehe, ich habe vor dir eine Tür aufgetan, die niemand wieder zuschließen kann."
Eine im wahrsten Sinne des Wortes bahnbrechende Verheißung angesichts vieler aussichtslos erscheinender Situationen.
Wo haben uns nicht schon Menschen die Tür vor der Nase zugeknallt?
Wo haben wir uns nicht schon einmal selbst ausgesperrt? Wo fallen immer wieder Türen ins Schloss, wo verschließen sich uns Wege zu anderen Menschen oder zu uns selbst?
Da sind die beiden übereinander gelegten Holzplanken, das Kreuz, das deutlich macht, hier ist kein Durchkommen mehr, Endstation, hier führt kein Weg durch. Und das mitten im Leben, so etwas kennen wir alle.
Da reichen unsere Leistungen nicht, um ein bestimmtes berufliches Ziel zu erreichen,
da sind im Streit Fronten aussichtslos verhärtet,
da ist die Angst groß, sein Gesicht zu verlieren,
da sind Verletzungen so tief,
da ist Versöhnung nicht möglich,
da ist eine Liebe auseinander gebrochen,
da haben sich Wege zwischen Eltern und Kindern so getrennt, dass es
keine gemeinsame Heimat mehr zu geben scheint …:
versperrte und verrammelte Türen.
Kreuze, die uns den Weg ins Leben versperren, der Tod mitten im Leben.
Und doch, noch einmal und zum Trotz:
Gott verspricht: "Siehe, ich habe vor dir eine Tür aufgetan, die niemand wieder zuschließen kann."
Eine kaum zu glaubende Verheißung.
Glaubwürdig wird sie nur dadurch, dass sie der spricht, der selbst den Tod durchlebt und überwunden hat, der gekreuzigte und auferstandene Herr, der verspricht: "Ich lebe und ihr sollt auch leben!" (Johannes 14,19) Seine Wunder galten nicht nur dem Lahmen und Blinden längst vergangener Tage. Er eröffnete nicht nur der Ehebrecherin und den Zöllnern Wege zurück ins Leben. Menschen, die man am liebsten vor die Tore der Stadt jagte. Er eröffnete denen Wege, die man als krank oder sozial nicht angepasst am liebsten für immer aus der Gesellschaft ausgeschlossen hätte.
Er, der Gekreuzigte und Auferstandene macht das Unmögliche möglich. Er lässt das Wunder der Auferstehung schon jetzt mitten in deinem und meinem Leben wirklich werden. Da geschehen Zeichen und Wunder, da öffnen sich Türen ins Leben, womit niemand gerechnet hätte.





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