Lesen - Die Geschichte der Geschichten gebiert immer neue Geschichten: Das Weihnachtsfest und seine Botschaft inspiriert Autoren immer wieder zum Erzählen, mit einem neuen Blick auf das traditionsreiche Fest. So verlocken zur Adventszeit zahlreiche Neuerscheinungen zum Schmökern, Lesen und Vorlesen.
Die Redaktion des Evangelischen Literaturportals hat dafür eine Auswahl von (Hör-)Büchern zusammengestellt. Das Angebot reicht von Vorlesebüchern für Kinder bis zum Roman für Erwachsene. Ein Sachbuch beleuchtet die Entstehung der christlichen Weihnachtstradition, ein anderes ist ein Weihnachtskalender gegen die alljährliche Advents- und Weihnachtsroutine. Zwei stimmungsvolle CDs mit weihnachtlichen Klängen beschließen die Liste.
Das Weihnachtssingen
(Die wilden Zwerge Bd.5)
Meyer/Lehmann/Schulze (Text), Susanne Göhlich (Bild); Leipzig, Klett Kinderbuch 2009. - ISBN 978-3-941411-11-1, geb.: 7,90 Euro
Kindergartenkinder erkunden ein Altenheim und schließen Bekanntschaften mit den BewohnerInnen. Sehr geeignet für Kinder im Alter von 3 – 7 Jahren, vor allem zum Einsatz in Kindertageseinrichtungen. Aber auch empfehlenswert für Familien mit Bezügen zu Senioren und den entsprechenden Wohnformen.
Der Besuch des Nikolaus’ im Kindergarten wird zum Anlass für einen Besuch der Kindergartenkinder im Altenheim. Dort sollen die BewohnerInnen mit einem Weihnachtssingen (inklusive türkischsprachiger Liedverse) beglückt werden. Doch es bleibt nicht bei dieser geplanten Begegnung. Anton und drei seiner Freunde entdecken das Altenheim auf eigene Faust. Sie staunen über technische Hilfestellungen, lernen eine demenzkranke Frau kennen und besuchen den „Schokoladenopa“ in seinem Zimmer. Am Ende des Tages beschließt Anton: "Mama, wenn wir später mal im Altenheim wohnen, das wird lustig... Wenn wir ganz alt sind, ziehen wir dahin." - Dieses Buch vermittelt auf kindgerechte Weise einen humorvollen, realistischen, wenn auch punktuellen Einblick in das Alltagsleben eines Altenheims und dessen BewohnerInnen. Damit bricht es ein Tabu und kann dazu beitragen, das Thema "Alter" aufzunehmen, Ängste abzubauen und sich auf eigene Erfahrungen einzulassen – auch unabhängig von Advent und Weihnachten.
Als ich Maria war
Jutta Richter (Text), Jacky Gleich (Bild); München, Hanser 2010. - ISBN 978-3-446-23591-5, geb.: 12,90 Euro
Der größte Wunsch eines kleinen Mädchens, im Krippenspiel Maria darzustellen, geht trotz Hindernissen im Vorfeld doch noch in Erfüllung. Das Buch eignet sich zur Diskussion mit Kindern ab 5 Jahren. Es kann in Kindertagesstätten und Grundschulen, aber auch in der Gemeindearbeit (z.B. Kindergottesdienst), eingesetzt werden.
Als es noch bitterkalte Winter gab, feuerte Mama morgens erst mal den Ofen an, das Kind blieb im Bett, bis es vom Knistern des Holzfeuers geweckt wurde… Diese in atmosphärisch packenden Bildern illustrierte Idylle wird nach dem Aufstehen jäh gestört: Die vor kurzem zugezogene Ich-Erzählerin muss zur Schule gehen. Dort ist sie eine Außenseiterin, die misstrauisch beäugt und verspottet wird. Selbst der Lehrer sieht weg, als sie in der Pause mit Schneebällen beworfen wird. Kein Wunder, dass auch beim Krippenspiel nur die Rolle eines Schafes übrigbleibt, obwohl es ihr größter Wunsch ist, die Maria zu spielen. Erst spät erfahren wir, dass das Mädchen schwarz ist und mit seinen kurzen Haaren hadert – es will nicht anders aussehen als die anderen. Kurz vor der Aufführung wendet sich das Schicksal, die „Maria“ wird krank, das Mädchen springt ein, und am Ende gibt es tosenden Applaus.-Ein gut gemeintes Bilderbuch, das zwiespältige Gefühle zurücklässt: Einerseits wird Verständnis für die Situation des schwarzen Mädchens geweckt. Andererseits wäre zu wünschen, dass die Ausgrenzung nicht durch einen Zufall (noch dazu auf Kosten eines anderen Kindes) überwunden werden würde.
Leo sucht das Weihnachtswunder
Alexandra Streit (Text), Fariba Golizadeh (Bild); Ostfildern, Schwabenverlag 2010. - ISBN 978-3-7966-1516-0, geb.: 14,90 Euro
Ein fröhlich bebildertes Vor-/Lesebuch, das das Besondere der Vorweihnachtszeit aufspürt und praktische Anregungen bereithält. Sehr geeignet für Kinder im Alter von 3 – 7 Jahren. Das Buch kann als Ganzes gelesen werden, eignet sich aber auch in einzelnen Kapiteln zerlegt als Begleiter durch die Adventszeit.
Beim Weihnachtsplätzchenbacken wundert sich Leo, warum es diese Leckereien nicht das ganze Jahr über gibt und entdeckt, dass die Wochen vor Weihnachten Besonderheiten haben. So wird Leo zum Weihnachtsforscher. Seine Leitfrage: Was ist das Besondere an der Weihnachtszeit? Er forscht bei Mama und Papa, bei Oma und Opa, in seinem Kindergarten, beim Würstchenstand auf dem Weihnachtsmarkt und in der Gärtnerei beim Tannenbaumkauf. Er findet heraus, dass das Besondere an der Weihnachtszeit sehr unterschiedlich sein kann: der Duft von Plätzchen oder Orangen, das Licht, die Familie, die Geschenke, der Geburtstag von Jesus, frohe Gesichter, die Hoffnung auf neu erwachendes Leben, schöne Erinnerungen. In diesem Buch sind auch die Schriftseiten ein Hingucker. Jeder Person ist in der wörtlichen Rede eine Farbe zugeordnet. So werden die unterschiedlichen Stimmen augenfällig. (Allerdings ist die Farbzuordnung auf den Seiten 34-37 etwas durcheinander geraten.) Das Buch schießt mit praktischen Anleitungen zum Nachbacken und –basteln von Leos Vorweihnachtsaktivitäten.
24 Geschichten bis Weihnachten
Katharina Braun (Hrsg.), Franziska Harvey (Bild); Köln, Boje 2010. - ISBN 978-3-414-82266-6, geb.: 12,95 Euro
Ein schön gestaltetes Adventskalenderbuch, das Spannung, Freude und Weihnachtsstimmung verbreitet. Ein wunderbares Buch für die lange Zeit des Wartens bis Weihnachten für junge Leser ab 10 Jahren, zum Vorlesen in der Schule oder Zuhause, aber auch zum Selberlesen geeignet.
Ganz ohne Schokolade, aber mit viel Witz und Humor verkürzt dieses Adventskalenderbuch die Wartezeit bis Weihnachten. 24 beliebte Autoren erzählen hinreißende Geschichten, die herrlich illustriert sind. Vom 1. bis 24. Dezember wird jeden Tag eine Adventskalendergeschichte geöffnet, die mal lustig, mal nachdenklich, mal besinnlich, mal humorvoll ist. Sie lassen kleine Weihnachtsgeschichtenleser eintauchen in Lebkuchenduft, berichten vom Geschenke basteln, erzählen von falschen Weihnachtsmännern und echten Christkindern, von Vorfreude, Aufregung und Überraschungen und natürlich vom Weihnachtsabend. Eine sehr schön umgesetzte Idee ist dabei der Adventskalendergedanke: Die 48 Doppelseiten sind verschlossen und müssen täglich an der Perforation aufgetrennt werden … sonst wäre es ja nur halb so spannend. So entsteht neben dem Lesespaß auch immer Spannung auf den nächsten Tag!
Engel singen nicht für Geld und andere Geschichten zu Weihnachten
André Trocmé (Text), Anja Güthoff (Bild), Übersetzung a.d. Franz.: Hanna Schott; Schwarzenfeld, Neufeld 2010. - ISBN 978-3-86256-002-8, geb.: 12,90 Euro
Ein Weihnachtsbuch der besonderen Art - eine Brücke aus dem Früher ins Jetzt. Für alle Gemeindebibliotheken, vor allem dort wo auch meine Pfarrer-Kolleginnen und -Kollegen hereinschauen.
André Trocmé gelingt es die Geschichten zwischen, hinter und nach der Weihnachtsgeschichte des Matthäus oder Lukas zu erzählen. Dabei geraten seine Erzählungen zu einer narrativen Predigt. Denn Trocmé, als Pfarrer in dem von deutschen Truppen besetzten Frankreich im Zweiten Weltkrieg, holt die Geschichten hinein in diese bedrückende Gegenwart. Die Erzählungen entfernen sich zum Teil zwar weit vom biblischen Ursprung, aber Trocmé schafft es gleichsam hinter der nächsten Biegung und zuweilen in weiter Ferne das weihnachtliche Motiv entdecken zu lassen. Zudem bleiben die Geschichten weder in der biblischen Zeit noch in der Trocmés stecken. Sie werden eine großartige Fundgrube für Predigt, Krippenspiel und für den breiten weihnachtlichen Erzähleinsatz. - Hanna Schott ist die Auswahl, die Übersetzung und sparsame aber hilfreiche Kommentierung zu verdanken.
Vierundzwanzig Türen
Roman. Klaus Modick (Text), Jub Mönster (Bild); Frankfurt am Main, Eichborn 2010. - ISBN 978-3-8218-6133-3, 246 S. geb.: 17,95 Euro
Ein Kunstraub in der Nachkriegszeit hat Auswirkungen auf ein Familienleben in der Weihnachtszeit der Gegenwart. Ein hervorragend geschriebenes, kurzweiliges Buch, das die Zeit nach dem Kriegsende mit der Gegenwart verbindet.
Zum Dank für ihre Hilfeleistung bei einem Unfall erhält eine Familienmutter einen selbstgebastelten Adventskalender von einem älteren Herrn, den dieser in den 1950er Jahren für seine eigene Kinder kreiert hatte. Dieser Kalender erzählt eine Geschichte über einen Kunstraub, an dem er in der Weihnachtszeit nach Kriegsende beteiligt war. Jedem anderen Betrachter erzähle er jedoch vielleicht eine ganz andere Geschichte. Und tatsächlich lösen die Aquarelle hinter jedem Türchen insbesondere bei dem Familienvater, der gleichzeitig als Erzähler fungiert, Erinnerungen an die eigene Kindheit aus. - Klaus Modick gelingt in diesem Buch eine intelligente Verschmelzung der Gegenwart mit der Vergangenheit, in welcher die Menschen vorwiegend durch Schwarzmarktgeschäfte ihr Überleben sicherten. Auffällig ist dabei seine sprachliche Virtuosität, mit welcher er glaubwürdig die verschiedenen Handlungsstränge schildert und seine ganz eigene Weihnachtsgeschichte erzählt.
Tu nichts ... Weihnachten kommt von alleine!
Ein Adventskalender der besonderen Art
Stephen Cottrell, Übersetzung a. d. Englischen: Friederike Gralle; Neukirchen-Vluyn, Neukirchener Verlags-Haus 2010. - ISBN 978-3-7615-5785-3, 67 S. geb.: 6,90 Euro
24 mal Lebenshilfe im Advent. Als Bereicherung der Weihnachtsbibliothek wirklich zu empfehlen!
In seinem kleinen Büchlein mit dem aufreizenden Titel mischt sich der Bischof der anglikanischen Kirche Cottrell provozierend und mit englischem Humor ein in unsere alljährliche Weihnachtsroutine. Für jeden Dezembertag bis zum Weihnachtsfest stellt er einen grundlegenden Gedanken oder eine Frage in den Mittelpunkt – Geschenke, Verwandtenbesuche, Weihnachtsessen, Festbeleuchtung, Spendenbereitschaft - bespricht sie witzig und tiefsinnig. Jedes Kapitel endet in einem Zitat zum Nachdenken. Mit einfachen Ratschlägen und sehr konkreten Tipps in erfrischender Alltagssprache hilft er, die Adventszeit in Ruhe und Gelassenheit zu überstehen und Gott näher zu kommen.
Nun soll es werden Frieden auf Erden
Weihnachten - Geschichte, Glaube und Kultur
Dietrich Steinwede; Ostfildern, Patmos 2010. - ISBN 978-3-491-72564-5, 216 S.: 24,90 Euro
Die biblische Botschaft vom Friedensfürst in historischem Kontext und die Entstehung der christlichen Weihnachtstradition. Der Band bietet viel Material für die Arbeit in Gemeinde und Schule durch mannigfaltige Ausführungen, Texte und Gedichte. Ferner gibt er einem Ausblick in weihnachtliche Traditionen anderer Kulturen und Religionen.
Das Fest der Feste fand frühe und vielfältige Darstellungen in der bildenden Kunst. Heute sind viele Zeichen und Symbole nicht mehr allgemein bekannt. Anhand von umfangreichem, größtenteils wenig bekanntem Bildmaterial aus der mittelalterlichen Buch- und Tafelmalerei, den Darstellungen in Katakomben, Skulpturen der Bildhauer an Säulen und Eingängen und auf Sakrophagen, den Bronzetafeln den Portalen erklärt der bekannte Religionspädagoge die Zusammenhänge und neue Sichtweisen im Lauf der Jahrhunderte. Dabei weist er in den biblischen Texten auf Bezüge zwischen prophetischen Aussagen und den verschiedenen Evangelien hin, unterscheidet präzis zwischen historischen Fakten und Mythen oder Legenden. Erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden die weihnachtlichen Bräuche, die sich inzwischen vom eigentlichen Ursprung weit entfernten und mehr und mehr konsumorientiert daher kommen. Dadurch gerät die Friedensbotschaft, jener alte Friedensgruß Schalom, Friede sei mit dir, in seinem umfassenden Sinn von Ganzheit, Freiheit, Gerechtigkeit, Wohlergehen, Freundschaft verloren.
Das goldene Glöckchen
Gelesen von Stella Maria Adorf und Christian Brückner; Iznang, Edition See-Igel 2010. - ISBN 978-3-935261-21-0, CD 73 Min.: 15,50 Euro
Geschichten, Gedichte und stimmungsvolle klassische Musik zur Weihnachtszeit. Ein zauberhaftes Hörbuch für die ganze Familie, das düstere Wintertage weihnachtlich hell werden lässt. Ab 5 Jahren.
Das Christkind ist verzweifelt. Es hat so viel zu tun, dass es zu Weihnachten nicht alle Menschen glücklich machen kann. Deshalb bittet es seine Engel um Hilfe. Die zupfen sich eine Feder aus und schreiben darauf einen Brief an die Kinder auf der Erde mit der Bitte, das Christkind zu unterstützen. Begeistert von dem Himmelsbrief setzen die Kinder alles daran, ihren Eltern, dem Zeitungsjungen oder dem frierenden Kutscher eine Freude zu bereiten. Die alte Ruine und ihr Nachbar, der Tannenbaum, dagegen haben keinen Grund zur Freude. Sie frieren unter einer dicken Schneedecke und sehnen sich nach dem Sommer. Da jedoch erscheint eine wunderschöne Christrose und vertreibt mit ihren Erzählungen die Trübsal.-Christian Brückner und Stella Maria Adorf lesen märchenhafte Geschichten und Gedichte, die von europäischen Weihnachtsliedern und klassischer Musik von Händel und anderen Komponisten eindrucksvoll untermalt werden. Drei Musiker haben sie extra für diese Produktion eingespielt.
O Heiland, reiß die Himmel auf
Vergessene Strophen zur Weihnacht
Klaus-Martin Bresgott mit dem Athesinus Consort Berlin; Frankfurt am Main, Hansisches Druck- und Verlags-Haus (edition chrismon) 2010. - ISBN 978-3-86921-037-7, CD m. Booklet, 66:32 Min.: 18,00 Euro
CD mit 21 weihnachtlichen Liedern und Musikstücken + Booklet mit wenig bekannten Strophen bekannter Weihnachtslieder. Allen Büchereien sehr gern empfohlen. Ausgezeichnet für die Gemeindearbeit geeignet und darüber hinaus ein sehr schönes Weihnachtsgeschenk. Das wundervolle Musikerlebnis ist allen zu empfehlen, die gern Weihnachten feiern.
Alle Jahre wieder wird bei Advents- und Weihnachtsfeiern die "Weihnachtshitparade" abgesungen. Vom als Kitsch geschmähten "Stille Nacht" über "Ihr Kinderlein kommet", "Es ist ein Ros’ entsprungen" bis "Ich steh’ an deiner Krippen hier". Die erste und auch die zweite Strophe kann man meist auswendig mitsingen. Aber dann? Das Booklet zu der hervorragend gesungenen und gespielten CD schafft Abhilfe. Es führt die vergessenen Strophen von acht bekannten Weihnachtsliedern auf, und die haben es meist in sich. Nichts mehr von süßer Weihnacht ist zu spüren. Die Lieddichter wie beispielsweise Paul Gerhard bringen ihre Lebenserfahrung, die auch von Leid und Tod geprägt ist, in ihre Verse ein. In den "vergessenen" Strophen geht es um Trauer, Trost, Gnade und Vergebung und um die weihnachtliche Zuversicht, dass da Einer kommt, der unsere Sündenlast trägt: "Du sollst ja guter Dinge sein / ich zahle deine Schulden". Es lohnt sich, auch diese Strophen zu singen. Das Fest erfährt dadurch eine große Bereicherung und Tiefe.
Die Bücher und CDs wurden ausgewählt und besprochen von der Redaktion des Evangelischen Literaturportals e.V.








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