Konfessionen - Die Kopten sind in der Gegenwart die zahlenmäßig größte christliche Gemeinschaft im Nahen Osten. Rund ein Zehntel der ägyptischen Bevölkerung von rund 80 Millionen Menschen sind Christen, die im allgemeinen als Kopten bezeichnet werden. Ihre Geschichte als ethnisch-religiöse Gemeinschaft können die Kopten bis in die Antike zurückverfolgen.
Der Apostel Markus war gemäß ihrer Überlieferung erster Bischof von Alexandria. Dieser Bischofssitz gehörte zu den fünf Patriarchaten im römischen Reich. Neben Rom im lateinisch geprägten Westen war Alexandria eines der östlichen Patriarchate, es stand im Ansehen noch vor Konstantinopel, Antiochia und Jerusalem im griechischsprachigen Osten des antiken römischen Reiches.
Koptische Ikone mit dem Evangelisten und Apostel Markus, der koptischer Tradition zufolge der erste Bischof von Alexandria war. Foto: Ldingley/Wikipedia
Kopten sind Nachfahren der antiken Ägypter
Die enge Verbundenheit der Kopten mit Ägypten drückt sich bereits in ihrem Namen aus. Das Wort "koptisch" geht über das Arabische auf das griechische Wort "aigyptios" zurück – der antiken Bezeichnung für ägyptisch. Die heutigen Kopten verstehen sich daher als unmittelbare Nachfolger der ersten Christen in Ägypten. Ihre liturgische Sprache – das Koptische – ist sogar noch älter und lässt sich als letzte Entwicklungsstufe des Altägyptischen aus der Pharaonenzeit beschreiben. Seit dem ersten Jahrhundert nach Christus wird es mit griechischen Buchstaben geschrieben, bis zum 17 Jahrhundert war es eine lebendige Sprache. Heute wird das Koptische allerdings nur noch in der Liturgie verwendet, das Arabische ist auch die Umgangssprache der koptischen Christen.
Ägypten war ein Stammland des Christentums
Zu Beginn des dritten Jahrhunderts war das Christentum bereits die am weitesten verbreitete Religion in Ägypten. Von der ägyptischen Wüste aus verbreitete sich die Bewegung des Mönchtums in der gesamten Christenheit. Athanasius und Kyrill, beide Bischöfe in Alexandria, gehörten zu den einflussreichsten Kirchenväter der antiken Christenheit. Gegenüber der oströmischen Hauptstadt Konstantinopel bildete das Patriarchat von Alexandria ein Gegengewicht. In den dogmatischen Streitigkeiten des fünften Jahrhunderts überlagerten sich daher theologische Argumente mit der Machtpolitik des Kaisers, der in Konstantinopel residierte, und bestrebt war, eine einheitliche Reichskirche zu fördern.
Dogmatische und politische Streitigkeiten führten zur Kirchenspaltung
Im Mittelpunkt der Streitigkeiten stand die Frage, wie Jesus Christus sowohl Gott als auch Mensch sein konnte. Das Konzil von Chalcedon entschied, dass Jesus Christus zwei Naturen habe – eine göttliche und eine menschliche. Der alexandrinische Patriarch Dioskur erkannte diesen Beschluss des Konzils aus dem Jahre 451 nicht an, denn er weigerte sich, Jesus Christus in eine göttliche und eine menschliche Natur aufzuspalten, und verwarf deshalb diese so genannte Zweinaturenlehre. In Augen der Patriarchate von Rom (und der späteren römisch-katholischen Kirche) und von Konstantinopel (der späteren griechisch-orthodoxen Kirche) waren die Alexandriner daher Häretiker und man kündigte ihnen die Gemeinschaft. In der Ablehnung der Beschlüsse des Konzils von Chalcedon sehen daher Kirchenhistoriker die Gründung einer eigenständigen koptischen Kirche, die sich heute als Koptisch-Ortodoxe Kirche von Alexandria bezeichnet.
Blickt man jedoch mit einem Abstand von rund anderthalb Jahrtausenden auf das Konzil von Chalcedon, so wird die Verurteilung der ägyptischen Christen als Monophysiten – Jesus Christus habe nur eine gott-menschliche Natur (monos = allein bzw. ein, physis = Natur) gehabt - fraglich. Kirchengeschichtliche Forschungen zeigen, dass die jeweiligen theologischen Denkschulen andere Begrifflichkeiten verwendeten. Da wurde dann schnell derjenige als Ketzer gebrandmarkt, der andere Schlüsselworte für seine theologische Positionen verwendete. Außerdem spielte auch der machtpolitische Interessenskonflikt zwischen Konstantinopel und Alexandria eine nicht unwesentliche Rolle bei der Verurteilung der ägyptischen Christen als Häretiker.
Es gibt auch orthodoxe, katholische und protestantische Kopten
Eine Minderheit der ägyptischen Christen erkannte das Konzil von Chalcedon an und spaltete sich vom Patriarchat in Alexandria ab, um in der Gemeinschaft der byzantinischen Reichskirche zu verblieben. Aus ihr ging die Griechisch-Othodoxe Kirche von Alexandria verhor, die in Ägypten zirka eine Viertel Million Mitglieder hat. Von dieser griechisch-orthodoxen Kirche spalteten sich Gläubige ab, erkannten den Papst an, behielten aber ihren orthodoxen Ritus bei – diese bilden heute die Koptisch-Katholische Kirche. Die Koptische-Evangelische Kirche ist eine reformierte Kirche, die auf eine nordamerikanische Missionsbewegung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert zurückgeht, sie ist Mitglied im Weltkirchenrat und im Reformierten Weltbund und ist mit rund 300.000 Gemeindeglieder die größte protestantische Kirche im Nahen Osten.
Der Koptisch-Ortodoxen Kirche von Alexandria gehören Schätzungen zufolge 95% der ägyptischen Christen an. 1047 wurde der Bischofssitz nach Kairo verlegt, auch wenn der Titel "Papst der Koptisch-Orthodoxen Kirche von Alexandria" beigehalten wurde. Papst Shenouda III. ist nach traditioneller Zählung der 117. Bischof von Alexandria als Nachfolger des Apostels Markus.
Kopten und Muslime: eine lange gemeinsame Geschichte
Im siebten Jahrhundert gelangte Ägypten unter arabische Herrschaft. Anfangs stellten die Araber jedoch nur eine Besatzungsmacht. Die koptische Bevölkerung war tributpflichtig, konnte jedoch ihre Angelegenheiten selbständig regeln. Eine ins Gewicht fallende Anzahl von Übertritten zum Islam scheint es erst im 10. Jahrhundert gegeben zu haben, Massenübertritte sind erst ab dem 12. Jahrhundert belegt – diese stellten auch bis in die Neuzeit eine Bedrohung für die Existenz der koptischen Kirche dar.
Im 13. Jahrhundert erlebte das koptische Geistesleben sogar eine Blütezeit. Durch die Übernahme des Arabischen als Literatursprache entstand eine umfangreiche christliche Literatur zu Theologie und Philosophie. Nach einer bedrückenden Verfallsperiode erlebte die koptische Kirche im 19. Jahrhundert durch den Patriarchen Kyrill IV. eine Periode der Erneuerung, die bis heute anhält. Er gründete Druckereien für die koptische Literatur und öffentliche Schulen.
Im heutigen Ägypten sind die Kopten eine Minderheit innerhalb der muslimischen Mehrheitsbevölkerung, die gesellschaftlicher Benachteiligung ausgesetzt ist. Beide Bevölkerungsgruppen Muslime und Christen verbindet jedoch das ägyptische Nationalbewusstsein. Bei der ägyptischen Revolution beteten Muslime und Christen Seite an Seite für Demokratie und Frieden. Die Zukunft muss zeigen, welche Entwicklung das christlich-islamische Verhältnis in Ägypten nimmt, ob der Dialog gewinnt oder Extremismus und Fanatismus sich durchsetzen.
Ralf Peter Reimann ist Pfarrer und arbeitet bei evangelisch.de.





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