Was haben Käßmann und Merkel gemeinsam? Sie sind beide als erste Frau an die Spitze gekommen. Schön, dass wir mittlerweile ein ungesundes Patriarchat überwunden haben.
Problematisch ist meiner Meinung nach jedoch die Tatsache, dass Margot Käßmann eine Scheidung hinter sich hat (die obendrein noch nicht allzu lange zurück liegt). Dass sie angesichts dieser Tatsache Bischöfin geblieben ist, ist schon irritierend genug. Dass sie jetzt sogar Oberhaupt der EKD ist, ist für mich nicht nachvollziehbar. Das Bischofsamt ist im neuen Testament deutlich an ethische Rahmenbedingungen geknüpft, die seinen Vorbildcharakter unterstreichen. Nun könnte es durchaus sein, dass es gute Gründe gibt, die für Frau Käßmann sprechen. Dann muss aber auch die Frage der Scheidung deutlich kommuniziert werden und die Antwort auf die Frage, warum sie trotzdem das Bischofsamt und die Führung der EKD übernehmen sollte, muss klar beantwortet werden. Man vermisst eine eindeutige Stellungnahme der EKD zu diesem Thema.
Das soll in keinster Weise als eine persönliche Kritik an Margot Käßmann verstanden werden, sondern als Kritik an einem zutiefst nebulösen Umgang mit diesen Fragen. In einer EKD-Veröffentlichung zum Thema heißt es:
Die Scheidung einer Ehe ist ein Notbehelf, ein letzter Ausweg, wenn die Gemeinsamkeit zwischen zwei Menschen unbehebbar zerstört ist. Sie ist in einem solchen Falle auch nach christlichem Verständnis zu akzeptieren, weil kein Mensch auf sein Versagen und Verschulden festzulegen ist, jede und jeder eine Chance zu einem neuen Anfang haben soll.
Dem ist unumwunden zuzustimmen. Nur heißt "neuer Anfang" eben genau dies: Neuer Anfang. Ein Belassen Betroffener im Bischofsamt ist in einem solchen Fall in höchstem Maße in Frage zu stellen. Nun hat Otto-Normalchrist keinen Einblick in die Überlegungen und Gespräche, die diesbezüglich gelaufen sind. Das ist einerseits verständlich. Es kann nicht sein, dass Frau Käßmanns Scheidung öffentlich verhandelt wird. Da das Bischofsamt jedoch ein öffentliches Amt ist, muss hier dennoch ein Höchstmaß an Transparenz gefordert werden, sonst ist die Festlegung auf Bibel und Bekenntnis nur eine Worthülse angesichts des postmodernen Wahrheitspluralismus.
Fox
Kommentare
RE: Frauenpower
Meine Güte....
RE: RE: Frauenpower
Ja, habe ich auch gedacht. Deswegen habe ich das ja gebloggt.
Hast Du auch theologische Argumente oder nur affektive?
RE: RE: RE: RE: Frauenpower
Hallo azad,
ja, ich habe gute theologische Argumente sowohl für eine Frau als Leiterin als auch für die Ablehnung eines geschiedenen Leiters. Die werde ich aber schwerlich in einige Zeilen in einem Kommentarthread skizzieren können. Eine reichhaltige Diskussion dazu findet man auch in den einschlägigen Foren (z.B. Jesus.de).
Kurz: Die paulinische Ablehnung von Frauen in Lehrämtern fällt in eine Zeit, in der a) die Kanonbildung noch nicht abgeschlossen war und der Lehre ein anderes Gewicht zufiel, und b) sich die christliche Lehre gegen die religiöse Vereinnahmung durch einen matriarchalischen Kultus zur Wehr setzen musste. Darüber hinaus wäre auch die gesellschaftliche Stellung der Frau damals ein Hinderungsgrund für Frauen in Leitungspositionen gewesen - was heute ja nun wirklich nicht mehr der Fall ist. Ernst genommen werden muss die Aussage des Paulus in einem Kontext, wo die Emanzipation der Frau zu einer Vorherrschaft führt (also zu einem Matriarchat). Das ist z.T. in der feministischen Theologie der Fall, die ich rigoros ablehne. So weit ich weiß, wird diese jedoch von Käßmann nicht vertreten (und wenn doch, hätte ich *wirklich* Probleme mit ihr!)
Die Frage der Scheidung habe ich oben thematisiert, weil sie im Fall Käßmann zu offensichtlich ist. Neuanfang nach Scheidung ist möglich - das möchte ich ausdrücklich unterstreichen, und es ist auch keine Kritik an Margot Käßmann als Person. Doch Neuanfang heißt genau das: Neuanfang. Und nicht weitermachen, als sei nichts passiert. Doch genau so kommt das Ganze rüber: Die Scheidung hatte keinerlei Konsequenzen für ihr kirchliches Leitungsamt. Die sollte sie aber haben. Meiner Meinung nach sollte jeder Verkündiger im Fall einer solchen Krise zumindest vorübergehend aus dem Amt ausscheiden und sich Zeit nehmen für eben diesen Neuanfang. Ob und inwiefern er oder sie dann später wieder in einen Verkündigungs- bzw. Leitungsdienst eintritt, muss man vom Umgang mit der Vergangenheit abhängig machen. Ich kann als Gemeindepastor auch nicht am biblischen Leitbild der Ehe festhalten in der Verkündigung, mich selbst aber anders verhalten. Gerade in einer kirchenleitenden Position ist jedoch nach 1. Tim 3,1-7 eine höchstmögliche Übereinstimmung von Lehre und Leben zu fordern.
So, das war's mal in aller Kürze.
Gruß,
Fox
RE: RE: RE: RE: RE: RE: Frauenpower
Hallo,
ich denke, Du interpretierst zu viel in meine Worte hinein. Wenn ich die Frage nicht richtig verstanden habe, lag das wohl eher daran, dass sie nicht differenziert genug gestellt war, meinst Du nicht? Du hast nach meinen theologischen Argumenten gefragt. Ich habe darauf geantwortet.
Der Titel "Frauenpower" war eigentlich nur ein Aufhänger, der aber aus der gleichen Beobachtung hervorging, die Du auch gemacht hast, nämlich dass dies das eigentliche Thema all dieser Nachrichtenmeldungen ist. In meinem Blogposting habe ich dann das Augenmerk auf das m.E. eigentliche Problem gelenkt, nämlich die Frage, welche Persönlichkeit dahinter steckt (wie Du auch sagst). Hier sehe ich einerseits eine hohe Kompetenz bei Frau Käßmann, andererseits das meiner Meinung nach unter den Teppich gekehrte Problem der Scheidung.
ich habe eigentlich auch nicht vor, das hier auszudifferenzieren :-) Wenn Du magst, schreib das doch mal in deinem eigenen Blog - da kannst Du dann ausführlich darstellen, wie Du die Problematik siehst.
Liebe Grüße,
Fox
RE: RE: RE: RE: RE: RE: RE: RE: Frauenpower
Hallo!
Käßmanns Scheidung hat vielleicht dazu beigetragen, klarzumachen, daß Auch Pfarrersleute ganz normale Menschen sind, und daß es wichtig ist, sie ganz normal sein zu lassen, anstatt ihnen all das abzuverlangen, was man selbst nicht zu sein, zu tun und zu sagen bereit ist.
Das hört sich gut und richtig an. Grundsätzlich stimme ich dem auch zu: Hauptamtliche sind auch nicht anders (bin ja selbst einer). Das Problem an dieser Aussage ist, dass nicht klar ist, was "normal" eigentlich aussagt. Meinst Du damit die normative Kraft des Faktischen, selbst wenn es nicht den biblischen Rahmenbedingungen entspricht? Oder meinst Du mit "normal", dass Hauptamtliche in ethisch-moralischer Beliebigkeit leben dürfen, weil "das heute ja alle so machen"? Ich sage, dass das Amt durchaus an ethische Rahmenbedingungen geknüpft ist und einen Vorbildcharakter hat. Wenn die EKD den Vorbildcharakter Margot Käßmanns darin sieht, dass sie zu ihrer Scheidung steht, ist das zwar toll (und wird mit Applaus bedacht), doch ist das m.E. genau das falsche Signal. Zu einer Scheidung zu stehen hieße für mich: Ich kann nicht übergangslos als geistliches Vorbild weiter machen. Mein Vorbildcharakter wird nicht dadurch erhalten, dass ich zu meinen Fehlern stehe (so wichtig das ist), sondern dadurch, wie ich zu diesen Fehlern stehe. Das bleibt jedoch in diesem Fall total nebulös, und das ist für mich nicht akzeptabel.
Gruß,
Fox
RE: Frauenpower
Eine Bichöfin an der Spitze der EKD - das ist ein weiteres Erschwernis für ökumenische Gespräche, eine offenbar bewußt vorgenommene Provokation!
RE: RE: Frauenpower
Nun, das mag sein, ist aber nicht das eigentliche Problem. Frau Käßmann ist für den Job sicher äußerst kompetent, und wenn Du Probleme mit Frauen in Leitungspositionen hast, müsstest Du schon 5 Ebenen tiefer mit deiner Kritik ansetzen. Meine Kritik habe ich benannt und begründet.
Wer Ökumene will, wird sie auch leben - Trotz Papst, trotz Bischöfin. Oder gerade deswegen. Wer überall Provokationen sieht, wird sie auch sehen wollen.
Fox
RE: RE: Frauenpower
Ich verstehe das nicht ganz. Ohne die apostolische Sukzession und gültige Weihen sind Evangelische sowieso keine "richtigen" Bischöfe. Ob Frau oder nicht.
Aber Kompliment an evangelisch.de, solche Diskussionen hier führen zu lassen.
RE: RE: RE: Frauenpower
Hallo Gast,
bitte gib mir die biblische Begründung der Notwendigkeit einer "apostolischen Sukzession".
Fox