Heute ist nicht nur Reformationssonntag, sondern auch Allerheiligen, daher stellt sich für mich die Frage, zumindest saust sie mir im Kopf herum, was ist gelungenes Leben, wie es Heilige geführt haben?
Schön ist es, andere teilnehmen zu lassen an gelungenem Leben durch Erzählen von schönen Erlebnissen, Ereignissen, Gegebenheiten, Fügungen. Das verströmt ein Stückchen Glück, vielleicht sogar eine Ahnung von Wunder. Ist da auch Heiligkeit dabei?
Dazu gehören natürlich biblische Geschichten, dafür sollte es auch immer Platz haben, in unserem Leben. Aber ich denke heute an neue Geschichten z.B. unserer Zeit. Allein schon im Internet ist genug Interessantes zu lesen, und auch in Zeitungen und anderen Medien. Folgt daraus: Ich möchte auf gelungenes Leben achten, und hoffe auf ein Fünkchen gelungenen Lebens, vielleicht selbst erlebt, vielleicht von anderen mitgeteilt, oder einfach gelesen.
Heiligkeit bei Heiligen bezieht sich auf ihr ganzes Leben, würde ich sagen. Heilige waren auch einmal Menschen auf Erden. So kann es kaum sein, daß sie perfekt waren. Also kann ich selber sogar Menschen, die ich glücklicherweise in meinem Leben kennengelernt habe, als heilig betrachten, da ich von ihnen diesen Eindruck bekommen habe. Ich will dabei gerne nicht gelungene Elemente ihres Lebens übersehen, denn das Gelungene hat zu heilem Leben beigetragen, das Gelungene überwiegt bei Heiligen, hat sogar zu meinem Heil beigetragen. Darüber freue ich mich. Heilig ist eigentlich auch schon ein Lächeln oder eine nette Geste, Freundlichkeit. (Dies ist nicht immer einfach). Heililgkeit ist also nicht weit weg sondern findet nah bei uns statt.
Kommentare
RE: 1. November
Hallo gislis,
ich stimme dir zu, irgendwie sind wir doch alle Heilige, weil jeder von uns ja auch Gottes Ebendbild ist. Manchmal ist es nur schwer, diese Heiligkeit in anderen Menschen zu erkennen und zu akzeptieren.
Gesegnete Grüße,
Ralf
Allerheiligen
Allerheiligen
Allerheiligen ist ein wahrhaft christlich ökomenisches Fest, an dem katholische, evangelische, anglikanische, orthodoxe (am Sonntag nach Pfingsten) und armenische (am 3. November) Christen aller Heiligen, Märtyrer und Verstorbenen gedenken, aber auch der Heiligen, um deren Heiligkeit niemand außer Gott weiß. –
Im ausklingenden Kirchenjahr wird nicht nur an die Verstorbenen, sondern auch an das Sterben der noch Lebenden gedacht. –
Und viele Krebspatienten wie ich fühlen sich da sehr angesprochen, berührt, zum Nachdenken angeregt …
Herzlich,

Stephan
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Stephan Wolters : www.duenengras.de
THEMATISCH ☼ CHRONOLOGISCH ☼ SONSTIG
RE: RE: 1. November
hallo stephan,
eigentlich brauche ich zur Zeit dringend ein PC- bzw. Internet-Verbot aber vielleicht schau ich mir davor dennoch duenengras.de bzw. den Blog "Gras in den Dünen" an.
ich wünsche Ihnen jedenfalls alles Liebe und Beste
gislis
PS: das Sie steht bei mir für Respekt vor Anderen, ich bitte um Verständnis.
Internet-Sucht
Hallo »Gislis«
Manchmal dauert's halt bei mir ein wenig länger mit einer Antwort!
Hier ist sie:
»Internet-Sucht«
Du schriebst mir:
hallo stephan, eigentlich brauche ich zur Zeit dringend ein PC- bzw. Internet-Verbot
Als ich vor zwei Jahren nach der Hiobsbotschaft Krebs »Nur noch wenige Monate« und dem ersten Überlebensjahr freudig fast täglich in einem Krebsforum ein öffentliches Tagebuch führte, bemerkte ich nicht, wie abhänigig ich vom Medium Internet wurde.
Nach mehreren Monaten intensiven Postings schrieb ich damals in einem Abschiedsbrief unter anderem:
Viel mehr Sorgen als mein Krebs macht mir mittlerweile eine andere Krankheit: Die »Internet-Sucht«. Was anfänglich so angenehm ist, kann sich bei übermäßigem Gebrauch zur Sucht entwickeln. Und Sucht kommt nicht von suchen, sondern von Siechtum = Krankheit.
Die Grenze zwischen »Sucht« und »Noch nicht abhängig« kann zwar in ihrer Symptomatik nicht klar definiert werden und ist eher fließend. Wer aufmerksam und sich selber gegenüber jedoch kritisch ist (bei Suchtverhalten schon fast wieder unmöglich!), wird aber schnell Mangelerscheinungen an Leib und Seele feststellen können. Ein Indikator kann z.B. unkontrolliertes Surfen im Internet sein. Weitere Indikatoren können sein:
… das stetige unüberwindliche Verlangen, sich ins Internet einzuloggen,
… Verlust der Kontrolle über seine Online-Zeiten, d.h. man bleibt länger „online“, als man sich vorgenommen hatte,
… sozial störende Abwesenheit im engsten Kreis der Bezugspersonen, wie Freunde, Partner und Familie, daraus resultierende häufige Beschwerden durch eben diese unmittelbaren Bezugspersonen,
… häufige nachlassende Arbeitsleistung,
… Verheimlichung und Verharmlosung der Netz-Aktivitäten vor der Umwelt,
… Nervosität, Aggressivität oder Depression in dem Fall, wenn der Internet-Gebrauch verhindert wird, weitere fehlgeschlagene Versuche, den Internet-Gebrauch einzuschränken.
Darum wehret den Anfängen! – Leider musste ich bei mir einige der oben beschriebenen Symptome feststellen, deswegen habe ich mir eine Pause auferlegt (die dann doch zwei Jahre gedauert hat!), um wieder unabhängig vom täglichen Klick ins Forum zu werden, der immer viel länger angedauert hat, als ich mir vorgenommen habe.
Nach »meinem Entzug« komme ich vielleicht gestärkt, kontrollierter, aber auch seltener und mit länger einzulegenden Pausen zurück, denn wichtig ist, das wirkliche, reale Leben in den Griff zu bekommen! Und ich denke, es lohnt sich, wenn man denn daran arbeitet – auch und gerade als Krebspatient! Schließlich ist eine lebensbedrohende Krankheit kein Freifahrtschein für unsoziales, unkontrolliertes, Partnerschaft zerstörendes Verhalten.
Vielleicht erkennt sich ja der/die eine oder andere in diesem Beitrag wieder und überlegt sich auch mal eine »Fastenpause«, um die wirklich wichtigen Beziehungen im realen Leben um uns herum nicht zu vernachlässigen und intensiver pflegen zu können: Reale Beziehungen sind und bleiben lebenswichtiger als virtuelle Beziehungen hier im Netz!
Das ist der Nachteil der modernen Kommunikationsmittel: Früher fragte man »Wie geht's Dir?« oder »Was machst Du?« oder »Mit wem hast du heute noch so Kontakt« oder schaute sich gemeinsam Fotos an, über die man sprach, lachte oder lästerte. – Heute dagegen schaut man sich dessen Profil an, erfährt auf seiner Homepage, wie es ihm geht, sieht sich dort die neuesten Fotos an und erfährt durch die verschiedensten Netzwerke, welche Freunde er hat und wie und wo er mit wem zusammen ist. Nur mit jemandem selbst sprechen oder ihn fragen, das braucht man heute absolut nicht mehr.
Herzlich,
Stephan
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© 2009 Stephan Wolters , Autor von: »Gras in den Dünen«
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2. November
Ist heute nicht Allerseelen? Vielleicht unterliege ich hier nun einem schweren Irrtum.
Ein Zusatz noch zu gestern: Allerheiligen zu feiern bedeutet, wie ich annehme, die Hoffnung haben, daß alle Verstorbenen (oder alle Christen und ihre Freunde) in Gemeinschaft bei Gott sind?
Ein Unterschied dazu ist die Seeligsprechung oder wie das heißt, wenn der Papst Heilige als solche erklärt, womit ich ja als Evangelische nix zu tun habe.
Vielleicht habe ich Auserwähltsein und Heilige miteinander vermischt. Aber mir es geht ja eher um gelingendes Leben. Dazu braucht mensch: Buße tun und Dank an Gott ausdrücken, sich nicht selbst überschätzen und was mir sehr schwer fällt, mein Wissen anwenden.
RE: 2. November
Soviel Internet muß sein, bevor ich die Wäsche aufhänge: Danke für die Antwort! Ich wünsche alls Gute, gislis
RE: 2. November
Ich finde schön, wie du "Heiligkeit" mit Inhalt füllst. Ja, Dankbarkeit ist wichtig.
Der 2. November ist Allerseelen, in der Tat. Das katholische Totengedenken (samt Herrichtung der Gräber für den Winter) hat sich aber stark auf den 1. November (Allerheiligen) verlagert, möglicherweise deshalb, weil Allerseelen schon seit vielen Jahren kein gesetzlicher Feiertag mehr ist. So sind Allerheiligen und Allerseelen vom Gefühl her ein bisschen ineinandergeflossen. In der evangelischen Kirche gedenken wir der Verstorbenen besonders am Toten- bzw. Ewigkeitssonntag, dem letzten Sonntag des Kirchenjahres. (An dem die katholische Kirche wiederum das "Christkönigsfest" feiert.) - Reformationstag ist der 31. Oktober. Eine Fundgrube für all solche Kalenderfragen ist das konfessionsübergreifende www.heiligenlexikon.de
Gemeinschaft der Heiligen, heißt es im Glaubensbekenntnis. Philipp Friedrich Hiller bedichtet diese Gemeinschaft (in EG 253) und definiert die Heiligen in der ersten Strophe geradezu als die von Christus Auserwählten oder Geheiligten:
1. Ich glaube, daß die Heiligen
im Geist Gemeinschaft haben,
weil sie in einer Gnade stehn
und eines Geistes Gaben.
So viele Christus nennet sein,
die haben alles Gut gemein
und alle Himmelsschätze.
2. Denn in der neuen Kreatur
ist keiner klein noch größer;
wir haben einen Christus nur,
den einigen Erlöser.
Das Licht, das Heil, der Morgenstern,
Wort, Tauf und Nachtmahl unsres Herrn
ist allen gleich geschenket.
3. Wir haben alle überdies
Gemeinschaft an dem Leiden,
am Kreuz, an der Bekümmernis,
an Spott und Traurigkeiten;
wir tragen, doch nicht ohne Ruhm,
allzeit das Sterben Jesu um
an dem geplagten Leibe.
4. So trägt ein Glied des andern Last
um seines Hauptes willen;
denn wer der andern Lasten faßt,
lernt das Gesetz erfüllen,
worin uns Christus vorangeht.
Dies königlich Gebot besteht
in einem Worte: Liebe.
5. Ich will mich der Gemeinschaft nicht
der Heiligen entziehen;
wenn meinen Nächsten Not anficht,
so will ich ihn nicht fliehen.
Hab ich Gemeinschaft an dem Leid,
so laß mich an der Herrlichkeit
auch einst Gemeinschaft haben.
(Philipp Friedrich Hiller, 1731)
Ich hoffe, es freut dich.
Coriander
- Streite dich nicht mit einem Dummkopf. Er zieht dich auf sein Niveau herunter und schlägt dich dort mit seiner Erfahrung. (Quelle unbekannt)-
RE: RE: 2. November
Auch Ihnen/ Dir herzlichen Dank für die Antwort, ich habe Lesestau, aber ich werde es nachholen.
Erst mal alles Gute, gislis, die jetzt Wäsche aufhängt.