Religion - Fluch oder Segen?

von Mi Lo

Gestern habe ich den Artikel über den holländischen Pfarrer gelesen, der trotz seiner Überzeugung, dass es Gott nicht gebe, weiter von der Kanzel predigen darf. Gut, ansich kann ja jeder machen was er will. Wir sind alle ein Gedanke Gottes und da wird auch ein atheistischer Pfarrer einen Sinn machen.

Diese Informationen, wie in diesem Falle die Verleugnung Gottes durch einen Pfarrer, gehen dann weiter wie stille Post. Die Atheisten sagen: "Das habe ich schon immer gewusst.", die Gottgläubigen sagen: "Ein Judas, ein Verräter." und dann gibt es noch die "anderen" Religionen. Für diese ist jetzt z.Bsp. (wie man einem engl. verfassten Kommentar des Artikels Pfarrer ohne Gott entnehmen kann) die Verneinung von Gottes Existenz durch einen christlichen Pfarrer der Beweis, dass die Bibel eine Lüge ist und der Koran die einzig wahre heilige Schrift darstellt.

Schaut man in die Vergangenheit, dann haben Religionen meistens nichts Besseres zu tun gehabt, wie "Heilige Kriege" zu führen und Geld zu scheffeln. Und dieser Fakt macht mich sehr traurig.

Auf der anderen Seite ist es so, dass ich mich selber erst vor zwei Jahren dem evangelischem Glauben zugewandt habe, einfach deshalb, weil ich meine ganz persönliche Einstellung mit den Ideen der ev. Kirche vereinen kann und ich einer Gemeinschaft angehören wollte. Gut, es gibt Punkte, wie die Jungfrauengeburt, an die ich nicht glaube, aber dies halte ich auch für nicht besonders relevant.

Wenn ich mir nun die Geschichte des holländischen Pfarrers so anschaue, würde ich sagen, wenn es ahteistische Pfarrer gibt, dann bin ich ein christlicher Atheist. Ich glaube an Jesus und ich glaube an Gott, aber gewisse Aussagen, die in der Bibel stehen kann ich nicht glauben.

Die Bibel, vor allem das Alte Testament, erschien mir am Anfang wie ein schlecht geschriebener Psychothriller, aber mittlerweile habe ich mich mit dem Gedanken arrangiert, dass es einfach zur Bibel dazu gehört, um diese zu verstehen. Ich habe mir aber noch ein anderes Buch gekauft, um die Bibel zu verstehen und Gott aus einer anderen Perspektive zu betrachten, außerdem wird mein Nachbar von mir noch eine Liste bekommen, mit für mich offenen Fragen.

Das Buch welches ich vorstellen möchte heißt: "Das Buch des Mirdad". Mikhail Naimy hat nach meinem Ermessen mit dieser Parabel auf die Heiligen Schriften (Gottes Wort) ein wunderbares Werk geschaffen, welches viel zu wenig oder gar nicht Beachtung findet. Wie er sich mit den Themen der Menschheit auseinandersetzt, tiefsinnig und doch für jedermann verständlich, zeigt welche ungeachtete Größe in Mikhail Naimy geschlummert hat, vergleichbar mit Denkern wie z.Bsp. Goethe, Hesse usw. .

Als ich mit dem Buch fertig war, dachte ich, dass Religionen nicht gerade viel dazu beitragen die Menschen zu vereinen. Da wird gesiebt und geseiht ohne Ende. Aber dann schaute ich in unsere Gemeinde. Da sind ökumenische Gottesdienste an der Tagesordnung und selbst andere Religionen wie z.Bsp. der Islam werden u.a. bei Schulveranstaltungen mit einbezogen. Es hat eine sichtbare Kehrtwende stattgefunden. 

Aber der ausschlaggebenste Punkt in Sachen Gott ist für mich persönlich momentan der, dass meine beiden Kinder und ich seit einem Jahr Menschen in unserer unmittelbaren Nachbarschaft haben, die Christen sind und das nicht nur auf dem Papier, sondern auch im täglichen Leben.

Und dafür danke ich Gott und Jesus, die beiden mache ich nämlich für diese Tatsache "verantwortlich".  Ich gehöre im Moment zugegebener Maßen auch mehr zu den stolpernden und gefallenen Menschen, nicht nur krankheitsbedingt ;-) und da braucht man andere Menschen, die einem zeigen, dass es anders geht, auch wenn der Weg noch weit und holprig scheint.

Dazu habe ich eine schöne Stelle aus "Das Buch des Mirdad" herausgesucht:

Nicht einmal oder zweimal oder auch hundertmal müsst ihr den Menschen aufheben, der stolpert, während er sich bemüht, eurer Führung zu folgen. Hebt ihn immer wieder auf, bis er nicht mehr stolpert....

Und hier noch ein schöne Textstelle, die sich alle Religionen mal durchlesen sollten. Nachdenken lohnt sich da:

Werdet niemals Siebende, meine Gefährten. Denn das Wort Gottes ist Leben, und das Leben ist ein Schmelztiegel, in dem alles zu einer unteilbaren Einheit verbunden ist; alles ist in vollkommenem Gleichgewicht...Suchet zuerst die Kenntnis des Wortes, damit ihr euer eigenes Wort kennen könnt. Und wenn ihr euer Wort kennt, werdet ihr eure Siebe ins Feuer werfen. Denn euer Wort und das Wort Gottes sind eins, nur eures ist noch verschleiert....Gab es wohl eine Zeit, in der ihr nicht bei Gott wart? Gibt es einen Ort, an dem ihr nicht in Gott seid?

Es gibt den Spruch, Völker der Erde vereinigt Euch.

Wie wäre es mit mit dem Anhang: Religionen der Erde vereinigt Euch?

 

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