Was mich am Ewigkeitssonntag hindert in die Kirche zu gehen

von ralf.a.friedrich

Eigentlich gehe ich gerne in die Kirche und ich besuche und leite auch gerne Gottesdienste. Nur heute am Totensonntag, oder besser evanglisch-korrekt Ewigkeitssonntag, gehe ich nicht in die Kirche.

Während des Gottesdienstes werden die Namen der Verstorbenen Gemeindemitglieder aufgerufen und dabei eine Kerze angezündet. In der Gemeinde sitzen hauptsächlich Familienangehörige und Freunde der Verstorbenen, d.h. die ganze Kirche ist voll mit Menschen, die einen persönlichen, gemeinsamen Bezug zu den Verstobenen haben.

Ich finde diese Ritual sehr wichtig für die Trauerarbeit und für die Seelen der Verstorbenen. Allerdings fühle ich mich an diesem Sonntag irgendwie von der Gemeinde ausgeschlossen. Die Gemeinde trauert und es macht sich eine besondere Verbundenheit zwischen den Trauernden breit und dabei fühle ich mich dann emotional ausgeschlossen. Ich hatte dieses Jahr glücklicherweise keinen Todesfall in meiner Familie oder Freundeskreis. Vor ein paar Jahren, als meine Schwiegermutter starb, war ich glücklich, dass es den Totensonntag gab und wir ihrer noch einmal in aller Stille gedenken konnten und dabei sich von anderen Menschen getragen zu wissen.

Von daher überlasse ich meinen Platz in der Gemeinde gerne Menschen, die diesen Platz an diesem Tag besonders brauchen.

Gesegente Grüße,
Ralf

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Kommentare

Verfasst von StephanWolters am 18. Mai 2011 - 15:18.

Vom Tode umgeben

  Vom Tode umgeben   »Media vita in morte sumus« (Mitten...

 

Vom Tode umgeben
 
»Media vita in morte sumus«

(Mitten im Leben sind wir des Todes bzw. vom Tode umgeben)

heißt es im mittelalterlichen Versepos.
 
Doch diese Feststellung ist nur für diejenigen vernichtend,
die nie mit dem Tode rechnen.
 
Uns Krebspatienten oder Todgeweihten dagegen
trifft nicht die Feststellung, sondern nur noch der Tod selber.

Ich wünsche Dir, dass für Dich selbstverständlich ist:
 
… inmitten des Lebens
immer vom Tode umgeben zu sein
und gerade deshalb
das »Leben« zu genießen.
 
… das »Hier und Heute«
und insbesondere das
»Jetzt«.
 
… Dein Leben
verantwortungsvoll und bewusst zu leben,
solange Du lebst.
 
… Dein Leben zu genießen,
solange Du es genießen kannst.
 
… alle kleinen und großen Freuden anzunehmen,
solange Du Dich freuen kannst.
 
… alle kleinen und großen Sinnlichkeiten zu erspüren,
solange Du sie noch erspüren kannst.


Herzlich,
 
Stephan
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© 2009     Stephan Wolters ,   Autor von: »Gras in den Dünen«
 

 
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Verfasst von gislis am 24. November 2009 - 13:31.

RE: Was mich am Ewigkeitssonntag hindert in die Kirche zu gehen

Mir ging es ähnlich, hatte aber das Glück, einen thematisch anders...

Mir ging es ähnlich, hatte aber das Glück, einen thematisch anders ausgerichteten GD zu besuchen, und es war wirklich gut.

Übrigens interessante Schriftlesung: Jesaja 65 ich empfehle es unbedingt zu lesen, das mit den Menschen die vielleicht mal so alt werden wie Bäume, habe grad leider keine Zeit mehr, genauer nachzuschlagen.

Trauer auf Kommando, das funktioniert bei mir auch nicht. Aber ich habe dennoch Verstorbenen in Gedanken gedacht, klar. Doch so wie der Tod nicht vom Leben ausgenommen werden kann, so kann das Leben (und Fröhlichkeit) nicht in Gottesdiensten am Totensonntag ausgegrenzt werden, jedenfalls ist das meiner Meinung nach ein Fehler. So könnte doch ein Pfarrer/ eine Pfarrerin, die das ganze Jahr über schwarz trägt, als Zeichen für Leben im Angesicht des Todes doch auch mal einmal im Jahr wenigsten sozusagen als Zeichen weiß tragen? das ist nur eine Idee, es sollte halt auch auszuhalten sein, ein trauriger Gottesdienst, oder? Ich finds jedenfalls manchmal zu traurig, davor hatte ich dieses Jahr Angst.

Grüße von gislis

Verfasst von Coriander am 24. November 2009 - 19:43.

RE: RE: Was mich am Ewigkeitssonntag hindert

Trauer auf Kommando, das funktioniert bei mir auch nicht. ... Doch so wie der...

Trauer auf Kommando, das funktioniert bei mir auch nicht. ... Doch so wie der Tod nicht vom Leben ausgenommen werden kann, so kann das Leben (und Fröhlichkeit) nicht in Gottesdiensten am Totensonntag ausgegrenzt werden ...

Nein, kommandieren kann man Gefühle nicht und soll es auch nicht. Das finde ich auch. Und dennoch muss es erlaubt sein zu trauern und zu gedenken und der Trauer auch Raum zu geben. Ich fände es sehr unfair gegen die Trauernden, die vorgestern in den Kirchenbänken saßen, nun einen "fröhlichen" Gottesdienst zu veranstalten. Ich finde es auch immer hart, wenn Menschen verfügen, dass an ihrem Grab nicht geweint und nichts Schwarzes getragen werden dürfe. Fröhliche Kleidung bitteschön. Ja, und wann und wo soll es erlaubt sein zu trauern? Ist Trauer unanständig? Kann man nicht auch in einem ernsthaften, besinnlichen Gottesdienst froh und getröstet vom Abendmahl kommen, ohne gleich durch die Reihen zu tanzen? Zuversicht und Trost kommen doch leichter an die Leute, wenn sie nicht gezwungen werden, ihre Trauer wegzuschieben.

Sogar unsere lieben Konfirmanden haben es begriffen. Von ganz alleine.

Gruß

Coriander

 

- Streite dich nicht mit einem Dummkopf. Er zieht dich auf sein Niveau herunter und schlägt dich dort mit seiner Erfahrung. (Quelle unbekannt)-

Verfasst von gislis am 25. November 2009 - 11:18.

RE: RE: RE: Was mich am Ewigkeitssonntag hindert

klar, das wollte ich nicht, Traurigkeit und Trauer aussparen. Ich selbst habe...

klar, das wollte ich nicht, Traurigkeit und Trauer aussparen. Ich selbst habe jedoch auch schon einen großen Tränensee geweint und sehnte mich - dieses Jahr - schlicht nicht nach diesem unendlichen schwarzen Dunkel.

Ich habe halt auch schon Gottesdienste  n i c h t  ausgehalten, so traurig waren sie. Deswegen finde ich es schön, wenn ich nach einem großen Seufzer auch wieder Sonnenlicht sehen und durchatmen kann. Mir ist klar: der Trost kommt vom Wort, das gesagt wird und wichtig: auch gesungen wird, in Kirchen, auf Kanzeln oder von Mensch zu Mensch, vom Radio, TV, im Internet, in Zeitungen. Wie ich schon geschrieben habe, denke ich auch gerade am Ewigkeitssonntag über Verstorbene nach. Auch über die nichts zur Sprache kam z.B. aufgrund von mangelnder Kommunikation in einer Gemeinde. Nahe stehende Menschen, die nicht zur Gemeinde gehörten aber zum Leben der Gemeindeglieder in entscheidender Weise. Oder Menschen, die kein Geld für eine ordentliche Bestattung haben. Der Trost und das Nichtverstehen sollte stattfinden und in einem GD seinen Platz haben, und wenn es ein paar lachende Kinderstimmen sind. Es wäre ein Mißverständnis, daß ich am Totensonntag durch die Reihen tanzen gewollt hätte. Trauer zulassen finde ich auch wichtig, gerade in den Gemeindegottesdiensten, stimmt. Dies in angemessener Weise tun gelingt bestimmt auch oft.

Ich bin für das Eine nicht ohne das Andere. Dafür gibt es an strahlend hellen Tagen wiederum auch durchaus Momente der Trauer. An meiner Beerdigung, die ich natürlich nicht herwünsche, kann man gerne in Schwarz kommen, habe ich nichts dagegen.

Verfasst von ralf.a.friedrich am 24. November 2009 - 13:46.

RE: Was mich am Ewigkeitssonntag hindert in die Kirche zu gehen

Hallo Gislis, Jes 65, 22 ist der Vers. Ich finde deinen Ansatz gut, auch einmal...

Hallo Gislis,

Jes 65, 22 ist der Vers. Ich finde deinen Ansatz gut, auch einmal in einem Totensonntagsgottesdienst das Leben und den Tod, den Schmerz und die Freude zuzulassen. Ich denke, das Thema kann würdevoll in einem Gottesdienst rübergebracht werden.

Übrigens, Lachen ist nicht immer mit Freude in Verbindung zu bringen. Wenn Japaner nach einer schweren Katastrophe im Frensehen interviewed werden, dann wirken sie auf uns, als wenn sie lachen würden. Dabei ist es in der japanischen Kultur ein Lachen, welches Trauer asdrückt.

Gesegnete Grüße,
Ralf

 

Verfasst von gislis am 25. November 2009 - 11:25.

RE: RE: Was mich am Ewigkeitssonntag hindert in die

Hallo Ralf, danke fürs Nachsehen, danke für Deine Antwort. Ich finde...

Hallo Ralf,

danke fürs Nachsehen, danke für Deine Antwort. Ich finde diese Gedanken hier alle gut und möchte alle grüßen, die daran teilnehmen. Schmatz! Was ich auch interessant finde, muß aber noch darüber nachdenken ist die Einbindung in die Gemeinde, danke für den Denk-Anstoß.

tschau, gislis,

PS: ich lese jetzt erst nochmal alle Beiträge hier. 

Verfasst von ralf.a.friedrich am 23. November 2009 - 10:23.

RE: Was mich am Ewigkeitssonntag hindert in die Kirche zu gehen

Hallo Spero, vielen Dank für deinen Kommentar. Ich bin dankbar für...

Hallo Spero,

vielen Dank für deinen Kommentar. Ich bin dankbar für jeden Tag, den ich ohne Hiobsbotschaften leben darf und dazu zählen für mich auch Todesnachrichten.

Mir geht es eher um die besondere Atmosphäre an diesem Tag. Für mich gibt es einige Tage, an denen kann ich auch ohne Gottesdienstbesuch gut leben, weil sich eben eine besondere Gemeinde in den Gottesdienst einfindet. Es gibt noch andere Tage, an denen ich ungern in den Gottesdienst gehe. Der Heilige Abend gehört übrigens auch dazu. Es ist mir dann zu unruhig und viele Menschen wissen heute leider nicht mehr, wie man sich in einem Gottesdienst verhält.

An meine Verstorbenen Familienangehörige und Freunde gedenke ich regelmäßig. Dazu brauche ich keinen besonderen Tag.

Gesegenete Grüße,
Ralf

Verfasst von Coriander am 23. November 2009 - 11:19.

RE: RE: Was mich am Ewigkeitssonntag hindert ...

Ralf, ich kann Dich gut verstehen. Konfirmationen sind auch so eine Gelegenheit...

Ralf, ich kann Dich gut verstehen. Konfirmationen sind auch so eine Gelegenheit; da hat leider fast die ganze Gemeinde das Gefühl, an diesem Tag nicht dabei sein zu sollen oder zu müssen. Schlimm ist der Heckmeck, der bei Taufen häufig getrieben wird, so dass man da den Eindruck hat, in eine private Feier geraten zu sein. Weihnachten ... also am ersten Feiertag gibts meist einen wunderbaren Gottesdienst, allerdings mit ziemlich wenigen Menschen.

Gestern am Ewigkeitssonntag hatten wir die Kirche voll. Ich kannte von den verlesenen Namen zumindest drei, dabei war ein Mensch, den ich sehr gern hatte, ohne dass es eine ganz enge persönliche Beziehung gewesen wäre; und ich kannte auch Angehörige, die mit mir im Gottesdienst saßen. Die Atmosphäre war dicht, sehr ruhig - sogar die Konfirmanden saßen still - das gemeinsame Abendmahl trug und tröstete. Mein Mann und ich dachten auch an längst verstorbene Menschen; auch für solche, die keiner kennt und nennt, wurde eine Kerze entzündet.

Ja, ich denke auch sonst oft an "meine" Verstorbenen. Ich brauche für mich den besonderen Gottesdienst nicht unbedingt, aber ich fand doch schön, mit den anderen zusammen zu sein. Die Musik war nicht ganz mein höchster Traum, aber man kann nicht alles haben, und zumindest wurde mal nicht fotografiert ;-)

Coriander

- Streite dich nicht mit einem Dummkopf. Er zieht dich auf sein Niveau herunter und schlägt dich dort mit seiner Erfahrung. (Quelle unbekannt)-

Verfasst von ralf.a.friedrich am 23. November 2009 - 14:24.

RE: RE: RE: Was mich am Ewigkeitssonntag hindert ...

Hallo Coriander, schön, dass du eine wohltuenende Zeit hattest. Das mit...

Hallo Coriander,

schön, dass du eine wohltuenende Zeit hattest. Das mit der Musik ist so eine Sache. Da greif ich aich manchmal voll daneben, weil ich die Stücke auf Basis des Textes aussuche.

Das mit meiner eigenen Gemeinde ist so eine Sache. Ich bin zugezogen und als Prädikant auf Dekanatsebene im Einsatz. Von daher habe ich auch eher einen sehr losen Kontakt zu meiner Gemeinde. Ich denke, wenn ich einen engeren Kontakt hätte, dann würde ich wohl auch einiges anders sehen.

Gesegnete Grüße,
Ralf

Verfasst von JmE am 25. November 2009 - 2:51.

RE: RE: RE: RE: Was mich am Ewigkeitssonntag hindert ...

Moin, Media vita in morte sumus: "Mitten im Leben sind wir vom Tod umgeben...

Moin,

Media vita in morte sumus: "Mitten im Leben sind wir vom Tod umgeben." Gerade am Totensonntag wird mir das immer wieder klar. Ich lebe in meiner Gemeinde. Sie ist mir Heimat, die Glieder der Gemeinde sind mir Schwestern und Brüder im Glauben. Und das jetzt seit 2003. In jeder Familie gedenkt man der Toten, so auch in unserer Gemeinde. Der eine oder andere Namen, der verlesen wurde, steht für einen Menschen den ich kannte, wenn auch nur ein wenig. Und ich kann auch der Menschen aus meiner Familie gedenken, an diesem Tage und in diesem Gottesdienst ganz besonders. Zufälligerweise fiel der Totensonntag dieses Jahr auf den 22. November, der Tag an dem vor 38 Jahren mein Vater verstarb, an dem 1963 John. F. Kennedy erschossen wurde. Obwohl ich 1963 noch sehr jung war kann ich mich an das Entsetzen meiner Eltern und ihrer Freunde und Bekannten erinnern. Der Tod meiner Schwester vor jetzt schon über fünf Jahren, der Unfalltod meines Cousins Anfang diesen Jahres, all die Gedanken, Gefühle, die Trauer, die sonst nur in kurzen Augenblicken aufblitzen, vom Alltag schnell wieder verdrängt  konnte ich in diesem Gottesdienst zulassen. Ich fühlte mich geborgen bei Gott, im Kreise der Menschen unserer Gemeinde, fand mich in Predigt und Liedern wieder und wurde getröstet. Und ich erhielt die Verheißung und den Trost des Abendmahles in dieser Gemeinschaft. Einige der Trauernden kannte ich, viele nicht, obwohl ich einige Gesichter wiedererkannte, wie das eben so ist, wenn man in einer Kleinstadt seit über zwanzig Jahren lebt.

Ich möchte den Gottesdienst am Totensonntag nicht missen. Besinnung bietet er, Raum zum Trauern, nahe bei Gott sein und bei der Gemeinde. An diesem Tag kann ich auch fröhlich sein: nach dem Gottesdienst. Wenn ich meiner Tante zum Geburtstag gratuliere und mich freue, mit wie vielen lieben Menschen mich unser Gott umgeben hat.

Fröhliche Grüße

JmE

Slow and steady wins the race!
Mein Blog auf evangelisch.de

Verfasst von ralf.a.friedrich am 25. November 2009 - 10:38.

RE: RE: RE: RE: RE: Was mich am Ewigkeitssonntag hindert ...

Hallo JmE, schön, dass du dich in der Gemeinde wohl fühlst und durch...

Hallo JmE,

schön, dass du dich in der Gemeinde wohl fühlst und durch den Gottesdienst getröstet wirst und dadurch mehr Lebensfreude erhältst. Ich habe auch gelesen, dass du gut in deine Gemeinde integriert bist. Ich denke, dass ist eine der Grundvoraussetzungen, um unseren christlichen Glauben leben zu können und auch an besonderen Tagen einen Sinn für dich im Gottesdienst zu finden.

Gesegenete Grüße,
Ralf