Gott ist Vater, mehr aber noch Mutter!
„Frauen werden nicht mit dem Penis von Jungen spielen und sich nicht mit Kindern selbst sexuell befriedigen“, sagte mir eine Frau, als wir über die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche sprachen. Sie arbeitet als Pastoralreferentin in einer westdeutschen Pfarrgemeinde, hatte katholische Theologie studiert. Es seien eben die zahlreichen Männer – Priester und Patres - in ihrer Kirche, die sich dieses Recht (!) herausnehmen – von der Festlegung auf den Zölibat als Hauptursache hielt sie nicht viel. Aber sie meinte, dass man den Zölibat für Priester freiwillig machen sollte, kirchenrechtlich sei das möglich.
In der sich bildenden römisch-katholischen Kirche ist das Evangelium zu einer Männersache geworden – und die Frauen, die im Evangelium noch eine größere Rolle spielten, wurden zurückgedrängt. Frauen waren die ersten Zeugen der Wiedererweckung des Jesus, nachdem sie auch bei seiner Kreuzigung aushielten. Es war vor allem Maria Magdalena, die begann eine besondere Rolle im Verhältnis zu Jesus zu spielen. Stand sie am Anfang ebenbürtig neben Petrus, dem aber schließlich mit der Botschaft „Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Gemeinde/Kirche bauen“ (Matthäus 16,18) die Führungsrolle zugesprochen wurde?
Konstantin I., der Große, römischer Kaiser (306 – 337), gründete 325 auf dem Konzil von Nizäa seine christliche Staatskirche – damals noch ein ungetaufter Heide, der den römischen Sonnengott verehrte. Zu einer richtigen Religion nach seinem und dem römischen Verständnis gehörten Priester und eine Bischofshierarchie – was sich mindestens bis zum Ende des Bündnissen von „Thron und Altar“ in der Monarchie fortsetzte. Selbst Reformator Martin Luther (1483 – 1546) ist hier gegenüber den Fürsten eingeknickt – und als eine Nonne a.D., die mit seiner Katharina von Bora aus dem Kloster geflohen war, in Wittenberg predigen wollte, konnte sie bei dem Mann-Fixierten Luther nicht landen. Sie verfasste auch ein Kirchenlied, das in einem frühen Liederbuch veröffentlicht wurde – ohne die Angabe ihres Namens (Elisabeth Cruxiger). Männerkirche – auch bei den Protestanten! Die deutschen Landeskirchen verweigerten lange die Ordination von Theologinnen – die Ev. - Luth. Landeskirche Schaumburg-Lippe bis 1991 (!). Bleibende Begründung: „Das Weib schweige in der Gemeinde!“ (1. Kor. 14, 34).
In der Männer-Kirche verkümmerte sehr viel Weiblich-Frauliches, was in der Bibel noch eine Rolle gespielt hat. Bei Propheten Jesaja kann man noch lesen, dass Gott von sich sagt: „Wie eine Mutter ihren Sohn tröstet, so tröste ich euch“ (66,13). „Gott ist Vater, mehr aber noch Mutter.“ Das habe ich im „Te Deum“ aus Maria Laach gelesen und war etwas erstaunt, dass es von Papst Johannes Paul I. (+ 1978) stammte – ich hatte mehr an eine feministische Theologin und Bischöfin gedacht. Die Mütterlichkeit Gottes war für den Propheten Jesaja (um 770 v. Chr.) das Herzwort der Offenbarung, das hatte der Papst aufgegriffen.
Die christliche Männer-Kirche ist weltweit so verfestigt – vor allem durch das Priestertum, das an den Mann gebunden ist! -, dass eine Änderung kaum möglich sein wird. Außer: Es bilden sich freie Christen-Gemeinden, die diese Mütterlichkeit Gottes zur Sprache bringen und auch leben, die vielleicht sogar diesen Kirchenfürsten Petrus etwas zurückdrängen, damit die Botschafterin von Ostern, Maria Magdalena, in den Vordergrund rückt.
11. Juli 2010
Kommentare
Paulus ein Witwer?
HIbbing spekuliert: "Paulus hat das vielleicht in einem ganz anderen Zusammenhang gemeint. Vielleicht hatte er selber mit herrsüchtigen Frauen so seine Probleme und wollte das nicht in der christlichen Gemeinde haben. Ich denke das Paulus Witwer war und seine Ehe auch vor Problemen nicht gefeit war."
Ich denke, dass solche Annahmen belegt gehören. Im Biographisch-Bibliographischen Kirchenlexikon (BBKL), das einen guten, auf biblische und außerbiblische Quellen gestützten biographischen Überblick bietet, finde ich keine Anhaltspunkte für diese Annahmen.
Übrigens, sehr viele Frauen haben bis heute Probleme mit herrschsüchtigen Männern ....
Mir ist es eigentlich ganz gleichgültig, was Paulus mit den Frauen meinte, die in der Gemeinde zu schweigen hätten. Wenn in unserer Gemeinde die Frauen schwiegen, so gäbe es bald keine Gottesdienste mehr :-) Ich jedenfalls erhebe meine Stimme dort oft und gern und kann mir nicht denken, dass Gott etwas dagegen hat.
Coriander
- Streite dich nicht mit einem Dummkopf. Er zieht dich auf sein Niveau herunter und schlägt dich dort mit seiner Erfahrung. (Quelle unbekannt)-