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Afghanistan oder Unser Kampf gegen den Terror?

Wird am Hindukusch die freiheitlich-demokratische Grundordnung der Bundesrepublik verteidigt? Ist der Afghanistankrieg ein religiöser Konflikt? Warum wird kaum in Erinnerung gerufen, dass vor 30 Jahren die Amerikaner die Taliban in deren Kampf gegen die islamisch-sozialistischen Mudschaheddin und gegen die sowjetischen Besatzer unterstützten und dadurch das hervorriefen, was sie heute bekämpfen?

Fragen über Fragen, mit denen sich unsere Basisgruppen schon länger beschäftigen. Dabei haben sich bei der Beurteilung von Detailaspekten auch unterschiedliche Einschätzungen ergeben.

Einigkeit besteht jedoch in der eindeutigen Ablehnung von Meinungen, die aus dem Umfeld der Militärseelsorge zu vernehmen sind. Das Beklagen von zu wenig Verständnis für die Soldaten bei der deutschen Bevölkerung wird als nicht akzeptabel abgelehnt. Die Entsendung der Bundeswehreinheiten sei eine politische Entscheidung gewesen, für die es zu keiner Zeit eine Mehrheit in der Bevölkerung gab. Die Militärseelsorge möge auf diesen Widerspruch eingehen und nicht einem umstrittenen Einsatz applaudieren. Denn Letzteres könnte den Eindruck hervorrufen, die Evangelischen hätten sich ausnahmslos in die deutsche Kriegsfront eingereiht.

Die Neujahrspredigt von Bischöfin Käßmann, die sehr konkret auf den Afghanistankrieg einging und Lösungsvorschläge machte, wird einhellig begrüßt. Aber das könne nur ein erster Schritt sein. Wer zum Frieden aufrufe, müsse auch klar sagen, wer und aus welchen Gründen am Krieg beteiligt sei.

Der Kampf gegen den Terror müsse ein globaler Kampf gegen die Ungerechtigkeit sein. Und er beginne vor unserer Haustür, so die ziemlich einhellige Meinung in den 82 Basisgruppen. Eintreten für Mindestlöhne (auch im diakonischen Bereich!!!) oder Protest gegen das Hartz IV-Unrecht und die daraus erwachsene Kinderarmut seien Anliegen, die mit der Ethik der Bergpredigt allemal vereinbar seien. Würde sich die Kirche hier ohne Zaudern engagieren, gewönne sie an Glaubwürdigkeit.
 

Ferdinand

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Kommentare 3

Kommentare

Verfasst von Gemeindenetzwerk (ki) am 25. Januar 2010 - 21:19.

RE: RE: Afghanistan oder Unser Kampf gegen den Terror?

Liebe Friederike, ich verhehle keineswegs die Leistungen für sozial...

Liebe Friederike,

ich verhehle keineswegs die Leistungen für sozial Benachteiligte, die von vielen Kirchengemeinden erbracht werden; im Gegenteil. Aber die Kirche darf sich nach meiner sowie meiner Freundinnen und Freunde Meinung nicht als Reparaturbetrieb eines Systems verstehen, in dem der Mensch allmählich denselben Stellenwert einnimmt wie eine Ware. Es geht nicht um das kleine Nein zum insgesamt großen Ja. Denn: „Eure Rede sei ja, ja, nein, nein.“ Wir Christen müssen uns entscheiden.

Es überzeugt mich auch nicht, wenn Berliner CDU-Politiker die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zur Erhaltung der Sonntagsruhe begrüßen; während in anderen großen Städten diese Partei die Einzelhandelsverbände und Industrie- und Handelskammern unterstützt, die am liebsten eine 24-stündige Ladenöffnungszeit durchsetzen möchten. Und das Personal, das dafür benötigt wird, mit 400 €-Jobs etc. abspeisen möchten. Wer davon nicht leben kann, und wer kann das schon, dem wird geraten, zum Hartz IV-Aufstocker zu werden – das ist Gewinnstreben zu Lasten der Gemeinschaft. Leider habe ich aus der Kirche noch keinen Sturm der Entrüstung gehört. Ebenso kein Glockengeläut gegen solches und anderes himmelschreiende Unrecht.

Die Kultursendung titel-thesen-temperamente berichtete am Sonntagabend über einen italienischen Journalisten, der sich unter jene Menschen mischte, die aus Afrika, also vor der bitteren Armut, fliehen und Europa erreichen möchten. Wir Europäer wehren diese Menschen mit Hilfe von Diktatoren wie Gadaffi ab, um unsere Festung des relativen Wohlstands zu retten. Wir führen Krieg gegen die Armen - mitunter versehen mit  den Salbensprüchen christlicher Pastoren.  In Afghanistan liegen die Verhältnisse zwar etwas anders, weil Stammesfürsten, verschiedene islamische Extremisten und westliche Wirtschaftsinteressen aufeinander stoßen. Aber im Grunde ist es auch ein sozialer Konflikt. 

Viele Grüße
Ferdinand
 

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