Der USP des Glaubens und der Kirche
Mit dem Begriff Unique Selling Proposition (USP) bezeichnet man das oder die Alleinstellungsmerkmal/e eines Produkts, also den kaufanregenden Vorteil gegenüber anderen mit ähnlichen Grundeigenschaften. Würde man diese Messlatte an die Kirche bzw. an den Glauben anlegen, was käme dabei heraus? Die Basisgruppen des Gemeindenetzwerks haben darüber in den letzten Wochen intensiv diskutiert.
Die Hauptkriterien bei Waren und Dienstleistungen sind üblicherweise Funktionalität, Produktqualität und möglichst lange Gebrauchsfähigkeit, Design, Verfügbarkeit, Kundendienst und Preiswürdigkeit.
Die Kirche wird im Allgemeinen wahrgenommen als Gemeinschaft, die von einer Grundüberzeugung/Weltanschauung getragen wird.
Die Elemente dieser Überzeugung sind der Glaube an die Existenz eines Gottes, der sich in Ereignissen der Weltgeschichte offenbart hat. Weiterhin Jesus, der das Göttliche in menschlicher Gestalt in die Welt getragen hat, als religiöser und politischer Aufrührer verurteilt und hingerichtet wurde, aber nicht im Tod geblieben ist und durch sein Opfer die Begrenztheit des Menschen aufgehoben hat. Dieser wird nach seiner irdischen Existenz in das Reich Gottes eingehen, das sich nicht mit menschlichen Maßstäben beschreiben lässt. Aber bereits im irdischen Leben der Menschen ist etwas von dieser Ewigkeit Gottes spürbar. Vor allem in der Nächstenliebe, welche die Liebe Gottes erfahrbar macht.
Bei der Formulierung des letzten Absatzes hatte ich Mühe. Nicht etwa, weil ich fürchtete, mit der einen oder anderen Bekenntnisschrift des Protestantismus in Konflikt zu geraten. Aber wenn ich mit einer solchen Litanei das Alleinstellungsmerkmal eines Produkts in der säkularen Welt erklären sollte, bliebe ich auf der Ware sitzen.
Was ist der USP des Glaubens? Vielleicht wissen andere eine treffende Formulierung, die Chancen besäße, allgemein akzeptiert zu werden?
Ferdinand


Kommentare
Wenn man einen Freund hat...
Da ich mit Kindern arbeite, bin ich es gewohnt, die biblische Botschaft zu "elementarisieren"...
... die erste Einheit im RU der heißt bei mir - ausgeliehen aus der Geschichte "O wie schon ist Panama" von Janosch -
"Wenn man einen Feund hat, braucht man sich vor nichts zu fürchten"
Bei Janosch ist es der Freund, der Pilze finden kann, oder eine Regenhütte bauen kann...
... wie Gott (durch Jesus) zum Freund wird, muss immer wieder neu entfaltet werden. Ein erstes Beispiel im RU ist die Geschichte von Zachäus
lg kreuzpatsch
Re Freunde sollt ihr sein?!
Tja, Fritz, was die Kinder daraus machen, habe ich nicht in der Hand...
... Religion kann immer nur ein "Angebot" sein, vielleicht eine "Vision" wie es miteinander in der Welt besser klappen könnte. Und "Freundschaft" scheint mir da nicht die schlechteste Idee...
Und "eintrichtern" darf ich den Kindern sowieso nichts :-)) - will ich auch nicht. Die Schule ist kein Missionsgebiet. Aber sie ist ein Ort, wo Kinder verschiedene Kulturtechniken erlernen um damit die Welt zu erschließen Religion verstehe ich eben auch als eine Möglichkeit, die Welt zu verstehen: sie versucht Antworten auf die Fragen nach dem woher, wohin und wozu des Lebens, die in dieser Form von den anderen in der Schule zu erlernenden Techniken nicht angeboten wird. Vielleicht kann sie so Maßstab werden für die typischen kleinen Grenzfälle des Lebens. Aber nicht jeder macht was aus dem, was er in der Schule gelernt hat ... es gibt ja auch außerdem auch die Idee vom lebenslangen Lernen :-))
lg Barbara
USP?
Lieber Fritz, - no offense taken - wie der Engländer sagt :-))
Du schreibst:
Aber ihr gehts doch um noch viel mehr Elementarisierung alias Vereinfachung, Verkürzung, provilierende Simplifizierung des religiösen Grundinventars EINER speziellen Weltanschauungsgemeinschaft als USP, Alleinstellungsmerkmal, Werbeansatz zur Mitgliedergewinnung....wie ein erfolgreiches, unmittelbar wirksames allgemeinverständliches USP als Antwort auf grundlegende Sinnfragen formuliert wäre.
Elementarisiern bedeutet in der (Religions)Pädagogk nicht Vereinfachen oder Verkürzen, sondern das Grundthema herauszuarbeiten... und da gebe ich Dir recht, dass das schwierig wird, wenn man so gewissermaßen ein USP des "evangelischen Glaubens" finden will. Das Grundthema findet man vielleicht noch (im Glaubensbekenntnis vielleicht?) - aber die Entfaltung wird schwierig.... wie ja die Erfahrung der Diskussion (nicht nur der letzten Tage) zeigt....Es gab mal eine Evangelisation mit dem Thema "Ich hab´s gefunden". Na prima, habe ich damals gedacht, wenn das so einfach wäre... einmal zu wissen, wie es geht mit dem Glauben....
Wir müssen wohl damit leben, dass es nicht so einfach ist. Wir müssen wohl damit leben, dass unser USP sich oft nur im Dialog erschließt, das es ein "auf der Suche sein" bleibt. Das ist nicht werbewirksam. Aber ehrlich. Weil christlicher, evangelischer Glaube keine Ware ist, die verkauft wird sondern sich immer wieder neu in jedem einzelnen Leben konkretisieren muss. Wir können nur einladen, sich gemeinsam auf den Weg zu machen....
lg kreuzpatsch
P.S. zum RU: ich bin übrigens in der komfortablen Situation, die Schüler als ganze Klasse unterrichten zu können: zu wenige Schüler an der Schule für eigenen kath. RU - und die nicht getauften sind bei mir als Gäste willkommen. Es gibt aber inzwischen auch Möglichketein für eine Schule gemeinsamen kath. und. ev. RU zu beantragen
Glaube als Marke?
Hallo Fritz,
Glaube und Kirche sind keine Produkte im betriebs- oder volkswirtschaftlichen Sinn. Sie werden von vielen nachdenklichen Menschen als Weltanschauung bzw. institutionalisierte Weltanschauung wahrgenommen. Und aus diesen Nachdenklichen rekrutieren sich die Mitglieder von morgen; also jene, die in der Kirche bleiben und die anderen, auf deren Eintritt die Kirche wartet. Diese Mitbürger erwarten eine Erklärung der Welt (inklusive der Frage, ob mit dem Tod alles zu Ende ist) und eine Strategie, um die Welt gerechter zu machen (Stichwort Bergpredigt). Und als Messlatte dienen Kriterien, die aus der Waren- und Dienstleistungswelt entlehnt sind. Deswegen wird die Kirche und werden die einzelnen Gläubigen nicht darum herum kommen, so etwas wie einen USP zu formulieren.
Ich persönlich bewege mich beruflich in einer säkularen Welt. Meine Kolleginnen und Kollegen (Verlagsexperten, Juristen, Autoren, Politiker, Verbandsfunktionäre) gehören zu fast 90 Prozent keiner Kirche an. Die etwas Lebensälteren sind ausgetreten (nicht wegen der Kirchensteuer), die Jüngeren haben nie Kontakt zur Kirche gehabt (kein Religionsunterricht, kein Konfirmandenunterricht etc.). „Warum bist Du / sind Sie noch Mitglied der Kirche?“ lautet eine der am häufigsten gestellten Fragen.
Aber auch die korrespondieren Mitglieder der Initiativgruppe Gemeindenetzwerk berichten über ähnliche Erfahrungen und Nachfragen in den Gemeinden.
Evangelisch zu sein, Christ zu sein, das ist nicht mehr selbstverständlich. In der Landeskirche Hessen-Nassau gibt es den Slogan „Evangelisch aus gutem Grund“. Aber was ist dieser gute Grund? Er wird nicht benannt.
Aus meiner Kinderzeit kenne ich den Werbespruch „Aus gutem Grund ist Juno rund“ (Juno war eine Zigarettenmarke). Vermutlich wird man die Essentials des Glaubens nicht auf einen vergleichbaren einfachen Nenner reduzieren können. Andererseits ist das Einfache manchmal auch das Geniale.
Einer meiner Freunde, ein Spötter vor dem Herrn, bemerkte einmal ironisch: „Ich bin evangelisch, weil ich dadurch im Leben schön, reich und mächtig werde und meine Mitgliedschaft in der Kirche mir das ewige Leben sichert.“ Das war ein klassisches Alleinstellungsmerkmal. Aber ich fürchte, es wird nicht einlösbar sein.
Ferdinand
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Ferdinand Mertens