Privater Energieverbrauch
Ich möchte hier einen Beitrag von Krakau aufgreifen. Thema: Was tun wir für den Klimaschutz, bzw. was tun wir nicht?
Zunächst einmal möchte ich vorschlagen, statt "wir" das Wörtchen "ich" einzusetzen. Denn wer ist schon "wir"? Meine Familie? Der Staat? Die "Gesellschaft", wer auch immer das sei? Oder gar die anderen, hinter denen ich mich so verstecke, dass man nicht sieht, dass ich auch dabei bin?
Also "ich", Ismael über Ismael. Eigenlob stinkt, im Gegensatz zu CO 2, leider. Trotzdem: Ismael gewann 1995 bei einem Klimaschutzwettbewerb eines norddeutschen Radiosenders. Nicht mit einer pressewirksamen Initiative oder einer zukunftsträchtigen Ingenieurleistung. Nein, nur mit einer Abrechnung von den Stadtwerken über den Stromverbrauch im Privathaushalt. Der ist aber reichlich unspektakulär: drei Personen kochen, backen, bügeln, waschen, saugen Staub... was man eben so macht in einer kleinbürgerlichen Spießerfamilie. Nur fernsehen tun sie nicht. Autofahren mit dem PKW auch nicht, aber das macht man ja üblicherweise auch nicht in der Wohnung.
Unser aktueller Nettostromverbrauch* liegt knapp 15 Jahre später bei 1770 kwh per anno. Halb so viel wie im Durchschnitt für einen 3-Personen-Haushalt. Selbst wenn man berücksichtigt, dass die Warmwasserbereitung über die Zentralheizung und nicht über eigene Boiler in Bad und Küche erfolgt, ist das noch ein guter Schnitt.
Man überlege: Wie viele Kraftwerke könnte man einfach abschalten, wenn es alle so machten?! So einfach von heute auf morgen, ohne auf Beschlüsse aus Kopenhagen zu warten, ohne zusätzliche Solaranlagen, Windräder, technische Erneuerungen. Einfach so.
Also, was machen wir in unserem Haushalt anders? Keine Ahnung, echt nicht! An den paar Stromsparbirnen kann es nicht liegen. Auch nicht an dem Kühlschrank, für den wir 50,-- DM mehr bezahlt haben, damit wir einen mit einer besseren Energieeffizienz bekommen konnten. Meine Frage: Was machen andere, dass sie so viel Strom verbrauchen? ~:-/
Aber, um mal Luft aus dem Kessel zu lassen, auch bei uns liegt noch einiges im Argen. Als wir vor ein paar Jahren umzogen, mussten wir uns einen Wäschtetrockner zulegen. Der absolute Schluckmolch, er frisst wohl 10 % der gesamten Strommenge. :-[ Zu unserer alten Wohnung gehörte ein überdachter Balkon und ein langer Flur, wo wir die Wäsche trocknen konnten. Das haben wir jetzt nicht mehr. Dilemma der Neubauten: das Dachgeschoss ist zu Wohnungen ausgebaut, einen Trockenboden gibt es nicht. Der Trockenraum im Keller bringt es auch nicht, weil er nicht gut genug belüftet ist. Also, liebe Architekten, merkt's euch: zu einem modernen Energiesparhaus gehört ein altmodischer Trockenboden!
Den verkappten Standby-Schaltungen bin ich inzwischen auf die Schliche gekommen. Unsere Radios haben Strom gezogen, auch wenn sie aus waren. Aus ist eben nicht gleich aus. Auch dann nicht, wenn nirgendwo ein kleines Standby-Lämchen leuchtet. Das sinnd oft drei bis sieben Watt, die ein Strommessgerät anzeigt. Da muss man also immer den Stecker ziehen! Und beim PC mit dem Schalter auf der Steckerleiste ausknipsen. Verrückt: Alle diese Geräte sind gebaut worden, als die Energie- und Klimaproblematik schon lange bekannt war.
Problematisch sind auch alle Geräte mit Trafos: Telefone, Niedervoltlampen, Dimmer, Computer und was da so dran hängt. Oft kann man es fühlen, dass da immer was wam ist. Aber bei Lampen mit Dimmer bin ich erst mit dem Strommessgerät dahinter gekommen, dass sie permanent Strom ziehen. Das wusste sogar die Fachhändlerin nicht. Die guckte ganz pikiert, als ich sie kürzlich darauf ansprach und ihr sagte, dass wir aus solchem Sortiment nichts mehr kaufen würden. Manchmal erfinden die Ingenieure einfach zu viel. Wo zu ein Sensordimmer, wenn es ein Kippschalter, der richtig "klack" macht, genau so gut tut?! Na gut, wir haben uns mit Schaltsteckdosen geholfen. Aber bei meinem Internet-Router, an dem auch das Telefon hängt, geht das nicht. Auf dem Kasten könnte man Eier backen. Da sitze ich meinem Provider schon länger auf den Hacken, dass er sich da mal was besseres einfallen lässt. :-/
So, nun kommt ihr!
Liebe Grüße, Ismael
*Nettostromverbrauch: Verbrauch im eigenen Haushalt, wie er vom Stromzähler angezeigt wird.
Bruttostromverbrauch: Verbrauch, wie er im eigenen Haushalt + durch gekaufte Waren und Dienstleistungen zustande kommt. (Wer sich die Pizza vom Italiener an der Ecke anliefern lässt, verbraucht auch Strom (+ Sprit für die Lieferung), obwohl der eigene Herd kalt bleibt. In allen gekauften Waren steckt ja ein Energieanteil drin.)

Kommentare
RE: RE: Privater Energieverbrauch
... und auch ganz wichtig - wohne ich über einem Saharamieter oder über den ungeheizten Garagen?
Sicherlich kann man durch kosequentes Ausschalten eine Menge Strom sparen, aber für die meisten Menschen erschließt sich dieses nicht ohne weiteres. Dazu muss man schon mal ein wenig rechnen:
Ein durchschnittlicher LCD-Bildschrim verbraucht im Standby Modus etwa 3 Watt. Ein PC im Standby Modus etwa 4 Watt.
Und der Fernseher rund 1Watt. Der DVB-T Empfänger liegt bei 4 Watt.
Bei einem durchscnittlichen Strompreis von 19 Cent pro kwh kommt man auf folgende Kosten:
Angenommen PC und TV werden jeweils 4 Stunden täglich genutzt und sind 20 Stunden auf Standby.
PC: 7Watt * 20Stunden * 365 Tage = 51100 Wattstunden = 51,1 kWh
TV: 5Watt * 20 Stunden * 365 Tage = 36500 Wattstunden = 36,5 kWh
macht zusammen im Jahr 87,6kWh oder 16,64 Euro für Geräte die man nicht benutzt.
Da aber viele ja nicht nur 1 PC und 1 TV-Gerät besitzen, sondern meist 2 und es noch eine ganze Reihe weiterer Geräte mit Standby-Betrieb gibt, kann man bei ungünstigen Verhältnissen locker um 80 Watt für das Nichtbenutzen der Gräte verschwenden!
80Watt * 20Stunden * 365 Tage * 0,19Euro = 110,98 € im Jahr für nichts!
Und mit rund 111,- Euro kann wieder jeder etwas anfangen...
RE: RE: RE: RE: Privater Energieverbrauch
Hallo Fritz,
bevor Du hier ziemlich abwertend urteilst - erstmal Gehirn einschalten!
...Freizeit-Rechen-Spielchen der eh Besser-Verdienenden
Woher nimmst Du die Gewissheit, dass ich zu den "eh Besser-Verdienenden" gehöre. Weil ich Rechnen kann?
...der kann leicht schwätzen
Es geht hier nicht um Aufenthalt außerhalb der Wohnung und auch nicht um supermoderne Geräte. Es geht um das korrekte Abschalten bzw. Trennen vom Netz. Das kann jeder. Dazu benötige ich weder soziale Außenkontakte noch hypermoderne Ausstattung.
...müssen noch lange nicht wie unterstellt immer alle parallel Dauerlaufen
Es geht nicht um die Betriebskosten, sondern um die Nicht-Betriebskosten!
Wenn man 4 Stunden Betrieb des Fernsehers pro Tag annimmt, dann ist er ja wohl 20 Stunden davon ausgeschaltet. Gleiches gilt für den PC. Das ist eine einfache Überschlagsrechnung.
Während 8 Stunden Schlafen werden der Fernseher, der PC und all die anderen Geräte wohl kaum in Betrieb sein. Sie sind dann im Standby-Modus, augenscheinlich Aus, aber doch benötigen sie alle parallel Strom.
Während der 8 Stunden Arbeitszeit wohl auch nicht.
Verbleiben die 8 Stunden Freizeit, und dass dort nicht alle Geräte gleichzeitig laufen ist durch die 4 Stunden ausgedrückt. Solltest Du Deine Gräte noch weniger nutzen als 4 Stunden am Tag, so sind die 20 Stunden Standby-Zeit noch zu wenig und Du wirst noch mehr Geld verpulvern.
Der letzte Absatz Deines Textes offenbart uns, dass Du beim Schreiben offensichtlich das Gehirn im Standby-Modus hattest:
Demnach sind Energie-Spar-Freaks zunächst eindimensional, haben wenig Verstand, sind anscheinend etwas verbrettert und sichtfeldverengt und stolpern durch die Welt ohne viel erkennbare soziale Kompetenz.
Gruß Thomas
RE: RE: RE: Privater Energieverbrauch
Und der Fernseher rund 1Watt. Der DVB-T Empfänger liegt bei 4 Watt.
Ja. Und wir haben den immer ausgeschaltet. Bis das Netzteil kaputt war. Der Fachhändler am Ort sagte uns, die seien für häufiges Ein- und Ausschalten heutzutage nicht mehr ausgelegt. Da haben wir ein bisschen Strom gespart, aber ein Vielfaches des Ersparten für die Reparatur hingeblättert. Noch lieber wollten sie uns gleich einen neuen Fernseher andrehen.
- Streite dich nicht mit einem Dummkopf. Er zieht dich auf sein Niveau herunter und schlägt dich dort mit seiner Erfahrung. (Quelle unbekannt)-
RE: RE: RE: RE: Privater Energieverbrauch
...für häufiges Ein- und Ausschalten heutzutage nicht mehr ausgelegt
Nette Ausrede! Wohl eher sind die Geräte so billig gebaut, dass sie nach 2-3 Jahren eh kaputt gehen. Aber gewöhnlich sollte ein Ferseher rund 10 - 15 Jahre halten. Allerdings gibt es nach spätestens 5 Jahren meist keine Ersatzteile mehr...
RE: RE: RE: RE: RE: Privater Energieverbrauch
10-15 Jahre? So wird das Heer der Arbeitslosen bestimmt nicht abgebaut :-)
Und in 3 Jahren gibt es 3-D-Fernsehen. Da liegen die Toten in den Krimis neben Dir und die Flugzeuge fliegen durch Dein Wohnzimmer.
RE: RE: RE: RE: RE: RE: Privater Energieverbrauch
Da liegen die Toten in den Krimis neben Dir und die Flugzeuge fliegen durch Dein Wohnzimmer.
Das hab ich jetzt auch - nennt sich LSD.
RE: RE: RE: RE: RE: Privater Energieverbrauch
Ja genau. Sagte ich doch.
- Streite dich nicht mit einem Dummkopf. Er zieht dich auf sein Niveau herunter und schlägt dich dort mit seiner Erfahrung. (Quelle unbekannt)-
RE: RE: RE: RE: RE: Privater Energieverbrauch
Also die Schalter sind es in den seltensten Fällen. Ich hab jedenfalls noch keinen Netzschalter tauschen müssen.
Bei Elektronik sind es meist die Elkos (die neuerdings gerne auslaufen). So sind 90% der Totalbschreibungen meiner Haushalts- und Unterhaltungselektronik außschließlich darauf zurückzuführen. Die restlichen 10% haben andere Macken - meist mechanischer Art - ausgeschlagen, ausgeleiert, fallengelassen oder schlicht Dichtigkeitsprüfung Strand oder Ostsee nicht bestanden.
Gruß Thomas
RE: RE: RE: RE: RE: RE: Stromverbrauch vs. Haltbarkeit
Hier war es das Netzteil. Mein Punkt war einfach der: Man versucht alles richtig zu machen und spart kleinste Strommengen (weil sich das ja doch läppert am Ende), und dann darf man ein Vielfaches ausgeben, weil so ein Dingens das nicht verträgt. Weil es so billig konstruiert ist.
Bei den Energiesparlampen ist das ja auch zweischneidig. Die verbrauchen ganz wenig. Aber Ein- und Ausschalten strengt die an. Moral ist auch da, so eine 11-Watt-Lampe eher mal leuchten zu lassen als immer zu knipsen, weil das am Ende günstiger kommt. Beziehungsweise nicht die allerbilligste zu nehmen, weil die recht bald so viel kostet wie eine haltbarere.
Die Petit Economy von der CO2Kampagne schneidet wohl ganz gut ab und verträgt anscheinend auch das Schalten besser als so manche sehr billige. (Auf die sind wir durch die Teekampagne gekommen, die ebenfalls aus einer Projektwerkstatt der FU Berlin hervorging.)
- Streite dich nicht mit einem Dummkopf. Er zieht dich auf sein Niveau herunter und schlägt dich dort mit seiner Erfahrung. (Quelle unbekannt)-
RE: RE: RE: RE: RE: RE: RE: Stromverbrauch vs. Haltbarkeit
Moral ist auch da, so eine 11-Watt-Lampe eher mal leuchten zu lassen als immer zu knipsen, weil das am Ende günstiger kommt.
Wie funktioniert das denn?
Nehmen wir also ESL aus dem großen Test der Stiftung Warentest (.pdf) von vor einem Jahr:
IKEA Sparsam 11W mit einer Lebenszeit von 8826 Std. oder 6312 Schaltzyklen und dem Stückpreis von 1,33 €.
Das sind bei 3h Betrieb pro Tag ziemlich genau 8 Jahre. Hat man aber 10 Schaltzyklen pro Tag hält diese Lampe nur noch 1,7 Jahre. In diesen 1,7 Jahren verbraucht man bei 3h täglich 20,829 kW Strom für 3,96 €.
Verringert man die Anzahl der Schaltzyklen auf 5 und erhöht die tägliche Betriebsdauer auf 5h ergibt das 4,8 Jahre für die Betriebsleistung und 3,4 Lebensjahre für die Schaltzyklen. In 3,4 Jahren verbraucht man bei 5h täglich 69,432 kW Strom für 13,19 €.
Um in der ersten "Ausschalt" Variante auch eine Lebensdauer von 3,4 Jahren zu erreichen muss ich 10,58 € aufwenden. In der "Langleucht wenig Ausschalt" Variante benötige ich 14,52 €, das sind rund 37% mehr Kosten...
Zum Vergleich noch eine "teure" Lampe...
Megaman Compact Globe 11W mit einer Lebenszeit von 13.691 Std. oder 210.000 Schaltzyklen und dem Stückpreis von 13,- €.
Das sind bei 3h Betrieb pro Tag ziemlich genau 12,5 Jahre. Hat man 10 Schaltzyklen pro Tag hält diese Lampe über 50 Jahre! In den 12,5 Jahren verbraucht man bei 3h täglich 150,601 kW Strom für 28,61 €. Also insgesamt 41,61 €.
Und nun kommt der interessante Vergleich:
Um mit Ikea die gleiche Lebenszeit zu erreichen benötigt man 7,23 d.h. also 8 Stück a 1,33 € ergibt 10,64 € ! Der Strompreis ist der gleiche (gleiche Lebenszeit und gleiche Leistung). Demnach muss ich zwar bei IKEA öfter mal die Lampe tauschen...
Problematisch wird diese Rechnung aber, wenn man die Anzahl der Schaltzyklen deutlich erhöht z.B. auf 40 oder 50 pro Tag (in Treppenhäusern von Mehrfamilienhäusern durchaus normal). Dann dürfte die Megaman eindeutig die bessere Wahl sein.
Gruß Thomas
RE: RE: RE: RE: RE: RE: RE: RE: Stromverbrauch vs. Haltbarkeit
Das ist interessant. Mal sehen, ob ich das für unsere Lampen nachgerechnet kriege. Die kosten 2,70 pro Stück und haben gut abgeschnitten bei Ökotest. Danke für die ausführliche Darstellung.
Gute Nacht
- Streite dich nicht mit einem Dummkopf. Er zieht dich auf sein Niveau herunter und schlägt dich dort mit seiner Erfahrung. (Quelle unbekannt)-
RE: RE: RE: RE: RE: RE: RE: Privater Energieverbrauch
WISSEN tu ich das natürlich nicht, aber langjährige Facherfahrung zeigt, der Schalter ist selten die Ursache für einen Totalausfall. Aber Du hast natürlich vollkommen recht: das Ergebnis ist das Gleiche. ;-)
RE: Privater Energieverbrauch
Zur Diskussion passt ja auch sehr schön dieser Kurzfilm: "Die Rechnung" von Peter Wedel
Team Community (2010)
Zwischen Spaß und Ernst: hier
Zwischen Spaß und Ernst: hier ein Filmchen aus dem hohen Norden.