Zehn Gebote/Gottesworte
kreuzpatsch schrieb:
""Lieber Azad,
deinen Ausflug zu den 10 Geboten finde ich sehr spannend, besonders - wie Du schreibst - dass im hebräischen Text von "Worten" gesprochen wird, obwohl es genügend Auswahl anderer Ausdrucksmöglichkeiten gegeben hätte.
Zu dem Abschnitt Deines Beitrags:
Auch Luther scheint die Gebote so verstanden zu haben. In der Auseinandersetzung mit Erasmus von Rotterdam wirft er letzterem vor, er gehe davon aus, daß der Mensch die Gebote aus eigener Kraft halten könne, sonst hätte Gott sie ja nicht erteilt. Luther hält dagegen, daß die Gebote durchaus dazu da sind, daß man sie hält - nur eben nicht aus eigener Kraft, sondern durch Gottes Wirken im Menschen, sozusagen als Frucht einer neuen, durch Christus geschaffenen Gemeinschaft zwischen Gott und den Menschen.
würde es sich ja lohnen, einmal grundsätzlich über unser Verständnis der Gebote nachzudenken, besonders im ökumenischen Dialog. M.E. wäre es einen eigenen Thread wert!? - Vielleicht im öffenen ökumenischen Gesprächskreis?
lg kreuzpatsch""
Na, machen wir doch Nägel mit Köpfen! Weil es sich ja nicht um eine spezifische Problematik der Konfessionen handelt, mache ich den Gesprächsfaden mal hier auf dem Kanapee auf.
Kommentare
RE: Zehn Gebote/Gottesworte
In meiner Abschlussarbeit zum Anerkennungsjahr als Gemeindepädagogin habe ich mich mit "emanzipatorischer Jugendarbeit" beschäftig (lange her, damals war das sehr in der Diskussion um evangelische Jugendarbeit).
Ein Gedanke aus dieser Diskussion hat mich seit damals nicht mehr losgelassen: Wenn man die Jugendlichen zu freien, selbstbewußten, selbstständig denkenden Menschen/Christen erziehen will, so muss man sie schon vorab - auch wenn sie dem noch nicht (so ganz) entsprechen - auch so behandeln. Man muss sie ernst nehmen und ihnen etwas zutrauen.
In diesem Sinne - denke ich mal - "behandelt" Gott uns: Er nimmt uns schon ernst und traut uns schon zu, auch wenn wir noch "hineinwachsen" müssen. So verstehe ich die 10 Gebote/Worte und auch die Seligpreisungen, die ja auch diesem Charakter des "Statements" habe, dass uns zugetraut wird, in das wir aber noch hineinwachsen müssen.
Das kann sich so anhören, als ob wir es schaffen könnten, die Gebote oder Seligpreisungen nun doch irgendwie aus eigener Kraft zu halten. So möchte ich das nicht verstanden wissen. sondern für mich ist Gottes Zutrauen auch Gottes Kraft, die es "in uns wirkt".
....noch eine kleine Anmerkung zum besseren Verständnis des Wortes Emanzipation:
Wikipedia schreib dazu
Emanzipation stammt von dem lateinischen emancipare: einen „Sklaven oder erwachsenen Sohn“ aus dem mancipium, der „feierlichen Eigentumserwerbung durch Handauflegen“, in die Eigenständigkeit zu entlassen.
lg kreuzpatsch