Wegmarke - Zwischen Harmonie und Streit ums Abendmahl: Beim 1. Ökumenischen Kirchentag 2003 in Berlin traten auch die Grenzen zwischen den Konfessionen wieder deutlicher hervor.
So harmonisch wie im Jahr 2003 arbeiteten Protestanten und Katholiken in Deutschland noch nie zusammen. Höhepunkt war der 1. Ökumenische Kirchentag Ende Mai in Berlin. Mit ihren orangefarbenen Kirchentagsschals prägten Tausende von Teilnehmern fünf Tage lang die Bundeshauptstadt. Das Treffen gilt heute - trotz Abendmahlsstreit - als wichtige Wegmarke der Kirchengeschichte.
Dalai Lama lockte die meisten Besucher
Deutschland mit seinen historisch bedingt fast gleich vielen katholischen und evangelischen Christen - jeweils rund 25 Millionen - war der ideale Ort eines solchen ökumenischen Großereignisses. In dem Land, "in dem die westliche Kirchenspaltung ihren Anfang nahm", so der 2005 verstorbene Papst Johannes Paul II. damals in seinem Grußwort, kamen vor sieben Jahren fast 200.000 Dauerteilnehmer zusammen.
Eine der am bestbesuchtesten Veranstaltungen war in Berlin der Auftritt des Dalai Lama. Das geistliche Oberhaupt der Tibeter lockte weit mehr als 20.000 Besucher in die Waldbühne. Die Botschaft des buddhistischen Mönchs war schlicht: Nur der "Friede im Herzen" kann den echten Weltfrieden schaffen.
Höhepunkt: Unterzeichnung der "Charta Oecumenica"
Zum Eröffnungsgottesdienst vor dem Brandenburger Tor waren 140.000 Menschen gekommen, über 400.000 feierten anschließend den Auftakt auf der Straße "Unter den Linden". Fünf Tage lang beschäftigten sich die Kirchentagsteilnehmer bei mehr als 3.000 Veranstaltungen mit Fragen des Glaubens, der Ökumene, sozialen und gesellschaftspolitischen Problemen.
Ein besonderer Höhepunkt war die Unterzeichnung der europäischen "Charta Oecumenica" durch 16 Mitgliedskirchen der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland. Darin bekennen sie sich zur Förderung der kirchlichen Einheit und zum Engagement für Gerechtigkeit und Frieden.
Doch durch die enge Kooperation erhöhte sich auch die Reibung zwischen den Konfessionen, Grenzen traten wieder deutlicher hervor. Beispiel ist der Streit ums ökumenische Abendmahl. Der damalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Manfred Kock, erklärte, der Schmerz über die bestehende Trennung werde "weit überboten von der Freude über das, was uns verbindet". Der damalige Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, mahnte zur Geduld: "Wir schauen immer auf das, was wir nicht dürfen. Aber das, was wir noch könnten, ist noch viel."
Vom Priesteramt suspendiert
Doch in Berlin 2003 war die Ungeduld größer: Evangelische und katholische Christen an der Kirchenbasis wollten nicht länger warten, um Brot und Wein zu teilen. Größter Aufreger des Christentreffens waren daher zwei Gottesdienste in der Gethsemane-Kirche im Stadtteil Prenzlauer Berg außerhalb des offiziellen Kirchentagsprogramms. Dort verteilte ein katholischer Pfarrer die Kommunion auch an Protestanten und ein anderer empfing das evangelische Abendmahl. Beides verbietet das katholische Kirchenrecht.
Dies blieb nicht ohne Nachspiel: Die katholischen Pfarrer Bernhard Kroll und Gotthold Hasenhüttl wurden anschließend von ihren Bischöfen diszipliniert. Der heute 76-jährige Kirchenkritiker und Theologieprofessor Hasenhüttl wurde sogar vom Priesteramt suspendiert. Drei Jahre später folgte der Entzug seiner kirchlichen Lehrerlaubnis. Das hindert ihn nicht daran, vor dem 2. Ökumenischen Kirchentag in München erneut evangelische und katholische Christen zu gemeinsamen Gottesdiensten mit Abendmahl aufzurufen.
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