Der Frauen-Nobelpreis: farbenfroh und optimistisch

Ellen Johnson-Sirleaf, Leymah Gbowee und Tawakkul Karman

Liberias Präsidentin Ellen Johnson-Sirleaf (l), die liberianische Menschenrechtlerin Leymah Gbowee (M) und die jemenitische Menschenrechtlerin Tawakkul Karman haben an diesem Samstag in Oslo den Friedensnobelpreis bekommen. Foto: dpa/Yoan Valat/Yahya Arhab/UN Photo

Auszeichnung - Überzeugender Optimismus einer jungen Araberin und kluge Worte von zwei Afrikanerinnen im Kampf gegen Vergewaltigungen: Drei Frauen haben der Verleihung des diesjährigen Friedensnobelpreises eine ganz besondere Atmosphäre gegeben.

Von Thomas Borchert

"Sie werden es nie bereuen, dass sie uns drei den Friedensnobelpreis gegeben haben." Der schöne, selbstbewusste und lächelnd vorgebrachte Satz der 32-jährigen Jemenitin Tawakkul Karman hat den Ton einer sehr speziellen Nobelpreisverleihung vorgegeben. Erstmals seit 1901 saßen am Samstag in Oslo drei Frauen auf den Preisträgerstühlen, die sonst meist Männern in dunklen Anzügen vorbehalten sind.

Jetzt dominierten die farbenfrohen afrikanischen Kleider der Liberianerinnen Ellen Johnson-Sirleaf (73) und Leymah Gbowee (39) sowie das bunte Kopftuch der jungen Araberin. Aber viel wichtiger war: Schon lange hatte man bei der Verleihung nicht mehr so überzeugend optimistische Töne gehört wie aus dem Munde Karmans, die seit dem vergangenen Jahr furchtlos den Volksaufstand gegen die brutale Diktatur von Präsident Ali Abdullah Salih mit anführt.

"Ich sehe eindeutig das Ende einer grausamen, dunklen Geschichte, die so vielen Völkern und Nationen Horror, Tragödien, Zerstörung und Unglück gebracht hat", sagte die junge Frau. Begeistert berichtete sie von der "Jugend-Revolution" in ihrem Land. Dabei vermittelte sie ein Maß an Glaubwürdigkeit und Hoffnung, wie es für etablierte Politiker nur schwer möglich sein dürfte.

"Als Waffe hatten wir nur unsere Überzeugung und zehn Dollar"

Die norwegischen Nobeljuroren (vier Frauen und ein Mann) hatten bei ihrer Entscheidung für die beiden Preisträgerinnen aus Liberia wohl bewusst auf eine weibliche Mischung aus etablierter Politik und Basisaktivität gesetzt. Die gerade wiedergewählte Präsidentin Johnson-Sirleaf hat gegen den Bürgerkriegshorror mit systematischen Vergewaltigungen besonders an Verhandlungstischen gekämpft.

Ihre Mitstreiterin Gbowee wurde vor allem als Streetworkerin geehrt. In Oslo erzählte die Liberianerin, wie sie mit anderen Frauen 2003 den Kampf gegen die Bürgerkriegsgewalt begonnen hatte - gegen vergewaltigende, mit Drogen abgefüllte Jungsoldaten. "Als Waffe hatten wir nur unsere Überzeugung und zehn Dollar." Jetzt ist der Bürgerkrieg beendet - und Gbowee erhielt für ihren Einsatz den Nobelpreis. "Niemand hat meine Schwestern und mich darauf vorbereitet, dass unser Sieg in die Weltgeschichte eingehen würde."

Überwältigt vom Beifall und der Nobelehre zeigte sich vor allem Karman. Als Komiteechef Jagland in seiner Rede ausrief, dass die Jemenitin die jüngste Friedensnobelpreisträgerin "aller Zeiten", also seit der ersten Vergabe 1901 sei, konnte sie Tränen vor Rührung nicht zurückhalten.

dpa

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