Weltwirtschaft - Der Päpstliche Rat für Gerechtigkeit und Frieden hat vorgeschlagen, eine Weltnotenbank einzurichten. Die Finanzmärkte müssten weltweit aus einer Hand gesteuert werden. Diese Forderung dürfte den Demonstranten der Occupy-Bewegung gefallen - dass sie umgesetzt wird, ist allerdings unwahrscheinlich. Dem Vatikan geht es mehr um ein Signal.
Kurz vor dem G-20-Gipfel in Cannes wartet der Vatikan mit dem Ruf nach einer Reform der internationalen Finanzmärkte auf, die in ihrer Radikalität den Forderungen der "Occupy Wall Street"-Bewegung kaum nachsteht. "Wir machen weniger Lärm", betonte der Sekretär des Päpstlichen Rats für Gerechtigkeit und Frieden, Mario Toso, bei der Vorstellung eines Vatikandokuments, das auf die Gründung einer Weltnotenbank dringt. Inhaltlich bestünden jedoch große Übereinstimmungen mit der Protestbewegung, räumte der Vatikanvertreter am Montag ein. "Man darf keine Angst vor neuen Vorschlägen haben, auch wenn sie das bestehende Gleichgewicht destabilisieren", mahnen die Autoren des Dokuments.
Papst Benedikt XVI. hatte angesichts der anhaltenden Krise bereits 2009 in seiner Sozialenzyklika "Caritas in veritate" (Die Liebe in der Wahrheit) zur Einführung einer "politischen Weltautorität" aufgerufen. Das neue Dokument des Päpstlichen Rats für Gerechtigkeit und Frieden trägt den umständlichen Titel "Für eine Reform des internationalen Finanz- und Währungssystems im Hinblick auf eine öffentliche Autorität mit universalen Kompetenzen".
Der Papst hat den Text gar nicht gelesen
Auf eine Analyse der Ursachen der Krise folgen konkrete Vorschläge wie die Einführung einer Finanztransaktionssteuer und eine Kapitalerhöhung der Banken. Die Forderung nach einer Steuerung der Finanzmärkte und Gründung einer politischen Institution, die weltweit bindende Entscheidungen treffen kann, begründen die Autoren mit der wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich. "Wir wollen die Welt zum Nachdenken provozieren", sagte der Präsident des Päpstlichen Rats für Gerechtigkeit und Frieden, Kardinal Peter Turkson, bei der Erläuterung des Vatikan-Dokuments. Dabei gestehen die Verfasser ein, dass die internationalen Institutionen immer weniger effizient bei der Regulierung und Transparenz der Finanzmärkte sind. Eine Umsetzung der vatikanischen Forderungen scheint damit eher unwahrscheinlich, obwohl sie von großen Teilen der westlichen Öffentlichkeit geteilt werden.
Vatikansprecher Federico Lombardi sagte, es handle sich nicht um ein Papstdokument. Offenbar aus Angst vor negativen Reaktionen relativierte der Vatikan die Bedeutung der Note darüber hinaus, indem er sich nachträglich korrigierte. Nicht der Heilige Stuhl, wie es ursprünglich hieß, sondern allein dessen päpstlicher Rat wollten mit dem Dokument zur aktuellen Debatte beitragen. Der Papst hat den Text demnach nicht zu Gesicht bekommen.
Vom Nutzen einer Weltwirtschaftsregierung
"In einer zunehmend globalisierten Welt ist allein eine Weltautorität kompatibel mit der neuen Wirklichkeiten und den Bedürfnissen der Menschheit", heißt es in dem neuen Vatikandokument. Um zu einer schrittweisen Einführung einer solchen Weltregierung in Wirtschafts- und Finanzfragen zu gelangen, müssten zunächst die Vereinten Nationen und andere Institutionen wie die Europäische Zentralbank gestärkt werden.
Eine weltweite Wirtschaftsregierung müsse sich von "archaischen Kämpfen" zwischen Nationalstaaten verabschieden, um Frieden und Sicherheit, Entwicklung sowie freie, stabile und transparente Märkte zu garantieren, fordert das Vatikan-Dokument. Der römische Wirtschaftswissenschaftler Leonardo Becchetti verwies auf den Nutzen stabiler Märkte auch für Industriegesellschaften. Die griechische Schuldenkrise bedrohe nicht nur die griechische Wirtschaft sondern auch die Sozialsysteme in anderen EU-Ländern wie Deutschland. Aus dieser Perspektive sei eine stärkere Regulierung der Märkte auch im Interesse derjenigen, die bislang von seiner wachsenden Entfesselung profitieren.
Kommentare
Der absolute HORROR
Als jemand, der in der Occupy-Bewegung tätig ist, kann ich nur kopfschüttelnd auf diesen Versuch der Vereinnahmung reagieren. Eine 'Weltbank' ? DER ABSOLUTE HORROR!! Die Menschen erkennen doch gerade wie wichtig es ist, dass Geld DEZENTRAL unter der Kontrolle lokaler DEMOKRATIEN steht. Die Zentralisierung von Macht , ob finanzielle oder politische, ist der feuchte Traum der globalen Faschisten im Sinne der Definition von Mussolini.
Es tut mir leid, aber Sie haben die Occupy-Bewegung nicht verstanden. Die Banken wollen wir zerschlagen. Die zentralisierten Machtsysteme vernichten. Dezentrale, kleinskalige und frei organisierte demokratische Prozesse einführen. WAHRE Demokratie! Was hier vorgeschlagen wird ist der absolute Albtraum. Welches 'demokratische' Gremium soll denn bitte so eine Bank kontrollieren? Vielleicht die neue 'Weltregierung' die quasi dann mit eingekauft wird?
Wenn die Occupy-Bewegung den Corporate-Faschismus und das elende Betrügerspiel das sich heute Geldsystem nennt bereits komplett als Relikt und Manifestation des Bösen identifiziert hat und bekämpft, wie kann so eine absurd rückschrittliche Idee wie 'Weltbank' = 'Weltregierung' der Bewegung 'gefallen'? Grotesk!
Die hier vorgeschlagene Lösung ist rückschrittlich und ein transparenter Versuch der existierenden Profiteure - und dazu zählt auch die Kirche - eine groteske Übersteigerung des stinkenden Übels das sie verursacht haben als Heilmittel anzupreisen.
Sorry, aber die Occupy-Bewegung ist bereits weiter in der Evolution. Das Ziel kann nur sein: KEINE REGIERUNG UND KEIN GELD.
Der Vatikan und die Banken
So ich mich recht erinnere hat Rolf Hochhuth in "Der Stellvertreter" geschrieben-der Vatikan ist der größte Aktionär der Welt. Wenn der Vatikan will, könnte er...Walter Wasilewski
Zitiert aus Der Stellvertreter
[quote=ernstwalter]
So ich mich recht erinnere hat Rolf Hochhuth in "Der Stellvertreter" geschrieben-der Vatikan ist der größte Aktionär der Welt. Wenn der Vatikan will, könnte er...Walter Wasilewski
Zitiert aus dem „Stellvertreter“ von Rolf Hochhuth
Im Zweiten Weltkrieg verdiente der Orden (Jesu) mit diesem rüstungswichtigen Rohstoff (Quecksilber) auf beiden Seiten. Während die spanische Firma vorwiegend an die Alliierten und Rußland lieferte, versorgten die italienischen Bergwerke die Deutsche Rüstung- da haben nicht nur viele Katholiken vergebens auf ein offizielles Dementi gewartet. Die Angaben über den Vatikan als gößten Aktionär der Erde wurden von Rom so wenig bestritten wie die Behauptung daß die drei Neffen Pacellis, die keiner reichen Familie entstammten, nach dem Ende des Pontifikats ihres Onkels über ein Vermögen verfügten, das auf einhundertzwanzig Millionen Mark geschätzt wird.
So auf Seite 272 Walter Wasilewski
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