Deutschland und seine sturen Muslime

Schaufensterpuppen mit Kopftüchern

Für die Überprüfung des Klischees der Kopftuch tragenden Türkinnen in Deutschland wird viel getan. Die evangelisch.de-Autorin Canan Topçu aber kritisiert, dass sich auch ihre türkishen Landsleute etwas mehr für die christliche Kultur interessieren könnten. Foto: epd-bild/Jörg Löffke/Joker

Integration - Die deutsch-türkische Journalistin Canan Topçu kritisiert: Muslime, die sich nicht für das Leben und den Glauben der Christen interessieren, werden nie mündige Bürger dieses Landes.

Von Canan Topçu

Integration. Interreligiöser Dialog. Auf diese Begriffe reagiere ich inzwischen allergisch. Zur Integration ist alles gesagt und geschrieben, und beim interreligiösen Dialog liegt manches im Argen. Aber nicht alles wird offen ausgesprochen – vielleicht weil ein Schleier der Political Correctness über dem Ganzen schwebt und christliche Partner das "zarte Pflänzchen des Dialogs" nicht in Gefahr bringen möchten.

Deswegen melde ich mich jetzt zu Wort, wohlwissend, dass ich eine dicke Lippe riskiere. Zunächst möchte ich eines klarstellen: Natürlich überziehe und verallgemeinere ich und tue damit vielen Unrecht. Doch das mache ich nicht, um den Meinigen einen auszuteilen. Islamkritiker aus den eigenen Reihen haben wir zur Genüge. Mir liegt an einer Selbstreflexion.

Vielerlei Begegnungen …

Die "Meinigen", Sie ahnen es, sind die Muslime in diesem Land. Als Tochter muslimischer Einwanderer verstehe ich mich als Teil dieser Gemeinschaft. Ich beschäftige mich auch von Berufs wegen mit Muslimen und den Entwicklungen in Moscheegemeinden. Mal als stille Beobachterin, mal als aktive Teilnehmerin beteilige ich mich immer wieder mal am interreligiösen Dialog. Wobei schon hier gesagt werden muss: Meist geht es in diesen Dialogen darum, Muslime kennenzulernen und zu verstehen.

Begegnungen dieser Art haben sich vielerorts entwickelt; die islamischen Gemeinden laden ein, bieten Moscheeführungen an und suchen das Gespräch mit ihren christlichen Nachbarn, mit Schulen, Polizeirevieren und weiß der Himmel mit wem noch … Es wird also reichlich Aufklärungsarbeit betrieben, weil sehr viel Falsches über unsere Religion kolportiert wird. Es gibt auch Gemeinden, die scheren sich herzlich wenig darum, was Christen, Agnostiker und Atheisten über sie denken. Sie sind konsequent und halten sich fern vom interreligiösen Dialog.

… doch das Interesse beruht nicht auf Gegenseitigkeit

"Für ein gutes Kennenlernen brauchen wir eine Bereitschaft zum Kennenlernen. Und das fordert natürlich eine Offenheit", erklärte unlängst Bekir Alboga, der Dialogbeauftrage der Ditib-Gemeinden, in einem TV-Beitrag über den Tag der offenen Moschee (TOM). Mit TOM, der immer am 3. Oktober stattfindet, haben es die Muslime bis in die "Tagesschau" geschafft; andere wiederum sehen in der Terminwahl eine Provokation und empören sich.

Empört hatten sich auch viele, als Bundespräsident Christian Wulff vor einem Jahr in seiner Ansprache zum Tag Deutschen Einheit erklärte: "Das Christentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland, das Judentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland, aber der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland." Zweifelsohne gehören wir inzwischen dazu. Aber verhalten wir uns auch so? Mein Eindruck ist, dass auf muslimischer Seite die Neugier und das Interesse am Christentum nicht besonders groß sind.

Schwieriger Dialog

Ich überzeichne jetzt und nehme als Beispiel eine türkische Bekannte. Seit über 20 Jahren lebt sie hier, ist Mutter von zwei fast erwachsenen Kindern und der deutschen Sprache kaum mächtig. Dafür kann sie den Koran lesen. Und wie! Sie besucht theologische Gesprächskreise in ihrer Gemeinde, und wenn der Tag der offenen Moschee bevorsteht, fängt sie eine Woche vorher an zu kochen und zu backen – wie die anderen aus ihrer Frauengruppe, damit die Gäste an einem reich gedeckten Tisch sitzen können.

Wenn's ums Reden geht, hält sich die Mittvierzigerin aber zurück. Weil sie kaum Deutsch kann. Ihr ist es aber wichtig, dass "die Deutschen" mehr über "uns" erfahren. Sie freut sich über die Interessierten und ärgert sich, wenn sie wegen ihres Kopftuchs hier und dort schräg angeguckt oder gar beleidigt wird. Das führt sie auf Unkenntnis zurück.

Neulich beklagte sie sich wieder mal, dass "die" so wenig über uns und über unsere Religion wüssten. Da platzte mir der Kragen. Mir geht dieses Gerede langsam auf die Nerven. Wir erwarten von "den Deutschen", dass sie sich für uns und unsere Religion interessieren, sich mit islamischen Geboten und Verboten auskennen und darauf auch Rücksicht nehmen. Doch wie kennen wir uns mit dem Christentum aus? Wer von uns hat schon mal eine Kirche von innen gesehen? Wer kennt den Unterschied zwischen Protestanten und Katholiken?

Die Zeit der Unauffälligkeit ist vorbei

Manch einer trauert den Zeiten nach, als man uns nicht als Muslime wahrnahm. Wir lebten und arbeiteten mit dem Gedanken, in die Heimat zurückzukehren. Wir richteten uns hier ein, ohne es zu bemerken. Wir wussten nichts von unseren Rechten und verhielten uns unauffällig. Wir waren ja nur Gäste. Gäste nehmen, was sie bekommen und stellen keine Ansprüche. So kannten wir es aus unserer Kultur.

Ganz ungestört trafen wir uns in unseren Gebetsstätten, die wir nach und nach in Gewerbegebieten und Lagerhallen errichtet hatten. Wir ahnten nicht, dass uns mehr zustand. Das Wort "Hinterhofmoschee" kannten wir nicht, wir trafen uns aber in diesen Orten, über die neuerdings viel gesprochen, geschrieben und gestritten wird. Wir importierten Imame aus der Heimat, unsere Männer gingen zum Freitagsgebet in die Moschee, plauderten dort bei Tee mit Gleichgesinnten, lasen Tageszeitungen wie "Hürriyet" und "Milliyet". Die Moschee wurde für etliche zur Heimat, sie bot Sicherheit und Geborgenheit. Etliche unserer Kinder lasen im Koran, noch bevor sie das lateinische Alphabet entschlüsseln konnten.

Uns plagte die Angst, dass unser Nachwuchs unter schlechten Einfluss geraten und sich von uns entfernen würde. Manch einer von uns verbot daher seinen Kindern, Freundschaften mit deutschen Klassenkameraden zu schließen. Wir kümmerten uns darum, dass Angebote in unseren Moscheegemeinden ausgebaut wurden – um Ferienfreizeiten, Nachhilfeunterricht und Computerkurse. Unsere Gemeinden organisierten die Überführung unserer Toten in die Heimat und Pilgerreisen nach Mekka.

Was haben wir mit Attentätern zu tun?

Als dann der 11. September über uns alle kam, drehte sich die Integrationsdebatte plötzlich nur noch um uns. Weil wir nicht tatenlos hinnehmen wollten, dass unsere Religion mit Terror und Gewalt, mit Frauenverachtung und Missachtung der Menschenrechte in Verbindung gebracht wurde, begannen wir eine Bildungsoffensive. Wir öffneten – auch auf Wunsch unserer Nachbarn – die Türen unserer Moscheen, wir setzten uns an Runde Tische und beteiligen uns am interreligiösen Dialog. Seit dem 11. September bemühen wir uns, Interesse zu wecken und aufzuklären über unsere Religion. Aber mal ehrlich: Was wissen wir über die Religion derer, die wir aufklären möchten?

Ich habe dazu einige Vorschläge: Wie wäre es mit einem Tag der offenen Kirche? Ebenfalls an einem festen Datum im Jahr, aber an einem anderen Feiertag. Und wie wäre es mit einem Unterrichtsfach Religionskunde, in dem alle Schüler über alle Religionen informiert werden. Bei den nächsten Generationen sorgte das für Gleichstand bei Wissen und Unwissen. Und der interreligiöse Dialog würde sich entweder erübrigen oder auf das konzentrieren, worum es meiner Ansicht nach in der Begegnung von Menschen unterschiedlichen Glaubens vor allem gehen sollte – um Spiritualität und Gotteserfahrung.


Canan Topçu ist Journalistin und widmet sich seit vielen Jahren den Themen Migration, Integration und Islam. Sie lebt in Hanau und arbeitet für unterschiedliche Medien. Ihr Beitrag erschien in voller Länge zuerst in Ausgabe 44/2011 der Zeitschrift "Christ und Welt".

 

 

Kommentare

Verfasst von Gast am 9. November 2011 - 13:48.
Kommentar auf: Naheliegend !

Kommentar zu Masaniello

Hi, erst mal vorab: so ein verkürztes Pauschalurteil find ich nur gemein. Dann...

Hi,
erst mal vorab: so ein verkürztes Pauschalurteil find ich nur gemein.
Dann: Fakt ist, dass GastARBEITER angeworben wurden vor 50 Jahren. - Wobei ich mich extrem wundere, dass gerade nach Berlin fast ausschließlich türkische Migranten gezogen sind zur Zeit der Mauer. Dagegen hätte der Staat oder Senat etwas machen können. West-Berlin war schließlich kein typischer Industriestandort.- Kann es nicht auch sein, dass die Bundesrepublick zu jener Zeit einfach froh war über jeden, der "half, die Bastion Berlin zu halten"? - Wer wollte denn wohnen in derart abgewrackten Häusern außer die Hausbesetzer-Szene? - SO sind sie nämlich auch entstanden, die heutigen Ghettos: Kein Deutscher wollte derart primitiv leben. Und wo keine Deutschen mehr leben, wo keine "Mehrheitsgesellschaft" mehr als Modell für Sprache etc. da ist, da braucht man sich nicht zu wundern! Da wäre gute Politik gefragt gewesen......- statt der Parolen "Wir sind kein Einwanderungsland"!
Wo soviele Subvensionen ausgegossen wurden wie in Berlin, da zog es ja auch Deutsche aus der ganzen BRD hin, sind wir mal ehrlich! Super-billige Mieten, kein Wehrdinst, keine Sperrstunde... - Nicht umsonst ist Berlin noch 20 Jahre nach dem Fall der Mauer die ärmste Stadt der BRD. Ernsthaftes Wirtschaften war hier einfach zu lange nicht nötig gewesen. Politiker waren es überhaupt nicht gewöhnt!!
Ich komme aus Baden-Württemberg und kann nur sagen: im Rems-Murr-Kreis war es 1991 schon Usus, dass 2 x pro Woche eine Sprachhelferin kam. Denn selbst wo Mütter und Väter in Schichten arbeiten, lernen Kinder nicht automatisch gut deutsch!!
Warum soviel Bildungshoheit in Deutschland? - Jede Kommune konnte entscheiden, ob sie nicht-deutschsprachige Kinder unterstützt. Ein ignoranter Irrsinn!

Verfasst von Gast am 3. November 2011 - 20:13.

Selbstüberschätzung

"Muslime, die sich nicht für das Leben und den Glauben der Christen...

"Muslime, die sich nicht für das Leben und den Glauben der Christen interessieren, werden nie mündige Bürger dieses Landes." Das hat die Redaktion über den Artikel gesetzt.

Was für eine Selbstüberschätzung! Die Mehrzahl der Menschen in Deutschland interessiert sich nicht für das Leben und den Glauben der Christen - in der Regel auch dann nicht, wenn sie offiziell noch Mitglied einer christlichen Kirche sind. Damit, ob sie mündige Bürger dieses Landes sind oder nicht, hat das überhaupt nichts zu tun.

Verfasst von Thomas Östreicher am 3. November 2011 - 20:45.
Kommentar auf: Selbstüberschätzung

Richtigstellung

Der zitierte Satz stammt von der Autorin. Freundliche Grüße Thomas...

Der zitierte Satz stammt von der Autorin.
Freundliche Grüße

Thomas Östreicher
Redaktion evangelisch.de

Verfasst von fritzdoc am 3. November 2011 - 19:18.

Sture Muslime?

Ich bin Türkeifan und war bereits acht mal in diesem wunderbaren Land. Ich...

Ich bin Türkeifan und war bereits acht mal in diesem wunderbaren Land. Ich lernte eine türkische Muslima kennen, die mir das Büchlein schenkte: "Der Islam", von Ömer Öngüt (das übrigens in Deutschland auf deutsch gedruckt wird). Nach dessen Lektüre kaufte ich mir den Koran in zwei deutschen Übersetzungen. Ich habe darin keinen Aufruf zur Gewalt entdecken können. Zentraler Punkt des muslimischen Glauben sind die "Säulen des Islam" (nachzulesen in dem o.a. Büchlein. Auch "Dschihad" bedeutet nicht das, was landläufig bei uns daruter Verstanden wird (Blutiger Krieg gegen Ungläubige), sondern es meint den (zum großen Teil) inneren Kampf, den muslime führen müssen, um zu Allah zu gelangen. Er findet in vier Stufen statt: Stufe 1: Der Kampf gegen sich selbst und die eigene Fähigkeit zu sündigen, wir würden sagen, "den inneren Schweinehund zu überwinden" (=höchste Stufe des Dschihad! Stufe 2: Dschihad mit Worten, wir sagen dazu Mission. Stufe 3: Dschihad mit Gut und Geld (wenn Du mehr hast, als du brauchst, gib ab and die Bedürftigen) und erst die letzte Stufe ist (auch nur im Rahmen der Notwehr) der Dschihad mit Blut. Übrigens hat Mohammed mit "Ungläubige" niemals die Juden und Christen gemeint (diese waren wie der Islam "Religionen des Buches", also Abrahamitische Religionen, vor denen er großen Respekt hatte. Bis auf das (für uns entscheidende)Erlösungswerk Christi ist der Islam identisch mit dem Christentum. Mohammed hatte als Kaufmann viele Kontakte zu jüdischen und christlichen Kaufleuten, von denen er viel gelernt hat und die er hoch achtete. Natürlich können wir mit der "Scharia" heute nichts mehr anfangen, aber wie sah es denn im Mittelalter bei uns aus?: Inquisition, Folter, Hexenverbrennungen etc. Eine der Hauptleistungen Mohammeds besteht für mich darin, daß er in einer Gegend, in der bis dahin das Faustrecht der Beduinenstämme herrschte, ein Gesetz und Rechtsprechung einführte. Ich habe größten Respekt vor dem türkischen Volk, das bis 1923 noch im Kalifat (also Mittelalter) lebte, bevor Atatürk das Land modernisierte. Die Türkei hat es geschafft, in ca. 90 Jahren ca. 600 Jahre unserer Europäischen Entwicklung aufzuholen. Das soll erst mal einer nachmachen! Sie wird auch die letzten 200 Jahre sehr schnell aufholen und uns dann wahrscheinlich überholen. Die (zumindestens früher vorhandene) Toleranz des Islam zeigte sich u.a. auch darin, das Mehmet II., nachden er Konstatinopel erobert hatte und die heutige Hagia Sophia in eine Moschee umwandelte, nicht alle christlichen Symbole entfenen ließ, sonden sie als hochwertige Kunstschätze in der Moschee beließ (u.a. ein in Gold eingelegtes Marienbild mit Jesus auf dem Arm, das noch heute existiert). Hut ab vor den Muslimen! Die Türken sind ein fleißiges, vitales Volk, von dem wir uns viel abgucken können. Zusammenhalt der Familien, Achtung vor den Älteren, echte gläugigkeit ohne Fanatismus etc. Ich bin mit etlichen türkischen Familien befreundet, mit denen ich besser klarkomme, als mit den meisten Westeuropäern, bei denen nur noch der "Mammon" und Statussymbole etwas zählen und nicht mehr der Mensch.

Verfasst von Oni am 4. November 2011 - 14:20.
Kommentar auf: Sture Muslime?

Religion ist, was man daraus

Religion ist, was man daraus macht. Wenn ein nicht geringer Anteil einer...

Religion ist, was man daraus macht. Wenn ein nicht geringer Anteil einer beliebigen Religion ein Gewalt- und Toleranzproblem hat, ist es als Strömung nunmal ein Teil dieser Glaubensrichtung. Und dann ist es auch legitim diese in ihrer Gesamtheit zu kritisieren.

Verfasst von Gast Gerhard Niemeyer am 3. November 2011 - 12:03.

Deutschland und seine sturen Muslime

Gerhard Niemeyer Dianastraße 13 46149 Oberhausen Zitat aus dem Artikel: "...

Gerhard Niemeyer Dianastraße 13 46149 Oberhausen
Zitat aus dem Artikel: "Seit über 20 Jahren lebt sie hier, ist Mutter von zwei fast erwachsenen Kindern und der deutschen Sprache kaum mächtig. Dafür kann sie den Koran lesen. Und wie! Sie besucht theologische Gesprächskreise in ihrer Gemeinde, und wenn der Tag der offenen Moschee bevorsteht, fängt sie eine Woche vorher an zu kochen und zu backen – wie die anderen aus ihrer Frauengruppe, damit die Gäste an einem reich gedeckten Tisch sitzen können." Zitatende

Und genau liegt der Knackpunkt. Wenn diese gläubige Muslimin sich herablassen würde, die deutsche Sprache zu lernen (oder wer hindert sie daran?), dann würde mit vielen Interessierten Christen ein wunderbarer Dialog entstehen. Aber so .......

Verfasst von Gast am 7. November 2011 - 16:50.

Lachhaft

Wie wäre es, wenn Sie uns mit Ihren bornierten selbst ausgedachten...

Wie wäre es, wenn Sie uns mit Ihren bornierten selbst ausgedachten Geschichtchen mal verschonen würden, werter asad, tsttdessen mal etwas argumentative Dichte einweben würden in Ihre Posts.

Dazu ist Ihre Haltung, dass immer nur die anderen Schuld sind, ziemlich daneben.

Darum: erst mal sich selbst reflektieren, dann auf andere schimpfen. Wäre schön, Sie beherzigten dies mal.

Einen schönen Tag noch!

Verfasst von Amina am 2. November 2011 - 16:10.

Aufmachung des Artikels befördert Stereotype

Danke für den Artikel, dessen Beobachtungen und Schlussfolgerungen ich auch...

Danke für den Artikel, dessen Beobachtungen und Schlussfolgerungen ich auch teilweise teile. Dabei möchte ich darauf hinweisen, dass im Philosophie-Unterricht, der den Muslimen ja meist angeboten wird, weil es kein Islam-Fach gibt, durchaus über alle Religionen informiert wird. Gleichwohl finde ich es auch schade, dass die wenigsten Muslime, die wirklichen Unterschiede nicht kennen, also die Unterschiede generell zwischen Muslimen und Christen und den christlichen Konfessionen untereinander. Aber welcher Christ kann schon genau sagen, worin der Unterschied zwischen Aleviten, Schiiten und Sunniten ist, etwa was die Glaubenspraxis, den Umgang mit Hadithen usw. angeht? Und welcher Muslim kann das wirklich genau und neutral erklären? Da gibt es trotz aller Dialoge große Bildungslücken auf beiden Seiten.

Was mich jedoch sehr stört, sind die Überschrift und das Foto. Das Foto lehnt an an die steretypen Bilder muslimischer Frauen in gleichem Gewand, die gerne benutzt werden, um den Faschismus-Vorwurf zu untersteichen. Und die Überschrift verfehlt das Thema: Es geht nicht um Sturheit, sondern um Unwissen, möglicherweise (bewusster oder unbewusster) Verschlossenheit.

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