Tarifstreit - Das Diakonische Werk der hannoverschen Landeskirche hat am Montag erstmals eine Einrichtung wegen Rufschädigung aus ihren Reihen ausgeschlossen.
Die Diakonie greift gegen Abweichler aus den eigenen Reihen hart durch. Das Diakonische Werk der hannoverschen Landeskirche hat am Montag erstmals eine Einrichtung aus ihren Reihen ausgeschlossen: das Wichernstift in Ganderkesee bei Bremen. Einer der Vorwürfe lautet, der Umgang mit den Beschäftigten habe dem Ansehen von Kirche und Diakonie in der Öffentlichkeit geschadet.
Seit Jahren schwelt im Altenheim des Wichernstifts der Konflikt zwischen den Mitarbeitern und der Geschäftsführung - und der Diakonie. Das Gebaren des Vereinsvorstandes Jörg Emken lasse nun keinen anderen Weg mehr zu, sagte der stellvertretende Diakoniedirektor, Jörg Antoine. Emken wies den Rauswurf gegenüber dem epd zurück: "Das Vorgehen des Diakonischen Werkes ist inakzeptabel und wird ein juristisches Nachspiel haben."
Antoine hatte als Beispiel einen Skandal angeführt, der vor dem Arbeitsgericht gelandet war: Die Geschäftsleitung des wirtschaftlich angeschlagenen Altenheims hatte eine Liste von Beschäftigten veröffentlicht, die weder verlängerte Arbeitszeiten noch Einbußen ihres Lohnes akzeptieren wollten. Wer bereits Neuverträge unterschrieben hatte, wurde aufgefordert, auf die Kollegen einzuwirken, dies auch zu tun. Die Liste komme einem Pranger gleich, urteilte die 3. Kammer des Arbeitsgerichtes in Oldenburg und untersagte die Aktion.
Evangelisches Krankenhaus zur Räson gerufen
In einem anderen Fall hatte in der vergangenen Woche das höchste Gremium der bundesweiten Diakonie, der Diakonische Rat, das Oldenburger Evangelische Krankenhaus zur Räson gerufen. Dort will der Klinikchef Thomas Kempe das kirchliche Arbeitsrecht verlassen und direkt mit den Gewerkschaften über Tarife verhandeln, um seinen Mitarbeitern mehr Geld zahlen zu können. Er begründete seinen Schritt mit Personalnot: Er könne es sich nicht leisten, weniger als konkurrierende Krankenhäuser zu zahlen. "Sonst laufen mir die Mitarbeiter weg".
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Bei den Gewerkschaften löste Kempes Schritt Jubel aus: "Das ist der lang erwartete Dammbruch." Doch die Diakonie reagierte ungehalten: Tarifverhandlungen mit der Möglichkeit eines Arbeitskampfes seien in Kirche und Diakonie nicht statthaft. Die Entgelte werden vielmehr nach dem Verfahren des "Dritten Weges" in einer Kommission mit Vertretern von Arbeitsnehmern und Arbeitgebern ausgehandelt. An diese Grundentscheidungen sei auch das Evangelische Krankenhaus Oldenburg gebunden, hieß es.
Auch die Diakonische Altenhilfe Lilienthal bei Bremen wird seit einiger Zeit kritisch vom Landesverband beobachtet. Dort kämpfen die Betriebsräte seit Jahren gegen Lohndumping und eine diakonieeigene Leiharbeitsfirma. Eigentlich sind nach einem Kirchengesetz Leiharbeitsfirmen in der Diakonie auf Dauer nicht erlaubt.
Kommentare
Schluss mit dem 3. Weg
Die einzigen Jobs für die Kirchenrecht Sinn macht sind vom Pfarrer aufwärts weil hier spezielle Anforderungen gelten sollten.
Alle anderen Bediensteten machen eine ganz normale Arbeit, die auf entsprechend belohnt werden muss. Ein Großteil der kirchlichen Jobs werden mit Steuergeldern (mit)finanziert und es ist eine Schande, dass ein von uns allen finanziertes christliches Unternehmen seine Arbeiter unter Wert bezahlt. Lohndumping und eine diakonieeigene Leiharbeitsfirma das ist eine Schande und einer christlichen Kirche unwürdig. Alle dafür Verantwortlichen gehören gefeuert.
Es geht um mehr
Lohn oder Lohn nicht, 3.Weg oder nicht, das ist doch nur vorgeschoben. In Wirklichkeit geht es um mehr - nämlich dass die Kirchen mit ihrer Rechtsauffassung aus ihrem engen Kreis aufbrechen müßten - und das verhindern sie mit aller Macht. Wenn an einer Stelle mal die Tür aufgeht und jemand mal in das Lock gucken kann, hinter dem sich kirchliche Rechts-und Machtstrukturen abspielen, der ahnt, dass Kirchen keine Löcher lassen und jeden "Dammbruch" sogleich flicken werden - je größer, desto restriktiver. Und damit niemand auf falsche Ideen kommt: die Rede ist von der Evangelischen Kirche.
Zeilenschinderei
So interessant das ist: aber als Leser wird man hier unzumutbar ausgebremst. Ich ärgere mich schon, wenn ich den gleichen Satz dreimal lesen muss; viermal ist unverschämt: im Teaser auf der Startseite; in der Bildunterschrift; im Anreißer, und im ersten Absatz des Textes. Es dauert gefühlte 20 Sekunden, bevor ich endlich mehr erfahre. Wegen so etwas habe ich das hiesige Provinzblatt aus dem Hause Neven DuMont abbestellt.
Coriander
- Streite dich nicht mit einem Dummkopf. Er zieht dich auf sein Niveau herunter und schlägt dich dort mit seiner Erfahrung. (Quelle unbekannt)-
Zeilenschinderei
Liebe Coriander,
ich hatte den gleichen Eindruck und fühlte mich nach der dritten Wiederholung gleichfalls genervt.
Viele Grüße im Advent
Christman
DIAKONISCHES WERK SCHLIESST WICHERNSTIFT AUS
Liebe Coriander,
das Allerwichtigste steht immer im 1. Abschnitt, einschliesslich Überschrift. Den Rest des Textes kannst Du dir sparen.
In weniger als gefühlten 3 Sekunden bekommt der Leser die Top 1 Nachricht geliefert. Was willst Du mehr?
Das Wichernstift wurde ausgebremst! Tolle Nachricht!
Die Vorgehensweise der hannoverschen Landeskirche hat Vorbildfunktion. Deshalb kann der o. g. Satz nicht oft genug erwähnt werden.
Wichtige Sätze können nicht
Wichtige Sätze können nicht oft genug wiederholt werden.
Das nenn ich mal ne unorthodoxe Interpretation von Journalismus ...
Vorbildfunktion?
Komisch, gerade hat Herr Gabriel von der SPD die Kirche als Bündnispartner gelobt,weil es ja um die gemeinsame Position "Gerechtigkeit in der Gesellschaft" geht und dann so was?Wieso sollen kirchliche Mitarbeiter weniger verdienen als andere (im vergleichbaren Berufen)Was soll das?Christliche Nächstenliebe?Aber nur für andere?Unglaublich!
Handwerksjournalisten wären jetzt in Bielefeld
da brennt nämlich für den diakonischen Marktführer Bethel die Luft, weil Gesundheitsamt, Patienten, Mitarbeiter und gekündigte Dienstleistungsfirmen Missstände aufdecken.
Das hat eine ganz andere Dimension als dieser Fall.
Interessant wäre auch ein Statement der sonst so auskunftsfrohen EKD-Präses , wie sie Synodenbeschluss und Parteibeschluss über den dritten Weg bei kirchlichen Arbeitgebern auch nur ansatzweise unter einen Hut kriegen will.
Fazit informieren möchte die Leser hier niemand.
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