Erdbeben in Chile: Wut, Hoffnung, Verzweiflung

Menschen nach dem Erdbeben in Chile

Nach dem schweren Erdbeben harren die Menschen in den Straßen von Santiago aus. Foto: dpa/EPA/CRISTOBAL SAAVEDRA

Katastrophe - Ein schweres Erdbeben hat Chile erschüttert - und wir sind ohnmächtig angesichts solcher Katastrophen. Vom sicheren Deutschland aus: Was können wir tun? Helfen Gebete gegen Naturgewalten?

Von Ralf-Peter Reimann

Nachrichten auf CNN, Twitter-Meldungen: ein Erdbeben hat Chile erschüttert, ein Tsunami rollt auf die Pazifiküste zu. Telefonieren nach Chile scheint unmöglich, nur ein Besetztzeichen, wir erreichen unsere Freunde nicht. Während der Fernseher im Wohnzimmer läuft, fragen die Kinder, was unsere Freunde machen, wie es ihnen geht. Eine Antwort kann ich ihnen nicht geben.

Wir sitzen im sicheren Deutschland und können nur abwarten, was die Nachrichten bringen – und ob wir irgendwann telefonsich durchkommen.

Gegen Naturgewalten sind wir machtlos und ihnen ausgeliefert. Meine Frau hat vor Jahren in Mexiko-Stadt ein Erdbeben von 8,2 auf der Richterskala erlebt, jetzt in Chile waren es 8,8, und wir können uns das Ausmaß der Zerstörung vorstellen.

Wie geht es unseren Freunden? Im Sommer hatten wir sie zuletzt in Deutschland gesehen. Man sorgt sich zunächst um die Menschen, die man kennt, aber die Naturgewalten treffen alle Menschen in der Region. Wir können nur die Nachrichten verfolgen und abwarten. Ich spreche ein stilles Gebet. Wofür soll ich beten? Helfen Gebete gegen Naturgewalten? Wie kann ich unseren Kindern erklären, was passiert ist und was noch mit der Flutwelle an Zerstörung zu erwarten ist?

Muss man solche Zerstörung durch die Natur einfach hinnehmen? Gibt es einen Schuldigen? Wer ist verantwortlich?

Eine Flutwelle ist angekündigt – bei einem Tsunami denke ich unwillkürlich an die Sintflut, die die Erde überflutete und das Leben vernichtete. Nach der Flut gibt Gott – so berichtet die Bibel – den wenigen Überlebenden ein Versprechen:

Ich gebe euch die feste Zusage: Ich will das Leben nicht ein zweites Mal vernichten. Die Sintflut soll nicht noch einmal über die Erde hereinbrechen. (1. Mose 9,11)

Ich weiß nicht, wie tragfähig diese Worte für mich jetzt sind. Können sie mir Hoffnung geben, dass trotz allem das Ausmaß der Zerstörung sich in Grenzen halten wird? Ich möchte darauf vertrauen, gleichzeitig ärgere ich mich, weil dieses Versprechen durch die Wirklichkeit nicht gedeckt scheint. Ich schwanke zwischen Hoffen und Wut und Verzweiflung - und warte.

Kommentare

Verfasst von Gast am 28. Februar 2010 - 20:55.

Anlaß zur Buße

Ohne verletzen zu wollen: die aufgeworfenen Fragen sind tatsächlich...

Ohne verletzen zu wollen: die aufgeworfenen Fragen sind tatsächlich Schreibtischprodukte aus sicherer Entfernung sowohl vom Ort des Geschehens als auch von Gott. Wenn wir gegen die Naturgewalten schon machtlos sind, dann ganz bestimmt auch gegen Gott, der jede Gewalt beherrscht und steuert: Wenn er will, daß wir leben, dann leben wir und wenn er will, daß wir sterben, dann sterben wir. Das führt den Glaubenden eher zur Demut als zu Wut und Verzweiflung, denn was nützt es, mit Gott zu hadern?

Hilflosigkeit und Erschrecken sind außerdem wunderbare Ausgangspunkte für Umkehr und Besserung des Lebens. Unser Heiland weist ausdrücklich darauf hin, daß wir Katastrophen und Greueltaten von Menschen zum Anlaß nehmen sollen, Buße zu tun, weil wir alle Sünder sind und das Schicksal der Opfer verdienen. Wie oft schieben wir nicht eine Umkehr vor uns hin, einfach weil wir keinen geeigneten Anlaß finden, aus einer schuldhaften Verstrickung auszusteigen. Da sind Erschütterungen unserer Sicherheit ganz bestimmt hilfreich.

Verfasst von alexschnapper am 28. Februar 2010 - 20:48.

(Liebe Admins des Forums, ich

Vielen Dank. Ein sehr gute Freund von mir und ehemaliger Pfarrer unserer...

Vielen Dank. Ein sehr gute Freund von mir und ehemaliger Pfarrer unserer Gemeinde ist seit Donnerstag in Santiago de Chile, um dort in einer Gemeinde neu als Pfarrer anzufangen.
Bisher noch keine Infos oder Kontakt erhalten können. Ich warte nun auf Kontakt von seiner Seite, da in Chile ja Infrastrukturtechnisch eingies im Chaos liegt und ein Anruf meinerseits eher Verwirrung oder noch mehr Panika auslösen würde.

Ich schliesse meine Gedanken und Hoffnung in Gebete an die Familie ein und warte auf weitere Informationen aus Chile. Und ich hoffe, dass sie guter Natur sein werden, nein, ich habe das Gefühl, dass sie es sind. Das spüre ich und damit kann ich mich ein wenig beruhigen/trösten.

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