KZ-Gedenkstätte - Sachsenhausen wird immer für das Grauen des Nazi-Regimes stehen. Als Gedenkstätte und Museum soll das frühere KZ mahnen und lehren. Doch ein Streit hat jahrelang zu einem Stillstand des Projekts geführt. Jetzt kann er beendet werden.
Der Name steht für Gewalt und Willkür, Krankheit und Elend, für Tod: Sachsenhausen. Konzentrationslager der Nazis, Speziallager der Sowjetunion - das 400 Hektar große Gelände in Oranienburg unweit von Berlin hat eine grauenhafte Geschichte. Zu DDR-Zeiten wurde es als Nationale Mahn- und Gedenkstätte umgestaltet. Dabei wurden viele Spuren aus der Nazi-Zeit buchstäblich plattgemacht.
Seit der Wiedervereinigung versteht sich die Einrichtung als Gedenkstätte und Museum: "Ziel ist es, die Geometrie des totalen Terrors" wieder sichtbar zu machen, sagt der Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, Günter Morsch. Das Konzept steht seit Jahren. Nach einem Baustopp soll nun mit dem letzten Schritt der seit 1993 betriebenen Gestaltung begonnen werden, die sowohl die Spuren Nazizeit als auch die baulichen Veränderungen der DDR-Jahre auf dem ehemaligen KZ-Gelände sichtbar machen soll.
"Überlebende warten seit langem"
Rund 2,6 Millionen Euro stellt der Bund dafür bereit. "Das ist das, worauf die Überlebenden seit langem warten", sagt Sonja Reichert, Generalsekretärin des Internationalen Sachsenhausen Komitees. Für den langjährigen Präsidenten des Komitees, Pierre Gouffault, kommt die Entscheidung zu spät: Er ist vergangenen Dezember gestorben. "Bis zum letzten Atemzug hat er gehofft, dies noch miterleben zu können", sagt Reichert.
Wesentliche Abschnitte des Projekts sind seit 2005 mit der Umgestaltung des Eingangs und der Neugestaltung des zentralen Gedenkortes "Station Z" fertiggestellt. Rund zehn Millionen Euro hat der Bund dafür im Rahmen eines Sonderinvestitionsprogramms aufgebracht. Doch dann geriet das Projekt ins Stocken: Die Pläne stießen bei der Denkmalpflege auf Ablehnung, weil Teile der inzwischen verfallenen Mahnmal-Anlage der DDR nicht mehr rekonstruiert werden sollten.
"Beide Deutschlands haben nach dem Zweiten Weltkrieg Denkmälern ihre Interpretation übergestülpt", erklärt Morsch. In Sachsenhausen führte dies beispielsweise zur Schaffung eines künstlichen Eingangsbereichs und zum Bau einer Ringmauer, die das ursprünglich vorhandene System der Rundum-Sicht vom Wachturm A auf das Barackenlager versperrte. Statt die Originalbauten zu erhalten, entschieden sich die DDR-Planer damals für den Bau einer großen Denkmal-Anlage, die den "Sieg des Antifaschismus über den Faschismus" symbolisieren sollte.
Fragwürdige Entscheidung
Eine fragwürdige Entscheidung, wie nicht nur der Stiftungschef meint. Auch die Ex-Häftlingskomitees waren nie wirklich glücklich darüber. Relativ schnell waren sie dagegen Anfang der 1990er Jahre für die Pläne des Architekten Hans-Günther Merz zu gewinnen, der im Rahmen eines internationalen Wettbewerbs den 1. Platz belegt hatte. Für die Neugestaltung des Gedenkortes "Station Z" gab es zahlreiche Architektur-Preise von internationalem Rang.
Nicht gelingen wollte allerdings die letzte Stufe des Projektes: die Kennzeichnung der Barackenstandorte als Bodenrelief. Zu groß waren die Bedenken von Landeskonservator Detlef Karg. Er wollte die von der DDR geschaffenen Anlagen erhalten oder rekonstruieren. Unterstützung fand er bei der früheren brandenburgischen Kulturministerin Johanna Wanka (CDU), die zugleich Vorsitzende des Stiftungsrates war.
"Damit lag der schon genehmigte Bauantrag faktisch auf Eis", berichtet Morsch. Nun jedoch liegt die denkmalrechtliche Genehmigung des Ministeriums für Infrastruktur und Landwirtschaft vor - nachdem Kulturministerin Martina Münch (SPD) grünes Licht für das Projekt gegeben hatte. Noch in diesem Jahr sollen die Arbeiten beginnen, 2012 dann abgeschlossen sein. Dabei soll die Ringmauer, die derzeit den freien Blick auf die einstigen Baracken versperrt, auf die Höhe eines Sockels reduziert werden. "Sie ist stark beschädigt und müsste ohnehin zu großen Teilen rekonstruiert werden", erläutert der Historiker.
Grundrisse im Boden markieren
Viele der früheren Häftlings-Baracken stehen nicht mehr. Um die einstige ringförmige Anordnung dennoch sichtbar zu machen, sollen ihre Grundrisse mit einem Stahlband auf dem Boden markiert werden. Bei der neuen Gestaltung sollen die Spuren, die in der DDR gesetzt wurden, erkennbar bleiben: Im Bereich der zentralen Denkmalanlage mit Obelisk, Skulptur und Aufmarschplatz schieben sich die Barackenfelder über die DDR-Gestaltung.
Die Neugestaltung respektiere das Vorhandene, betont der Stiftungschef. "Eingegriffen haben wir nur dort, wo der authentische Ort in seinen wesentlichen topographischen Merkmalen nicht mehr erfahrbar war." Landeskonservator Karg meint: "Wir werden sehr genau beobachten, dass Spuren nicht von der Überarbeitung verändert oder zerstört werden."
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