Homosexualität - Seit 25 Jahren treffen sich lesbische Frauen in der Evangelischen Akademie Bad Boll in Baden-Württemberg. Einige von ihnen sind über 60 Jahre alt, jüngere kommen kaum dazu. In den achtziger und neunziger Jahren mussten sie um Akzeptanz kämpfen. An diesem Wochenende feiern sie ihr Jubiläum - und ihren Erfolg.
"Hättest du gedacht, dass wir so viele sind?"
Auf ihrer ersten Tagung vor 25 Jahren ließen sich die Teilnehmerinnen nur von hinten fotografieren - heute zeigen sie ihre Gesichter. Fotos: evangelisch.de/Anne Kampf
Wie war das vor 25 Jahren - als lesbische Frau in kirchlichem Umfeld? Sich zu outen, erschien vielen undenkbar. Therese Hilgers (61) aus Wiernsheim zum Beispiel lebte 20 Jahre lang verdeckt in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung. 1969, als sie sich verliebte, gab es in ihrer Umgebung in Württemberg keine Frauen, die offen lesbisch lebten. Ähnlich ging es Hanne Hermann (65) aus Bietigheim-Bissingen: Sie war verheiratet und hatte Kinder. Ein typischer lesbischer Lebenslauf – bis heute. Die Frauen gehen zunächst den "normalen" Weg und gründen eine Familie, entdecken dann (nach und nach oder insgeheim schon lange) ihre Liebe zum gleichen Geschlecht, brauchen aber einen Auslöser, um sich offen dazu zu bekennen und Konsequenzen zu ziehen.
Der Auslöser war für viele ein Buch. 1987 veröffentlichten Herta Leistner, Monika Barz (Foto links) und Ute Wild "Hättest du gedacht, dass wir so viele sind – Lesbische Frauen in der Kirche". Das war der Durchbruch. Für die Leserinnen, die nun wussten: Ich in nicht allein! Und für die (kirchliche) Öffentlichkeit, die wahrnehmen musste, dass es Lesben gibt und dass sie nicht länger bereit sind, sich zu verstecken.
Herta Leistner wurde zur Identifikationsfigur der Bewegung. Sie war Ende der Siebziger Studienleiterin der Evangelischen Akademie Bad Boll (Kreis Göppingen) und traute sich Anfang der Achtziger, lesbische Frauen in der Kirche zusammenzutrommeln - damals fast konspirativ mit privaten Briefen an diejenigen, von denen frau "es" wusste oder ahnte.
Erste Tagung: Fotos nur von hinten
Sie kamen 1985 zur ersten Tagung zusammen – manche voller Angst. Angst, entdeckt zu werden, den Job zu verlieren oder das Ansehen in der Kirchengemeinde und im Dorf. Ein Foto der ersten Tagung, die in Arnoldshain in Hessen stattfand, zeigt die Teilnehmerinnen von hinten, mit dem Rücken zur Kamera.
Ihre Angst war nicht unbegründet. Es gab Kritik aus konservativ eingestellten evangelischen Kreisen. Dass Frauen in homosexuellen Partnerschaften zusammenleben und für ihre Treffen sogar einen Platz in einem kirchlichen Tagungshaus beanspruchen, stößt bis heute auf Unverständnis. Allerdings wird die Diskussion nicht mehr so hitzig geführt wie in den Neunzigern.
Besonders bekam Herta Leistner (68) den Gegenwind zu spüren: Als sie zur Studienleiterin des Anna-Paulsen-Hauses in Gelnhausen berufen wurde und auch, als sie das Bundesverdienstkreuz verliehen bekam, gab es öffentliche Proteste. Sie hielt es aus – stoisch, gelassen. Weil sie zu sich und ihren Mitstreiterinnen stand. Zum 25. Jubiläum "ihrer" Bad Boller Lesbentagung am dritten Adventswochenende 2010 konnte Herta Leistner aus gesundheitlichen Gründen nicht anreisen, wurde aber per Telefon zugeschaltet und gratulierte mit den Worten: "Ich bin froh, dass eine Gruppierung von lesbischen Frauen sich 25 Jahre lang treu bleibt."
"Aufregend, überwältigend, gigantisch"
"Als ich vor 24 Jahren zum ersten Mal hier war, war das überwältigend", berichtet Hanne Hermann. "So viele lesbische Frauen!" - "Gigantisch" ist das passende Wort für Jessica Diedrich. "Aufregend", nennt Therese Hilgers ihren ersten Eindruck, denn "sonst stehst du allein da und fragst dich, wo sind denn die anderen?" Das Gefühl, wie gut es tut, nicht allein zu sein, nicht ausgegrenzt, nicht ausgefragt zu werden, kennen wohl alle Frauen auf der Tagung in Bad Boll.
So auch die Schriftstellerin Tina Stroheker (62) aus Eislingen, eine "Spätberufene". Sie war weit über 50, als sie ihr Coming-out hatte. "Hier hab ich gemerkt, dass das bei vielen so war." Heute tritt sie selbstbewusst auf, mischt sich in das kirchliche Leben in ihrem Ort ein und hat dort angemahnt, dass mit Jugendlichen mehr über Homosexualität gesprochen werden müsse. "Jetzt werden sie wohl jemanden einladen", freut sich Tina Stroheker.
Auch Therese Hilgers hatte Erfolg im Ringen um mehr Wahrnehmung: In der Evangelischen Landeskirche in Württemberg gibt es jetzt Prälaturbeauftragte, an die Lesben, Schwule und deren Angehörige sich wenden können, wenn sie Rat brauchen, Diskriminierung erfahren haben oder sich Fragen zu den biblischen Aussagen stellen. Daran hat Therese Hilgers mitgewirkt.
Nicht alle sind noch so aktiv. Manche sind auch müde geworden. Auf der Tagung in Bad Boll genießen sie einfach die Gemeinschaft und pflegen die Freundschaften, dich sich quer durch Deutschland und darüber hinaus entwickelt haben. "Unser Kampf ist gekämpft", sagt zum Beispiel Hanne Hermann.
Politische Fragen und "Jahresendritual"
Themen wie Eingetragene Lebenspartnerschaft, Gleichberechtigung im Steuerrecht, im Erbrecht, im Adoptionsrecht sind zwar zum Teil noch nicht abschließend geklärt, stehen aber doch zumindest auf der politischen Agenda. Auch für die Kirche ist Homosexualität kein Tabu mehr. In einer Schrift der EKD aus dem Jahr 1996 geht es um theologische Betrachtungen und praktische Fragen: Was steht in der Bibel zum Thema Homosexualität und wie kann man es verstehen? Dürfen lesbische Pfarrerinnen oder schwule Pfarrer im Pfarrhaus wohnen? Sollten wir homosexuelle Paare in der Kirche segnen?
Lesben und Schwule werden nach wie vor diskriminiert
Eindeutige Antworten kann auf die Schnelle niemand erwarten – zu breit ist das Spektrum der Sichtweisen innerhalb und außerhalb der Kirche. Renate Hettler (61) aus Ulm zieht in Bad Boll eine eher ernüchternde Bilanz: Sie hat nicht den Eindruck, dass sich die Akzeptanz homosexueller Menschen in der Kirche wesentlich verbessert hat. Immer noch hätten Frauen Angst, ausgegrenzt zu werden, wenn sie sich outen. Hanne Hermann stimmt ihr zu: "So richtig für voll genommen werden wir noch nicht."
Allerdings fällt auf, dass in großen Städten offenbar geht, was in manchen ländlichen Gebieten noch nicht einmal angesprochen werden könnte: Pfarrerin Maren Wichern und ihre Partnerin Jessica Diedrich (Foto oben links) leben in Hamburg im Pfarrhaus zusammen. "Bad Boll hat mich bestärkt und selbstbewusst gemacht", sagt Jessica Diedrich. Mittlerweile ist die Tagung jeweils am dritten Adventswochenende für sie so etwas wie ein "Jahresendritual" geworden.
Anne Kampf ist Redakteurin bei evangelisch.de und zuständig für die Ressorts Politik und Gesellschaft.
Kommentare
Mir es es herzlich egal wer
Mir es es herzlich egal wer mit wem in die Kiste springt, solange es im gegenseitigen Einverständnis und in Liebe geschieht. Was mir allerdings mittlerweile ziemlich auf den Geist geht, ist der in dieser Gesellschaft ausgebrochene Homo-Hype. Ich hänge mir auch kein Schild um den Hals und schreibe "Hetero" darauf und gründe eine Vereinigung heterosexueller Frauen und Männer. Aber vielleicht sollte man dergleichen in Erwägung ziehen.
noch ein Lob
Ein Bericht, der Freude macht. Als frühere Teilnehmerin an den Tagungen in Bad Boll gefällt mir natürlich auch, dass nun ein feines 25zig Jähriges gefeiert wurde.
Lieblos Berge versetzen - dann ist der Glaube sinnlos
Herzlichen Glückwunsch zum Jubiläum!
Was müsst Ihr früher mitgemacht haben!
Man liebt einen Menschen, man empfindet die Liebe homosexuell, aber die Gesellschaft und gerade "bibeltreue" Christen zwingen eine(n) in die Heimlichtuerei. Offiziell muss man seine Partnerschaft verheimlichen: Was hat das mit Menschen angerichtet? Was haben fromme Menschen mit Euch angerichtet?
Heute spricht man soviel über Jugendliche in Kinderheimen der Kirche, was sie dort erlitten haben. Müsste man nicht auch darüber sprechen, was Menschen erlitten haben, die von "frommen" Menschen verteufelt wurden?
Immer wieder werden einige Bibelverse angeführt, was alles Sünde ist, aber der wichtigste, der wird vergessen: 1 Kor 13,13 sagt klar und eindeutig: Liebloser Glaube ist sinnlos und unnütz. Es geht nicht darum, ein perfektes System an Glaubensregeln aufzustellen, dem die Menschen sich unterordnen müssen. Sondern es geht um die Solidarität der Sünder, für die Gott immer wieder Fünfe gerade sein lässt, wenn seine Liebe es erfordert. Diese Liebe ist wichtiger als alle Glaubensregeln, wenn sie lieblos werden.
Kein Schwuler, keine Lesbe hat sich ihr Empfinden ausgesucht. Alle, von denen ich weiß, haben zunächst unter ihrem Empfinden gelitten. Bis sie begriffen haben: Gott will mich so, wie ich bin. So hat er mich geschaffen.
Aber lieblose Fromme werden so schnell unsolidarisch, tun so, als wären ihre Sünden unwichtiger, als gäbe es sie gar nicht, als könnten sie sich aus der Solidarität der von Gott geliebten Spünderinnen und Sünder ausklinken.
Wenn diese "Frommen" wenigsten Berge versetzen könnten mit ihrem Glauben.
Aber sie können es nicht, und prügeln trotzdem verbal (und manchmal auch physisch) auf Menschen ein, die sie nicht verstehen wollen...
Wenn Glaube und Liebe in Konkurrenz geraten, dann ist die Liebe das Kriterium für den Glauben, niemals umgekehrt. Paulus sei Dank!
Lebt Eure Liebe!
Alles Gute und Gottes Segen
P.S.: Wenn man aus diesen Zeilen herauslesen wollte, dass ich lesbische Liebe für grundsätzlich sündhaft hielte, so wäre ich missverstanden. Sie ist ebensoviel oder so wenig sündhaft wie heterosexuelle Liebe.
Lob
Liebe Anne!
Ein ermutigender Artikel und Foto! Toll! Anika
Fangt bei euch selber an!
Es gibt überhaupt keine einzige Bibelstelle, die weibliche Homosexualität verurteilt.
Stattdessen lesen wir in der Bibel davon, dass unser Erlöser ein Herz gerade für die Menschen hat, die nicht dem gesellschaftlichen Mainstream entsprechen (Zöllner, Aussätzige, Frauen...).
Aber es gibt leider immer noch "Christen", die meinen, sie stünden umso besser dar, wenn sie andere verachten, nur weil sie anders sind.
Wer übrigens meint, Christsein erschöpfe sich darin, sich wortwörtlich an die Gesetze und Vorschriften des Alten und Neuen Testaments zu halten, darf auch nicht mehr Auto fahren und den Lichtschalter betätigen - davon steht nämlich auch nichts in der Heiligen Schrift! Wir müssten die Steinigung und die Sklavenhaltung wieder einführen.
Da das natürlich nicht im Sinne unseres lebendigen Gottes ist, liebe Kommentatoren: fangt mit dem Buße tun bei euch selber an!
Gott liebt den Sünder, aber nicht die Sünde
Ja, Jesus war den Sündern nahe, und auch den Sünderinnen.
Das aber hatte seinen Grund darin, daß Gott den Sünder und auch die Sünderin liebt, aber in keinem Fall die Sünde.
Auch hinsichtlich der Homosexualität sind die Aussagen der Heiligen Schrift eindeutig. "Tut nichts dergleichen!" - heißt es da. Auch der heilige Apostel Paulus ist eindeutig und klar (Römer 1, 26). Wer etwas anderes sagt, nimmt nicht zur Kenntnis, was die Heilige Schrift und letztendlich Gott selbst zu dem Thema zu sagen hat. Jesus selbst aber hat die ursprüngliche Schöpfungsordnung der Ehe von Mann und Frau gesegnet und bekräftigt. Das ist auch der Grund für sein - im buchstäblichen und besten Sinn des Wortes - radikales Scheidungsverbot. Auch Jesus hat nicht gesegnet, was Sünde ist. ER ist vielmehr uns Sündern nachgegangen und hat uns zur Umkehr und Buße gerufen. Und diesem Ruf wollen wir mit ganzem Herzen, ganzer Seele und ganzer Kraft folgen.
Fein, das diese Frauen sich
Fein, das diese Frauen sich trauen, ihr Gesicht zu zeigen. Das wurde aber auch Zeit. Ist es nicht viel schlimmer mit einer Lüge leben zu müssen. Was ist das für eine Kirche, die Menschen in Lügengebäude treibt, Homosexuelle aus dem Kirchenvorstand vergrault...etc..!
Du meine Güte: Wenn Bürgermeister und Minister sich zu ihrer Homosexualität bekennen und dafür weiterhin ihren Posten ausüben können, dann sollte es in der Kirche doch wohl erst recht eine Selbstverständlichkeit sein dürfen! Schlimm genug, das Menschen sich verstecken mußten!
Manchmal unterschätzt man aber auch die Provinz. Es gibt durchaus auch tolerante Dörfer! Vielleicht ist es nicht unbedingt eine Frage der sexuellen Orientierung, ob man als Sympathieträger rüber kommt- vieleicht ist eher eine Frage von Natürlichkeit,Offenheit und Charisma. Wer keine Angst haben muß, kann auch er selbst sein!
Gesellschaft und Kirche sind nicht eins!
Als Botschafterin/Botschafter des Evangeliums gibt es normative Vorschriften in der Bibel. Die biblische Botschaft ist keine demokratische Angelegenheit, die durch Mehrheitsbeschluss zur Wahrheit wird oder beliebig geändert werden kann. Das verkennt auch immer öfters die Synode. Wenn wir alles nach Willen und Wollen der Menschen ändern, dann wäre es ein Verrat an Christus. Er richtete sich nicht nach der Gesellschaft oder was gerade en vogue ist!
Der Respekt vor dem Menschen in seiner Lebensform ist wichtig, aber als VerkünderIn gelten nochmals andere Maßstäbe!
Siehe, ich bin des Herrn Magd
Der Mutter unseres Herrn gegenüber sind diese Frauen eine Gegendemonstration und eine Schmähung der Maria: Siehe, wir sind niemandes Mägde, denn wir trotzen dem Willen und Gebot des Herrn, unser Leib gehört nicht dem Herrn, sondern uns selbst.
Hätte Maria diese Haltung gehabt - unserer Welt wäre nie ein Erlöser geboren!
Tut Buße und bekehrt Euch, legt ab Euren Stolz, solange Zeit ist!
Maria?
"Hätte Maria diese Haltung gehabt - unserer Welt wäre nie ein Erlöser geboren!" Ach ja? Abgesehen davon, dass die sexuelle Orientierung keine willentlich veränderbare "Haltung" ist - man hat mir gesagt, Maria empfing den Heiligen Geist, um später dem Erlöser das irdische Leben zu schenken. Sex hatte sie dafür angeblich nicht, von daher hätte Lesbischsein doch nicht gestört. Oder bringe ich da etwas durcheinander?
zu Gast am 21. Dezember 2010 - 14:26.
Mit diesen Erwaegungen ueber Maria wird die Diskussion absurd. Denn Lesbischsein impliziert dem Begriff und der Sache nach die sexuelle Orientierung einer Frau zu einer Frau. Davon kann bei Maria absolut keine Rede sein, und es ist absurd, darueber Ueberlegungen anzustellen.
Gott über alles fürchten, lieben und vertrauen
"Ich bin froh, dass eine Gruppierung von lesbischen Frauen sich 25 Jahre lang treu bleibt."
Ja, sind wir denn nicht berufen - statt der Eigensucht - unserem Herrn treu zu sein?
Wie kann Rebellion gegen Gottes Wort zum christlichen Lebensstil werden? Gilt es nicht vielmehr, Unzucht zu bekennen und zu lassen? Sagt doch der Herr: "Wer seine Sünde bekennt und lässt, wird Barmherzigkeit empfangen."
an n.spiritus und andere aehnlich denkende Menschen
An alle, die meinen, dass lesbisch Sein eine Suende ist.
Also nochmal zu den biblischen Stellen: Im AT steht nichts hierzu - im NT wird wie auch oben schon geschehen auf Roemer ! verwiesen. Nun, wer gruendlich die Bibel liest, wird dort entdeckt, dass dort steht: den ihre Frauen haben den natuerlichen Verkehr vertauscht mit dem widernatuerlichen Verkehr. - Nur, dass fuer lesbische Frauen der Verkehr mit Maennern nicht der natuerliche Verkehr ist. - Also ist diese Stelle auf unsere Situation nicht anwendbar. Und eine andere brauchbare gibt es nicht.
Ausserdem kann ich es nicht mehr hoeren - diese Art von Argumentation, die nur andere klein machen kann. So wurde auch mit der Bibel argumentiert, dass Frauen auf der Kanzel zu schweigen haben. Und auch mit der Bibel wurde gerechtfertigt, dass Juden ermordert wurden - und Hexen auf dem Scheiterhaufen verbrannt sind.
Insofern sollte man sich gut ueberlegen, welche Argumente man zieht. Ausserdem sollte man die Wirkung nicht ausser Acht lassen: Wieviele Menschen haben sich wegen Ihrer homophoben Umgebung umgebracht! Und nun soll mir jemand sagen, dass das Jesus wollte.
Schliesslich kenne ich diese Art der Bibelauslegung auch zu gut - eine Art der Bibelauslegung, die Angst hat von dem Buchstaben abzuweichen - als ob es jemals so gedacht war von Gott, dass wir durch den Buchstaben geknechtet werden. Jesus hat auf jeden Fall anders gelebt - er hat auch am Sabbat geheilt, obwohl verboten - Im war es wichtiger, dass es den Menschen gut geht - das war wichtiger als die Einhaltung von Vorschriften.
Und schliesslich frage ich all jene, die uns lesbischen Frauen diese Bibelstellen um die Ohren hauen - warum konzentrieren Sie sich gerade auf uns: Es gibt im NT eine Stelle, dass Frauen lange Haare tragen sollten. Warum nicht dafuer kaempfen? Oder im AT gib es eine Menge an Reinheitsvorschriften, z.B. dass eine Mann nicht mit seiner Frau schlafen darf, wenn sie Ihre Tage hat - warum nicht dafuer kaempfen??? - Aus der willkuerlichen Wahl gerade von Lesben und Schwulen muss ich unterstellen, dass es NICHT um die Bibel geht - sondern NUR um eigene nicht bewusste negative Einstellungen. Aber mir ist klar, dass Sie, n.spiritus, das abstreiten wuerden.
Leider wird ein wirlicher Dialog zwischen uns nicht moeglich sein - da wir auf unterschiedlichen Grundlagen stehen. Auch ich stehe auf der Bibel - halte aber ein fundamentalistisches Bibelverstaendnis fuer nicht sachgemaess, um die Bibel zu verstehen.
Somit leben Sie wohl - und seien Sie gewiss, Gott liebt auch jene, die die Bibel fundamentaltisch auslegen - aber er hasst die fundamentalistische Bibelauslegung.
Wenn wörtlich, dann richtig
Nun, wer gruendlich die Bibel liest, wird dort entdeckt, dass dort steht: den ihre Frauen haben den natuerlichen Verkehr vertauscht mit dem widernatuerlichen Verkehr.
Wer hieraus liest, dass lesbische Liebe widernatürlich sei, der liest nicht richtig. Eine Art der Bibelauslegung, die Angst hat von dem Buchstaben abzuweichen, die darf auch nicht hineinlesen, was da nicht steht. Da steht: widernatürlich. Nicht: lesbisch. Dazu müsste man dann erstmal wissen, was zu jener Zeit unter Verkehr verstanden wurde. Eine Aktion, an der kein männliches Geschlechtsorgan beteiligt war, wurde von biblischen Autoren nicht als Verkehr verstanden und bezeichnet. Als nächstes: was ist widernatürlich? Das Gesetz des Mose, auf das sich Paulus beruft, nennt in einschlägigen Zusammenhängen sexuelle Handlungen mit Tieren (Verkehr im Sinne obiger Definition!) Ansonsten war in der Antike eine verbreitete Methode der Empfängnisverhütung der Analverkehr. (Wobei Empfängnisverhütung für fromme Juden wie Paulus gewissermaßen die Verhütung von Gottes Verheißung und deshalb ein "Greuel" war.) Diese beiden Möglichkeiten kann man mit Fug aus dem Text herauslesen. "Verkehr" zwischen zwei Frauen hineinzulesen, das ist eine unzulässige Interpretation, bei der man sich auf den Buchstaben ganz gewiss nicht berufen kann.
Schräges Beispiel: Im Lied "Nun jauchzet all, ihr Frommen" heißt es am Ende: Er ist schon auf der Bahn. Heißt das, dass es vor 2000 Jahren, als Jesus das Gleichnis von den zehn Jungfrauen erzählte, eine Autobahn gab? Oder vor 300 Jahren, als das Lied gedichtet wurde, eine Eisenbahn? Ja, aber da steht doch: Er ist auf der Bahn. Da kann man aber kein Auto und keine Schiene hineinlesen, weil die eben nicht da stehen. Genau so ist das mit dem widernatürlichen Verkehr ... wenn der Leser die Worte so versteht, wie er auf Grund seiner Denkweise und seiner Bildung, seiner Kenntnisse und seiner "Moral"-Vorstellungen sie verstehen will, dann geht er am Text vorbei, obwohl er meint, ihn wortwörtlich zu verstehen.
Coriander
- Streite dich nicht mit einem Dummkopf. Er zieht dich auf sein Niveau herunter und schlägt dich dort mit seiner Erfahrung. (Quelle unbekannt)-
Freundliche Gruesse
Woher wollen Sie denn wissen, dass wir uns nicht an diese Dinge halten (wollen), die Sie uns um die Ohren hauen. Ja, wir leben mit dem Bewusstsein, Suender zu sein und auf die Vergebung angewiesen zu sein.
Dass, was wir allerdings nicht tun wollen, ist, dass wir, was die Heilige Schrift Suende nennt, gut heissen. Und da helfen auch keine Wortverdrehungen.
Mit freundlichen Gruessen
Liebe ist niemals Sünde!!!
"Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete und hätte die Liebe nicht, so wäre ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle. Und wenn ich prophetisch reden könnte und wüsste alle Geheimnisse und alle Erkenntnis und hätte allen Glauben, sodass ich Berge versetzen könnte, und hätte die Liebe nicht, so wäre ich nichts. Und wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe und ließe meinen Leib verbrennen und hätte die Liebe nicht, so wäre mir's nichts nütze."
Ich bin eine Frau und liebe eine Frau - ist meine Liebe anders als die einer Frau zu einem Mann? Ist sie geringer, minderwertiger, verdammungswürdig? Wer Liebe in Kategorien presst, hat nie wirklich geliebt! Liebe kennt keine Grenzen, und schon gar nicht die, die in irgendwelchen selbstgerechten Köpfen ihre Mauern gezogen haben!!!
Warum müssen Heterosexuelle uns immerwieder und ausschließlich über unsere sexuelle Präferenz definieren? Die Sexualität ist nur ein kleiner Teil des Menschseins - ihr feiert Weihnachten - wozu?
Klar! Wer Christus liebt, darf tun uns lassen, was ER will
Wie sollte Liebe zu Gott die Liebe zum Mitmenschen ausschließen?
Bedenke, dass Du zur Liebe gegen Gott und Sein heiliges Wort berufen bist. Liebe also Gott und sein Wort mehr als Dich selbst. Was resultiert daraus? Dass Du Dich gänzlich an seinem Worte asusrichtest und dein Leben, Deinen Geist und deinen Leib heiligst, denn Gottes Wort ist heilig und es hat letztgültige Autorität (Und wir WOLLEN doch Seinem Wort treu sein. Wie wir ja auch in der Liebe treu sein wollen. Denn Liebe ohne Treue ist ja nur Egoiismus). - Wenn Du nun jemand liebst wie dich selbst, heißt es, Du willst, dass auch er oder sie heilig sei. Aus Liebe zu Gottes Wort und aus Liebe zum Mitmenschen rufst Du nun öffentlich auf, dass Gottes Wort auch für ihn und sie der verbindliche Maßstab sei im Leben und Lieben. Es wäre lieblos gegen jemand, wenn Du ihm das gute helle reine rettende Wort Gottes vorenthieltest, das doch aus dem Dunkel ins Licht, aus der Verlorenheit zur Rettung, aus der Sünde in die Gerechtigkeit, aus der Verirrung in das himmlische Vaterhaus, aus dem Sumpf auf festen Weg, aus der Orientierungslosigkeit zum Ziel führt.
Wer zu Christus gehört, darf endlich frei sein und darf wirklich tun und lassen was ER will!
Unsere Erlösung hat unseren Herrn Christus Leib und Leben gekostet; billiger ist das Heil nicht zu haben, außer, wir geben uns mit Leib und Leben unserem Herrn hin in Liebe und Gehorsam. Wem gibst Du Deinen Geist und Deinen Leib? Dem Herrn oder der Sünde? Bonhoeffer sagte: Nur der Glaubende gehorcht und nur der Gehorsame glaubt.
LG,
jh
ich bin 15, lesbisch und lebe in angst!
Heey,
also wie schon der betreff sagt ich bin 15, lesbisch und habe angst. Ich lebe in einer türkischen gläubigen familie und mir wird immer wieder erzählt dass homosexuelle dem fegefeuer nicht entkommen werden. Ich hab echt tierische angst vor dem tod und was mich dann erwartet weil ich so bin wie ich bin!
Ich wollte euch noch mal dazu bitten mir noch mal zu erläutern ob es eine sünde ist oder nicht da ich ja noch recht jung bin habe ich nicht alles so verstanden.
ich bin 15...
Hey!
Gut, dass du dich meldest. Vielen lesbischen und schwulen Jugendlichen aus gläubigen (christlichen oder muslimischen) Familien geht es wie dir, du bist mit deiner Angst nicht allein. Ich möchte dir folgendes sagen: Wenn gläubiger Menschen deine Art zu lieben ablehnen, missbrauchen sie Gottes Wort. Gott lehnt dich nicht ab! Gott hat dich so geschaffen und so gewollt wie du bist und möchte dich begleiten. Das mit dem Fegefeuer ist BLÖDSINN! Vermutlich bis du Muslima? Leider kenne ich keinen Anlaufpunkt speziell für muslimische lesbische und schwule Jugendliche. Homosexuelle Christen haben sich unter anderem bei Ziwschenraum (www.zwischenraum.net) zusammengeschlossen. Vielleicht gibt es in deiner Stadt oder in der Nähe auch eine lesbischwule Jugendgruppe? Ich wünsche dir alles Gute und Gottes Segen für deinen weiteren Weg!
Viele Grüße, Anne Kampf
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