Integration in Deutschland besser als landläufig gedacht

Schule und Integration

An sich befindet sich die Integration in Deutschland auf einem guten Weg. Gerade im Bereich der Bildung kristallisieren sich aber Probleme heraus. Foto: dpa/Waltraud Grubitzsch

Gutachten - Die Integration in Deutschland ist nach Ansicht des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration weitgehend gelungen. Allerdings kristallisiert sich ein Bereich als Problem heraus.

Das von dem Gremium erstmals erstellte Jahresgutachten zeige einen "pragmatischen Integrationsoptimismus" und ein "belastbares gegenseitiges Grundvertrauen" in der Bevölkerung, sagte der Vorsitzende des Sachverständigenrates (SVR), Klaus Bade, am Mittwoch bei der Vorstellung der Untersuchung in Berlin.

Für das Gutachten wurden 5.600 Personen in den Regionen Rhein-Ruhr, Stuttgart und Rhein-Main telefonisch befragt. Darunter waren den Angaben zufolge neben Deutschen und Menschen türkischer Herkunft auch Spätaussiedler, Osteuropäer sowie Personen aus Afrika, Asien und Lateinamerika. Bei dem SVR-Barometer sei erstmals der Integrationsalltag von beiden Seiten der Einwanderungsgesellschaft und in der wechselseitigen Wahrnehmung beurteilt. Die Ergebnisse seien "repräsentativ für Westdeutschland", sagte SVR-Geschäftsführerin Gunilla Fincke.

"Deutsches Integrationsgejammer"

Die Ergebnisse der Untersuchungen seien ein "Kontrast zum deutschen Integrationsgejammer", sagte Bade. "Integration in Deutschland ist, trotz einiger Problemzonen, gesellschaftlich und politisch ein Erfolgsfall." Auf beiden Seiten dominiere ein "deutlicher Integrationsoptimismus". Mehrheits- und Zuwandererbevölkerung seien mit der Integrationspolitik der vergangenen Jahre weitgehend zufrieden und blickten "verhalten zuversichtlich" in die Zukunft, ergänzte Fincke.

Zuwanderer vertrauten den Deutschen zum Teil mehr als der eigenen Herkunftsgruppe und mitunter sogar mehr als die Deutschen sich selbst. Auf einer Skala von 0 (sehr schlecht) bis 4 (sehr gut) liege das Integrationsklima in Deutschland bei 2,77 (Mehrheitsbevölkerung) und 2,93 (Zuwandererbevölkerung).

50 Prozent der Befragten sprächen von einer Verbesserung der Integrationspolitik in den vergangenen Jahren. Sowohl Einheimische als auch Zuwanderer wünschten sich zu je 90 Prozent größere individuelle und gesellschaftliche Chancen durch Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, bessere Bildungschancen, Sprachkurse und Abwehr von Diskriminierung.

Bildung ist besonderer Problembereich

Dem Gutachten zufolge scheitert Integration vor allem in der konkreten Nachbarschaft. Ein besonderer Problembereich sei die Bildung, sagte Bade. Sowohl Eltern mit wie ohne Migrationshintergrund sähen "die Leistungsfähigkeit von Schulen bei wachsender Heterogenität der Schülerschaft infrage gestellt". Besonders bildungsorientierte Eltern mit höherem Sozialniveau schickten ihre Kinder daher ungern auf Schulen mit vielen Zuwandererkindern und leistungsschwächeren Schülern.

In Deutschland sei eine Bildungsoffensive notwendig, sagte Bade. Er forderte die Politik auf, ernst zu machen mit Integration und Partizipation. Manchmal entstehe der Eindruck, die Menschen im Alltag seien in Sachen Integration weiter als die Politik selbst. Er forderte von der Politik "mehr Mut im Umgang mit den Realitäten".

Der Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration geht auf eine Initiative der Stiftung Mercator und der VolkswagenStiftung zurück. Ihr gehören insgesamt acht Stiftungen an, darunter, die Bertelsmann Stiftung, die Körber Stiftung und die Zeit-Stiftung Ebeling und Gerd Bucerius. Das nächste Gutachten des Sachverständigenrates soll den Angaben zufolge in zwei Jahren veröffentlicht werden.

epd

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