Tag der Migranten - Integrationshelfer ausländischer Herkunft unterstützen andere Zuwanderer. Mehr als 20 ehrenamtliche Helfer mit ausländischen Wurzeln sind für das Projekt "MigrantInnen unterstützen MigrantInnen" (MuM) der Arbeiterwohlfahrt in Ostwestfalen-Lippe im Einsatz und helfen MigrantInnen bei Alltagsproblemen.
Als Radhia Tlili nach Deutschland kam, erlebte sie einen "Kulturschock". So nennt es zumindest die heute 37-jährige Frau. "Abends war es immer so leise, und fast keine Menschen auf der Straße", erinnert sie sich. Das Wetter war trübe, der Himmel grau. Ganz anders als in ihrem Heimatland Tunesien, wo meist die Sonne scheint, Plätze und Wege belebt sind.
Inzwischen sind acht Jahre vergangen und Radhia Tlili hat sich an das ruhigere Leben in ihrer neuen Heimatstadt Paderborn gewöhnt. "Jetzt will ich anderen Menschen helfen, die deutsche Kultur zu verstehen", sagt sie. Sie gibt ihre Erfahrungen weiter und unterstützt Zuwanderer dabei, kulturelle Schranken und Sprachbarrieren zu überwinden.
Die Arbeit ist wichtig - obwohl es kein Geld mehr gibt
Die studierte Medienwissenschaftlerin arbeitet als ehrenamtliche Integrationshelferin in dem Projekt "MigrantInnen unterstützen MigrantInnen" (MuM) der Arbeiterwohlfahrt in Ostwestfalen-Lippe. In den nordrhein-westfälischen Kreisen Lippe und Paderborn sind mehr als 20 solcher Helfer mit ausländischen Wurzeln im Einsatz. Sie übersetzen amtliche Schreiben, begleiten die Migranten zu Behörden, zum Arbeits- und Jugendamt. Sie vermitteln, wenn es an der Schule Probleme mit den Kindern gibt.
"Viele sind ehemalige Studenten, aber es sind auch einige ältere Migranten und Rentner dabei", sagt die Projektkoordinatorin Dagmar Stenzel-Scheding. Die Integrationshelfer lebten seit vielen Jahren in Deutschland. Sie kennen die deutsche Kultur und natürlich die gesellschaftliche Situation in den Herkunftsländern: "Die Integrationshelfer sind so Mittler zwischen den Kulturen."
Das Projekt wird vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge unterstützt. Zwar endete es offiziell nach drei Jahren im Juli. Bis dahin erhielten die Helfer eine Aufwandsentschädigung von 100 Euro monatlich. Jetzt bekommen sie kein Geld mehr, aber die Arbeit ist ihnen wichtig. "Deshalb machen wir weiter", sagt Tlili.
Bei Bedarf: Scheidungsberatung für türkische Frauen
Im Kreis Paderborn koordiniert die Sozialarbeiterin Filiz Celik das Projekt. Einmal in der Woche gibt es eine Teamsitzung. Dann reden die Helfer über ihre Fälle, tauschen Probleme aus und werden von Celik beraten. Auch die 30-jährige Yüce Yilmaz-Aslan engagiert sich in dem Projekt. Sie kam für das Pädagogik-Studium vor sechs Jahren aus der Türkei nach Deutschland und arbeitet jetzt an der Universität Bielefeld. "Ich bin als Bildungsmigrantin privilegiert", sagt sie. Deshalb will sie den Landsleuten helfen, die es nicht so leicht haben.
Yilmaz-Aslan kümmert sich vor allem um türkische Familien, besonders um Frauen, die Gewalt erlebt haben. Wenn die Türkinnen es wollten, erkläre sie dann auch, welche Schritte für eine Scheidung notwendig seien. Yüce Yilmaz-Aslan versteht sich als "Sprach- und Kulturvermittlerin". Durch ihre Hilfe lernen auch die Deutschen mehr über die türkische Kultur. "Einer türkischen Frau mit psychischen Problemen kann ein Therapeut nicht einfach raten: "Machen Sie mal alleine Urlaub'", erläutert die Pädagogin. Dass eine verheiratete Frau alleine verreise, sei in türkischen Familien unvorstellbar.
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