Familie - Für die ehemalige Bischöfin Margot Käßmann gehört Verhütung als Teil einer verantwortlichen Familienplanung zu den Menschenrechten. Manche Frauen empfänden die Pille als "Segen".
"Welche Frau will jedes Jahr ein Kind gebären, und dann stirbt sie beim achten und lässt sieben verwaist zurück?" fragt Käßmann in einem Beitrag für das evangelische Monatsmagazin "chrismon" (Juli-Ausgabe). "Es ist Teil der Freiheit, ja ein Menschenrecht, Schwangerschaft planen zu können."
Scharfe ökumenische Reaktionen
Die ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) erinnerte an scharfe Reaktionen aus der katholischen Kirche auf ihre Äußerung vom vergangenen Jahr, wonach die Pille mit Blick auf die Bevölkerungsexplosion auch als "Geschenk Gottes" angesehen werden könne. Manche Frau empfinde die Pille sehr wohl als Segen, unterstrich Käßmann. Sie sprach von einem "delikaten Thema".
Aus Sicht der Theologin liegt der Schlüssel zur Verlangsamung des weltweiten Bevölkerungswachstums in der Bildung und den Rechten der Frau. Es sei nachgewiesen, dass Schulbildung und Geburtenrate unmittelbar zusammenhingen."Diese Einsicht muss sich niederschlagen im kirchlichen Handeln", so Käßmann weiter.
Kommentare
Schlechter Zugang zu Verhütungsmitteln
Diese Nachricht fand ich heute (29.Juli) in der Zeitung. Weltweit haben 215 Millionen Frauen keinen Zugang zu modernen Verhütungsmitteln, obwohl sie eine Schwangerschaft vermeiden wollen. So gibt die Stiftung "Weltbevölkerung" bekannt. Wie die das erfragt haben, geht nicht aus der Mitteilung hervor, die Zahl erscheint mir aber glaubwürdig.
Leserbriefe_SZ
In der heutigen "Süddeutschen" finden sich zwei Leserbriefe zu einem Artikel, der in der Wochenendbeilage erschienen war. Da hieß es unter dem Titel "Sturm ernten", dass die jetztige Ernährungssituation schon eine Katastrophe sei, dass das noch schlimmer werden würde, und wie man das ändern könnte. Heute schreiben nun zwei Leser (bzw. Leserin), dass man in dem Zusammenhang auch auf die Zunahme der Weltbevölkerung achten müsse. Und ich zitiere Frau S.Kiermaier aus München:" Bereits sieben Milliarden sind zu viel, wenn wir nicht unsere Ansprüche auf ein Minimum reduzieren". Darum geht es doch. Es hängt alles mit allem zusammen: Die falsche Verteilung der Einkommen und der Nahrungsmittel, die rücksichtslose Ausbeutung der menschlichen und irdischen Ressourcen und die Tatsache, dass in diesem Zusammenhang die Würde vor allem von Frauen und Kindern schon in der langfristigen Planung missachtet wird, ganz zu schweigen von den Kriegen die um die knappen Ressourcen geführt werden, und die wieder zuerst Frauen und Kinder treffen.
JR, Einfache Lösung
Ich finde, JR macht es sich mit seiner Kritik zu einfach. Der Artikel wurde veröffentlicht zum "Tag der Weltbevölkerung" (noch so einer von den inflationär zunehmenden "Tagen"). Und wenn man das Thema umfassend betrachten will, dann müssen natürlich die Verantwortung der Männer aber auch die krassen Ungerechtigkeiten in der Welt angesprochen werden. Hier liegt eben der Focus auf der Unterstützung der Frauen, auf der Stärkung ihres Selbstbewusstseins und darauf, dass man ihnen Zugang zu Verhütungsmitteln verschafft, sicher auch medizinische Versorgung,Bidung usw.
Und was soll der Umkehrschluss in Bezug auf UvdL? Auch gebildete Frauen können doch mehrere Kinder haben. Das Entscheidende ist aber, dass sie sich bewusst dazu entschließen konnten.
Moment mal, JR
Sie haben sicher schon vom vierfachen Schriftsinn gehört. In diesem Sinne finde ich es nicht in Ordnung, wenn einzelne Ausssagen eines kurzen Artikels kritisiert werden, ohne dass die Gesamtaussage beachtet wird. Der Artikel hatte einen konkreten Anlass, nämlich den "Tag der Weltbevölkerung" (zugegeben, diese Inflation von "Tagen" finde ich äußerstz fragwürdig). Und in diesem Sinne macht Frau Käßmann darauf aufmerksam, dass eine einfache Maßnahme, nämlich der Zugang zu Verhütungsmitteln, und da ist die "Pille" eben einfach zu handhaben und macht die Frau unabhängig von vielleicht noch nicht so verantwortungsvollen Männern, und Zugang zu Bildung eine Hilfe sein könnte. Dass es gut wäre, wenn manche Männer mehr Verantwortung übernehmen würden, ist ja keine Frage. Aber wie lange dauert das, wenn man mal schaut, welche Bilder von Frauen und Männern in manchen Entwicklungsländern vorherrschen? Keine Frage auch, dass eine bessere Verteilung der Ressourcen, also Geld, Boden Zugang zu Lebensmitteln, medizinischer Versorgung auch notwendig ist. Aber wenn Frau Käßmann sich in ihrem Artikel auf wenige Aspekte begrenzen musste, das kann man ihr doch nicht vorwerfen.
Hat sie das tatsächlich schon wieder gesagt?
Ich bin ehrlich gesagt ziemlich bestürzt, dass die Frau Alt-Landesbischöfin Dr. Käßman schon wieder die "Pille" mit positiven religiösen Formeln adelt! Ist ihr bzw. ihren Anhängern noch nicht aufgefallen, dass wir in diesem Land & in Westeuropa insgesamt nicht zuletzt wegen dieses Fortschrittsegens ein massives demographisches UND vor allem kulturelles Problem namens Kindermangel haben? Von der oben bereits genannten med. Problematik dieses Medikaments zu schweigen.
Ich finde, man könnte fast sagen, damit disqualifiziert sich Margot Käßmann quasi nachträglich noch vom Amt des Bischofs und bes. Ratsvorsitzenden der EK Deutschlands; will sie sich damit nur um jeden Preis zeitgemäß interessant inszenieren? Bekommt sie womöglich Anreize aus der Pharmabranche? Möglich wär's wohl, leider.
Wie bitte?
Was soll eigentlich diese Gehässigkeit im Ton? Mal ganz sachlich, Verhütung ist ja nicht nur "Pille". Allerdings gibt die der Frau die Möglichkeit, unabhängig zu verhüten. Das nächste ist, dass es ja vor allem um die Unterstützung und Bildung von Frauen geht, ohne dass man sie bevormundet. Wer sich z.B. das Schicksal von Clara Schumann ansieht, die nach der Krankheit und dem Tode ihres Mannes eine ganze Kinderschar mit Konzerten durchbringen musste und dabei z.B. auf eigenes Komponieren verzichten musste, der kommt doch zu dem Schluus, dass die Verhütung von Schwangerschaften, eine bewusste Elternschaft vor allem den Frauen die Möglichkeit zu einer eigenen Entwicklung geben kann. Und insofern ist Verhütung für mich ein Menschenrecht.
Stimmt
So stimmt das. Ich hatte mich auf den Tenor der vorherigen Beiträge bezogen. Demgegenüber fand ich den Beitrag von "Ostsachse" wohltuend sachlich. Grundsätzlich finde ich auch, dass es nicht nur um die Bildung von Frauen gehen kann, sondern dass auch Männer lernen müssen, Verantwortung zu übernehmen statt Macht auszuüben. Und wenn mit manchen Begriffen Schindluder getrieben wird und falsche Propaganda gemacht, dann heißt das doch noch nicht, dass diese Begriffe falsch sind. Ich wünsche jeder Frau, dass sie so viele Kinder bekommen kann wie sie möchte, aber auch, dass sie sich verantwortungsvoll vor Schwangerschaften schützen kann, die sie in vielerlei Hinsicht überfordern würden. Und was die Bevölkerungsentwicklung in Deutschland und Europa angeht, so gäbe es sicher mehr Kinder, wenn die Bedingungen da wären, als da sind verlässliche Arbeitsverhältnisse, erreichbare Berufs- und Studienabschlüsse, eine kinderfreundliche Infrastruktur, und damit meine ich nicht gleich Kitas und Horte, sondern ein gestaltetes Umfeld, in dem sich Kinder bewegen und etwas erleben können, ohne dass ständig Erwachsene hinter ihnen her sein müssen.
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