Missbrauch - Zwei Jahre nach Bekanntwerden der Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche hat der Jesuitenpater und langjährige Rektor des Berliner Canisius-Kollegs, Klaus Mertes, vor einem Generalverdacht gegen Lehrer gewarnt. Was bei der Aufarbeitung des Missbrauchs nicht helfe, sei eine "Dauerpanik", sagte Mertes dem Evangelischen Pressedienst.
"Wenn Lehrer unter einen Dauerverdacht gestellt werden, können Schulen nicht mehr arbeiten", fügte Mertes hinzu. Er hatte als Leiter der Berliner Schule vor zwei Jahren als erster Missbrauchsfälle in seiner Kirche öffentlich gemacht. Der Pädagoge ist inzwischen Rektor des Kollegs St. Blasien im Schwarzwald.
Gleichwohl sieht der Jesuitenpater mehr Prävention in Schulen als wichtiges Thema. Missbrauch sei ein Querschnittsthema, bei dem Schülerrechte deutlich gemacht werden müssten, sagte Mertes. Die Reflexion von Intimsphäre gewinne in der Schule an Bedeutung in einer Zeit, in der durch das Internet intime Räume auf neue Weise verletzt würden.
Die katholische Kirche habe trotz Aufklärungsbemühungen indes keinen Anlass zur Selbstzufriedenheit, fügte er hinzu. "Sie müssen sich beispielsweise viel tiefer damit beschäftigen, was das für spezielle katholische Strukturen sind, die das Schweigen begünstigen", erklärte er. Es müsse etwas an der Grundatmosphäre geändert werden.
Extreme Schuldgefühle
Dazu gehöre auch, sich die katholische Sexualmoral genauer anzusehen. Manche vom Missbrauch betroffenen Jugendlichen hätten extreme Schuldgefühle entwickelt und deswegen lange nicht sprechen können. "Wir müssen unter dieser Rücksicht kritisch auf uns selbst schauen", sagte Mertes.
Dass die Missbrauchsfälle durch einen Brief von ihm an die mutmaßlich betroffenen Jahrgänge öffentlich wurden, habe er nie bereut, sagte Mertes. Wichtig sei ihm aber, dass damals zuerst die Opfer gesprochen hätten.
Nach Bekanntwerden des Briefs in den Medien waren im Laufe des Jahres 2010 zahlreiche Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche und anderen Institutionen bekannt geworden. Der Skandal führte unter anderem zur Einsetzung eines Runden Tisches der Bundesregierung, der Ende November 2011 zum letzten Mal zusammengekommen war. Der neue Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, rief am Freitag dazu auf, den Betroffenen sexuellen Kindesmissbrauchs auch nach dem Ende der Arbeit des Gremiums weiter Gehör zu schenken.
Kommentare
Missbrauch: Jesuitenpater warnt vor "Dauerpanik"
Mit keinem Wort wird in diesem Artikel erwähnt, dass dabei katholische Priester, Diener Gottes, Mittler zwischen den Menschen und Gott, zum Verbrecher werden. Und Gott symbolisiert das Gute schlechthin. Wie können solche Menschen in die Niederungen der Kriminalität hinabsteigen? Die einzig mögliche Antwort lautet: Alles, was die Kirche bislang einem Priester, der ja von der Kirche geweiht worden ist, attestiert hat, muss Unsinn sein.
Uwe Hillebrand
Dass jemand ob seines Amtes in persona christi bedeutet längst nicht, dass er nicht irrt. Man denke nur daran, dass Christus auf den irrenden Petrus gesetzt hat. Die Weihe befähigt in erster Linie die Sakramente zu spenden.
Ihre Folgerung, die Sie sogar als einzig mögliche Antwort hinstellen, versteckt scheinar die logische Kette dahinter mit Perfektion. Wer sich ein Bild Ihrer unredlichen Schlussfolgerungsmanier machen möchte, sollte Ihre Homepage besuchen. Sie disqualifiziert sich dort offensichtlich selbst und entlarvt Sie als unbelehrbar.
Natürlich wird der geweihte Priester im obigen Artikel Verbrecher. Das ist so offenkundig, dass es absurd ist, vom Autor die Betonung dieser Tatsache zu verlangen. Die Kirche vertritt nicht die Meinung, dass die Weihe vor Versagen oder Bösartigkeit schütze. Unterlassen Sie doch diese unredliche Propaganda.
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