Proteste - Seit fast einem Monat verbreitet sich in den USA die Protestbewegung "Occupy Wall Street". Die Kirchen in den USA halten sich weitgehend zurück. Vor allem bei rechtsgerichteten Christen stößt die Protestbewegung auf explizite Kritik. Dennoch: Unter den Demonstranten lassen sich auch engagierte Christen finden.
Seit fast einem Monat verbreitet sich in den USA die Protestbewegung "Occupy Wall Street" ("Besetzt die Wall Street"). In Hunderten Städten demonstrieren Studenten, Arbeitslose, Gewerkschafter und Aktivisten gegen die Macht der Banken. Ihre Slogans lauten "Der Kapitalismus hat die Demokratie gefressen" oder "Das ist nur der Anfang". Die Kirchen indes, die häufig soziale Gerechtigkeit einfordern und sich für sozial Schwache einsetzen, halten sich bei den Protesten auffallend zurück. Dennoch finden sich unter den Demonstranten auch engagierte Christen.
Bei der Vereinigten Methodistenkirche, der zweitgrößten protestantischen Kirche der USA, habe die Zurückhaltung mit der "Kultur des Gemeindelebens" zu tun, erläutert James Winkler, der bei den Methodisten das Büro für Kirche und Gesellschaft leitet. Viele Gemeindemitglieder verteilten Lebensmittel, unterstützten Arme, fragten aber selten, warum die Menschen arm sind und woher die Reichen ihr Geld haben, bemerkt Winkler kritisch. Obwohl weitgehend gewaltfrei, sei "Occupy Wall Street" dem typischen Kirchgänger wohl zu konfrontativ, vermutet er.
Auf explizite Kritik stößt die Protestbewegung bei rechtsgerichteten Christen. Die "Verurteilung von Konzernen, mit deren Hilfe unsere Gesellschaft funktioniert", sei "kurzsichtig und kontraproduktiv", schrieb zum Beispiel der konservative Publizist Paul McCain. Außerdem sei schwer zu verstehen, was die Demonstranten denn konkret wollten. Der evangelikale Prediger Jay Lowder erklärte, die Demonstrationen hätten "keine biblische Grundlage". Es gäbe wichtigere christliche Anliegen als der Streit um die Rolle der Banken.
"Jesus würde bei 'Occupy Wall Street' mitmachen."
Im Grunde genommen verhielten sich die Kirchen gegenüber "Occupy Wall Street" wie früher gegenüber der Bürgerrechtsbewegung und der Anti-Vietnamkriegsbewegung, legt der Methodist Winkler dar. Aktiv eingebracht hätte sich immer nur wenige Kirchen, etwa die afro-amerikanischen Gemeinden während der Bürgerrechtsbewegung. Zur Minderheit der Kirchenvertreter, die sich bei "Occupy Wall Street" engagieren, zählt Jason Miller von der Organisation "Catholics United", der nach eigenen Angaben 40.000 Menschen angehören. Er ist sich sicher: "Jesus würde bei 'Occupy Wall Street' mitmachen." Denn Christus habe die Geldwechsler aus dem Tempel geschmissen.
Miller und seine Mitstreiter haben aus Papiermaché das biblische Goldene Kalb nachgebaut, das die Israeliten nach dem Auszug aus Ägypten als falschen Gott verehrten. Diese Woche kam die Figur zum ersten Einsatz bei einer Kundgebung in der Wall Street. Denn dort werde das Geld verehrt wie seinerzeit das Goldene Kalb, kritisiert Miller.
Bei Kundgebungen in New York und Boston sind auch "Protestkaplane" in Erscheinung getreten, eine Gruppe von Pastoren und Theologiestudenten, die betet und mitdemonstriert. Christen hätten den Auftrag, die Gesellschaft zu verbessern, begründet "Protestkaplanin" Julia Burkey, eine Theologiestudentin, ihre Teilnahme: Die Forderungen der Demonstranten deckten sich weitgehend mit der Botschaft des Christentums.
Kommentare
Mähh!
"Vor allem bei rechtsgerichteten Christen stößt die Protestbewegung auf explizite Kritik."
Jedes Schaf findet seinen Henker. Weiter so.
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