Pläne einer US-Kleinstadt: Kirchgang statt Gefängnis

Jesus-Plakat in den USA

Werbung für einen Kirche im "Bible-Belt" im US-Staat Alabama. Foto: Jan Banning/laif

Religionsfreiheit - Verurteilte Gesetzesbrecher im Städtchen Bay Minette im US-Bundesstaat Alabama sollen ihre Strafe bei kleineren Vergehen künftig auch in der Kirche absitzen dürfen.

Ein Plan von Bürgermeisterin Jamie Tillery und Polizeichef Mike Rowland sieht laut Medienberichten vor, dass Kleinkriminelle alternativ zum Gefängnis ein Jahr lang jeden Sonntag einen Gottesdienst ihrer Wahl besuchen. Bürgerrechtler halten die Pläne der Stadt im "Bibelgürtel" der USA für verfassungswidrig.

Der Verband "Vereinigte Amerikaner für die Trennung von Kirche und Staat" argumentiert, die Regierung habe nicht das Recht, Bürger zur "Wahl zwischen Jesus und Gefängnis" zu zwingen. Polizeichef Rowland sagte am Dienstag im örtlichen Fernsehsender WOFL, er wolle trotz aller Kritik am Programm festhalten. Berichten zufolge wären 56 Pastoren bereit, die Straftäter aufzunehmen. Diese müssten sich in ein Gästebuch eintragen und Fragen nach dem Inhalt des Gottesdienstes beantworten.

In der amerikanischen Verfassung sind sowohl Religionsfreiheit als auch Trennung von Staat und Kirche verankert. Beide Prinzipien überschneiden sich in vielen Bereichen. So steht z. B. auf amerikanischen Geldscheinen und Münzen "In God We Trust". Auch kann man Geldbeträge, die man religiösen Organisationen spendet, von der Steuer absetzen. Anders als in Deutschland treibt der Staat jedoch keine Kirchensteuer ein; man gibt vielmehr das Geld, oft zehn Prozent seines Einkommens, selbst an die jeweilige religiöse Vereinigung bzw. Kirche, in der man Mitglied ist.

Kontroverse Diksussion um Trennung von Kirche und Staat

Die Trennung von Staat und Kirche untersagt organisiertes Gebet und Religionsunterricht an öffentlichen Schulen. Wer diese Dinge jedoch für wichtig hält, kann sein Kind auf eine private Schule schicken, die von einer Religionsgemeinschaft getragen wird. Es gibt keine staatliche finanzielle Unterstützung für religiöse Privatschulen. Weihnachten ist in den USA der einzige staatliche Feiertag mit christlichem Ursprung.

Heftige, stark politisierte Diskussionen und Rechtsstreitigkeiten über die Grenzen der Trennung sind in der amerikanischen Öffentlichkeit häufig. So waren die Maßnahmen der Bush-Regierung, Bildungsgutscheine auf Kosten der Steuerzahler für den Besuch von privaten (oftmals kirchlichen) Schulen und die staatlichen Subventionen für Sozialprogramme in kirchlicher Trägerschaft (sog. "faith-based initiatives") äußerst kontrovers, und wurden von Organisationen wie der ACLU heftig kritisiert.

Die American Civil Liberties Union (kurz ACLU, "Amerikanische Bürgerrechtsunion") ist eine US-amerikanische Nichtregierungsorganisation (NGO), die seit 1920 besteht und für Bürgerrechte und Anliegen des Liberalismus eintritt. Sie kämpft für die Gewährleistung der Meinungsfreiheit, für das individuelle Recht auf Schutz der Privatsphäre, das Recht auf Abtreibung, für die Gleichberechtigung von Homosexuellen, gegen die Todesstrafe und Polizeibrutalität, und auch oft für die Trennung von Kirche und Staat.

epd/evangelisch.de

Video: www.wkrg.com

 

 

 

 

Kommentare

Verfasst von Christiane Müller am 29. September 2011 - 16:52.

Sarkasmusmodus an: Was nur

Sarkasmusmodus an: Was nur haben unsere Konfirmanden verbrochen, dass sie...

Sarkasmusmodus an: Was nur haben unsere Konfirmanden verbrochen, dass sie zur Strafe 20 Gottesdienste absitzen müssen? Sarkasmusmodus aus.

Verbum Dei manet in aeternum!

Verfasst von Nachtfalter am 3. Oktober 2011 - 12:20.

Eine ganz reale Frage

wo finde ich hier den Sarkasmus?

wo finde ich hier den Sarkasmus?

Nachtfalter

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