Konzert - Nach einer versuchten Besetzung der Neustädter Kirche in Hannover hat die Polizei am Sonntagabend zwölf Kriegsgegner zwischen 17 und 40 Jahren aus dem Gebäude getragen. Die Frauen und Männer hatten gegen ein geplantes Adventskonzert der Bundeswehr an diesem Dienstag in der Kirche protestiert, sagte der stellvertretende Stadtsuperintendent Thomas Höflich dem epd.
Trotz intensiver Diskussionen seien die Kriegsgegner nicht bereit gewesen, die Kirche zu verlassen. Deshalb habe der Kirchenvorstand von seinem Hausrecht Gebrauch gemacht und die Polizei verständigt. "Auf Zwang und Erpressung kann ein Kirchenvorstand nicht eingehen", sagte Höflich. Die Kriegsgegner wollten nach eigenen Angaben in der Kirche eine Mahnwache halten und gegen den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr protestieren.
Diskussion nach dem Gottesdienst
Nach Angaben Höflichs protestierten einige Kriegsgegner gegen Ende eines Gottesdienstes mit Landesbischöfin Margot Käßmann. Danach sei ihnen Rederecht eingeräumt worden. Nach dem Orgelnachspiel habe der Kirchenvorstand intensiv mit den jungen Leuten diskutiert. Als sie ankündigten, in der Kirche bleiben zu wollen, seien sie von Polizisten hinausgetragen worden. "Wir können uns nicht für einen politischen Konflikt instrumentalisieren lassen", sagte Höflich: "Das ist nicht der demokratische Stil, den die Kirche pflegt."
Die Kriegsgegner riefen auf dem deutschen Ableger der Webseite "indymedia" zu einer Demonstration gegen das "Krieg verherrlichende" Benefizkonzert der 1. Panzerdivision am heutigen Dienstag auf. "Armee und Kirche Hand in Hand?! Unsere Antwort Widerstand" ist der Slogan des Protestes, der "Maßnahmen zur Akzeptanzsteigerung" der Bundeswehr wie das Konzert zu stören, weil diese "direkt zu einer Eskalation des Krieges" beitrügen. Mit dem Adventskonzert solle den Soldatinnen und Soldaten "der Segen für ihr Mordhandwerk gegeben werden. Ihnen solle vermittelt werden, Gott und die Gesellschaft stünden hinter ihnen". Die Demonstranten fordern unter anderem den Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan.
Nicht der erste Protest gegen das Konzert
"Wir sehen das relativ gelassen", teilte die Pressestelle der 1. Panzerdivision evangelisch.de mit, schließlich hielten sich die Protestierer an Recht und Gesetz. "Die Sicherheit der Veranstaltung liegt komplett in den Händen der Polizei."
Bereits in den vergangenen Jahren hatten rund 40 Bundeswehr-Gegner in Hannover gegen das Adventskonzert der 1. Panzerdivision in der Neustädter Hof- und Stadtkirche mit rund 600 Zuhörern protestiert. Die Polizei hatte damals den Platz vor der Kirche abgesperrt. In Sichtweite der Kirche bliesen die Protestierer in Trillerpfeifen und skandierten Parolen wie "Schande, Schande, Mörderbande" oder "Blut an Euren Händen". Ursprünglich hatte das Konzert damals in der Marktkirche stattfinden sollen, die Pastorin hatte sich damals aber geplanten Einlasskontrollen für das öffentliche Konzert verweigert. 2007 hatte das Konzert noch in der Marktkirche stattgefunden und war ebenfalls durch Proteste in der Kirche gestört worden.
Kommentare
Mehr Proteste nötig
Ich frage mich, warum es unsere Kirche immer noch nicht geschafft hat, eine deutliche und klare Position gegen die "Weiter So" bzw. "Noch mehr Krieg" in Afghanistan zu beziehen.
Sonntagsschutz und Babyklappe - da äußert man sich und wird auch gehört. Aber bei den wirklich vitalen Themen unserer Tage - Krieg und Umweltschutz - hört man wenig bis gar nichts...
http://www.google.de/search?q=afghanistan+EKD
Dabei wäre es so einfach: Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein!
Und 9 Jahre Krieg in Afghanistan haben wenig verbessert. Ich glaube den Militärs nicht, dass sie JETZT die Strategie ändern hin zu mehr zivilem Aufbau. Dafür wäre genug Zeit gewesen.
EKD äußere dich endlich deutlich!
Bischöfin Käßmann hat's ja vorgemacht - auch wenn's niemand gehört hat:
http://www.news.de/politik/855033422/schwaeche-zeigen/1/
Und wenn alles nicht hilft, dann sind mehr Proteste auch in der Kirche nötig.
*Peacekeeper*
RE: Mehr Proteste nötig
Zitat: "Ich glaube den Militärs nicht, dass sie JETZT die Strategie ändern hin zu mehr zivilem Aufbau. Dafür wäre genug Zeit gewesen."
Sie verkennen, dass in einer Demokratie die Militärs das tun, und in Situationen tun, wo sie hingestellt werden, von: Zivilen Regierungschefs (in FRA und USA), Regierungen (UK) oder eben vom Parlament (DEU).
Dagegen ist auch überhaupt nichts einzuwenden, gegen Ihre einseitige Schuldzuweisung schon. Und wir können doch froh sein, dass das Deutsche Militär inzwischen so gelassen auf die Demo reagierte wie der Pressesprecher der Division.
Und zum Stören von Veranstaltungen: Davon halte ich nichts. Wie wäre es denn, wenn die Militärs oder die Befürworter dieses Einsatzes bei der nächster Podiumsdiskussion dieser Demonstranten mal reinschauen? Nichts gegen Protest, aber den hätte man auch vor der Kirche excellent abhalten können.
Zitat: "Und wenn alles nicht hilft, dann sind mehr Proteste auch in der Kirche nötig."
Wenn er nicht wieder in die Frage, ob die evangelische Kirche Militärs Seelsorge anbieten bzw. geben darf, soll das von mir aus so sein.
Aber zu Leuten wie in Hannover werde ich nicht hingehen zu Veranstaltungen, ob in oder außerhalb der Kirche. Sie haben ja nur Parolen, keiner von denen hat je Afghaninnen und Afghanen geholfen und Lösungen haben sie auch keine.
RE: Mehr Proteste nötig
Nicht dass es jetzt die letzt- und endgültige Stellungnahme der EKD wäre, und eine verantwortungslose Forderung nach sofortigem Abzug erst recht nicht - aber Äußerungen gibt es schon, etwa vom Militärbischof (http://www.evangelisch.de/themen/politik/der-einsa...) oder auch vom Friedensbeauftragten (http://www.merkur.de/2009_38_Dieser_Krieg_ist.3712...). Und, grundsätzlicher, natürlich die Friedensdenkschrift (http://www.ekd.de/download/ekd_friedensdenkschrift...)
Polizei räumt Kirche nach Anti-Kriegs-Protesten
Ich bin immer wieder froh in einem Land leben zu dürfen, in dem offener Protest wie dieser gegen Regierung oder Militär nicht nur möglich sondern auch grundrechtlich geschützt ist - inwiefern nun allerdings ein Adventskonzert "direkt zu einer Eskalation des Krieges" beiträgt, wird vermutlich das Geheimnis der Protestler bleiben.
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"Frischer Wind" auf ScienceBlogs.de
"ex libris" auf evangelisch.de
RE: Polizei räumt Kirche nach Anti-Kriegs-Protesten
Für eine Kirche im Sinne des jüdischen Rabbi Jesus
"Wo sind die Verfechter einer modernen Kirche im Sinne des jüdischen Rabbis Jesus? Jesus sagte einmal lt. SChrift: 'Was ihr dem Geringsten meiner Brüder und SChwestern antut, das habt ihr mir getan'. Darüber lese ich leider hier nichts. Denn das Urteil über die Machtmissbräuche jeglicher Art, das Urteil über den Missbrauch des Glaubens, über Gewalt, Krieg, Terror und auch das Urteil über persönlichen Machtmissbrauch ist längst gesprochen. Verkündet die frohe Botschaft, wie sie da steht. Verkündet die 10 Gebote, die Thora, die Evangelien. Krieg ist im Namen Christi Teufelswerk - allerdings ausgeführt von ganz konkreten Personen und geduldet von ganz konkreten Personen. Strukturen bestehen aus ganz konkreten Menschen" - "Wir sind in die Irre gegangen" - Dieses Buch von Prolingheuer bezieht sich auf die Rolle der Kirche im Völkermord. Aber die Aussage, dass Kirche in Diktaturen ständig in die Irre ging, auch wenn die Diktaturen weit weniger schlimm gewesen sein mögen - die liest die nächste Generation, welche die Folgen der heutigen tragen muss. So oder so.
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