Religionsunterricht - In Berlin ist der Religionsunterricht kein ordentliches Lehrfach. Er ist hier nur ein freiwilliges Angebot der Kirchen und Religionsgemeinschaften. Verschiedene Faktoren erschweren den Stand des Religionsunterrichts noch zusätzlich. So gibt es seit dem Jahre 2005 das Pflichtfach Ethik, welches von allen Schülern besucht werden muss. Außerdem finden wir, nahezu einmalig im Bundesgebiet, ein Konkurrenzfach zum Religionsunterricht.
Aus den Wurzeln der Freidenker-Bewegung ist der Weltanschauungsunterricht des Humanistischen Verbands Deutschlands (HVD), die "Humanistische Lebenskunde", hervor gegangen. Man könnte, auch wenn das seltsam klingt, dieses Fach als "freidenkerischen Religionsunterricht" apostrophieren. Und fast jeder sechste Berliner Schüler besucht diesen Humanistischen Lebenskundeunterricht.
Das Unterrichtsfach hat in Berlin eine lange Tradition. Es wurde 1918 als Alternative zum Religionsunterricht erstmals eingeführt. Nach einer wechselvollen Geschichte mit zeitweiligen Verboten konnten die Freidenker 1984 im damaligen Westteil der Stadt das Fach neu etablieren. Vorausgegangen waren heftige Diskussionen. Bis 1989 führte die Humanistische Lebenskunde jedoch ein "Schattendasein" mit etwa 1.000 Teilnehmern pro Schuljahr. Erst mit der Wiedervereinigung gewann das Unterrichtsfach zunehmend an Bedeutung.
Inzwischen liegen die aktuellen Zahlen für das laufende Schuljahr vor. Danach besucht etwa jeder zweite Schüler (51,4%) einen freiwilligen Religions- und Weltanschauungsunterricht. Die Teilnahmequote ist in den letzten Jahren gestiegen. Entgegen manchen Befürchtungen hat das Pflichtfach Ethik den Religions- und Weltanschauungsunterricht also bisher nicht verdrängt.
Evangelischer Religionsunterricht liegt immer noch vorn
Derzeit nehmen 15,56 % der Schüler (49.813) am Humanistischen Lebenskundeunterricht teil. Es lohnt ein Vergleich: So besuchen 25,12 % (80.393) der Kinder in Berlin den Evangelischen Religionsunterricht sowie 7,82 % (25.021) den Katholischen Unterricht. Während die beiden großen Kirchen eine geringe Abnahme ihrer Teilnehmerzahlen vermerken, weist der HVD auf eine leichte Steigerung hin. Diese Steigerung ist beachtlich, da die absoluten Schülerzahlen aufgrund der demografischen Entwicklung rückläufig sind. Wenig verwunderlich ist, dass der Lebenskundeunterricht in den östlichen Stadtteilen überproportional stark besucht wird. Spitzenreiter ist dabei der Bezirk Pankow mit einer Teilnahme von 28,14 %. Der katholische Religionsunterricht wird in diesem Bezirk von weniger als 5 % der Schüler besucht.
Je nach Schultyp lassen sich interessante Unterschiede benennen. An den öffentlichen Grundschulen nimmt fast jeder dritte Schüler am Weltanschauungsunterricht des HVD teil (31,93 %). Das ist fast die Quote, welche der Evangelische Religionsunterricht an den Grundschulen erreicht (33,23 %). Der Katholische Religionsunterricht wird an diesen Schulen mit lediglich 8,4 % deutlich schwächer besucht.
Anders hingegen ist der Befund an den Privatschulen. An den privaten Gymnasien besuchen überdurchschnittlich viele Schüler (mehr als 85 %) den Religionsunterricht.
Diese Zahl ist leicht zu erklären, denn es gibt in Berlin zahlreiche Gymnasien in der Trägerschaft der Evangelischen oder Katholischen Kirche. Folglich gibt es praktisch keinen Humanistischen Lebenskundeunterricht an privaten Gymnasien. Dem HVD ist dieses Phänomen nicht entgangen, es dürfte also nur eine Frage der Zeit sein, bis er sich um die Gründung eines freidenkerisch/humanistischen Gymnasiums bemühen wird.
Die Gesellschaft driftet auch an den Schulen auseinander
Nebenbei illustrieren diese Zahlen, worin ein dramatisches Problem unserer Bildungslandschaft besteht: das Auseinanderdriften der Gesellschaft. So schicken christliche Eltern ihre Kinder bevorzugt auf private Schulen, während Schüler aus kirchenfernen Familien eher eine öffentliche Schule besuchen. Erstaunliche 30 % der Teilnehmer am Evangelischen Religionsunterricht finden wir an einer privaten Schule; das gilt ebenso für 11 % der Teilnehmer am Katholischen Religionsunterricht. Wie angedeutet, besuchen lediglich zwei Prozent der Teilnehmer am Humanistischen Lebenskundeunterricht eine Privatschule. Es ist zu fragen, ob diese Trennung für die Gesellschaft förderlich ist und ob der kirchliche Bildungsauftrag sich wirklich überwiegend an kirchliche "Eliten" richtet.
Der Erfolg des Unterrichtsfachs Humanistische Lebenskunde an öffentlichen Schulen erklärt sich aus unterschiedlichen Aspekten:
- Vieles spricht dafür, dass Eltern dieses Fach weniger aus weltanschaulicher Überzeugung wählen, sondern weil es einen guten Namen hat. "Lebenskunde" klingt gut.
- Schulnahe Entscheidungen werden oft nach Rücksprache mit Freunden und Nachbarn getroffen. Offensichtlich hat der Lebenskundeunterricht einen guten Ruf. Er wird positiv wahrgenommen und empfohlen.
- Es gibt in Berlin heftige antikirchliche Affekte. Der Streit um den Religionsunterricht und der Volksentscheid darüber ("Pro Reli") haben dem Image des Religionsunterrichts nachhaltig geschadet.
- In der Schulwirklichkeit ist der Lebenskundeunterricht weniger weltanschaulich aufgeladen, als die Veranstalter das gern hätten. (Vergleichbares gilt auch für den Religionsunterricht.) Auch kennen viele Eltern die weltanschaulichen Implikationen gar nicht.
Die Diskussion um Religions- und Lebenskundeunterricht wird oft so geführt, als ginge es um Einflussgebiete, Machtbereiche und "Claims". Als ginge es darum, wie die Kirchen oder der Humanistische Verband ihren Einflussbereich geltend machen. Das verkennt das Wesen der schulischen Bildung, bei der die Schüler im Mittelpunkt des Engagements stehen müssen. Der Religionsunterricht soll helfen, die Kinder in religiösen Fragen sprach- und auskunftsfähig zu machen. Sie benötigen diese Kompetenz, weil unsere Kultur auf christlichem Fundament ruht und weil der interreligiöse Dialog ständig an Bedeutung gewinnt. Daher brauchen wir den Religionsunterricht. Es ist nicht nachvollziehbar, worin der Mehrwert eines nichtreligiösen Lebenskundeunterrichts liegen könnte.
Die Kirchen sind in Berlin in der Defensive
Aber dennoch: Die Erfolgsgeschichte des Humanistischen Lebenskundeunterrichts von einem abseitigen Unterrichtsfach zum zweitgrößten Anbieter eines Weltanschauungsunterrichts zeigt, wie sehr die Kirchen in der Hauptstadt in die Defensive geraten sind. Der HVD hat die Absicht, das Fach in den nächsten Jahren schrittweise in weiteren Bundesländern anzubieten. Erste Erfahrungen sammelt man derzeit in Brandenburg, wo der HVD Lebenskunde bereits 2007 einführen konnte. Hier sind die aktuellen Teilnehmerzahlen zwar vorerst bescheiden, aber ebenfalls wachsend.
Richtig spannend wird es Mitte Januar 2011. In einem Musterprozess erwartet der HVD ein Urteil zum Lebenskundeunterricht in Nordrhein-Westfalen. Sollten die Richter hier den Weg öffnen, dürfte es die Humanistische Lebenskunde bald bundesweit geben. Gibt es ein "Gegenmittel"? Gewiss: Den Religionsunterricht so attraktiv gestalten, dass keiner zur Konkurrenz abwandern möchte.
Dr. Andreas Fincke ist Theologe und Publizist in Berlin.
Kommentare
Jeder hat so seine eigene Wirklichkeit ...
Es mutet schon ein wenig kurios an, wie so jeder seine eigene Wirklichkeit hat, eben das, was er erlebt in seinem Milieu und Umfeld - und wie er das dann möglichst umfassend verallgemeinert.
Also: zunächst ist Berlin nicht die ganze Wirklichkeit in Deutschland, und auch nicht Sachsen. Und der Hinweis auf die Berliner Lebenskunde schon vor 100 Jahren ist berechtigt. Berlin ist eben Berlin. Schon lange. Aber weder hat die Berliner Entwicklung Ausstrahlung etwa auf Oberbayern gehabt, im Gegenteil (ach wie gerne sind alle mir bekannten Oberbayern dezidiert anders als Berliner und das heißt mit Lust katholisch).
Noch sind die Zahlen für Berlin dramatisch: sie sind, wie sie zu erwarten sind. Ja, viel eher überrascht mich, wie viele Kinder dort in den konfessionellen Religionsunterricht gehen, und das nach 150 Jahren entschieden anti-religiöser Reklame!! Das widerspricht allen Prognosen der Vergangenheit. Und es widerspricht allen Hoffnungen der Atheisten auf Verdrängung der Religion.
Religion ist offensichtlich und nachweisbar auch in Berlin attraktiv und bleibt attraktiv - sicher in Wellenbewegungen, aber auf verhältnismäßig recht hohem Niveau. Zumal die Entwicklung Berlin nichts besonderes ist, das ist typisch für beinahe alle Großstädte. Es gehört zur Urbanität, religiöse Vielfalt und Indifferenz zu haben. Übrigens auch schon in der Antike. Berlin ist von seiner Geschichte her nur ein wenig extremer (Aufklärungshochburg, Arbeiterbewegung, Sozialismus, NS-Zeit usw.).
Übrigens habe ich auch nichts gegen christliche Eliten, die in Privatschulen zuhauf Religionsunterricht besuchen. Im Gegenteil. Weil ich persönlich davon überzeugt bin, dass gerade eine auch intellektuell verantwortete Religiosität Sinn macht, würde ich diese immer entschieden fördern wollen. Und gerade die katholische Bildungsarbeit zeigt ja den Erfolg in der Begleitung von Spitzenkräften in Wirtschaft, Wissenschaft, Medien und Gesellschaft. Da finde ich schon immer den Protestantismus mit seiner irrationalen Angst vor Eliten ideologisch verengt und voller naiver Vorurteile - auch gegen Privatschulen.
Aber das ist eine andere Geschichte.
Höchste Zeit
wird es eigentlich, dass endlich ein für Schüler und Schülerinnen verbindlicher neutraler, konfessionsloser Religionsunterricht eingeführt wird. Dieser sollte selbstverständlich nicht von Theologen abgehalten werden. Die Vertreter einzelner Religionen können gerne in den Randstunden ihr Angebot anbieten, aber dies sollte nur noch auf freiwilliger Basis geschehen. In einer puralen Gesellschaft halte ich es für ein Unding, dass Schüler, die beispielsweise den Ethikunterricht besuchen über das "nicht" definiert werden. Es sind dann Schüler, die "nicht in den Religionsunterricht" besuchen. Dies vermittelt den Eindruck, als wäre der Religionsunterricht ein Recht der Kirchen und anderer Konfessionen, was er tatsächlich nicht ist. Nur ein neutraler Religionsunterricht, unabhängig der verfassten Konfessionen garantiert, dass andere Religionen nicht gefärbt von einer religiösen Anschauung vermittelt werden. Dies halte ich im Gegensatz zur Ansicht des Verfassers für einen erheblichen Mehrwert.
Dies vermittelt den Eindruck,
Art. 7 Abs. 3 GG ist da anderer Meinung:
Also gibt es das Recht wohl doch, man müßte das GG ändern, um das Recht abzuschaffen, wie bei allen wichtigeren Rechten.
Jeder Lehrer ist gefärbt, ob durch die christlichen Kirchen, den Dalai Lama, die Thesen des neuen Atheismus oder auch den alten Atheismus... die Färbung kriegst Du nicht raus. Dann doch lieber Theologen, die in ihrem Studium diese Färbung reflektiert haben und dementsprechend besser daraf Rücksicht nehmen können.
Mein Blog: Ein feste Burg ist unser Gott
Hallo Herr Kretzer, da Sie
Hallo Herr Kretzer,
da Sie mich direkt ansprechen, will ich gern reagieren. Ich bin durchaus und im Gegensatz zu Ihnen der Meinung, dass unsere Gesellschaft auf einem christlichen Fundament ruht. Das kann man in jedem x-beliebigen Dorf sehen. Hier stehen meist Kirchen und keine Hindutempel. Allein das äußere Erscheinungsbild unserer Städte und Dörfer zeigt, dass ich nicht ganz falsch liege. Vermutlich meinen Sie jedoch, dass Sie nicht wollen, dass unsere Gesellschaft christlich geprägt ist. Das können sie gern wollen – es ändert nichts. Im Übrigen sind viele der von Ihnen genannten Kriterien – ich zitiere „Demokratie, Menschenrechte, individuelle Freiheit, Religionsfreiheit, Pluralismus, Gewaltenteilung, Republiksprinzip, Gleichheit aller Menschen vor dem Gesetz, gleiche Rechte für Männer und Frauen, Verbot des Menschenhandels (Sklaverei)“ nun ausgerechnet Dinge, die sich aus einem christlich-jüdischen Menschenbild herleiten. Wer hat den gegen die Sklaverei gekämpft? In welcher Heiligen Schrift spielen Frauen eine herausragende bzw. gleichberechtigte Rolle? Wer predigt individuelle Freiheit so entschieden wie Jesus oder Luther? Sorry, aber wenn ich Ihren Eintrag so lese habe ich noch mehr als zuvor den Eindruck: Wir (!) brauchen den Religionsunterricht.
Andreas Fincke
Reli ist out
Sowohl der letzte Bertelsmann-Religionsmonitor wie auch die EKD-Untersuchung zum Konfirmandenunterricht decken auf: Evangelische Jugendliche im 21. Jahrhundert identifizieren sich nicht mehr mit den hier vermittelten Inhalten. In den letzten 10 Jahren, in denen der Reformprozess der EKD diametral anderes bewirken sollte, rasant zunehmend.
Unsere Freunde aus "God´s own Country" und den europäischen Nachbarstaaten staunen sowieso nicht schlecht über das fast rein deutsche Phänomen konfessionellen Unterrichts an staatlichen Schulen.
In den Augen der Schüler, soviel kann ich nach 30 Jahren kirchlicher Jugendarbeit und Elternarbeit an einem evangelischen Gymnasium sagen, ist Reli tendenziell "out".
Den Kommentar von "azad" finde ich deutlich realitätsnäher und diskussionswürdiger als den Artikel.
Die Aufgabe des
Die Aufgabe des Religionsunterrichts ist es mitnichten, Kinder auf unsere Kultur vorzubereiten durch die Vertrautmachung mit dem religiösen Hintergrund. Das kann ein Religionskundeunterricht genasogut und besser leisten.
Sinn des Religionsunterrichts ist es, die Kinder in ihrer eigenen Religion sprachfähig zu machen, sie darin zu unterstützen, ihre eigene religiöse Position zu finden und zwar vor dem Hintergrnd ihrer Religion. Deshalb ist der Religionbsunterricht konfessionell. Daß gleichzeitig in gewissem Rahmen Religionsknde stattfindet hat sich so entwickelt, ist auch teilweise sinnvoll, aber könnte genausogut von den gemeinschaftskundlichen Fächern behandelt werden.
Ich verstehe auch das Aufregen über den Lebenskundeunterricht der Humanisten nicht. Sie werden ja von GG her mit den Kirchen gelich behandelt, als weitere Glaubensgruppe, also steht ihnen auch zu, Religionsunterricht zu erteilen. Wie sie den jetzt nennen ist ihre Sache, wichtig ist, was darin gelehrt wird. Und daraf hat bei den Humansiten der Staat genauso zu achten wie bei den Kirchen oder den Muslimen (da gibts zum Glück ja auch schon Versuche mit Unterricht). Interessanter finde ich die Frage, was ein Lebenskndelehrer studiert haben muß, um als Lehrer in diesem Fach arbeiten zu können. Interessant fände ich auch, einen Blick in den Lehrplan der Humanisten zu werfen und ihn mit dem der Kirchen zu vergleichen, vllt auch noch mit dem Einheitsethikunterricht für die Berliner Kinder, um zu sehen, wer was vermitteln will.
Mein Blog: Ein feste Burg ist unser Gott
BVerfG: Religionsunterricht = Kinder anlügen
Um Kindern religiöses und kulturelles Grundwissen und ethische Kompetenz mit auf den Lebensweg zu geben, reicht ein für alle verbindlicher Ethik/Lebenskunde/Religionskunde-Unterricht völlig aus und ist dem RU sogar vorzuziehen.
Herr Fincke beklagt zu Recht ein Auseinanderdriften der Gesellschaft - dieses wird allerdings gerade dadurch verursacht, dass die Kirchen für ihre jeweiligen Gläubigen eigene religiöse "Biotope" fordern: speziell in konfessionellen Schulen und dem konfessionellen Religionsunterricht. Gäbe es keine konfessionellen Schulen und Religionskunde statt des konfessionellen Religionsunterrichts, könnten alle Kinder daran teilnehmen. Darin läge auch der Mehrwert eines nichtreligiösen Lebenskundeunterrichts.
Im übrigen besteht die eigentliche Aufgabe des Religionsunterrichts mitnichten in den im Artikel aufgeführten Punkten. Der Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages hat festgestellt:
"Nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts (BVerfGE 74, 244, 252 f.) [ist der Religionsunterricht] in 'konfessioneller Positivität und Gebundenheit' zu erteilen und keine überkonfessionelle vergleichende Betrachtung religiöser Lehren. Sein Gegenstand ist vielmehr der Bekenntnisinhalt, nämlich die Glaubenssätze der jeweiligen Religionsgemeinschaft. Diese als bestehende Wahrheiten zu vermitteln, ist seine Aufgabe."
Unbewiesene, undemokratische altertümliche Vorstellungen, die noch dazu zwischen Religionen und Konfessionen widersprüchlich sind, den jeweiligen Kindern "als bestehende Wahrheiten zu vermitteln" ist eines aufgeklärten Staates schlichtweg unwürdig.
Den Kindern das, was für sie am Besten ist!
Ich verstehe gar nicht, um was man sich hier Sorgen macht. Es geht doch darum, dass die Schüler das bekommen, was ihnen gut tut und was für sie gut ist. Der Religionsunterricht ist es offensichtlich immer weniger. Im Zuge voranschreitender Aufklärung und im Umfeld von Kirchenskandalen ist das ja auch kein Wunder.
Wenn der RU nicht das ist, was die Schüler brauchen, dann lassen wir ihn doch einfach sein. Es geht doch hier um die Kinder und nicht um Marktanteile! (Sollte es jedenfalls nicht.)
Mein Kind besucht den Humanistischen Lebenkundeunterricht und ist ganz glücklich damit.
Der Beitrag von zaangalewa gehört im Übrigen wegen seiner hetzerischen Art gelöscht!
Lebenskundeunterricht
Endlich greift mal jemand das Thema auf! Längst ist die Zeit vorbei, als die Kirchen das Thema ignorieren konnten.
Edith Klix
Christliches Fundament?
Aber Herr Dr. Fincke,
Sie schreiben: "Sie benötigen diese Kompetenz, weil unsere Kultur auf christlichem Fundament ruht..."
Das ist eine Behauptung, die Sie nicht begründen. Ich halte das für falsch. "Unsere" Kultur soll hier doch wohl die der Deutschen und nicht die der Christen sein. Und die Kultur der Deutschen, also ALLER Deutschen, ist die des für alle verbindlichen Grundgesetzes. Hierin festgeschrieben sind die "Werte" oder Prinzipien, auf denen der Staat beruht, etwa Demokratie, Menschenrechte, individuelle Freiheit, Religionsfreiheit, Pluralismus, Gewaltenteilung, Republiksprinzip, Gleichheit aller Menschen vor dem Gesetz, gleiche Rechte für Männer und Frauen, Verbot des Menschenhandels (Sklaverei) usf. Alle(!) diese Prinzipien wurden in Jahrhunderte langer Auseinandersetzung von Humanisten und Aufklärern (teilweise auch christlichen) gegen die autoritäre Obrigkeit und die damit verbändelten Kirchen durchgesetzt. Keiner dieser Werte basiert auf dem Christentum, sondern alle mussten gegen dieses durchgesetzt werden.
"... und weil der interreligiöse Dialog ständig an Bedeutung gewinnt. Daher brauchen wir den Religionsunterricht."
Ja, dafür brauchen Sie (die Christen) den Religionsunterricht. "Wir" (die Deutschen, also ALLE Deutschen) nicht. Wir brauchen Aufklärung über die Religionen, keine religionsspezifische Brille.
"Es ist nicht nachvollziehbar, worin der Mehrwert eines nichtreligiösen Lebenskundeunterrichts liegen könnte."
Ich hoffe, das ist jetzt etwas klarer geworden.
Viele Grüße,
Kretzer
Kommentar hinzufügen