Ruhig bleiben im Wettrüsten unterm Weihnachtsbaum

Plakatkampagne "Weihnachten entschieden"

Der Düsseldorfer Künstler Heinrich Brandt hat ein Gegenplakat zur Kampagne des Elektronikmarktes Media Markt entworfen. Foto: epd-bild/Heinrich Brandt

Kommentar - "Weihnachten wird unterm Baum entschieden" - um den Werbeslogan gibt es derzeit heiße Diskussionen. Auf Facebook haben schon über 15.000 Leute für die Veranstaltung "Weihachten wird in der Krippe entschieden" zugesagt. Aber ist der Werbespruch die Aufregung wirklich wert? Ursula Ott sagt: Nein.

Da werden bei Media Markt und seiner neuen Werbeagentur bestimmt die Korken geknallt haben. Yep! Hat funktioniert! Die evangelischen Christen im Land empören sich über die Werbekampagne "Weihnachten wird unterm Baum entschieden". Das "erhitzt die Gemüter", schreibt der epd. Und wieder mal wünsche ich mir als evangelische Christin: Keep cool. Es ist nur Werbung! Hallo, und ich finde sie tatsächlich witzig.

Weil sie kreativ spielt mit der Angst, die wir – vor allem wir Eltern - alle haben. Wird mich mein Kind noch lieben, auch wenn es am 24. nicht die Playstation unterm Baum findet? Oder wird es Onkel Tim cooler finden, weil der seine Abwesenheit als Patenonkel im Jahr 2011 mit dieser völlig überzogenen Wii zu kompensieren sucht? Wird das Kind – welch Horror – den geschiedenen Vater für immer an Platz eins im Kinderherz rücken? Weil der im Wettrüsten unterm Weihnachtsbaum gewonnen hat? Liebe evangelische Mitchristen, keiner von uns ist so ganz gefeit vor diesem hässlichen, miesen, kleinen Gefühl. Ob ich mir Liebe doch kaufen kann? Und deshalb fühlen wir uns ein bisschen ertappt von dem – wie ich meine – ironischen Spruch.

Die Weihnachtsgeschichte muss von uns erzählt werden

Sicher ist: Wir alle, die wir den Werbern den Gefallen tun, die Exegese ihrer Zitate zu übernehmen, machen einen prima Job, für den die Agentur sonst teure Leute anstellen müssten. So eine Art virales Marketing auf evangelisch. Das hat schon perfekt mit dem Werbespruch "Geiz ist geil" funktioniert. Der wurde auf Kirchentagen und Synoden noch strapaziert, da war er schon Jahre aus den Geschäften verschwunden. "Wir sind doch nicht blöd." Oder vielleicht doch?

Natürlich wollen wir, dass es an Weihnachten nicht um den Elektronikschrott unterm Baum geht, sondern um die christliche Botschaft. Aber Leute, das ist unser Job! Die Weihnachtsgeschichte muss von uns erzählt werden. Martin Luther war ein genialer Texter. Wir sind die Kirche des Wortes. Beleidigt auf Kampagnen zeigen, die besser funktionieren als die Original-Weihnachtsgeschichte – das ist zu wenig.

Heute morgen habe ich im Radio auf SWR3 eine Radio-Andacht gehört, die vom Bilderbuch "Ritter Rost" und seiner Weihnachtspizza erzählt hat. Wenn der Moderator nicht gesagt hätte, dass dies jetzt ein Pastor war –man hätte auch denken können, es sei der Kinderkasper aus dem wilden Süden. Wenn wir die Weihnachtsgeschichte selber nicht mehr erzählen, dann müssen wir uns nicht wundern, dass gute Agenturen lustigere Geschichten erfinden.

Schepper-Radio statt iPod

Ich bekenne freimütig: Auch ich war im Advent schon zweimal bei Media Markt, es war brechend voll. Ich bin sicher, viele von denen, die ich da getroffen habe, werde ich trotzdem Heiligabend in der ebenfalls brechend vollen Kirche wieder treffen.

Und letztes Jahr war es so: Die ganze Familie hat für den elfjährigen Oskar viele Euros zusammen gelegt für einen iPod, ich auch. Am 24. Dezember morgens habe ich – damit es noch ein zweites Päckchen zum Auspacken gibt – für 3,50 Euro am Darmstädter Bahnhof bei Nanu Nana ein Quatsch-Geschenk gekauft. Ein knallrosa Miniradio, retromäßig auf Ghetto Blaster getrimmt. Schepper, klirr, furchtbarer Empfang, aber lustig. Es war der Hit des Abends. Das Kind ist um 23 Uhr erschöpft mit dem rosa Schweinchenradio am Nachttisch eingeschlafen. Wurde das jetzt unterm Baum entschieden? Oder im Himmel? Wer weiß. Ich gehe jetzt einfach mal davon aus, dass ich als Mutter sowieso an Platz eins im Herzen meines Sohnes stehe.


Ursula Ott ist stellvertretende Chefredakteurin des evangelischen Magazins chrismon und Chefredakteurin von evangelisch.de.

Kommentare

Verfasst von Nachtfalter am 17. Dezember 2011 - 20:00.

Geschenke werden überbewertet

materialistische Aufdringlichkeiten ersetzen keine liebende Begegung von Mensch...

materialistische Aufdringlichkeiten ersetzen keine liebende Begegung von Mensch zu Mensch

Nachtfalter

Verfasst von Gast am 15. Dezember 2011 - 19:48.

Christliche Radiosendungen

Netter Artikel mit einer leider sehr traurigen wahrheit abseits von Mediamarkt...

Netter Artikel mit einer leider sehr traurigen wahrheit abseits von Mediamarkt und Co. Christliche Radiosendungen sind qualitativ einfach eine absolute Nullnummer in Deutschland. Die einzig logische Erklaerung warum dagegen noch kein Aufstand durchs Land zieht kann wohl nur sein : der bereits automatisierte "schnell, umschalten - christliches Radio"-Reflex. Niemand will es hoeren, und wer es hoert schaemt sich es mit seiner Kirchensteuer zu bezahlen. Wir christen schaffen es noch, dass wir uns bald fuer unsere eigene Botschaft schaemen mussen.

Verfasst von Eva Chr. Gottschaldt am 11. Dezember 2011 - 23:06.

ein bisschen mehr Höflichkeit wäre schön

Ich fand es immer albern, wenn Christen einen besonderen Schutz für ihre...

Ich fand es immer albern, wenn Christen einen besonderen Schutz für ihre religiösen "Gefühle" geltend machten - wer den Vorschlägen des Jesus von Nazareth folgen will, der für seine Überzeugung, seinen Auftrag, seine Sendung ... die Hinrichtung in Kauf nahm, der sollte nicht gleich die Nerven verlieren, wenn ein Atheist einen blöden oder auch geschmacklosen Witz über den Glauben macht. Andererseits: mit den Hochfesten unseres Glaubens wird derartig Geld verdient, auch von Atheisten (und die dazu gehörigen Urlaubstage werden auch gern genossen, was jedem herzlich vergönnt sei) - da kann man schon ein bisschen mehr Denkaufwand und Höflichkeit erwarten, auch von Media-Markt und Co. Oder?
Eva Chr. Gottschaldt

Verfasst von Gast am 14. Dezember 2011 - 16:28.

Besser hätte ich es auch

Besser hätte ich es auch nicht ausdrücken können. Meine Zustimmung!

Besser hätte ich es auch nicht ausdrücken können. Meine Zustimmung!

Verfasst von Olaf Kipp am 11. Dezember 2011 - 11:20.

Weihnachten wird unterm tannenbaum entschieden

Ich sage eindeutig NEIN zu solcher Art von Werbung!diese Werbung ist eine...

Ich sage eindeutig NEIN zu solcher Art von Werbung!diese Werbung ist eine Diskriminierung für Menschen die es sich einfach nicht leisten können sich diese Produkte zu kaufen. Diese Werbung sagt doch ganz klar aus Weihnachten ist nur was Wert wenn alle Kinder eine Wii bekommen, wenn alle teure Geschenke bekommen.
Das ist es nicht was Weihnachten ist. Wir als Christen sollten dazu klar stehen das Weihnachten der Geburtstag Jesus ist. Und nicht der Konsum ist Weihnachten.
Ich finde es traurig das auch Christen die Realität aus den Augen verloren haben und sich nicht für die Schwachen einsetzen. Und es gut heißen das Weihnachten die wahre Bedeutung verliert. Das sie die Augen zu machen vor so eindeutiger Diskriminierung von Armen, Hilfsbedürftigen und Mitteilosen, denen eindeutig ins Gesicht gesagt wird das ihr Weihnachten kein weihnachten ist,weil sie ja keine teuren Geschenke geben bzw bekommen.
Ich fordere hiermit auf das wir Christen uns wieder auf das besinnen was Weihnachten ist nämlich das Fest der liebe und der Geburtstag von Jesus.
Und ich fordere das Christen denen es finanziell gut geht nicht am Mammon zu hangen, sondern sich mal den Armen widmen und denen Praktisch zu helfen und ihnen zu helfen das sie ein Gutes Weihnachtsfest haben. Laden Sie lieber einen Armen zum Essen ein zu Weihnachten als den Konsumterror zu unterstützen. Denn dadurch werden sie beschenkt werden denn was sagte Jesus so treffend "was ihr einem der geringsten getan habt das habt ihr mir getan!"
Möge Gott eure Herzen erreichen.

Verfasst von Hartmut Elkemann-Reusch am 10. Dezember 2011 - 19:02.

Weihnachten unterm Baum

Ich bilde mir ein, für Werbung von Produkten, die ich nicht brauche, nicht...

Ich bilde mir ein, für Werbung von Produkten, die ich nicht brauche,
nicht verfänglich zu sein! Schon gar nicht für Werbung von Media-Markt
oder Saturn.
Die Weihnachtsgeschichte zu erzählen ist eine Jahresaufgabe und
beschränkt sich bei mir -zumindest bilde ich mir das ein- nicht auf den
Monat Dezember. Die Weihnachtsgeschichte ist mehr als das Kind in der
Krippe. Die Weihnachtsgeschichte weist auch auf den Mann am Kreuz, den
auferstandenen Christus, den barmherzigen Samariter, den verlorenen Sohn
usw. hin. Und das zu erzählen, möglichst mit meinem Leben, da habe ich
das ganze Jahr über zu tun und brauche mich nicht noch um irgendwelche
Werbung zu kümmern.
Ihnen und Ihren Lieben wünsche ich ein
gesegnetes und friedliches Weihnachtsfest,
Hartmut Elkemann-Reusch

Verfasst von Eberhard am 10. Dezember 2011 - 12:47.

"Wir sind doch nicht blöd."

"Wir sind doch nicht blöd." Oder vielleicht doch???? Einfach einmal darüber...

"Wir sind doch nicht blöd." Oder vielleicht doch????
Einfach einmal darüber nachdenken....

Verfasst von Karl Martell am 10. Dezember 2011 - 0:18.

Yep! - Echt cool diese

Yep! - Echt cool diese Schreibe! Und so lustig, witzig, lebensnah. Klasse, das...

Yep! - Echt cool diese Schreibe! Und so lustig, witzig, lebensnah. Klasse, das mit dem Schweinchenradio!
Muss jetzt mal in einem dieser brechend vollen Schrott-Läden nach einem Schweinchen-PC gucken, um mir solche Botschaften - schepper, klirr, furchtbar, aber lustig - reinzuziehen. Voll brechend!

Verfasst von Gast am 9. Dezember 2011 - 16:41.

Unter Tannen

Ulla, so ist es! Klasse

Ulla, so ist es! Klasse

Verfasst von Gast am 10. Dezember 2011 - 20:39.
Kommentar auf: Unter Tannen

Nicht Ihr Ernst, oder?

Sie finden diesen dümmlichen Kommentar doch nicht wirklich klasse. Das ist...

Sie finden diesen dümmlichen Kommentar doch nicht wirklich klasse. Das ist Satire, bitte (flehentlich) oder?

Verfasst von Eberhard am 9. Dezember 2011 - 13:15.

Auch in diesem Jahr kommt

Auch in diesem Jahr kommt Jesus wieder nicht zu seinen Geburtstagsgästen....

Auch in diesem Jahr kommt Jesus wieder nicht zu seinen Geburtstagsgästen. Wetten, das ...????

Verfasst von Coriander am 12. Dezember 2011 - 10:48.
Kommentar auf: Auch in diesem Jahr kommt

Verloren

Die Wette verlieren Sie :-)) Cor.

Die Wette verlieren Sie :-))

Cor.

- Streite dich nicht mit einem Dummkopf. Er zieht dich auf sein Niveau herunter und schlägt dich dort mit seiner Erfahrung. (Quelle unbekannt)-

Verfasst von Christoph Schweizer am 9. Dezember 2011 - 11:07.

Danke

Danke, Frau Ott. Sie schreiben mir aus dem Herzen ;-)

Danke, Frau Ott. Sie schreiben mir aus dem Herzen ;-)

Verfasst von Adventus am 9. Dezember 2011 - 8:55.

Wo wird Weihnachten entschieden

Es ist spannend, wie viele Menschen auf einmal aufgeregt protestieren. Da hat...

Es ist spannend, wie viele Menschen auf einmal aufgeregt protestieren. Da hat der Media-Markt eine TOP-Werbung gestartet, die jede/r kennt und die in aller Munde ist. Sie sprechen aus, was latent viele denken und empfinden: "Weihnachten ist ein Geschenkefest, Kommerz, Konsum". Aber die Werbung nützt nicht nur dem Media-Markt, der nun in aller Munde ist. Alle Welt diskutiert auf einmal darüber, wo sich Weihnachten wirklich entscheidet. Das Stichwort kennen alle. Ich kann mit Menschen auf dem Markt, in der Stadt, am Stammtisch, im Kindergarten, in der Schule, in Vereinen, im Konfirmandenunterricht und natürlich in der Kirche sofort ins Gespräch kommen. Das Thema ist präsent. Besser und leichter geht es nicht, mit Menschen über den Sinn von Weihnachten zu diskutieren, die sich sonst darüber überhaupt keine Gedanken machen würden. Und genau das gehört doch zur Adventszeit: nachdenken, sich neu ausrichten, die Richtung überprüfen, Sinneswandel, neu anfangen. Früher nannte man es Buße. Wie gut, dass wir die Antwort weitersagen können, wo sich Weihnachten wirklich entscheidet.

Viel Spaß beim diskutieren, eine gesegnete Adventszeit und frohe Weihnachten wünscht Euch
Jörg

Verfasst von Gast am 8. Dezember 2011 - 21:16.

Nö,

sind wir nicht mehr, Kirche des Wortes, meine ich. Höchstens des Wortschwalls....

sind wir nicht mehr, Kirche des Wortes, meine ich. Höchstens des Wortschwalls. Siehe Plakat-Desaster rechts!

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