Integration - Vor einem Jahr erschien Sarrazins Bestseller "Deutschland schafft sich ab". Muslime würden sich in Deutschland kaum integrieren, so seine provokante und umstrittene These. Für einen Fernsehbeitrag besuchte Sarrazin jetzt Kreuzberg - und kam kaum zu Wort.
Mit dem Döner wurde es nichts. Auch der Spaziergang von Thilo Sarrazin über den türkischen Gemüsemarkt führte zu keinem Imbiss. Wenn sich der umstrittene Ex-Politiker und Bestseller-Autor begleitet von einem Fernsehteam in die Berliner Stadtteile Kreuzberg und Neukölln begibt, erhitzen sich die Gemüter. Schimpftiraden und Sprechchöre statt gegrillter Fleischlappen mit scharfer Sauce bestimmen das Bild. In einem türkischen Restaurant wird Sarrazin knapp ein Jahr nach Erscheinen seines Buches "Deutschland schafft sich ab" nicht bedient.
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Bitter beklagt sich der 66-jährige frühere Bundesbanker, der seinen Job wegen des Buches mit den höchst umstrittenen Integrationsthesen verlor, über Mobbing. Auslöser der aggressiven Stimmung ist ein geplanter Bericht des ZDF-Kulturmagazins "Aspekte", der Sarrazin beim Gespräch mit türkischstämmigen Menschen zeigen wollte - etwa auf dem sogenannten Türkenmarkt in Neukölln, der in jedem Reiseführer erwähnt wird. Mit dem Besitzer eines bekannten Restaurants und mit der liberalen alevitischen Gemeinde war lange zuvor ein Treffen verabredet.
"Benimm dich mal vernünftig"
Doch sobald Sarrazin auftaucht, eskaliert die Situation. In den Wortwechseln, die im Internet zu sehen sind, reden alle Beteiligten gründlich aneinander vorbei. Vor dem Restaurant "Hasir" im Herzen von Kreuzberg - laut Eigenreklame "einer der interessantesten und spannendsten Bezirke Berlins" - schreit ein Mann mit Sonnenbrille Sarrazin an: "Dieser Mann hat Menschen beleidigt. Sie laufen jetzt hier, das ist unglaublich. Du kannst hier nicht sein."
Sarrazin, der in seinem Buch die angeblich fehlende Integrationbereitschaft von Türken und Arabern kritisiert, fragt nach seiner Herkunft. Antwort: "Ich bin nicht deutscher Staatsbürger." Sarrazin: "Dann benimm dich mal vernünftig, du bist in einem anderen Land." Und: "Ich gehe dahin, wo ich will, und das bestimmen nicht Sie."
Der Deutsche Kulturrat beklagt die Inszenierung durch das Magazin. Ein solcher Eklat vor laufenden Kameras sei vorhersehbar gewesen. Der "Hasir"-Besitzer sagt die Gesprächs-Verabredung ab und will Sarrazin auch dessen angeblich ersten Döner nicht servieren, als vor dem Lokal Stammgäste zu Sprechchören ansetzen. Die verabredete Diskussion mit den Aleviten endet ebenfalls im Protest auf der Straße: "Hau ab, hau ab" und "Sarrazin muss weg aus Kreuzberg".
Sarrazin fühlt sich gemobbt
Die ZDF-Reporterin Güner Balci, die den Beitrag drehte ("Aspekte", 22. Juli, ZDF), sagte dpa: "Wir wollten ein ernsthaftes, tiefergehendes Gespräch zwischen Sarrazin und den Menschen, über die er in seinen Statistiken schreibt." Die schnelle Aggression sei nicht vorhersehbar gewesen. "Ich spüre bei den Brüllenden die Dankbarkeit für ein Gefühl, dass sich am besten leben lässt, wenn es einen Bösewicht gibt", schrieb sie in der "Berliner Morgenpost" (Samstag).
Der Kreuzberger SPD-Bildungsstadtrat Jan Stöß (SPD), ein ehemaliger Rechtsanwalt und Richter, verteidigt dagegen seine Kiezbewohner: "Wenn man provoziert, muss man sich nicht wundern. Dass es zu wütenden Reaktionen kommt, kann ich gut verstehen." Die "Nazis raus"- Rufe seien wohl eine "Fehleinschätzung", aber schließlich habe auch "Sarrazin selber jede Menge Fehleinschätzungen" geliefert.
Sarrazin fühlt sich "förmlich herausgemobbt" aus Kreuzberg. Bei zahllosen Lesungen und Diskussionen habe er seit dem August 2010 nicht so viel Ablehnung erlebt. Zu Kreuzberg hatte Sarrazin bisher kein enges Verhältnis. Besser dürfte sein Bild von Berlins Multi-Kulti-Vorzeigebezirk auch nicht geworden sein.
Kommentare
Zu diesem Thema schreibt die
Zu diesem Thema schreibt die FAZ:
"Sarrazin ist der Feind, das Symbol für das Deutschland der Rassisten. Wer sich mit ihm zeigt, ist beschmutzt. So haben es jene beschlossen, die glauben, die Deutungshoheit über den Ton auf den Straßen zu haben. Der Dreh muss schließlich abgebrochen werden, weil der Pöbel es so will. Der stolze Wirt darf seine Geschichte vom Aufstieg, vom Tellerwäscher zum Millionär, nicht erzählen und auch keine seiner Fragen stellen, auf die er sich sorgfältig vorbereitet hat. Und schon gar nicht darf er diese Gäste bewirten, sonst droht Boykott. Auch die Alevitische Gemeinde, die gern mit ihrer Offenheit kokettiert, gibt dem Druck nach.
Am Montag nun setzte der Deutsche Kulturrat dieser denunziatorischen Unkultur die Krone auf. Sein Geschäftsführer Olaf Zimmermann, dessen Pressemitteilungen Redaktionen jeden Tag nerven, unterstellte dem ZDF, es habe den Eklat, der Einschaltquoten wegen, inszeniert. Er faselt von Seriosität, die Schaden genommen habe, hält es aber nicht für nötig, mit den Autoren des Films zu reden, geschweige denn Balcis Bericht über die Säuberung des Diskurswesens zu lesen. Dass er die Presse- und Meinungsfreiheit mit Füßen tritt, ficht den Eiferer Zimmermann nicht an. Was kommt als Nächstes – Schwarze Listen und Zensur?"
Quelle: http://www.faz.net/artikel/C31013/eklat-um-sarrazin-film-freiheit-die-ic...
Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.
Wer die Totenruhe als Kirche
Wer die Totenruhe als Kirche nicht achtet sollte erstmal bei sich selbst anfangen.
Immer schön dabei, bei den Mächtigen...
Pfui Teufel.
Veto zu Elias1975 am 19. Juli 2011 - 12:40
Nehmen Sie zur Kenntnis, dass in Deutschland keine Bücher mehr verbrannt werden.
Sie werden bei vorliegenden und festgestellten Gründen durch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften indiziert oder durch dafür vorgesehene Institutionen aufgrund geltenden Rechts verboten.
Jemand der die Rede ergreift, wird mittels Argumenten in einer demokratischen Diskussion widerlegt oder bestätigt-im Falle Sarrazins würde ich Sarrazin gegenüber die Gegenrede führen. Aber "entfernt" wie zu längst vergangenen deutschen Zeiten wird hier niemand mehr, merken Sie sich das!
Demokratische Institution und Willensbildung mögen für Sie und Ihre Kreise ein Graus sein, aber so ist es. Und es ist gut so, dass es so ist-wenngleich auch nicht immer der "einfache" Weg.
Ihr "Hitler-Sarrazin" Vergleich ist weder ironisch, noch "hinkt" er-er ist einfach deplatziert. Sie sollten sich schämen für Ihren Post. Der Vorwurf, dass Menschen in Sarrazins Buch "reduziert" werden, fällt auf Sie persönlich zurück.
Das ist meine Meinung, obwohl ich mit Sarrazins Buch, was ich gelesen habe, nicht das geringste anfangen kann.
Oh je
Der Mann hat Nerven. Beleidigt, provoziert und reduziert Menschen auf Grund ihrer Religion und ihrer Herkunft und meint tatsächlich ungerecht behandelt worden zu sein?
Sie scheinen sein Buch nicht gelesen zu haben. Dazu beleidigt und reduziert er keine Menschen. Er stellt Fakten dar-zugegeben tut er dies nicht immer wissenschaftlich integer, wie man es von einem studierten Mann erwarten kann.
Menschen, die sich von seinem Buch "provoziert" fühlen, besitzen kein Faktenwissen für die Gegenrede. Sich provoziert fühlen und den pseudo-Beleidigten spielen, ist etwas für intellektuell minderbemittelte bzw. für Menschen, die aufgrund des Fehls von eigener harter Arbeit kein Gegenargument liefern können.
BTW: hart arbeitende, integrierte Muslime bzw. Migranten fühlten sich durch sein Buch nicht provoziert, sie verwiesen lächelnd auf ihre Lebensleistungen, wenn sie gefragt wurden bzw. wurden von Sarrazin auch gar nicht angesprochen.
Sorry, aber die Schriften dieses Mannes gehören verbrannt und dieser Schreibtischtäter raus aus der Öffentlichkeit.
Tja, Extremisten bedienten sich schon immer gern der gleichen Methoden anstatt unideologisch, faktennah zu diskutieren.
Ich erlebte das selbst, als die FDJ wie die SA in die Unis kam und "bürgerliche" Professoren niederbrüllte und ihre Hochschul-Schriften während der Vorlesungen verbrannten.
Wenn Sie meinen, nicht über sein Buch diskutieren zu können, es anstatt verbrennen zu müssen, dann disqualifizieren Sie sich in einer Art und Weise, wie sie von unserer FDGO nicht für gut geheißen wird.
Sarrazin glaubt an nichts außer an seinen Götzen Mammon. Nichts ist ihm wichtiger! Dafür geht er bustäblich über Leichen. Seine Propaganda wird Menschen beinflussen einander schlimmes anzutun.
Aha, da kommen wir doch noch ein Stück dem näher, woher bei Ihnen der Wind weht...Sie haben vergessen, dass er Teil der Großbourgeoisie ist. Ich will gar nicht wissen, was so glänzendes Sie in Ihrem Lebenslauf aufzuweisen haben, dass Sie sich solch ein Urteil anmaßen. Ich teile Ihnen lediglich mit, dass es eine Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften gibt, die Bücher indizieren kann der Bundesinnenminister ein Buch auf den Index setzen kann, genauso wie es das BVerfG vorschreiben kann dies zu tun und die Generalbundesanwältin empfehlen.
Nichts dergleichen geschah. Bliebe das Stilmittel der wissenschaftlichen, von mir aus auch polemisch-ideologischen Auseinandersetzung, letzteres scheint Ihnen ja eher zu liegen. Stattdessen rufen Sie "Verbot-Verbrennen-Sarrazin..." ja was mit ihm machen, fühlen Sie sich ruhig frei, dies hier zu Posten, was Sie und Ihresgleichen machen würden. In welche Tradition Sie sich belieben zu stellen wissen wir ja längst.
Der Herr möge Ihm seine verblendung nehmen und ihn von seinem Götzen erlösen.
Ah, der nächste Streich...Sarrazin, kein richtiger Christ...ist es nicht so? Wollten Sie uns das nicht mitteilen? Und Sie, Sie der Richter, der das final entscheidet? Predigttext letzten Sonntag war, man möge seinen eigenen Balken entfernen, bevor man bei anderen nach Splittern sucht-Sie scheinen nicht zu gehört zu haben.
"Sarrazin fühlt sich gemobbt". Das hätte Hitler auch behaupten können als der Rote Armee vor der Türe stand (auch wenn der Vergleich hinkt).
Der Vergleich rundet Ihren impertinenten und bornierten Post ab. Sie bezeichnen damit Sarrazin als Hitler und die von ihm kritisierten Migranten als Befreier Deutschlands. So muss man erstmal zu denken bereit sein, um solche Schlüsse ziehen zu können.
Um es klar mitzuteilen: Ich habe mit meinen Studenten Sarrazins Buch im Seminar nach Strich und Faden auseinandergenommen, was seine "Fakten" angeht, weil sie nicht valide genug sind und er lediglich ein Grundgefühl, wofür er aber wahrheitsgemäße Beispiele anführt, ausdrückt. Sein "Abstammungskapitel" hat er zurückgezogen, hier seine Fehler eingeräumt.
Die statistische Berechnung ist an Hand von Methoden durchgeführt wurden, wie sie die UNO benutzt, wofür die UNO aber auch -in meinen Augen zu Recht- wie Sarrazin kritisiert wird.
Kurz: Ich bin weder Freund des Buches, noch dessen Thesen und Schlüsse.
ABER: Solange ich lebe, wird ein Sarrazin so ein Buch schreiben dürfen. Ich weiß, dass das Sie und Ihresgleich nicht aufhalten wird. Aber ich will mir nicht noch einmal wie 1989 Versagen vorwerfen, auch wenn ich das hohe Lied eines Stasi-Opfers hätte singen dürfen.
Man muß mit der Analyse von Sarrazin nicht übereinstimmen
man muß aber auch den Kreuzberger Mob nicht gut finden. Kontroverse Debatten gehören zu einem demokratischen gemeinwesen einfach dazu, das muß man aushalten. Andersdenkende mundtot zu machen, sie nieder schreien oder unflätig beleidigen scheint aber oft einfacher, als die mühsame inhaltliche Auseinandersetzung mit den fremden und/oder unerwünschten Gedanken.
"....die Schriften dieses Mannes gehören verbrannt.." schreiben Sie.
Bedenken Sie aber bitte, daß da, wo Bücher verbrannt werden, auch die dazugehörigen Autoren verbrannt werden und die Gefängnisse ganz besonders groß und die Freiheit besonders klein ist.
In einem freiheitlichen Gemeinwesen gilt das Recht auf freie Rede und zwar für alle. Daneben gibt es aber auch die Pflicht für jeden, die freie Rede des Andersdenkenden zu verteidigen.
"Mögen mir deine Worte mißfallen, ich werde bis zum Tode dein Recht verteidigen, sie auszusprechen", sagt Voltaire.
Dem ist nichts hinzuzufügen.
Eigentor mit Anlauf
Wer andere pauschal als "Möchtegern-Nazi" verunglimpft ist meist selbst einer-egal ob braun oder rot lackiert.
Außerdem haben Sie sein Buch nicht gelesen? Sie sind doch als demokratischer Diskutant nicht wertbar, Ihre Worte nicht ernst zu nehmen und Ihre Arroganz aufgrund fehlenden Unterbaus unangebracht.
Stimmt
in bestimmten Kreisen liegt die Hemmschwelle gering, man denke nur an die brennenden Asylbewerber-Heime, angezündet durch Deutsche und da war nicht mal jemand, der sie beleidigt hat.
Allerdings halte ich es für sehr gewagt, ein zu-Tode-Treten "wahrscheinlich" ins Gespräch zu führen. Die Kreuzberger Situation hat ja auch gar nichts mit mißlungener In tegration auf beiden Seiten zu tun, wer hat denn schon seit Jahrzehnten Ausländer in Ghettos abgedrängt, nicht nur in Berlin. So einfach schwarz-weiß und erklärbar, wie es Sarrazin tut, ist es eben gar nicht. Insofern liegt er eben doch falsch, denn Interesse daran, dass sich etwas ändert, hat er ja wohl nicht. Nur über andere zu schreiben und so zu schreiben, dass es sich die Chancen nimmt, im Gespräch die anderen kennen zu lernen, das ist einfach platt und schwach. Und das ist das Schlimme und Gefährliche an ihm und seinem Buch. In einem Sprichwort heißt es: Urteile nie über einen Menschen, ehe du nicht eine Meile in seinen Schuhen gelaufen bist. Davon ist Sarrazin weit entfernt.
Na klar,
...Sarrazin ist an allem schuld !
In fünfzig Jahren steht in den Lehrbüchern der Margot-Kässmann-Gesamtschule, dass im Jahre 1923 ein österreichischer Migrant im Gefängnis "Deutschland schafft sich ab" gelesen hat und sich daraufhin selbst radikalisierte.
Was suchst du eigentlich auf
Was suchst du eigentlich auf ev. de?
Rettungslos abgehoben
"Wir wollten ein ernsthaftes, tiefergehendes Gespräch zwischen Sarrazin und den Menschen, über die er in seinen Statistiken schreibt." Die schnelle Aggression sei nicht vorhersehbar gewesen. "Ich spüre bei den Brüllenden die Dankbarkeit für ein Gefühl, dass sich am besten leben lässt, wenn es einen Bösewicht gibt", schrieb sie in der "Berliner Morgenpost".
Die Dame ist entweder naiv oder lebt im elfenbeinernen Turm der intellektuellen Parallelwelt. Hoffnungslos dumm.
Ich würde Sarrazin auch
Ich würde Sarrazin auch keinen Döner und auch sonst nichts verkaufen, und schon gar nicht "Gespräche" mit ihm führen. Was ist denn das für ein Gespräch, wenn jemand erst ein Buch schreibt und dann das Gespräch mit den Leuten sucht, über die er schreibt? Ein Deutscher, der noch nie einen Döner gegessen hat? Der will sich ernsthaft über die deutsche Kultur und den deutschen Alltag äußern? Es belibt dabei: Sarrazin ist ein extrem dummer, ekelhafter Bauernfänger, und die "Nazis raus"-Rufe finde ich auch nicht allzu übertrieben.
Ganz einfach
Von der Türkei war nicht die Rede in meinem Beitrag, es ist herzlich egal, ob Sie da schon waren und wie oft.
Wer durch Deutschland geht, sieht an jeder Ecke einen Dönerladen, der ganz offensichtlich bei alteingessenen Deutschen und Zuwanderern so beliebt ist, dass er Bratwurst & Co. fast ganz verdrängt hat. Wer das noch nie probiert hat (von Vegetarismus jetzt mal abgesehen) und noch nie in so einer Bude war, der hat sich nicht ernsthaft mit der heutigen deutschen Kultur auseinandergesetzt, und zwar der alltäglichen Esskultur. Mit der Türkei hat das erst einmal überhaupt nichts zu tun.
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